Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- Heft 15 (1.8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Arbeitet Seite 3. Für jeden Sparer die «Mttt der Gemeinde Wien I.. Wiiliiwisl* 8 Die Gemeinde Wien haftet mit ihrem gesamten Vermögen für alle Einlagen in der Zen- - - - - tratsparkasse jehudah Saron Bamaria Galiläa Die Gliederung der Arbeitnehmer in den Kolonien nach dem Geschlecht und die Veränderung, die in dieser Hinsicht festzustellen ist, ist aus der folgenden Ta belle ersichtlich: . 1926 1930 ' Zuwachs Männ. Frauen Männ. Frauen Männ. Frauen 2170 627 3529 925 62.6 47.5 292 43 989 168 238.6 290.7 214 1002 1414 288 41.0 34.6 38 107 366 69 85.8 81.6 Wir finden in dieser Tabelle das oben Gesagte bestätigt:* das Ansteigen der Zahl der weiblichen Arbeit nehm er geht langsamer vor sich als die Steigerung der Zahl der männlichen Arbeitnehmerzahl. Eine Ausnahme bildet Saron. Das ist aber so zu erklären, daß im Jahre 1926 in Saron der Prozentsatz der weiblichen Arbeitnehmer kleiner war, als in den übrigen Provinzen — befanden sich doch damals die Kolonien in Saron in ihrer Gründungszeit — und in der Zwischenzeit wurden die Un terschiede ausgeglichen. Wir wollen nun mehr auch die Zahl der am Tage der Zählung in den jüdischen Kolonien beschäftigten arabischen Arbeiter untersuchen. Allerdings fanden Zählungen nur an jenen Orten statt, d i e n i c h t a u s s c h 1 i e ßlieh arabische sondern auch jüdische Arbeiter beschäftigen. Eine 'Ausnahme bilden Sichron Jakob, Meir Sphijah und Bat' Schlomo, wo alle Arbeiter arabischer Herkunft sind. So wurde festgestellt, daß in den jüdischen Kolonien 3874 arabische Arbeiter beschäftigt sind, davon sind 3105 Männer, 677 Frauen, 92 Kinder. In Jehudah arbeiteten in den jüdischen Kolonien 2595 Araber, in Samaria 1194, im Gallil befanden sich-: in den gemischten Betrieben 29 arabische Arbeiter. Die Erklärung für diese Zahl fliegt darin, daß in der Mehrheit der Orte n ur arabische Arbeiter beschäftigt sind und sie deshalb nicht in den Rahmen der Zählung fielen. In, Saron wurden 56 arabische Arbeiter gezählt. Es scheint keine Uebertreibung zu sein, wenn wir die 0 e s a m t z a h 1 der in den jüdischen Kolonien beschäftigten Araber mit 5000 'angeben. Und wenn wir in Rechnung ziehen, daß diese Araber ausschließlich in der Landwirtschaft arbeiten, daß die Zahl der jüdischen Landarbel. ter 4982 beträgt, können wir die Behauptung aufstellen, daß die jüdische Landwirtschaft in den Kolonien heute J0.000 Arbeiter, zur einen Hälfte Juden, zur anderen Hälfte Araber, beschäftigt. Vom allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina. (Letzte Nachrichten.) Das Bureau des allweltlichen Kongresses für < arbeitende Palästina wurde in Berlin eröffnet. Die Leitung hat Gen. Neustadt übernommen. Das Bureau hat 150.000 Wahlkarten verschickt, die in allen Ländern verkauft werden. Der Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes Gen. Saßenbach hat die Einladung zum Kongreß angenommen. Das eine V ie rt e 1 m i 11 i o n jüdischer A r b e i t e r umfassende nordamerikanische nationale Arbei terkomitee für das "arbeitende Palästina hat die Veranstaltung des Kongresses begrüßt und dem Bureau seine Unterstützung zugesagt Die Histadrut gegen den Irgun Meschutav. Der Landesrat der jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas hat zur Frage der Organisierung der arabischen Arbeiter die folgende Resolution angenommen: 1. Der Landesrat der jüdischen Arbeiterorganisation betrachtet es als die proletarische Pflicht der jüdischen 'Arbeiterschaft Palästinas, die arabischen Arbeiter zum Kampf um eit^n höheres Lebensniveau zu organisieren. Der Landrat ist überzeugt ,daß jeder Fortschritt auf diesem Gebiet den Daseinskampf der jüdischenArbeiterschaft und der auf jüdischer Arbeit aufgebauten jüdischen Wirtschaft erleichtern wird. 2. Gleichzeitig stellt der Landrat seine negative Stellung zu jenen Plänen der gemeinsamen Organisation der jüdischen und arabischen Arbeiter, die geeignet sind, die besondere jüdische Organisation zu untergraben, und den besonderen Kampf der jüdischen Arbeiter für ihre Ziele innerhalb des Jischuw und des jüdischen Volkes abzuschwächen. Der Landrat verwirft den Plan, die allgemeine jüdische Arbeiterorganisation in eine internationale zu verwandeln, und hält an den Beschlüssen der dritten Konferenz^der Flistadrut fest, die die Vervollkommnung der Organisation der Arbeiterschaft im Lande durch Schaffung eines internationalen Verbandes, der auf nationalen Sektionen aufgebaut ist, proklamieren. 3. Der Ländrat verpflichtet die Exekutive der Histadruth, die Organisationsarbeit unter den arabischen Arbei tern zu verstärken und fordert sie auf, folgende dringende Schritte zu. unternehmen: a) Errichtung von arabischen Gewerkschaften; b) Ernennung einer Kommission zur Erforschung der Lage der arabischen Arbeiter und Bauern c) Errichtung von gemeinsamen Klubs jüdischer und arabischer Arbeiter; d) Errichtung ^yon Hebräisch-Kursen für Araber und Arabisch-Kursen für' jüdische Arbeiter; e) in Verbindung zu treten mit den arabischen Arbeiterorgani Bationen im In- und Ausland. Die Rede Rubaschovs am internationalen Gewerkschaftskongreß in Stockholm. «Dem außerordentlich lehrreichen, wenn auch kurz gefaßten Referat des Gen. Sassenbach, erlaube ich mir den Bericht über die Gewerkschaftsbewegung eines Landes beizufügen, das im letzten Jahre die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich gelenkt hat. Ich spreche im Namen der Gewerkschaftsbewegung Palästinas. Die Eigentümlichkeit unserer Gewerkschaftsbewegung, die die einzige im vorderen Orient ist, besteht darin, daß sie das unmittelbare Ergebnis jenes Kolonisationswerkes ist, das seit einigen Jahrzehnten errichtet wird. Sieg oder Untergang der jüdischen Kolonisation im Lande bedeutet daher Sieg oder Untergang der professionellen Arbeiterbewegung daselbst. Vor dem Beginn der Emigration aus Osteuropa nach Palästina gab es im Lande weder eine Gewerkschaftsbewegung noch die .wirtschaftlichen Voraussetzungen für das Entstehen derselben. Die landwirtschaftlichen Arbeiter der neuen Siedlungen, die 7-Jahre vor dem Ausbruch des Weitkrieges sich zu einem Verband zusammenschlössen, der damals einige hundert Mitglieder gezählt hat, haben den Kern der heutigen Gewerkschaftsbewer gung gebildet, die gegenwärtig die Landarbeiter, Lohnarbeiter oder'Genossenschafter, die Eisenbahner und Transportarbeiter, Industriearbeiter, Arbeiter des neuen Elektrizitätswerkes, Handelsangestellte usw. umfaßt. Die Gewerkschaftsbewegün,g5stand seit jeher in engster Verbindung mit der Genossenschaftsbewegung, und hat ihren Kampf einnerhalb eines Wirtschaftssystems ohne Arbeiterschutz und Arbeitergesetzgebung führen müssen. Dem türkischen Recht, das heute noch im Lande gilt, ist der Begriff des europäischen Arbeiterschutzes fremd; und wenn es uns gelungen ist, menschenwürdige Lebensbedingungen zu schaffen und in allen größeren Unternehmungen den Achtstundentag zu verwirklichen, dann verdanken wir das der Geschlossenheit der Arbeiterschaft und dem Charakter der Kolonisation. Kein sozialer Erfolg der Arbeiterschaft aber ist im Gesetze verankert. Und es gibt noch große Teile der Bevölkerung, ganz besonders gilt dies für die .arabische Arbeiterbevölkerung, die in den arabischen Unternehmungen auf dem Dorfe arbeitet, die nicht in den Anwendungsbereich des Arbeiterschutzes fällt. Noch gehen Frauen und Kinder zur Feldarbeit, ohne jeglichen Schutz, ohne Jegliche rechtliche Regelung der Frauen- und Kinderarbeit; Noch herrschen da Elend, Sklaverei und Armut." Die Kluft, die zwischen den Bedürfnissen der eingewanderten, gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft und der arabischen Arbeiter besteht, gehört zu den ungesundesten Bedingungen des Landes; Diese Kluft zu überbrücken, den gesetzlichen Arbeiterschutz auf die gesamte arbeitende Bevölkerung des Landes ohne Unterschied der Nationalität und der Abstammung zu erweitern, ist -die Voraussetzung, jeder Entwicklung des Landes, und ist die für uns, für die organisierte Arbeiterschaft in Palästina und für die ganze jüdische Arbeiterbewegung der Welt, die sich mit Palästina verbunden fühlt, ein Tag dreifacher Freude gewesen: in dem Sieg sehen wir und haben wir die sichere Garantie der Verwirklichung unserer Aufgaben im Lande gesehen. Und ihr werdet es, Genossen, sicher begreifen, wie schmerzlich wir es empfinden mußten, daß wir im System der Kolonialbürokratie umsonst Spüren des Geistes der Arbeiterschaft suchen mußten. Wir sind aber auch heute wie früher fest in der sicheren Hoffnung, daß der Bund der jüdischen Arbeiter und der arabischen Massen, gestützt und geschützt durch die regierende Arbeiterklasse in England, getragen vom Geist der Sympathie der Arbeiterklasse der ganzen Welt — der Bund der Zukunftskräfte es sein wird, der das Land seinem neuen Leben entgegenführen wird! Ein halbes Jahr Palästinaarbeiterfonds. Im abgelaufenen Halbjahr betrugen die Eingänge des P.-A.-F. 5692 Pfund, um 187 Pfund mehr als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Es haben aufgebracht:- die poalezionistische Frauenorganisation in Amerika 3666. Pfund, Polen 940 Pfund, Litauen 172,125 Pfund, Oesterreich 177 Pfund, Erez Israel 72 Pfund, Südafrika 49.50 Pfund, England 94 Pfund, Frankreich 67 Pfund, Mexiko 42 Pfund. Diese Länder haben in ihren Einnahmen eine Steigerung zu verzeichnen. Die Ausgaben gliedern sich in Investitionskredite an. Arbeiterwirtschaften (3706 Pfund) und Subventionen an den Hanoar haoved, Arbeitersportverband, das Kulturamt, die Jugendwerkstätten, . Eisenbahnerorganisationen, die Landarbeiterzeitung «Hasadeh» usw. usw. Von unserer polnischen Bruderorganisation. Unsere polnische Bruderpartei in Polen konnte kürzlich zwei schöne Siege feiern. In K o b r i n hat sie anläßlich der Gemeinderatswahlen 3 Mandate (+ 2) erobert. Der «Bund» ist leer ausgegangen, der linke Arbeiterblock hat 1 Mandat (—1) erhalten. In Iwie mußte die dortige Poale-Zion gegen einen Einheitsblock kämpfen, der die Organisationen der jüdischen Handwerker, Kaufleute, Kleinhändler, aber auch den «Bund» und die «Roten» uiut faßte. Wir haben 307 Stimmen erobert, die Klal-Jisroelr Liste 256 Stimmen. Von den drei jüdischen Gemeinderäten sind zwei Poale-Zionisten. j / In der Nähe von Warschau fand vom 23. Juni au ein Seminar unserer polnischen Jugendorganisation statt. Es wurden folgende Themen bearbeitet: Unsere Arbeit (Spreßman), Jiddischer Literatur (Gelman), Erziehungsfrag;n (Lohar), Polnische Arbeiterbewegung (Abg, Dibuja). Außerdem führen Dr. Forster und Gravitzky Kurse. Das Seminar ist außerordentlich gut besucht, es nehmen daran Genossen aus allen Teilen der polnischen Republik teil. Weniger erfreulich ist es, daß wie wir einem Aufruf entnehmen — das regelmäßige Erscheinen unseres Bruderorganes «Befreiung» im bishetigeiv Umfange aus finanziellen Gründen •gefährdet erscheint. Jüdische Kleinkunstbühne. Gastspiel von Rene und Pomaschenski, Ola Lilit und Godik Es sind keine neuen Namen. Boris Pomaschenski, der Nestor des jüdischen Theaters in Amerika, Frau Ruth Renee, eine Künstlerin, deren wohl klingende Stimme seit Jahren großes Aufsehen,erregt hat und das Pärchen Lilit- Godik, die Stars der Kleinkunstbühne «Asasel». Vater Pomaschenski möge uns nicht böse sein, wenn wir bei allem Respekt, bei aller Anerkennung seiner künstlerischen Leistungen, keine volle Befriedigung an seinem Spiele finden können. Wir leben in einer raschlebigen Zeit. Sein Spiel mutet uns sehr alt an. Er tut nicht gut, der gewandte Meister, daß er die talentierte Schauspielerin und Sängerin Ruth Renee in die Zwangsjacke seiner alten Operetten hineinpreßt. Frau Renee könnte mehr leisten. Das Künstlerpaar Lilit-Godik bietet vollendete jüdische Kunst. Herr Godik ist ein guter Conferencier, wenn er sich auch zu streng an das Programm hält. Der geistreich und angenehm plaudernde Godik darf sich erlauben, mehr von der Leber weg zu sprechen, mehr auf Steggreife einzugehen und nicht zu jedem Programm genau dieselbe Conference zu halten. Aber unbeschadet dieses Mangels Vorbedingung der Verwirklichung der historischen Aufgabe der Arbeiterschaft, Diejenigen, die zuerst den Sinn dieses. Prozesses er-.. L ,, „.......„ faßt haben, waren die arebiterfeindlichen Elemente, die ilst Herr üodlk der ldeale irische Conferencier. Er fesarabischen Großgrundbesitzer und der arabische Klerus. 'selt das Publikum, auch wenn er es nicht mit Glacehandr Von der Furcht /getrieben, daß die. jüdische Arbeiierein-; schuhen behandelt. Herr Godik ist auch ein vorzüglicher Wanderung und Kolonisation die.arabischen Arbeiter zumlPartner der Frau Lilit. Kampfe um die Erhöhung ihres Lebensstandarts erwecken] Und nun Frau L >11 * selbst. Frau Lilit ist eine Sänwird, haben sie der jüdischen Einwanderung und Koloni-' 2erm und Mimikerin von beneidenswertem Talent und hosation den Krieg erklärt. Ihre Hetze war es, die zu den ner Kultur. Sie interpretiert das jiddische Lied mit treuliblutigen Ereignissen des vorigen Jahres geführt hat.»; eher jüdischer Anmut. Liedertexte von literarisch zweifel^- Aber niemals und nirgends noch haben brutale Qeh^tem Werte und* Melodien im pseudo-volkstümlichen walt, Volksverdummung und Machtdurst der Entwicklung Tone *ormt sie durch wundervolle' Diktion und let?enseines Landes, der Freiheitsbewegung eines Volkes den volle Bewegungen zu wertvollen Kunstwerken. In ihrer Weg zu versperren vermocht.. Die unbeschreibliche Notizen Größe erstrahlt Frau Lilit im jiddischen Volksliede. der jüdischen Massen in den Ländern Osteuropas, von wo: Frau Lilit meinte in einem Gespräche, sie singe wie das wir ins Land gekommen sind und wo noch Zehntausende: Volk singen sollte. Die sympathische Künstlerin scheint jüdischer Männer und Frauen auf die Möglichkeit, ins! sich dessen nicht bewußt zu sein, wie aus ihr, wenn auch iband einzuwandern, warten; die klare Ueberzeugung, daß in künstlerisch gestalteter Form, das Volk singt, jedes Stückchen palästinensischen Bodens, den wir durch I Es ist sehr bedauerlich, daß uns solche wertvolle unsere Händearbeit fruchtbar machen, endgültiger Verj Kunstkräfte in. der Sommerhitze besuchen, Wüstung entrissen wird; unser Glaube, daß sich, die ■ kommen sie bald wieder, wahren Interessen der arabischen arbeitenden Bevölkerung mit den Interessen der eingewanderten jüdischen Arbeit ter decken, und schließlich auch der Geist der sozialen Erneuerung, der unser Werk erfüllt, dasist es, was uns Kraft und Glauben gibt, Der Tag des Sieges der englischen Arbeiterklasse ist Hoffentlich M. S, Entrichtet die Wahlsteuer zum Kongreß für das arb. Palästina!