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Der Jüdische Arbeiter · 1930-08-15 · Heft 16 (15.8.1930) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 16 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2. Der jüdische Arbeiter Interesse liegendes Projekt in Gefahr ist, durch das Privateigentum eines individütims verhindert tu werden, wird es keineswegs nicht aufgegeben: das Gründung-Freiheitsrecht, das die Unverletzlichkeit des Privateigentums statuiert, wird in solchen Fallen suspendiert. Würden die Rothäute in Amerika, weil sie die Ureinwohner sind, das Recht haben, die Evakuierung der weißen Bevölkerung von Chikago, New York oder Boston zu verlangen? Die Fanatiker können leicht zu Utopisten werden, und nicht mit ihren Augen haben wir Nichtjuden des Okzidents das zionistische Werk zu betrachten. Die Judenfrage war und ist eine Weltfrage, sie ist im wesentlichen das Produkt der schweren Verfolgungen, unter welchen die Juden seitens der Nichtjuden zu leiden haben. Der Antisemitismus ist tatsächlich meistens die Bejahung der schlechten' Seite urid Verneinung der guten Seite des Nationalismus. Die Tatsache, daß das Judentum heimlos ist, hat das Problem noch schwieriger gestaltet, und die durch den großen Krieg herbeigeführte Umwälzung schien den nichtjüdischen Völkern die Gelegenheit zu bieten, ihre Schuld durch Mitwirkung an der Schaffung der Heimstätte des jüdischen Volkes, an seiner Rückkehr in sein Vaterland, die das unzerstörbare Ideal der Tradition dieses , Volkes ist, abzutragen. Das Ottomanisdhe Königreich, zu dessen Staatsgebiet Palästina gehört hat, war in Auflösung begriffen. Seine Liquidation war schon längst fällig, und wäre schon viel früher bereinigt, wenn es so etwas wie eine europäische oder christliche Einheit gegeben hätte. Von den drei Religionen: — Juden, Christen und Mohämedänern die mit Palästina durch ihre religiösen Traditionen verbunden sind, waren die beiden am stärksten Interessierten, die Juden und Christen darin einig, daß die Vertreter der Christenheit geneigt sind, den Zionismus als Beitrag zur Regelung ihrer jahrhundertlanger Konflikte zu betrachten. Die mohamedänische Tradition hat anderswo ihr Zentrum : Jerusalem ist nicht die Haüßtstatit des Islams. Es ist das Mekka der Juden. Diesem ewigen Wandervolk einen Zufluchtsort, ein geistiges Heim zu geben, einem Ort, wo es seine schöpferischen Kräfte entwickeln kann, das ist die geringste Kompensation, die die nichtjüdische Welt dem Judentum gewähren kann. Die Juden hatten kein Recht, von den Arabern materielle Opfer zu fordenrt (und sie haben solche auch nicht gefordert. Die ökonomische Situation der gesamten arabischen Bevölkerung ist durch die zionistische Kolonisation nicht schlechter geworden; im Gegenteil ..... sie wurde in höchstem Grade gebessert. Man kann nicht einmal sagen, daß mau von den Arabern verlangt hat, sie mögen ihr unzivilisiertes Nomadenleben aufgeben. Denn der Teil' der Einöde, den die Juden wieder fruchtbar machen-wollen, ist nur ein geringfügiger Teil der Wüstenei, in der die Beduinen ihr Nomadendasein ungestört führen können. Die Juden fordern für ihr nationales; Heim nicht die Unabhängigkeit, das heißt das Recht, sSich selbst zu regieren. Sie fordern eine unparteiische Regierung, unter welcher, sie ihre Gemeinschaft, ihre spezifischen Eigenschaften und kulturellen Traditionen an der Seite der übrigen' Bewohner des Landes entwickeln können. Die Palästinaregierung soll weder britisch, noch jüdisch oder arabisch sein; sie soll international und unparteiisch1 sein. Es wäre nicht das geringste Verdienst des palästinensischen Mandats, wenn es ein Regierungssystem hervorbringen würde, das überall dort anwendbar wäre, wo mehrere Kulturgemeinschaften auf gemeinsamem Territorium siedeln. Wir haben in der Vergangenheit oft von der Verantwortung, die wir vor der Welt zu tragen haben, gesprochen. Aber noch niemals hatte ein Volk eine solche ehrenvolle Aufgabe zu erfüllen, und der Schiedsrichter zwischen drei großen Religionen zu sein! Der all weltliehe Sitzung des sozialistische Komitees für arbeitende Palästina. Am 1. August fand in Brüssel eine Sitzung des Komitees unter Vorsitz des Gen. Vandervelde statt. Gen. Jahrblum erstattete das Referat über die Liga im Zionismus und über den kommenden Berliner Kongreß. Es wurde, einstimmig beschlossen, den Kongreß zu beschikken, und zwar wird der belgische Abgeordnete Gen. Pierrard mit der Vertretung betraut. . Am 27. September wird in Berlin der Allweltliche Kongreß für das arbeitende Palästina eröffnet werden. Das Zentralbüro, das von der Histadruth in Erez Israel dazu berufen worden ist, den Kongreß zu organisieren,' Hat den Termin für den Beginn des Kongresses nun endgültig bestimmt. Der Kongreß wird am Sonnabend, den 27. September, in Berlin eröffnet werden. Trotzdem die Vorbereitungszeit für den Kongreß sehr kurz ist, mußte doch dieser frühe Termin angesetzt werden, um-es zu ermöglichen, daß Palästina und Amerika durch eine große Anzahl direkter Delegierter auf dem Kongreß vertreten sein kann. Zu einem späteren Termin hätte dies, aber nicht der Fall sein können. Es ist auch notwendig, daß schon im Oktober in den verschiedensten Ländern die intensive tagtägliche Arbeit der Ligen für das arbeitende Palästina .unter Beteiligung aller führenden Kräfte beginnt. Bei der Festsetzung des Zeitpunktes des Kongresses mußte man auch darauf achten, es führenden sozialistischen Parlamentsmitgliedern zu ermöglichen, persönlich anwesend zu sein. Berlin als Kongreßort wurde wegen der bequemen geographischen Lage gewählt, was besonders wichtig für die starke Beteiligung der osteuropäischen Länder am Kongreß ist. In den meisten Ländern werden schon jetzt die Karten zum Allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina verbreitet Der AKfdaP. wird jetzt von Tag zu Tag mehr die populärste ^Losung der jüdischen arbeitenden Massen, der jüdischen Jugend und der fortschrittlichen Teile der jüdischen Gesellschaft, aller Länder. Die Kongreßkarten werden von den zehntausenden Freunden und mit der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas Sympathisierenden in der Diaspora verbreitet. Bis jetzt hat das Zentralbüro des Kongresses in folgenden Ländern Karten verschickt: Polen, inklusive Galizien 20.000, Rumänien (Bessarabien, Bukowina, Altrumänien) 20.000, Tschechoslowakei 5500, Deutschland 5000, Litauen 500Q, Bulgarien 4000, Lettland 4000, Argentinien 2000, Belgien 1500, Frankreich loOO, Oester- Kongreß für das Palästina. reich 1300, außerdem noch an England, Mexiko, Südafrika u. a. In allen Ländern ist die Arbeit tatkräftig im Gange und der Gedanke des allweltlichen Kongreßes für das arbeitende Palästina dringt in weite Kreise.; Eine imposante Delegation aus Amerika zum all weit-! liehen Kongreß für das arbeitende Palästina.! Das nordameiikanische nationale Arbeiterkomitee für die organisierte jüdische Arbeiterschaft Palästinas hat schon seine Delegation zum Allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina gewählt. In die Delegation werden u. a. eintreten die Chawerim Fineston, Generalsekretär der jüdischen Gewerkschaften in Amerika, Hiplakow, i Mitbegründer der jüdisch-sozialistischen Bewegung in I Amerika, früherer sozialistischer Abgeordneter in der! Newyorker Stadtverwaltung und ehemaliger Sekretär der sozialistischen Partei in Newycrk, Sekretär der Capmaker-Union und Präsident der Gewerkschaftskampagne, ferner Josef Schloßberg, langjähriger Führer der größten jüdischen Konfektionsgewerkschaft in Amerika, Meir Braun, Präsident des jüdischen nationalen Arbeiterverj bandes, bekannter Poale-Zion-Führer; dann Chaim i Grünberg, hervorragender Redner und Joun.aÜst. Führer j der «Hitachduth», A. Hemlin, Generalsekretär des Nationalen Arbeiterkomitees der organisierten jüdischen Arbeiter in Amerika, eine der aktivsten und populärsten Gestalten der Freunde des arbeitenden Palästina in Amerika. ä Wie bekannt, kommt die Delegation aus Amerika zum Aliweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina im Namen des Nationalen Arbeiterkomitees, welches eine Viertelmillion organisierte jüdische Arbeiter in Amerika umfaßt. Die amerikanische Delegation zum Kongreß für das arbeitende Palästina fährt nach Palästina. Im Namen des amerikanischen Nationalen Arbeiterkomitees für die organisierten jüdischen Arbeiter Palästinas wird sich eine sehr repräsentative Delegation am Allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina, der am 27. September in Berlin eröffnet wird, beteiligen. Die amerikanische Delegation wird noch vor dein Kongreß Palästina besuchen. Die hervorragenden jüdischen Arbeiterführer Amerikas reisen ab 1. August nach Palästina ab .In Palästina wird diese Pelegation der jüdischen Sozialisten ungefähr einen Monat bleiben und alle wichtigen Punkte und Einrichtungen im Lande besuchen. Von Palästina aus fährt die Delegation direkt nach Berlin zum Allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina. Die Histadruth in Erez Israel, deren Gäste die führenden jüdischen Sozialisten sein werden, hat die Nachricht von dem Besuch der Genossen aus Amerika mit großer Freude aufgenommen. Für den Allweltlicheii Kon* greß wird es ohne Zweiel von großem Wert sein, wenn außer den palästinensischen Chawerim auch die amerikanische Delegation die neuesten Grüße von unserem Palästinawerk bringen kann, nachdem sie sich an Ort und Stelle mit den brennendsten Problemen unserer Ar- Jt bekanntgemacht hat. Argentinien wird auf dem Allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina durch eine eigene Delegation vertreten sein. Selten wird Südamerika bei einer allweltlichen Konferenz, oder sogar einem Kongreß, durch eine eigene Delegation der aktiven Führer des Landes, die im Lande leben und tätig sind, vertreten. Wegen der großen Entfernung von Europa muß sich Südamerika meistens damit begnügen, seine Mandate europäischen Freunden zu übertragen oder einem Beauftragten, der zufällig einige Zeit in Südamerika verbracht hat. , In Anbetracht des außerordentlichen Interesses für den Allweltlichen Kongreß, der am 27. September in Berlin eröffnet wird, wie auch seiner ungeheuren Bedeutung für die weitere Entwicklung der Bewegung, ist von den Freunden des arbeitenden Palästina in Argentinien diesmal die Frage der Entsendung einer direkten Delegation zum Kongreß zur Erörterung gestellt yorden. Die Entscheidung war positiv. In die Delegation wird auch der bekannte Arbeiterführer und Mitredakteur der Tageszeitung in Buenos-Aires «Jüdische Zeitung», Genosse M. Regalski, eintreten. Lebhafte Vorbereitungsarbeit für den Allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina in Rumänien. In Rumänien besteht noch keine aktiv tätige Liga für das arbeitende Palästina, es hat auch bis jetzt mich keine Landeskonferenz für das arbeitende Palästina stattgefunden, die die. Freunde der palästinensischen Arbeiterschaft (der Histadruth in Palästina) gesammelt und zusammengeschlossen hätte. In den Kreisen der palästinensischen Arbeiterschaft war man deshalb um die Vorbereitungsarbeit für den Allweltlichen Kongresse für das arbeitende Palästina in dieser großen jüdischen Gemein-;chaft etwas besorgt. Die Genossen und Freunde des arbeitenden Palästina i Rumänien haben aber sofort nach der Bekanntgabe des Kongresses seine ungeheure historische Bedeutung Gegriffen. In Kischinew, Bukarest und Czernowitz sind besondere Komitees, die alle Parteien und Gruppen der Freunde des arbeitenden Palästina umfassen, gebildet worden, um die Vorbereitungßarbeiten für den Kongreß, den die Histadruth einberuft, in Bessarabien, Altrumänien und der Bukovina durchzuführen. In Kischinew wird das Komitee eine eigene Zeitung herausgeben. Es wurden bereits 20.000 Kongreßkarren beim Zentralbüro bestellt und alle Vorbereitungsarbeiten werden energisch betrieben. In Polen bereittet man sich auf eine Verbreitung von 100.000 Karten für den All weltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina vor. Die Liga für das arbeitende Palästina in Polen hat die Vorbereitungsarbeiten für den Allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina in Angriff genommen. Das Zentralkomitee der Liga in Warschau hat mehrere Sitzungen abgehalten und einen genauen Arbeitsplan ausgearbeitet. In dieser größten jüdischen Gemeinschaft in Europa wird die Kongreßaktion einen besonderen Massencharakter haben müssen. Das Zentralkomitee der Liga hat beschlossen, für die Ideen der palästinensischen Arbeiterschaft anläßlich des Kongresses Zehntausende .euer Freunde zu sammeln. Das Zentralkomitee der Liga hat die Losung einer Verbreitung von 100.000 Kongreßkarten in Polen herausgegeben. Die Genossen hoffen, daß diese Losung durch Anstrengung aller Kräfte der Freunde des arbeitenden Palästina wird verwirklicht werden können. Die Arbeit ist bereits tatkräftig in Angriff genommen worden und ihre Durchführung verspricht erfolgreich zu werden. Eine Landeskonferenz für das arbeitende Palästina in Lettland wird die Delegierten für den All weltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina wählen. Das Zentralkomitee der Liga für das arbeitende Palästina in Lettland ist reorganisiert worden im Zusammenhang mit den großen Vorbereitungsarbeiten für den Allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina. An diesen wichtigen Arbeiten beteiligen sich alle Kreise der Liga für das arbeitende Palästina. In Lettland sollen zirka 4000 Kongreßkarten verbreitet werden. Noch vor dem Allweltlichen Kongreß, etwa Ende August, wird in Riga eine lettländische Konferenz für das arbeitende Palästina stattfinden. Diese Konferenz wird über die zukünftige Arbeit der lettländischen Liga beraten, sowie über die Zusammensetzung der Delegation für den Allweltlichen Kongreß. Die Delegierten für die lettländische Landeskonferenz werden auf Grund der Zahl der verbreiteten Kongreßkarten gewählt werden. In der Rigaer Tageszeitung «Frühmorgens» erscheinen laufende Notizen und Meldungen über den Allweltlichen Kongreß. Das Zentralkomitee der lettländischen Liga hat vinen besonderen, sehr wirkungsvollen Aufruf veröffent'icht. Bulgarien. In Sofia haben die, OrganisationenPoale-ZkMi, Scho-, mer, die Lehrer~Örganisäti6n und die .Jugendgruppe Nes Ziona eine Liga fürs arbeitende Palästina begründet, die die Arbeit für den Kongreß in Angriff genommen hat.

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