Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- Heft 12 (6.6.1930)
- Date
- 1930-06-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Settel Der jüdische Arbeiter arabxschett, verhefztöit <jeifraiftätem. Es ist ärt ldfeser Steife des öfteren festgestellt wotttetf, daBj Passivität? Öelegetiheit'2111 geben; unser Werk zu fördern, haben nrtl! #t'i**6wf Pfa'WA (farti! V^rn^h'/*» itrte»»v* ork-yifllictL tnfc i/i A<nc kntinUnlicnUu* V^mM.«« ««'•* --.Ui-ii..__ ins dieser Frage ein Vergehen1 gegen unsere; sozialistischfeft Prinzipiell! untö 'gegen die vitalsten Interessen de$ Jlschuws teleuten würde. Zu unseren* Freude hat sich die, Mitgliedschaft unserer Organisation tin- , serer Ansieht angeschlossen und1 in einer Plen arver* Sammlung fast einstimmig das Präsidium beauftragt, bei den in Betracht kommenden Instanzen Protest gegen den Vollzug, der Todesstrafen zu erheben. Wir können es uns nicht versagen, unserer Genugtuung darüber Ausdruck zu verleihen, daß es unserem Blatt gelungen ist, in unserer Wiener Organisation dieses Problem aufzurollen: ials einzige im We Itveribanrä wSrd die Wiener Poale Zion versu che tv da s drohende Unheil ab zu wehreit Möge die Intervention von Erfolg gekrönt sein! —z— Begnadigung zum Tode verurteilter Araber zu Gefängnisstrafen. Nach Drucklegung dieser Nummer erfahren wir zu unserer Genugtuung, daß der Oberkommissär die über 22 Araber verhängte Todesstrafe in lebenslängliches Gefängnis umgewandelt; insgesamt waren 25 Araber anläßlich' der letzten Unruhen zum Tode verurteilt worden. Das Pafästina-Einwanderungsverbot. Nur eine vorübergehende Maßnahme. Der Unterstaatssekretär im Kolonialministerium Droumond S h i e 1 d Sprach am 3. Juni in einer Versammlung über die britische Palästina-Politik. Er betonte, daß tlie von der Mandats-Regierung, zur vorübergehenden Eindämmung der Einwanderung getroffenen Maßnahmen nur provisorischer Natur seien und von den Zionisten falsch aufgefaßt werden. Die Mandats-Regierung denke niefit daran, die Einwanderung zu verbieten und sei entschlossen, das Versprechen Englands zu erfüllen, in Palästina ein nationales Heim für die Juden zu, schaffen. Zu diesem Zwecke sei die Sicherstellung der bürgerlichen und religiösen Rechte der nicht jüdischen bodenständigen Bevölkerung notwendig. Die Regierung wiird ajles unternehmen, um ein Zusammenleben der beiden .aiten Zivilisationen, der Juden und Araber, zu ermög* liehen. zuizietiett Um ifnsetet* nichtjüdischen Freunden Die Exekutivsitzung der sozialistischen Internationale.;Da die allgemein-sozialistisch'ert Probleme, die die Exekutive der sozialistischen1 Internationale beschäftigt ,haben.!, von der sozialistischen Presse'bereits behandelt wunden, können' wir uns hier bloß! mit den Beschlüssen, die sich auf den Zionismus beziehen, beschäftigen. Wir betonen, 'daß sie uns keineswegs befriedigen, was uns aber nicht hindert,: denf Fortschritt, der in ihnen1 zum Ausdruck kommt, anzuerkennen. Es ist bedauerlich, daß es in den Internationale noch so viel Gegnerschaft gegen; den Zionismus gibt, daß es notwendig ist, zu betonen, daß die Internationale 'keine Stellung! nimmt zu ti'en Bestrebungen der, jüdischen Arbeiterschaft in Palästina, andererseits ist es ein Fortschritt, wenn das Recht des arbeitenden Palästina auf die Solidarität des internationalen Proletariats proklamiert wurde. Das bedeutet Bejahung der Kolonisation, der Alijah' — wenn es auch noch nicht deutlich ausgedrückt wurde. Schon die Tatsachen der Anerkennung der besonderen Formen, in welchen wir unseren Kampf führen — die, Beteiligung am zionistischen Kongreß und an der Agency — zeigen, daß die Internationale das Spezifische unserer Lage zu erkennen: beginnt. Die Internationale war aus diesen Gründen nicht in der Läge, denjenigen iirnter, den führenden Sozialisten, die es als ihre proletarische Pflicht betrachten, dem arbeitenden Palästina aktiv zu helfen, dies zu .verbieten. Der Angriff, der. da vorbereitet wurde, ist dank der Sympathie der wichtigsten Teile der Internationale für unser Werk' und dank den realen Tatsachen des jüdischen Lebens zusammengebrochen. Der-wichtigste Gegner „unserer Bewegung war — neben Diamand, Abramowitsch1 und Pistiner, die längst nichts mehr mit der. jüdischen Arbeiterschaft zu tun haben — indirekt der polnische „Bund". Seine Freunde wollen ihm den Eintritt in die Internationale mit allen Mitteln erleichtern, ein Weg dazu sollte die Ablehnung des Zionismus sein. Diesen Kräften konnten wir nicht nur den Willen der allweltlichen* poalezionistischen Bewegung gegenüberstellen,, es unterstützten uns vor'allem die Führer den jüdischen Arbeiterschaft in Amerika, die im Namen von 250,000 jüdischen Arbeitern ein Memorandum an die Internationale gerichtet haben, in welchem sie ihre positive Stellung zum arbeitenden Palästina festgelegt haben. So ist d'enti der .ganze Angriff! auf den Zionismus zur Frage der mchtjüdischen1 sozialistischen Arbeiterparteien au den Ligen für 'das arbeitende Palästina' und! an dem geplanten Weltkongreß zusammengeschrumpft. Es ist aber niemals daran gedacht worden, zu den1'■ Ligsi^ Ni.c-.h'tju'ctoii und nicht judische Parteien h'eranwir ja das sozialistische Komitee für das; arbeitende Palästina geschaffen» und gegen diese Organisation wird die Internationale nichts einwenden können, weil?sie sich nur auf Mitglieder der Internationale: begrenzt: Nicht genügend verstanden wurde leider von der Internationale, daß der organisatorische Aufbau unseres Weltverbandes eine notwendige Folge der eigenartigen Bedingungen des Klassenkampfes des allweltlichen jüdischen Proletariates ist. Die Führer des klassenbewußten internationalen 'Proletariates haben sich inoch nicht zum Verständnis unseres Prinzips der Allwettlfchkeit durchgerungen. Dieses Nichtverstehörtkönnen kommt Jn jenem Paragraph des Statuts der Internationale zum Ausdruck, der das Vorhandensein von> interterritorialen Gruppen innerhalb der Internationale nicht vorsieht. Dies hatte zur Folge, daß man ein Kompromiß zwischen der Wirklichkeit unserer Bewegung Und dem juridisch organisationeilen Aufbau der Internationale gesucht hat. So ist den Beschluß zustande gekommen, daß wir im Wege der Anerkennung der palästinensischen Partei, die eine Landesparter und Teil des Weltverbandes Poale Zion ist, in die Internationale eingegliedert werden. Seit dem Jahre 1907 führt unser Weltverband den Kampf um die Anerkennung des Rechtes der jüdischen Arbeiterschaft, eine interterritoriale Sektion innerhalb der Internationale zu bilden. Die Regelung, die in Berlin getroffen wurde, kann nicht] das letzte Wort der Internationale sein. Wenn man unsere Palästinaarbeit janerkennt, wird man sich' auch auf die Dauer der Erkenntnis ihres interterritorialen Charakters nicht verschließen können und so zwangsläufig zur Anerkennung unseres Rechtes zur interterritorialen Organisation kommen. (Verspätet eingelangt.) Palästinabrief. Simpsons Mission in Palästina. — Die öfentlichef Mei. nung. (Von unserem Korrespondenten —^orisch.) Palästina wurde in jüngster Zeit durch1 eine Nachricht überrascht, die besagte, daß im Zusammenhang mjt der UntersuchUn'gskbmmission ein besonderer Emissär (Simpson) nach 'Palästina! geschickt werden wird, um drei brennende aktuelle Fragen zu studieren! und Vorschläge zu "ihrer Lösung zu machen. Es sind dies: die Boden-, die Kolonisations- und die Einwanderungs- .frage; außerdem soll er auch1 die Möglichkeiten für die Entwicklung, des Landes erforschen. :i... Die jüdische Oeffentlvchkeit,'vor allem ihr Sprach'- ODhr — die Presse —? rea'gierte ausnahmslos voreilig, leidenschaftlich, überhitzt, jedenfalls benahm sie sich nicht politisch klug. In den1 Artikeln aller Zeitunr 'gen widersetzte man sich gegen derartige Missionen prinzipiell, aber auch' gegen den. Abgesandten! selbst — den man! nebenbei noch gar nicht kennt und nicht weiß, ob er Pro- oder Antizionist ist, von dem man bloß weiß, daß er woher indischer .Kolonialbeamter und dann Leiter der griechischen Flüchtlingskolonisation war. In Jßausch' und Bogen wurden! 'in dem voreiligen „Empfang" alle Kolonialb'eamten verurteilt, es wurde ihnen die Fähigkeit, nationale Bewegungen zu verstehen, abgesprochen; auch härtere Worte konnte, man lesen. Die führende Zeitung Palästinas sah in dieser Wendung der Dinge eine neuerliche Niederlage, im Vergleich' zur berühmten zionistenfreundlicheni Erklärung Mäcdönaids, nach der man sich Gutmachen des Unrechtes der Untersuchungskommission erhoffte.. Wie das geschehen sollte, war freilich nicht zu lesen. Daß diese Töne nicht gerade günstig die Londoner Beamtenschaft im Kolonialministerium stimmen konnten, ist selbstverständlich, ebensowenig konnten sie guten Eindruck auf Simpson selbst machen. Abgesehen davon waren sie verfrüht, auf Grund! eines kurzen Telegraphenberichtes durfte man doch noch keine spaltenlangen Leitartikel schreiben'. Da verhielt sich die arabische Presse bedeutend politischer, sie wartete den Meinungsausdruck der' hebräischen ab, und dann schrieb sie vorsichtig, um inzwischen bei ihrer Londoner Delegation Erkundigungen einzuziehen Mit diesem Mißtrauen der hebräischen Presse Simpson zu begegnen, war doch zu gefährlich. Der Umschwung in ihrem Ton ließ zum Glück! nicht lange auf sich warten. Nach einigen Tagen kam ein Telegramm aus London, mit der Mitteilung, die; zionistische Exekutive sei mit dem Gang, den Dinge zufrieden; nun begannen die Blätter: andere Töne anzuschlagen. \ Tatsächlich muß jemand, der konkrete Vorschläge zur weiteren Gestaltung der Dinge machen soll», vorerst die Lage studieren, Es ist auch1 kein Wunder, daß man gerade Simpson mit dieser Aufgabe betraut hat, da er augenscheinlich in Kolonisationsfragen große* Erfahrung hat. Freilich muß die zionistische Exekutive diesmal, mit Forderungen auftreten, um nicht ins Hintertreffen zu gelangen und die verhängnisvolle Rolle zu spielen, die sie vor der Untersuchungskommission gespielt hat — vom Ankläger wurde der Jisch'uw zum Angeklagten, Tatsächlich soll auch Material vorbereitet werden, um gewisse Forderungen! au Simpson erheben und ihnen Nachdruck verleihen zu können. Zunächst d(e Bodenfrage, Es-handelt, sich hier; um 'dfe ungelöste Frage «der Zuteilung der, Regtemtfg^ böden für die jüdische Kolonisation, die bei der Üntejf* suchurtgskommission keine Rolle gespielt hat Durch? das Mandat ist bekanntlich die Palästinaregierung verpflichtet, die jüdische Kolonisation) zu unterstützen und ihr freie Regierungsböden' zur Verfügung zu stellen. Gehalten hat sie diese Verpflichtung -nicht Bisrtun haben die luden bloß etwas Dünenknd bekommen, hingegen haben die Araber einen den frucht* barsten Bodenkomplexe Palästinas — die Beisanebene — zum Geschenk erhalten. Der Reichtum der Regierung an freiem anbaufähigem Land ist freilich nicht gar so groß, vorläufig wird das Zentrum der Kolonisationstätigkeit noch in der Pflanzungszone bleiben müssen1. Immerhin hat die Regierung einen weiten Komplex um den! Hulesee, wo heute bloß wenige degenerierte Beduinen vegetieren, der aber nach der Entsumpfungj vorzüglichen Boden für Pflanzungen (insbesondere Bananen) abgeben und leicht einige Dutzend Siedlungen ernähren könnte. Die Agency hat von der Regierung zu verlangen, diesen Boden den Juden zu Kolonisationszwecken zui übergeben1. Es bleiben: noch Staatsdomänen 'in der Jerichogegend, die Kolonisation ist hier wegen des subtropischen' Klimas schwierig, jedoch nicht unmöglich. Es muß aber auch sofort auf dem vorhandenen jüdischen1 Boden' kolonisiert werden — der Umfang ist freilieh von den Einnahmen des Keren-Hajessod abhängig. Es darf den' Engländern kein Vorwand für negative Entscheidungen gegeben werden, sie sollen nicht zeigen können, «aß: die Juden selbst ihr eigenes Land nicht kolonisieren. Mit der raschen Kolonisation, die selbstverständlich zur Schaffung; einer neuen Bod'enreserve verpflichtet, wird der Beweis geliefert, daß die Juden gewillt und imstande sind, den! übernommenen Boden zu kolonisieren. Die Arbeit Simpsons wird sich auf der Linie der Kolonisation der noch freien Böden im Hinblick auf die ^Leistungsfähigkeit des jüdischen Volkes bewegen müssen. D. h. in Betracht ziehen, daß die Juden äueb sumpfiges Land urbar machen' können und daher nicht von vorneherein von Bodenmängel zu sprechen. Damit hängt die dritte Frage zusammen, die zu lösen Simpsons Aufgabe ist — die Einwanderung. Einwanderung parallel zur Aufnahmsfähigkeit des Landes ist die Bedingung, die die Regierung stellt.. Man darf aber nicht außeracht lassen, daß es sich' hier nicht um eine einfache Abhängigkeit handelt. Sicherlich wird niemand, der ernst genommen werden will, unbegrenzte Einwanderung verlangen, um' damit Krisen und Arbeitslosigkeit zu verursachen, man muß jedoch wissen, daß auch die Aufnahmsfähigkeit des Landes zum großen Teil von1 der jdüischen .Einwanderung abhängig ist. Jüdische Einwanderung bringt Kapital ins Land, schafft Arbeitsmöglichkeit, somit Möglichkeitt für neue Einwanderung. Jerusalem; Mitte Mai 1930. Revolutionen der poalezionsstischen Parteikonferenz in Polen. I. Politische Lage im Land. Die Konferenz stellt fest, daß sich ,das seit vier Jahren in Polen bestehende Regierungssystem im Laufe der |"r Zeit zur Diktatur einer Gruppe entwickelt hat, die nichts anderes als der Exponent Usr besitzenden Klasse in Polen ist. Dieses System hat zur Verschlechterung der ökonomischen Bedingungen und zu einer ungeheuren Arbeitslosigkeit geführt, unter welchen die Bevölkerung Polens leidet. , Das Regierungssystem, das alle Merkmale einer Diktatur trägt, wendet sich vor allem gegen die Arbeiterma'ssen. Die Konferenz erkennt als die wichtigste Aufgabe der Stunde die Schaffung eines einheitlichen Arbeiterblocks, der alle sozialistischen Parteien ohne Unterschied der Nation, und sieht in der Verwirklichung dieser Aufgabe den einzigen Weg, die Interessen der Arbeiterklasse und die Errungenschaften der Demokratie zu verteidigen. Die Konferenz ruft daher alle Organisationen und Geflossen zur verstärkten propagandistischen Arbeit auf, deren Ziel es sei, die jüdische Arbeiterschaft im Zeichen unserer Fahne zu organisieren. Die Konferenz übersieht die Tatsache nicht, daß die Führung der polnischen Sozialistischen Partei (PPS.) sich noch nicht über den Weg zur Lösung der Minderheitenfrage klar geworden ist, was ja die primitivste Voraus-1 setzung einer sozialistischen Zusammenarbeit wäre, lns-j besondere fühlt es die jüdische Arbeiterschaft, daß die PPS, im Bereiche der öffentlich-rechtlichen Körperschaft! ten nichts zur Linderung der ökonomischen und kulturpo-| litischen Nöte der jüdischen Massen beiträgt II. Zur Lage im Zionismus und ine Palästina. 1. Nach den traurigen Augustereignissen und den schweren Monaten, die ihnen gefolgt sind, ist es klar| geworden ,daß der Wille des jüdischen Volkes, der jüdi« sehen Arbeiterschtft in Palästina und der jüdischen Jugend, das territoriale Zentrum in Erez Israel aufzubauen, unerschütterlich ist. f 2. Der sozialistische Teil der zionistischen Bewegung, —- die poalezionistische Partei fühlt sich für die Verwirklichung des Zionismus verantwortlich, und ist sieh desseßl nie per [ein flei Bei het