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Der Jüdische Arbeiter · 1930-02-17 · Heft 4 (17.2.1930) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 4 (17.2.1930)
Date
1930-02-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der jüdische Arbeiter Seite 3. Aus der jüdischen Welt Öle Sitzung des Aktionskomitees am 23. März. Im Einvernehmen mit der Londoner Exekutive hat der Präsident des zionistischen Aktionskomitees Motzkin eine Sitzung desselben für den 23. März nach London einberufen. Ueberfälle auf Juden in Kischiuev. Aus Kischincv werden Ueberfälle antisemitischer Studenten auf Juden berichtet. Die jüdische Bevölkerung befürchtet den Ausbruch von Pogromen. Ein Angriff des Misrachi auf Genossen Kaplansky. Der Sejmdeputierte und Führer des Misrachi greift im »Haint« vom 29. Jänner I. J. den Genossen Kaplansky wegen seiner angeblichen Ueberreichung eines Memorandums an die englische Regierung, in welchem er die Einführung eines Parlaments in Palästina vorschlägt. Wir w'erden nach Einlangen eines authentischen Berichtes auf diese Angelegenheit zurückkommen. 50.000 jüdische Arbeiter streiken in Amerika. Wie wir berichtet haben, hat der letzte Kongreß der zum größten Teil aus jüdischen Arbeitern bestehenden Gewerkschaften der Bekleidungsarbeiter beschlossen, eine Lohnbewegung einzuleiten. Nach Ablehnung der erhobenen Forderungen sind 50.000 Arbeiter in Ausstand getreten; sie werden in ihrem Kampf von der gesamten Gewerkschaftsbewegung unterstützt. (Der Streik wurde inzwischen mit einem Erfolg für die Arbeiter beendet.) Jubiläum der »literarischen Blätter«. Die unter der Redaktion Nachman Meisls stehende Wochenschrift »literarische Blätter« hat ihre 300. Nummer herausgebracht. Mitarbeiter dieses Organs sind die bedeutendsten jüdischen Autoren. Eine jüdische Wirtschaftskonferenz. In Lemberg fand am 3. Februar eine Konferenz der jüdischen kaufmännischen Vereinigungen, Handw'erkerorganisationen und Kleinhändlervereine statt. Von unserer polnischen Bruderpartei. In der jüdischen Schulorganisation sind bereits seit Jahren tiefe Veränderungen vor sich gegangen: einstens von der die weltliche jüdische Kultur bejahenden jüdischen Demokratie getragen, ist sie zum parteipolitischen Werkzeug des »Bund« gewprden. Dies ist besonders anläßlich der Ereignisse in Palästina zum Ausdruck gekommen. Wenn auch die Form, wie der bürgerliche Haint den Kampf gegen die jüdische Schulorganisation führt — wir haben darüber als einziges jüdisches Blatt bereits berichtet, keine Billigung finden kann, hat auch die Poale-Zion aus der Tatsache des Mißbrauchs des jüdischen Schulwesens die Konsequenz gezogen, ist aus der JSchO. ausgetreten und konzentriert ihre intensive Kulturarbeit innerhalb der Organisation »Schulkult«, die auf dem Standpunkt des rein weltlichen Unterrichts steht. Die Führung der Organisation liegt in den Händen unserer polnischen Bruderpartei. Der Schulkult hat ein positives Verhältniszur hebräischen Sprache. Die Partei hat ihre drei Schulen und sieben Kinderheime dem »Schulkult« angeschlossen. Zwei Schulen sind noch der jüdischen Schulorganisation angeschlossen. Des weiteren besteht die begründete Hoffnung, daß zu Beginn des neuen Schuljahres neue Schulen ins Leben treten werden. Aus dem inneren Parteileben ist zu berichten die Reorganisation der Administration der »Freiheit«, deren regelmäßiges Erscheinen gesichert ist und eine Aktion für den »Verbandsfonds», der die finanzielle Grundlage für die Arbeit des Sekretariates schaffen soll. Die Arbeit für den Palästina-Arbeiterfonds schreitet fort. Das von der allpolnisch.en Konferenz der Ligen für das arbeitende Palästina gewählte Zentralkomitee hat bereits zum ersten Male getagt. Von den erschienenen 40 Mitgliedern waren 30 unsere Genossen. Unsere Genossen sind von der Ferne gekommen, während von den Mitgliedern der Hitachdut und des Haschomer Mazair aus der Provinz niemand gekommen ist. In Ostgalizien, wo unsere Partei bisher in punkto Chaluzarbeit große Passivität gezeigt hat, wurde — ebenso wie in Westgalizioii — eine eigene poale-zionistische Kwuzah, »Dior« geschaffen. Unsere ßruderorganisation in Warschau hat ein<j Aktion zur Schaffung eines Heimes begonnen; sie war bisher ohne Lokal, was wohl wirklich als unhaltbar bezeichnet werden muß! Berichtigung. Wir werden um die Veröffentlichung der folgenden Berichtigung ersucht. Zürich, den 21. Jänner 1930. An die Redaktion »Der jüdische Arbeiter«, Wien, II., Blumauergasse l/Ill. Werte Genossen! Wir ersuchen Sie um Veröffentlichung folgender Richtigstellung, Sie schreiben in Ihrer Nr. 2 vom 17. Jänner 1930 unter dem Titel »Internationale« folgendes: »Die bei der Sommertagung des Bureaus der Internationale aufgeworfene Frage der Ligen für das arbeitende Palästina, die Frage der Vereinbarkeit der Zugehörigkeit zu ihnen mit der Mitgliedschaft zur Internationale, wurde bei der Herbsttagung nicht mehr auf die Tagesordnung gestellt.« Sie verw/echseln die Exekutive und das Bureau der Internationale. Die Exekutive, auf deren Tagesordnung im Sommer die Frage der Liga für das arbeitende Palästina stand, hat im Herbst überhaupt keine Sitzung abgehalten. Es sind daher alle von Ihnen an die »Herbsttagung« geknüpften Folgerungen gegenstandslos. Mit sozialistischen Grüßen Sozialistische Arbeiter-Internationale Fr. Adler. Theater. Das Gastspiel der »Wilnaer«. »Der Sänger seiner Trauer« — »Tevje der Milchmann« Die »Wilnaer Truppe« setzt ihr Gastspiel mit steigendem' Erfolg fort. »Der Sänger seiner Trauer« von Dymow ist unserer Meinung nach nicht als ernstes Kunstwerk zu werten. Wenn man von der oft variierten Fabel der Gewinnung des großen Loses absieht, ist dem Autor hier nichts besonderes eingefallen. Mit einer realistischen Inszenierung, die die »freie jüdische Volksbühne« vor Jahren versuchte, konnte auch nicht viel erreicht werden. Die moderne Inszenierung, die von Bulow. stammt, konnte erst dieses Märchenstück beleben. Stein war als Jaschke erschütternd, Domb als sein Vater, der Wasserträger, monumental. Frau Altbaum schuf in der Geflügelhändlerin Chudesch eine unvergeßliche Märchengestalt und Frau Pikus als das Dienstmädchen Schejne weckte aufrichtiges Mitleid für ihre Seelenqual. Scherte! und Kaurag boten ebenfalls glänzende Leistungen. Auch die anderen Schauspieler fügten sich dem Ganzen gut ein. »Tevje der Milchmann« von Schulim Alejchem haben wir in Wien in einer wundervollen Aufführung des New,- yorker Kunstlhcaters gesehen. Die Inszenierung, die die »Wilnaer« brachten, war schwächer als die des Newyorker Theaters, aber trotzdem war »Tevje« auch hier sehenswert. Herr Domb in der Titelrolle war abermals echt (in den hebräischen Zitaten war er etwas unsicher), vom Geiste des großen Humanisten erfüllt. Neben ihm konnte uns nur noch Frau Pikus als Chawe restlos gefallep. Sie gestaltete die Tochter Tevjes glaubhaft, sie war wirklich vom Fleische und Blute der großen Gestalt. Frau A 11 b a u m schlug ein Tempo an, das ihrer künstlerischen Gestaltung Abbruch tat. Frau Scheftel als Zejtel schien uns nicht auf dem richtigen Platze zu sein. Scheftel, Menissohn, und., Sorokin boten in Episodenrollen gute Leistungen. Als Gesamteindruck: gutes Niveau, einzelne Glanzleistungen, aber die Stärke Dombs, der das Stück regissierte, steckt nicht in der Regie, sondern in seiner bewundernswerten Schauspielkunst. Menachem. Literatur. Hakalkalah haereziasraelit bamisparim von J. Simon. Verlag: Dawar, Tel-Aviv. Sammlung: Chovrot »Dawar«, Heft 1. Eine 31 Seiten starke Broschüre, die dem des Hebräischen Kundigen auf diesem kleinen Raum gedrängt, eine große Zahl von Wirschaftsdaten Palästina betreffend bietet. Ahronowitz-Beilinsohn: Karka le Am. Chovrot »Dawar«, Heft 2. Verlag: Dawar, Tel-Aviv. Zwei, im Dawar bereits veröffentlichte Aufsätze zur Bodenfrage in Palästina enthält das zweite Heft der vorliegenden Sammlung. Der bekannte Agronom Ahronowitz lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das seiner Ansicht nach zentrale Problem der jüdischen Kolonisation: die Besiedlung des Pflanzungsgürtels. Private Bodenkäufe bedeuten hier Entstehung von Latifundien, Absentismus und arabische Arbeit. Der Verfasser ruft den Nationalfonds auf, hier mit seiner Arbeil einzusetzen. Beilinsohns Beitrag geht aufs allgemeine, sein Inhalt ist polemischer Natur: er rechnet mit einem journalistischen Angriff auf das arbeitende Palästina ab. Beilinsohn zeigt historisch, das Fehlschlagen der bürgerlichen Kolonisation, beweist, daß eine Massensiedlung nur im Wege einer Nationalfondspolitik mög- "ch ist j iH^^ilii Zeitschriftenschau. Im Novemberheft der Zeitschrift Nation und Staat veröffentlicht Dr. I. Rappaport ein Aufsatz »zur polnischen Judenfrage«, in dem er den geschichtlichen Werdegang derselben skizziert und ihren gegenwärtigen Stand darstellt. $ scheint uns, als ob sich der Verfasser' allzusehr auf Vorkriegsdaten gestützt hätte, insbesondere ist die von Heller geleistete große Enquete, und ihre Verarbeitung durch Loeker und Lipovsky unberücksicht geblieben! In der Wiener sozialdemokratischen Wochenschrift »Die Frau« (Dezember) ist ein informierender Artikel über die Frauenorganisationen in Palästina erschienen. Im Jännerheft des »Kampf« veröffentlicht der Führer der sozialistischen Internationale Vandervelde einen Aufsatz, in dem er für das sozialistische Komitee für das arbeitende Palästina eintritt. Die blutigen Palästinaereignisse in der hebräischen Poesie. Die blutigen Ereignisse iri Palästina, die die ganze jüdische Welt (mit Ausnahme einiger degenerierten Gruppen) zutiefst erschüttert haben; ließen ihre Spuren auch' in der palästinensischen hebnäischen Poesie zurück. i Feitiste, modernste {; Herrens und Damenhleiöer j j nach Maß zu kulantesten Bedingungen [ j H. Bronsoler | Schneidermeister j I XX., Treustraße 11 Tel. A-43-5-75 [ Die erste dichterische Reaktion auf die Ereignisse war ein Lied Ä. Reuwenis, der in der Form des Deborah-Liedes in dichterischer Vision eine Siegeshymne anstimmte und den Sieg des Jischuws über alle seine Feinde und Widersacher verkündete. Dieses Lied, das kurz nach den Ereignissen in der Jerusalemer Tageszeitung ,,doar hajom" erschien, wurde von der Regierung verboten und der „doar hajom" für eine längere "Zeit eingestellt. Die zweite dichterische Gestaltung war ein Gedieh tban'd, der vor kurzer Zeit im Verlag ,Jadan" erschienen ist und Uri Zwi Grünberg zum Autor hat. Uri Zwi Grünberg ist der kräftigste ujid.« temperamentvollste Repräsentant der junghebräischen Poesie in Palästina. Er ist gegenwärtig der Dichter der palästinensischen Arbeiterschaft, deren Leiden und Ringen um neue sozial-nationale Werte den mächtigsten Ausdruck in den . Werken Zwi Grünbergs gefunden hat. Er ist der Prophet des neuen Palästina, der in seinem Herzen alle Leiden und Martern, des neuen Jisch'uw trägt. Immer, wenn wir ein Buch dieses Dichters in die Hand nehmen, sehen wir, wie tief er mit allen Fasern seines Herzens in der Scholle Palästinas verwurzelt ist und wie vollständig er sein eigenes, individuelles Ich in das des ganzen palästinensischen Kollektivismus aufgehen ließ. Er singt daher nicht von persönlichen Leiden und Freuden, sondern nur von denen der ganzen, arbeitenden und leidenden Gemeinschaft Palästinas. fis ist daher selbstverständlich, da Ii gerade er als erster, den blutigen Ereignissen in Palästina ein ganzes Buch widmete. Seine äußerst sensible Seele mußte gleich reagieren und . . . sie reagierte auch. „Esor mögen unow ben hadam" (einen Schild1 umgürte und prophezei, Sohn des Blutes), heißt sein letztes Werk, das aus drei Teilen besteht. Im, ersten Teil erzählt er von den Kämpfen. und besingt den Heldenmut der jüdischen Verteidiger, der zweite Teil ist eine furchtbare Anklage gegen die zionistische Leitung, die das Unglück nicht rechtzeitig vorausgesehen hat, und zuletzt verkün'det er in dichterischprophetischer Vision den endgültigen! Sieg des Judentums in Palästina über seine Feinde und Widersacher. Wenn man den weiten Weg überschauen will-, den das jüdische Volk im Laufe zweier Jahrzehnte!durchschritten hat, genügt es, die beiden Poemen Bialiks: „als haschechita''' (über das Hinschlachten) und „beir haharega" (an der Mordstätte), in denen Bialik auf den Kischenewer Pogrom reagiert hat, mit 'dem letzten Werk Grünbergs zu vergleichen, das ebenfalls eine dichterische Reaktion auf blutige Judenüberfälle ist. Wie gewaltig der Unterschied! Dort ..... bei Bialik: ohnmächtige Wut, rasende Verzweiflung eines wehrlos hingeschlachteten Volkes und hier Grimberg: Selbstbewußtsein, Selbstvertrauen. Bialik in seiner Verzweiflung wendet sich an den Himmel: „Oh, Himmel, Erbarmen!" und im Bewußtsein der Ohnmacht, der Wehrlosigkeit, ruft er dem Henker zu: Henker! Den Hals hier schlachte! Wir sind die Minderheit mein Blut .ist frei... Wie anders Grünberg. Kein Erbarmen, kein Sich- Hinopfern, kein Blut ist frei, im Gegenteil, siegesbewußt singt er: Kein Araber wird den Schutzwall sprengen. Das mutige Bewußtsein seiner Kraft und der Gerechtigkeit seiner Sache, diese Elemente jüdischen Geisteslebens in Erez Israel, haben im Werke Grünbergs dichterischen Ausdruck gefunden. 'Drechsler. Zalraan Silberzweig. Ein jüdisches Theaterlexikon. (Selbslanzeige.) .... Es gibt wohl wenige Kultursprachen, die noch nicht ihr Lexikon besitzen: zu ihnen gehört die jiddische Sprache. Es scheint also, als ob es notwendig wäre, zuerst ein allgemeines jiddisches Lexikon zu schaffen und man erst danji an die Zusammenstellung von Fachlexikons gehen sollte. Das ist richtig. Nun sind zu einem solchen Werke Fachleute auf allen Gebieten und sehr viel Geld nötig und wir haben jetzt beides nicht. Soll deshalb jetzt kein solcher wichtiger Bildungsbehelf in jiddischer Sprache erscheinen? Sollen deshalb unsere Fachleute ihre Gebiete nicht bearbeiten und so ihren Beitrag für das kommende, allgemeine jiddische Lexikon nicht vorbereiten? Um es noch klarer auszudrücken: hat Zalman Reisen mit seinem »Lexikon der jiddischen Literatur und Presse« nicht eine wichtige Arbeit geleistet?.

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