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Der Jüdische Arbeiter · 1930-08-15 · Heft 16 (15.8.1930) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 16 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. .r Uli-,- Der jüdische Arbeiter Die Berliner Tagungen. Die provisorische Tagesordnung für die am 24. d. M. in Berlin beginnende Session des zionistischen A.-C. ist soeben veröffentlicht worden. Dr. Weizmann wird das A.-C. mit einem Bericht über die politische Lage eröffnen, ein Palästina-Bericht von Dr. Ruppin wird folgen. Ein Mitglied der Palästina- Exekutive wird über Budget und Wirtschaftsangellegenheiten referieren, Ussischkin über den Kefen Kajemeth, Dr. Hantke über die Arbeit des Keren Hajessod1. Das A.-G. wird ferner in seiner Berliner Tajgung Zeit und Ort des 17. Kongresses festzusetzen 'haben. Die vom 29. August bis 3. September in Berlin stattfindende Sitzung des Administrative Committee der Jewish Agency wird der Präsident, Herr Felix M. Warburg, am Freitag, dem 29. August, 10.30 Uhr, eröffnen, darauf werden Dr. Weizmann und Dr. Ruppin berichten. Sodann sollen sofort die Kommissionsberatungen beginnen.-In der drittem Sitzung atm Sonntag, dem 31. August, morgens, wird Ussfisfchkin über die Bodenfrage, Dir. Oscar Wassermann über den Keren Hajessod und Dr. Werner Senator über Budget referieren. Eine neue Friedensaktion des Brith Schalom in Palästina. Verwirklichung einer Anregung Harry Snells. — Schaffung von Seminaren zum Studium Palästinas und zur Förderung der jüdisch-arabischen Freundschaft. Jerusalem, 8. August. (J. T. A.) Die palästinensisch-jüdische Friedensorgänisation Brith Schalom hat neuerdings Schritte zur Förderung des Friedens zwischen Arabern und Juden in Palästina ergriffen. In Verwirklichung der vom Unterhausmit- Iglied Harry Snell, Mitglied der Shaw-Kommission, igegebenen Anregung, in allen Städten und: Dörfern 'Palästinas, in denen Araber und Juden zusammen leben, binationale Komitees zur Förderung der gegenseitigen Achtung und Freundschaft zu bilden, hat der Britn Schalom beschlossen, Seminare zum Studium Palästinas, der jüdischen Kolonisation, der arabischen •Bodenkultur, der Fragen der Gesundheit und1 des Unterrichts, sowie der Frage, wie jüdische und arabische Selbstverwaltungs-Institutionen auf der Grundlage .einer binationalen Regierung entwickelt werden 'können, einzurichten. Ein Entwurf praktischer Maßnahmen zur Besserung der arabisch-jüdischen Beziehungen wird ausgearbeitet. Jüdische Kolonästen Sowjetruß* lands stehen an der Spitze der Brotlieferanten. Moskau, 8. August. (I. T. A.) Wie hier festgestellt wurde, haben 'die jüdischen Bauern der Rayone Eupatoria, Dzankoj lind Gh'erson ihre Getreidelieferuwgsquo.te um 25 Prozent überstiegen und stehen damit an der Spitze der staatlichen Brotlieferanten. Die Lage der jüdischen Gemeinden in Polen. Ein Memorandum der jüdischen Deputierten dem Unterrichtsminister überreicht. Warsch'au, 8. August. (J. T. A.) Der Klub der Deputierten und Senatoren des Jüdischen. Nationalrat h'at dem Unterrichtsminister ein Memoran- (dum über die Position der jüdischen Gemeinden in Zelte sind sehr groß. Es befinden sich in so einem Zelt drei Seiten, ein Tisch, Sesseln usw. Das Wohnen in den Zelten ist jetzt viel angenehmer als in den Zimmern, denn es ist hier in der Nacht viel kühler, was sehr wichtig ist, besonders bei Chamsin (ein heißer trockener Wind, der einen ganz matt macht). Verpflegung: Darüber kurz. Sie ist sehr gut. Es wird in keiner Plugah so gut gegessen wie bei uns. Wir sind daher auch als Schlemmer verrufen, Sie ist nicht nur gut sondern auch reichlich. Es kann ein jeder essen, soviel es ihm beliebt. Das kommt daher, daß wir sehr wenig Ausgaben haben, dürfte sich aber in kurzer Zeit aumören, denn wir bekommen einen eigenen Migrasch von lOODunam und da wird jeder Piaster hineingesteckt werden. Einstweilen müssen wir noch für die Wohnung Miete zahlen, und zwar zahlen wir zwei Pfund monatlich. Jetzt wünschst Du noch über das Zusammenleben in der Plugah etwas zu wissen. Da gibt es nicht viel zu berichten. Man macht meiner Ansicht nach, bei Euch viel zu viel Wesen, daraus. (Sehr richtig! — Die Red.) Unsere Beziehungen zueinander sind gute. Das gilt auch von unserem Verhältnis zu den alten Chawerim. Tarbuth: 1, Hebräischkurse. Wir lernen jeden Tag Hebräisch, außerdem lesen iclie Fortgeschrittenen jeden Tag den «Dawar», «Happel Hazair» usw., 2. Sichot innerhalb der Plugah, dann beteiligen wir uns an den Versammlunger» der Partei und der Bachruth sqztaUstit. In der Bachruth arbeiten einige Leute von uns sehr fleißig mit. Es ist ein sehr dankbares Arbeitsfeld, da .die Leute mit Leib und Seele bei der Sache sind. Wir beteiligen uns natürlich fast alle an den Turnübungen des Hapoel,..•■»■.. Polen überreicht, in welchem u. a. ausgeführt wird: Nach dem Wiedererstehen des polnischen Staates wurde ein Referat für! Angelegenheiten der jüdischen (Religion eingerichtet, .das von den Juden verwaltet wurde. Nach der Demission des Referenten Adelberg wurde ein jüdischer Nachfolger nicht ernannt, wobei der Direktor des Religionsdepartements erklärte, er wolle keine ,!,Ambassadore" der einzelnen Konfessionen in seinem Departement dulden. Diese Erklärung steht im Widerspruch zum Prinzip der Gleich- ^rechtigu!ng der jüdischen Religion. Das Unterjoch tsministeriulm erlaubt sich ferner, Budgetposten jüdischer Gemeinden für gewisse kulturelle, philantropische und Bildungszwecke der jüdischen Bevölkerung sowie für Zwecke der jüdischen1 Auswanderung nach Palästina zu streichen, was ebenfalls im Widerspruch' zur Verfassung, steht. Die Erziehung der Jugend ist eine direkte Pflicht der Gemeinden, und oa <die staatlichen und gemeindlichen Instanzen die jüdischen Kultur- und Bildungsinstitutionen ebensowenig stützen wie die jüdischen Institutionen für soziale Wohlfahrt, bleibt den jüdischen Gemeinden nichts iibrig, als solche Institutionen aus dem eigenen Budgets zu stützen. In das Staatsbudget wurde für die Gesamtbedürfnisse der jüdischen Religion die lächerlich' geringe Summe von 120.000 Zloty eingestellt. Während die Regierung für Emigrationszwecke der nichtjüdischen Bevölkerung bedeutende Summen ausgibt, wird für jüdische Emigrationszwecke kein Zloty altiBigegeben, dafür aber den jüdischen Gemeinden :untersa|gt, die Auswanderung nach' Palästina finanziell zu stützen.' Die Tätigkeit der jüdischen Gemeinden in den Ostgebieten Polens ist vollkommen lahmgelegt, weil die Regierung, damit zögert, eine Ausführungsverordnung zum Gemeindegesetz vom 14. Oktober 1927 zu erlassen; den Gemeinden ist auf diese Weise verwehrt, ihre Mitglieder zwangsweise zu besteuern. Eine Anzahl Gemeinden steht vor dem Bankerott. Da die Re'gierung; zögert, eine Wahlordnung für die Wahl von > Rabbinern herauszugeben, haben die Gemeinden keine Möglichkeit, vaklante 'Rabbinerposten zu besetzen. Die Regierung weigert sich' auch, längst fällige Wahlen zu den Verwaltungen der jüdischen Gemeinden in Kongreßpolen auszuschreiben; viele,Gemeindeverwaltungen sind bereits arbeitsunfähig, weil die Verwaltungsorgane fast unbesetzt sind. Der in dem Statut für die jüdischen Gemeinden vorgesehene religiöse Rat ist bis heute ^och nicht .geschaffen worden. In dem Memorandum wird die Regierung erstecht, den Bedürfnissen des jüdischen, Gemeinde- Debens in , Polen ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden und jene Störungen zu beseitigen, die die Entwicklung der Gemeinden hemmen und die Gemeinde- Hätigkeit lähmen. Unke Poale Zion kneift aus! Wie unseren Lesern bekannt ist, hat der Palästina- Kongreß der linken Poale-Zion beschlossen, daß sich die Partei am Allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina beteiligen werde. Optimisten unter uns haben diesen Beschluß als Symptom der Abkehr der linken Poale-Zion von ihrer bisherigen Passivität dem arbeitenden Erez Israel gegenüber gewertet: Die Partei hat ihnen aber nun eine Enttäuschung bereitet. Wie verlautet, soll die Linke Poale-Zion den Beschluß ihres Kongresses reassumiert haben und wird vom Kongreß fernbleiben. Die Parteiführung begründet den Beschluß damit, daß die Grundprinzipien des Kongresses in Widerspruch zu den politischen und sozialen Auffassungen der Partei stehen. Das ist natürlich eine faule Ausrede, denn es muß festgestellt werden, daß die Grundsätze, welche die Basis des Kongresses bilden, im Jänner 1929 von einer Konferenz der Histadrut mit den Stimmen der Vertreter der linken Poale-Zion beschlossen wurden. Der wahre Grund der Abstinenz der linken Poale-Zion ist einfach, daß die Partei weiß, daß es in der rauhen Luft der Wahlen kein Bluffen gibt: sie wissen, daß ihre Teilnahme an den Wahlen zum Kongreß ebenso ihre wahre Stärke offenbaren würde, wie jede Wahl in Palästina zeigt, daß die Partei im Lande kaum ein Prozent der Histadrut ausmacht! i, ~~«-— -~i Verständigung im täglichen Leben. Der arabische Schriftsteller Nazan Abu AI Seur hat der jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem eine arabiesch-wissenschaftliche Enzyklopädie zum Geschenk gemacht. Die Broschüre M. Smilanskys «Die jüdische Kolonisation und der Fellache» erscheint demnächst in arabischer Uebersetzung, Zum ersten Male in der arabischen Geschichte in Palästina haben sich kürzlich Delegierte der Effendis mit Jüdinnen, Mitgliedern der Frauenwirtschaft in Nes Zionah an einer Delegation beim Gouverneur beteiligt. E-j hat sich um die Frage des Chausseebaues gehandelt. Bei der amerikanischen PUanzungsgesellschaft Dworez—Wechsler ist wegen Lohndifferenzen ein Streik ausgebrochen. Der Verwalter hat hierauf arabische Arbeiter aufgenommen, welche sich aber, als sie den Sachverhalt erkannten, geweigert haben, Streikbrecherdienste zu leisten! Der arabische Dichter Nezav Abo hat eineri vöft jaden und Arabern stark besuchten Vortag über die in ar*4 bischer Sprache verfaßte jüdische Dichtung des 13. Ja&r hunderts gehaltert.? Nachdem die jüdische Bevölkerung von Tel-Adasch die arabischen Nachbarn anläßlich der Eröffnung der Volksschule feierlich empfangen hat, haben sich die Ära* ber des Dorfes Deboriah mit einer Einladung revanchiert die Juden haben an einer arabischen Hochzeit in dem am Fuße des Berges Tabor liegenden Dorfe teilgenommen Auch das arabisch-christliche Dorf Bejt Dschele bei Bejt Lechan hat jüdische Arbeiter zu einem Besuch eirtge laden. Acht Genossen haben diese Einladung angenom inen; sie haben eineri ganzen Tag als Gäste der Araber in freundschaftlicher Unterhaltung mit diesen verbracht, Die Araber haben ihren Gästen alle Institutionen des Dorfes, die Werkzeuge, deren sie sich bedienen gezeigt Beim Abschied haben die Araber ihre jüdischen Freunde eingeladen, die heißen Sommertage mit ihren Familien in ihren Gärten zu verbringen. Aus unserer Weltbewegung. Wahlsiege unserer Polnischen Bruderpartei. Bei den Gemeindewahlen in Stolipce hat die Poale Zion von 850 jüdischen Stimmen 204 Stimmen und e i n Mandat erobert. Die restlichen drei Mandate erhielten: der nationale Block (Allgemeine Zionisten, Hitachdut, «unparteiische» Zionisten), Bund und die Agudah. Die Handwerkerpärtei ist leer ausgegangen. Auch in Bialorov hat die Liste unserer Bruderpartei einen großen Erfolg gehabt: die Zahl der Stimmen hat sich um 100 Prozent vergrößert. Leider ist dem Berich unsere neue Mandatzahi nicht zu entnehmen. Amerika. Die Poale Zion in USA. bereitet für den Herbst ^roße Veranstaltungen anläßlich des 25jährigen Parteijubi läums vor. Am 29. August findet der Kongreß unserer amerikanischen Jugendorganisation statt. Aus diesem Anlaß wird ein poale-zionistisches Handbuch in jiddischer Sprache erscheinen, das folgende Wissensgebiete enthal ten v/ird: Zionismus, Sozialismus, Poale Zion (Theorie und Geschichte), Jüdische Geschichte und Geschichte der Arbeiterbewegung, Biographien und jüdische und proletarische Feste. Zeitschriftenschau. Die sozialistischen Monatshefte (Juli) kommen in fhrer ausgezeichneten Rundschau zweimal auf jüdische Fragen zurück. In der von Meta Corssen geleiteten Uebe sieht über die Frauenbewegung wird die Stellung der Frau in dem zionistischen Gemeinwesen in Palästina dargestellt (Jüdische Frau, S. 691). Im Abschnitt «Außenkolonisation» setzt sich der alte Freund des Zionismus, Gen Herman Kranold mit dem Shaw-Bericht auseinander. Kranold kommt zu folgendem Schluß: «Für Kenner der palästinensischen Verhältnisse kann gar keine Rede davon, sein, daß Palästina nicht für noch größere Massen von Einwanderern aufnahmefähig wäre, ohne daß deshalb ein landloses arabisches Proletariat geschaffen werden müßte Die palästinensischen kulturfähigen Böden haben kaum geringeren Umfang als diejenigen Aegyptens. Die Kraft der Sonne ist ebenso groß md rut Wasser isi es eher reichlicher versehendes ist schlechthin nicht einzusehen warum unter diesen Umstanden Aegypten 15 Millionen Menschen tragen kann, Palästina aber schon bei knapp einer Million als übervölkert angesehen werden muß.» Entrichtet die Ii/afalsteuer (50 g) für den allwelflidien Kongreß für das arbeitende Lebensversicherungs* Gesellschaft Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Versicherungsbestand per Mitte 1930: ö 2,450.000.000*- Qarantlemittel Ende 1929: S 300,000,000*- Hrämlen-und Zinsen einnahmen im Jahre 1929- H i2*,000.000 — Auszahlungen an die Versicherten im Jäh« e 1929: 8 30 SOO.OOO — TÄTIGKEITSGEBIET; Oeslerreich, Deutsches Reich, Prankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, (fechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugcslavien, Bulgarien, Griechenland. Türkel.Aegypten, Palästina, Pensions-Versicherung N-2U' m'* Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55„ 60. oder 65. Lebensjahr oder bei frühe* er BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unverfallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs * Aktien* Gesellschaft frfliier PENSION^ VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. | Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortl, Redakteur: Markus Lachs, Angesteliter, Wien, II., Gr. Sperlgasse 19. — Druck: «Adria», Wien, II., Taborstraße M*-

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