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Der Jüdische Arbeiter · 1930-03-01 · Heft 5 (1.3.1930) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 5 (1.3.1930)
Date
1930-03-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Öer Jüdische Arbeiter daß eine große Kluft zwischen arabischem Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich eröffnet. («Jüdischer Arbeiter» 17. Februar 1930, Palästinabfief.) Was ist heute zu tun? Für die wichtigsten Aufgaben halte ich: Die Regierung wird die Richtlinien ihrer Politik präzise zu verkünden haben, sie muß Sorge tragen, daß die Verwaltung im Sinne des Mandats handle und muß alles daransetzen, de^ Frieden zwischen beiden Völkern zu erhalten. Unsere Aufgabe, die Aufgabe des jüdischen Volkes, ist die Stärkung unserer Fonds und Rüstung zur Massenalijah, , T. Zur Frage des Ichud. Im Zusammenhang mit der Frage der Vereinigung der beiden ziomistisch-sozialistischen Parteien der Gallith wurde in der vorletzten Nummer des «Jüdischen Arbeiter» versucht, vor der zionistischsozialistischen OeffenrJichkeit zu beweisen, daß der «Hechaluz» überheblich ist— da er «sehr gewichtig» eine Arbeit angekündigt hat, die er aber aus Zeitmangel unterlassen mußte, eben die Arbeit, den Ichud der beiden Parteien anzubahnen. Da die Angriffe von Seiten eines Vertreters des Hechaluz gegen die beiden Parteien ganz andere Fragen betroffen haben als die Frage der Vereinigung, ist es 'Unverständlich, warum die Ueberheblichkeit, «die deswegen schon kritisiert werden imuß, weil sie auf Unwahrheit beruht», gerade an'der Stelle des Berichtes an die diesjährige Chaluz-Weidah, wo von der Vereinigung die Rede ist, illustriert wird. Wie dem aber auch, sei, es muß ein-mal festgestellt werden, daß das Verhältnis der beiden Parteien zum «Hechaluz» kein richtiges war (.bisher zumindest), daß aber das Verhältnis der zionistischsoziialistischen Parteien zum Hechaluz — in Zukunft — «kein anderes als ein positives sein kann und daß das Auftreten gewisser Fehler oder Unstimmigkeiten nicht zu einer Polemik . . . ausgeschrotet werden darf». Worin aber'bestehen diese Unstimmigkeiten? Einzelne Menschen, die — das sei zugestanden — eine gewisse stärkere Verbundenheit mit dem Hechaluz zeigen, können das Bedürfnis, eine gewisse Wirkung auf das Geschehen im Hechaluz auszuüben, nicht unterdrücken, 'statt sich damit zu begnügen, wo immer es nur geht, dem Hechaluz z u helfe h, woziu diese einzelnen gerade wegen ihres Verständnisses der konkreten täglichen Arbeit vielleicht besonders ,, berufen ,w^ren. , J>i ese s,,W,i rkenwollen und .dieses Bestreben, Einfluß zu nehmen,'das Geschehen; und die Gebarung zu beeinflussen -— es stößt auf einen begreiflichen Wide r st a in d . Man mag diesen u n <b e g r ü n d e t, ja vielleicht sogar u n g er e ch t f e r t i g t finden —, es ist aber tatsächlich so. Diese Tatsache aber;—man muß sie schließlich zur Kenntnis nehmen — hat ihren Grund 'darin, dalj die Ghakizim vor sich Menschen sehen, die, seien sie noch so im Gedanken mit ihnen verbunden, weit davon entfernt sind, der Forderung der Chalniz i u t zu entsprechen. Es muß noch eines betont werden: Es handelt sich be>i diesem Einflußnehimenwollen nicht etwa um politische Fragen, denen in den Reihen des Hechaluz Eingang verschafft werden muß. Dazu bedarf es gar nicht erst eines Einflußnehmens vom draußen. Dazu haben die beiden Parteien eine genug große Zahl von Chawenim im Hechaluz — u n d es sollte die Arbeit u >n d d <a s Best r e-be n der Parteien s e i n, d i e Z <a h 1 i m an e r m e h ir z u v e r g r ö ß e r n —, die den politischen Anschauungen derselben genug Nachdruck verleihen könnten und dazu sind die G nu nxlis ä t z e des Hechaluz solche, daß es keiner besonderen Unterstreichung, auch nicht im Politischen, bedarf, damit sie denen 'der zionistisch-sozialistischen Parteien der Gallith angeglichen werden können. Es 'handelt sich also nicht darum, sondern lediglich um das «Besserwissen», das oft geltend gemacht wird. Und gegen dieses Besserwissenwollen gerade lehnt man sich auf. Ol» mit Recht oder Unrecht — die Feststellung erübrigt sich. Es erübrigt sich auch, zu sagen, daß der Hechaluz, wenn er seinen großen Aufgaben gerade im Augenblick nachkommen soll — einer intensive n H ä c h s c h a r a h u n d einer g ir o ß e n Ä 1 i j a h —, heute keine Zeit für Auseinandersetzungen dieser Art hat. Und die Parteien und ihre; Führer sollten ihre Aufgabe darin sehen, den He- . chaluz in seiner durchaus nicht leichten Arbeit zu unterstützen, wo i mm e .r es da r au f a nk o m m t, ihm* aber vor allein n e u e M e .n s c h e n in einer großen Zahl zuzuführen. Dann wird es keine Unstimmigkeiten geben. Worin sollten sie bestehen? Dann wird es das natürliche-und selbstverständliche Zusammengehen und Zusammenarbeiten der Ghaluz^ ■ bewegumg mit der zionistisch-'Sozialistischen, dei jüdiscli-proletarischen Arbeiterbewegung geben. Dann kann — und das ist keine Ueberheblichkeit—. der Hechal u z die Brücke für den Ichud darstellen. Einzig das hatten wir im Auge und einzig; darauf bezieht sich jene Stelle in unserem Bericht, auf die der Artikelschrei her Bezug nimmt. Bs rtfuß eine Art «Linke r Block» oder ein zionistisch - s ö z i a 1 i S t i s d h e r Klub ~ geschaffen werden, der regelmäßige Versammlungen Und Zusammenkünfte abhält,Diese' Versammlungen und Zusammenkünfte müssen im öffentlichen zionistischen Leben eine bedeutende Rolle spielen, zu einem bedeutenden Faktor werden. Dann wird auch dort die Frage der Chaluziut, die Arbeit des Hechaluz den ihr gebührenden Raum der Erörterung finden und im Angesicht dieser Frage werden die Unterschiede aufhören und der Ichud zu einer Notwendigkeit und zu einer Tatsache werden-. Jakob Singer." Der Sieg der jüdischen Konfektionsarbeiter in New York. Aus der sozialistischen Tagespresse wie aus unserem Blatte ist den Lesern bekannt, daß die Arbeiter der New Yorker Bekleidungsindustrie kürzlich einen gewaltigen Kampf zu führen gehabt haben, der mit dem Siege dieser — vornehmlich jüdischen Arbeiterschaft geendet hat. Zwei Fragen sind es, die uns aus Anlaß dieses für die jüdische Arbeiterbewegung so bedeutungsvollen Ereignisses interessieren: 1. der Aufbau der gewerkschaftlichen Organisation des in der Na de Ii n du s t ri e beschäftigten jüdischen Proletariats, 2. die Ziele, die sich die Aroeiterschaft in diesem Kampf gestellt hat. Was nun die erste Frage anbelangt, so gibt ea heute folgende wichtigere Gewerkschaften in der amerikanischen Nadelindustrie: 1. Jorneymen Taifors- Union, Schnei der'gehi Ifen (9200 Mitglieder), 2. International Ladies Garment Workers Union, Damenschneider (87.000), 3. United Garment Workers, Vereinigte Schineidergewerbe (80.000), 4. Clotn Hat Cap an Miliinery Workers International Union, Schneider, Hut-, Kappen mach er und Modistinnen (11.000 Mitglieder), .International Für Workers' Union, Pelzarbeiter (12.000 Mitglieder), Amalgaineted Clothed Workers of America, Vereinigte Sehne 1dergewerksohaft (150.000 Mitglieder). Die A. C. W. und die U. G. W. erfassen jede für sich in der Henrenurid Khabenkonfektiioin beschäftigte Arbeitnehmer, die I. L. G. W. U. diejenigen in der Damen- und Mädchenkonfektion. Mit Ausnahme der A. C. W. sind alle diiese Gewerkschaften der sozialkouservativen Organisation der amerikanischen Gewerkschaften, die ihr, Gepräge von Gomperz erhielt, ein-, geglii'eclert,' aber "hur'die" beiden ältesten,'^ cliie 'j. T. U.' und die U. G. W., sind asozialistisoh. Der Radikalismus dieser sich hauptsächlichst aus jüdischen Einwanderern zusammensetzenden Arbeiterschichte ist nicht zuletzt auf die''furchtbare Ausbeutung, der gerade sie zum Opfer "fielen, zurückzuführen. Für das Arbeitsverhältnis der jüdischen Nadelarbeiter war und ist es zum Teil noch heute charakteristisch, daß sie nicht unmittelbar beim Fabrikanten beschäf-' tigt sind, sondern bei einem «contractor», der Arbeit und Materialvom Fabrikanten übernommen hat und die Arbeiter bei Schundlahn in umhygieinischeii Betrieben (sweat shop) beschäftigt. Gegen dieses Sweatsystem zu kämpfen, es zu beseitigen, ist das Hauptziel der genannten Gewerkschaften, und der. grandiose Kampf der letzten Tage war auch ein Teil.dieses Kampfes.. Die Arbeiterschaft war sich auch in ihrem Kampf gegen die Sohwitzibuiden dessen bewußt, daß es sich bei ihrem Kampf nicht nur um eine sozialpolitische, sondern auch um eine ökonomische Notwendigkeit handelt: denn das Bestehen der Sweat-shops macht die fortschrittlichen, unter normalen Bedingungen arbeitenden Unternehmungen konkurrenzfähig. Aber nicht nur die Anbeit in den bestehenden Sühwitzbuden — zwei Drittel der Unternehmungen der New Yorker müssen als solche bezeichnet werden —, auch die Arbeit der Heimarbeiter wird unter Verhältnissen geleistet, die, wie Poltawer im «Vorwärts» schreibt, als Sklaverei bezeichnet werden müssen. Am schlechtesten sind die Verhältnisse bei den Arbeitern der Frauenkoinfektion, und diese — 35.000 — waren hauptsächlich am Streik beteiligt. Der Kampf selbst wurde nicht auf Grund der Ablehnung neuer, seitens der Arbeiterschaft gestellter Forde- , rungen begonnen, vielmehr haben die kämpfenden Gewerkschaften die Erfüllung des bestehenden Arbeitsvertrages (fünftägige Arbeitswoche, Achtstundentag) gefordert,. denn immer wieder zeigte es sich, daß das die Schwitzbuden eigentlich unmöglich machende Abkommen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern von den letzteren insbesondere dort, wo es sich um weibliche Arbeitnehmer gehandelt hat, fortwährend übertreten wurde. Ueberdies verstanden es die, Unternehmer, die Akkordsätze so zu erstellen, daß für die amerikanische Madelindustrie wahrhaft das Wort, Akkordlohn; ist Mordlohn, Geltung hatte. .Der Sieg der jüdischen Nadelarbeiter bedeutet einen Schritt vorwärts auf dem Wege zu menschen-. würdigen 'Arbeitsverhältnissen, wie sie ihre Gewerkschaften anstreben. Das allweltliche jüdische! Proletariat, das den heroischen Kampf seiner Brüder mit stärkster Anteilnahme verfolgt hat, feiert mit ihnen den erkämpften Erfolg. Die Arbeitszeit in Palästina. Der im August 1927 in Paris abgehaltene Kongreß des Internationalen Gewerkschaftsbundes hat sich auch mit der Frage des Achtstundentages beschäftigt und diesbezüglich eine Resolution gefaßt, in der der Vorstand des Gewerkschaftsbundes beauftragt wurde, „sich mit den Landeszentralen in Verbindung zu setzen, um zu bewirken, daß mit Beginn des Jahres 1928 alle zwei Jahre eine Untersuchung über die .wöchentliche Arbeitszeit durchgeführt und darüber eine Statistik angelegt werde". Diese Erhebung wurde nun in der Woche vom 1. bis ß. Oktober 1928 durchgeführt und sind ihre Ergebnisse, nunmehr im offiziellen Organ des Internationalen Gewerkschaftsbundes publiziert; die statistischen Angaben betreffen die effektive Arbeitszeit der von der Erhebung erfaßten Arbeiter, geleistete Ueberstunden und Kurzarbeit sind bei den angegebenen Arbeitszeiten inbegriffen. Die Umfrage hat bei 11 von den 28 dem 'Gewerkschaftsbund angehörenden Landeszentralen keinen Erfolg gehabt, sie haben keine Antwort eingesandt; es darf als Symptom einer hohen Entwicklungsstufe der jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas bezeichnet werden, daß sie in der Lage war, neben der südwestafrikanischen als einzige nichteuropäische Organisation an der Erhebung positiv-mitzuwirken. Die Erhebung der jüdischen Arbeiterorganisation bezieht sich auf die Städte Jerusalem, Haifa und Tel-Aviv und umfaßt nur jüdische Arbeiter. Arabische Arbeiter sind in den wichtigeren Industrien (zu deren Entwicklung vgl. die Daten in „Palästina" 1930, nach dem Stand von 1927) — abgesehen vom Baugewerbe — nur in geringem .Maße beschäftigt; ihre Arbeitszeit liegt weit über der Durchschnittsarbeitszeit der jüdischen Arbeiter, die zumeist organisiert sind. Die Erhebung umfaßt auch nicht alle Fabriken, sondern nur die für palästinensische Verhältnisse bedeutenden; es wurden 126 Betriebe mit 4180 daselbst Beschäftigten erfaßt. Im allgemeinen wird in den Städten Tel-Aviv und Haifa in den Fabriken 8 Stunden täglich gearbeitet; das Gesamtresultat in Palästina wird dadurch verschlechtert, daß in Jerusalem im Bau- und Metallgewerbe zumeist 9 'bis 10 Stunden gearbeitet wird. Eine getrennte Untersuchung für Fabriken in den erstgenannten Städten allein ergibt, daß die meisten Arbeiter nicht mehr als 48 Stunden beschäftigt sind. Der Prozentsatz der erfaßten Personen, die nicht mehr als 48 Stunden arbeiteten, war 63,3; die Kurzarbeit betrug 0,2 Prozent und über 48 Stundenarbeiten 36,5 Prozent, wovon 20,5 Prozent über 51 und nicht mehr ah 54. Stunden. In der Chemischen Industrie arbeiten alle erfaßten Personen 48 Stunden. Ferner ist bemerkenswert, daß in den Buchdruckereien und im Holzgewerbe 62,7 Prozent, (beziehungsweise 40,8 kürzer als 48 Stunden arbeiteten. In den Schuhfabriken arbeiteten 91,7 Prozent über 48 Stunden, und zwar 41,7 Prozent über 48 und nicht mehr als 51 Stunden, 25 Prozent über 51 und nicht mehr als 54 Stunden, 16,7 Prozent über 54 und nicht mehr als 60 Stunden und 8,3 Prozent über 60 Stunden. Im Baugewerbe stellte sich der Prozentsatz der über 51 und nicht mehr als 54 Stunden Arbeitenden auf 35,9 Prozent. In der Metallindustrie arbeiteten 20,8 Prozent über 54 und nicht mehr als 60 Stunden 10,1 Prozent über 60 Stunden. Nur die Buchdruckereien wiesen Kurzarbeit auf. Am Pfluge. Von Irma Singer, Dagania. Sacht hebt der Morgen sich vom jungen Feld, Das blasse Dämmern sich vom Bergeshang. Mit weitem Schreiten geht Gott durch die Welt, Tautropfen perlen unter seinem Gang. Grün wogt der reichen Felder Wellenschlägen Und schwer wie Fett glänzt ein gepflügtes Feld. In solchen frühlingssatten Adartagen Wie Sand — Erinnern an die Stadt — zerfällt. Und hier in diesem Sagenreichen Tale, Geht binter'm .Pfluge er zum ersten Male Und furcht die Erde — Ahnen zugesagt. So fromm hat niemals er ein Buch gelesen, Wie heute er mit; seinem ganzen Wesen In diesen Schollen erste Furchen wagt.

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