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Der Jüdische Arbeiter · 1930-03-01 · Heft 5 (1.3.1930) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 5 (1.3.1930)
Date
1930-03-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. It. I». Der Jttdlsdic Addier Organ der sozlaldemohrallsdien Poale Zion OesterreHfts Ersdielnt jeden lWelfen Freitag - Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauerg. l/III - Postscheckkonto 38.042 Bezugspreis: halbjährig S 2.40, ganzjährig S 4.80 Einzelne Nummer SSO Groschen Nr. 5 ~ ~ ■ Wien, 1. März 1930 T. Jahrgang Bannet die Gefahr, erlöset den Boden! «Der 'Papst hat das Mitglied der zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, empfangen, und ih-m seine Sympathie für die zionistischen Bestrebungen ausgesprochen.» Wie oft .haben wir diese Nachricht in der zionistischen Presse .gelesen, kopfschüttelnd, skeptisch, ungläubig! Wie? Der Exponent einer Macht, deren Wirken immer »noch gegen alles, was Fortschritt und Befreiung bedeutet, gerichtet war — gegenteilige Behauptungen wie der Hinweis auf den Anteil der katholischen Kirche an der Abschaffung der Sklaverei sind 'längst als unhaltbar erwiesen —, einer Macht, »die durch Jahrhunderte für das jüdische Volk nur Tod und Not übrig .hatte, auf deren Konto hauptsächlichst alle Judenverfolgungen zu buchen sind, der Exponent dieser antisemitischen und erzreaktionären Macht sollte für unser Werk, das Kiilturfortschritt und Befreiung bedeutet, Sympathie hegen? Gott schütze uns vo<r solchen Freunden, dachten wir uns oft! Nun, er hat uns davor beschützt: ebenso wie die konservative, imperialistische Bureaukratie Englands sich als Feind des Zionismus offenbart hat, hat auch Rom seine heuchle-' rlsche Maske fallen lassen .und bedroht unser Werk an seinem Lebensnerv: die 30.000 .Dunam palästinensischen Bodens, die die Expositur der katholischen Kirche in Palästina, das lateinische Patriarchat,-'" in der Zeit nach den Augustereignisseil gekauft hat, bedeutetlVichts ¥nderes, als daß hier eine -Offensive gegen den Zionismus eingesetzt hat, deren Bedeutung gar nicht überschätzt werden kann. In «Rom» ist uns ein Konkurrent erstanden, der uns durch seine Bodenkäufe die Grundlage für die Weiterentwicklung unseres Werkes rauben will, der isich einfügt in die antizionistische Einheitsfront der arabischen Großgrundbesitzer, Kleriker und jüdischen Kommunisten! Die Gefahr/ die da — nicht etwa im Anzüge ist, nein, schon jetzt unser Werk bedroht, der Schaden, der uns bereits zugefügt wurde— denn der von der Kirche einmal gekaufte Bodenist für uns für immer verloren, die «tote Hand» .gibt nichts mehr heraus — sie mahnen uns, unsere Arbeit in diesem Augenblick auf den jüdischen Nationalfonds zu konzentrieren. Gestehen wines uns miur ein: nicht durch .unsere. Schuld, gewiß nur infolge der Tatsache, daß die Last der Arbeit für den Palästinaarbeiterfonds auf unseren Schultern allein lastet, aber doch: wir haben unsere Nationalfondsarbeit in der letzten Zeit vernachlässigt, und wenn heute der Nationalfo-ncis nicht über genügend Mittel zum Ankauf der so notwendigen -Boden reserve verfügt, wenn da^ arbeitende Palästina heute an Boderrnot leidet, dann, Freunde, fällt auch auf uns ein Teil der Schuld an dieser beschämenden'Tatsache. Und es muß festgestellt werden: Vernachlässigung der Keren Kaje- Der Brith-Schalom und die Verständigungsfrage. Anmerkung der Redaktion: Durch ein druck-' technisches Versehen ist der Artikel «Vergesset nicht» in unserer letzten Nummer nicht gezeichnet gewesen; er brachte die persönliche Ansicht unseres Redakteurs zum Ausdrück. Wir bringen heute einen Artikel, der zur Verständigungsfrage eine wesentlich andere Stellung nimmt! Die Revisionisten und der Brith Schalom, die —Extremen Pole im zionistischen Lager, haben beide das Gemeinsame, daß ihre, Forderungen »nicht aus der sozialökonomischen Entwicklung abstrahiert sind, sondern Projektion subjektiver Anschauungen und Postulate.in die Außenwelt bedeuten. In diesem Aufsatz soll nur über den Brith Schalom gesprochen werden. Seine Ideen, die, begünstigt durch die letzten Ereignisse, an die Oberfläche der öffentlichen Diskussion gelangten, sind keineswegs das Produkt der jüngsten Ereignisse. Schon lange vorher gab es meth-Arbeit bedeutet in diesem Augenblick nicht nur nationalen Verrat — denn die Zeit ist auch in dieser Hinsicht gegen uns und Tempo bedeutet auch hier alles -—, sie ist auch Verstoß gegen unsere •spezifische Aufgabe innerhalb des Zionismus, gegen unsere soziali-s tische n Prinzipien! Vergessen wir doch nicht, Genossen: der Nationalfonds, er ist das Werkzeug des nationalen und Sozialist i s c h e u Aufbaues zugleich, er verwirklicht das Gemeineigentum am wichtigsten Produktionsmittel, an Grund und Boden, er ermöglicht eine zentrale planmäßige Beeinflussung der landwirtschaftlichen Produktion im Interesse der Gesamtheit, er schafft im städtischen Siedlungsgebiet 'die'Voraussetzungen für Wohnkultur und verhindert das Entstehen und maßlose Wachsen des ungerechtesten arbeitslosen Einkommens, der städtischen Grundrente. Dieser sozialistische Charakter des Nationalfonds wurde von der zum Zionismus stoßenden jüdischen Großbourgeoisie erkannt -— erinnert euch ■nur an den Angriff der amerikanischen Experten — und wir sollten seiner vergessen, vergessen, daß Arbeit für den Nationalfonds vor allem Pflicht des sozialistischen Zionismus ist? Jüdisch-sozialdemokratische Organisation Pöale-Zion. Am Sonntag den 1. März- 1930 spricht.; DR. LEO GOLDHA MM ER über «Die Lage der Juden in Osteuropa». Ort: IL, Blumauergasse Ii ■ Zeit: V28 Uhr abends. Am Sonntag, den 2. März, V28 Uhr abends: REZITATIONSABEND des Genossen BAR-BI-RAV . iL, Blumauergasse 1. Karten daselbst. in Anbetracht der uns drohenden Gefahr, der Notwendigkeit, nunmehr systematisch und in erhöhtem Maße den Bodenerwerb in Palästina durchzuführen, hat 'der Nationalfonds beschlossen, in allen Ländern eine Sonderaktion durchzuführen: in Wißiii ist d a f ü r d e r M ä r z b e s t i m m t. Unsere Organisation hat den Beschluß gefaßt, ihre ganze Kraft dieser Aktion zur Verfügung zu stellen. Genossen und Genossinnen, es ist uns nunmehr Gelegenheit gegeben, unsere Schuld an den Nationalfonds abzutragen. Auf zur,Arbeit für den Nationalfonds im doppelten Sinn: im mittelbaren, indem wir die notwendige Propaganda und Sammeltätigkeit auf uns nehmen, im unmittelbaren, indem wir in diesen Tagen einen wesentlichen Teil unseres Arbeitslohnes dem jüdischen -Nationalfonds zuführen! kleine, ethisch und intellektuell sehr hochstehende Kreise, die nicht auf dem Wege durch das Elend der jüdischen Massen, sondern auf dem Wege des Denkens und Mitfühlens mit dem unterdrückten jüdischen Volke zum Zionismus kamen. Das jüdische Volk, vor allem aber die Idee des Judentums wollten sie vor dem sicheren Untergange bewahren und so sahen sie in Zion den Ort, wohin der jüdische Geist sich flüchten und von wo aus er nicht nur auf das Judentum der Diaspora, sondern auch auf die ganze Menschheit befruchtend wirken sollte. Erst in zweiter Linie beschäftigten sie sich mit der; wirtschaftlichen Lage des jüdischen Volkes. Während für sie nun der Zionismus ein Geistesproblem ist, ist er für uns Marxisten.'das Produkt eines ökonomischen Prozesses, der' zur Befreiung der jüdi-. sehen Massen aus ihrem abnormalen Wirtschafts-* ■ und Geistesleben führt. Diese Verschiedenheit der Einstellung führt notwendig.'zu verschiedenen politi-. sehen Richtlinien. Die national-arabische Presse versucht, die Augüstereignisse als Ausfluß eines nationalen Aufstandes und den Mufti als das Sprachrohr der arabischen Massen hinzustellen, und der Brith Schaloiin ist wirklich bereit, dies zu akzeptieren und der arabischen Exekutive als legalen Vertreter der palästinensischen Araber weitgehende Konzessionen zu inachen. Zunächst will ich feststellen, daß die Bedeutung des Erwachens der arabischen Volksstämme nicht übertrieben werden darf. Weder Aegypten noch der Irak oder Syrien haben die Absicht, sich in die innerpolitische Angelegenheit Palästinas einzumischen. Und auch bei den Unruhen waren es mit Ausnahme der Beduinen bloß einige tausende Araber, die wahrhaftig nicht ausgezogen sind, gegen die Baifour- Deklaration zu kämpfen, sondern diese Menschen wurden durch religiöse Vorspiegelungen verhetzt, von den Effendis und dem arabischen Bürgertum zu ihren politischen Zwecken mißbraucht. Bei der heutigen sozialen Schichtung Palästinas, wo einer kleinen Schichte städtischer Intellektueller und Kaufleute die große Masse der kulturell und politisch tiel'stehenden Fellachen gegenübersteht, .kann man von einem Nationalismus nicht gut sprechen; denn der Nationalismus hat immer eine bestimmte kapitalistische Entwicklungsstufe und ein starkes Bürgertum, das berufen ist, Träger der natiomalen Werte zu sein, zur Voraussetzung. Zum Beweis möchte ich hier die sogenannten geschichtslosen Nationen Europas anführen, die erst in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts zu nationalem Bewußtsein erwacht sind. Aber auch in Palästina selbst haben die arabischen Massen erkannt,, wem der ^nationale Boykott , zugute .kommt. Bs ist .kein Geheimnis, daß dieser Boykott mißbraucht wurde und nur zur Bereicherung der arabischen Händler geführt hat. Schon heute wird in arabischen Kreisen auf die große Gefahr hingewiesen, die dadurch entsteht, daß die Juden 'eigene Häuser bauen und die arabischen leer bleiben. Die arabische Exekutive? Ist sie die wahre Vertreterin der arabischen Massen? Vertritt sie ihre Interessen? Ein ökonomiisches und politisches Uebereinkoulmen mit ihnen ist nur möglich auf Grund der Ausbeutung und Unterjochung der arbeitenden Massen. Der Brith Schalom schlägt die Errichtung eines Parlaments mit den bekannten drei Reservaten vor. Nehmen wir den Fäll an, die Araber würden darauf eingehen. (De facto hat die arabische Exekutive diese Vonschläge abgelehnt.) Wäre dieses Parlament ein demokratisches Gebilde, würde es die Meinung des Volkes wiedergeben? Dieses Parlament würde zum Forum der arabischen Stämme- und Fämilienpoliti.k ausarten. Ein Blick über die Grenze nach Transjordanien (genügt, -um sich ein Bild von solch einem Parlament zu machen. Als Juden und Sozialisten müssen wir, entschieden gegen ein Parlament im heutigen Zeitpunkte uns aussprechen. Denn die Effendis und das arabische Bürgertum würden ihre Macht nicht nur gegen die Juden gebrauchen, sondern auch gegen die eigene Arbeiterschaft, wie aus vielen Beispielen ersichtlich ist. («Jüdischer Arbeiter» vom 3. Jänner, Politisches aus Palästina.) Wenn ich mich auch entschieden gegen ein Parlament im heutigen Zeitpunkte ausspreche, , so verschließe ich mich nicht der Tatsache, daß dieses Problem das brennendste unserer künftigen Politik sein wird. Die Ereignisse im Lande und der wirtschaftliche Entwicklungsprozeß wird sicher in der arabischen Jugend starke nationale Kräfte . erwecken. Das Verlangen nach lokaler Selbstverwaltung, dem wir nur dann zustimmen dürfen, wenn die demokratische Basis gesichert ist, ferner die sich organisch entwickelnde, das heißt von unten wachsende Notwendigkeit nach einem Parlament, werden wir sicherlich Rechnung tragen. Und da werden wir nicht mehr dem Effendi allein als Verhandlungspartner gegenüberstehen, sondern, wie die Tatsache der Gründung einer, wenn auch noch nicht klassenbewußten, arabischen Gewerkschaft beweist, der arabischen Arbeiterschaft. Und bier sehe ich den wichtigsten Punkt unserer künftigen Politik. Die arabische Arbeiterschaft zu organisieren, sie zu erziehen, muß die Parole /der Histadrutb werden. Und das wird-gelingen, denn schon heute sehen wir,

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