Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- Heft 4 (17.2.1930)
- Date
- 1930-02-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Der jüdische Arbeiter Erstens hat er viele Denkmäler der jiddischen Literatur und viele Berichte über die jiddische Presse, die beide über die ganze Welt verbreitet sind (vergeßt nicht, wir sind ein Weltyolk) der Vergessenheit entrissen; Zwei tens hat er auf eiireY Stelle die Information über die wich tigsten Teile des jüdischen Lebens (Literatur und Presse, steller, Journalisten, Lehrer und Sprachforscher) konzentriert, und so eine wichtige Vorarbeit für das allgemeine Lexikon getan. Und drittens hat er den Beweis erbracht, daß wenn sich Menschen finden werden, die ihm an Aus datier gleichkommen werden, und jeder von ihnen sein Gebiet bearbeiten wird, ein allgemeines jiddisches Lexikon geschaffen werden kann. Ich brauche wohl deshalb den Schreiber dieser Zei len nicht zu rechtfertigen, daß er nicht »wartet«, sondern es auf sich genommen hat, das Lexikon für ein Gebiet zu verfassen, das im jüdischen Leben der letzten hundert Jahre eine wichtige Rolle gespielt hat, in der Gegenwart spielt und in der Zukunft noch spielen wird. Jüdisches Theater, beginnend mit den Purimspielern; den Badchanim «(Spaßmachern), den religiösen, halbrell giös und weltlichen Sängern, bis zu Goldfaden, Lateiner, zur Jakob Gordin und Perez Hirschbeinepoche, den Versuchen des Perez und Perez-Hirschbeintheaters, dem Feinmanntheater in London, der Wilnaer Truppe, dem Mpris-Schwarz-Kunsttheater, der freien jüdischen Volksbühne in Wien, dem Moskauer jüdischen Kunsttheater, das alles ist ein Blatt jüdischer Kulturgeschichte, begin nend irgendwo in Ialien, heute mitrepräsentiert vom Jüdischen Theatcrleben weit in Brasilien. Wolf Ehrenkranz, Israel Grodner, Abraham Fischsohn, Jakob Spirvakovsky, Jakob Adler, David Keßler, Boris Tomaschevsky, Siegmund Mogules'ko, Jeni Lipzin, Ester Rachel Kaminsky, Julius Adler, Rudolf Zaslavski, und sogar die alten Jakob Kazman und Abraham Fischkind, die Jungen Jenni Goldstein, Ludwig Satz, Mali Pikon, Moris Schwarz, Almit, Granowski, Max Gebil, Josef Rumschinski, Jakob Kaiich bis Josef Bulaw, — sie alle sind Vorkämpfer der modernen jüdischen Kultur und der verachteten jüdischen Volks' spräche! Verdienen sie und ihre Zeit nicht ein Denkmal ihres Schaffens für die kommenden Geschlechter? Ja? Nun. dieses Denkmal soll »das Lexikon des jüdischen Theaters« sein. Dieses Lexikon wird 2100 Biographien all derer en halten, welche eine Beziehung zum jüdischen Theater In ben, Biographien von Schauspielern, Regisseuren, Direktoren, Managern, Dramaturgen, Uebersetzerri, Komponisten, Kulissenmalern, Kritikern und Rezensenten. Jeder Biographie ist ein Bild des Betreffenden angeschlossen. Die Biographien beginnen mit den Purimspiclen und .schließen mit den jüngsten Schauspielern des jüdischen Theaters. Das Lexikon ist schon im Druck und wird in einigen Monaten erscheinen. Aus dem »Vorwärts«, | Josef Lampel. Auf furchtbar tragische Weise machte der brave Genosse Josef ampel seinem Leben ein Ende und nahm sein vierjähriges Söhnchen Erich mit in den Tod. Lampel gehörte unserer Organisation nicht lange an, aber in dieser kurzen Zeit erwarb er sich die Liebe vieler Genossen. Seine aufrichtige ungeschminkte Art der Beziehung zu seinen Genossen und zur Sache, der er diente, seine restlose Treue und seine Abneigung gegen jedes Opfer an Ueberzcuguug heischende Kompromiß gewann uns. Wer ahnte je, daß gerade diese Eigenschaften und seine Impulsivität sein Verhängnis wvrden können? Lampel stand im dreißigsten Lebensjahre. Wir durften noch riele Jahre fruchtbarer Arbeit für unsere Sache von ihm erwarten. Wir werden seiner stets gedenken. Vierländer-Konferenz der Chaluz- und Jugendorganisationen Am 25. und 26. Jänner d. J. fand in Wien in Gegenwart des Leiters der Wclthechalutz, des Gen. Dolekin, eine Konferenz der Chaiuzverbände und Jugendorganisationen Oesterreichs, Deutschlands, CSR. und Ungarns statt, die über gemeinsame Arbeitsmöglichkeiten und Aktionen beriet. Die Tagung war von 35 Delegierten beschickt, welche 16 Organisationen aus vier Ländern vertraten. Und zwar: Deutsch! a n d: Heclialuz und 1IWB., Ungarn: Hcchaluz und Schomer-Hazair, CSR.: Hechaluz, Techeleth- Lavan und J1A J., Oestcrr e i c h: Hechaliiz, JSAJ., Mischmar-Haowdim, Blau-Weiß, Gordoniah, Schomer- Hazair, Zirenu, Makabi-Hazair und Mädchengruppe Mirjam. Die Tagung wurde Samstag im Festsaale des Alten Rathauses mit einem großen Meeting eröffnet, im dichtgefüllten Saale sprach Dobkin (Palästina) und Schura Aschorowitz (Berlin) über die Bedeutung der Chaluzim beim Aufbau Palästinas, die Situation der Chaluzbeweguiig und Möglichkeiten der Hachscharah. Besonders Dobkin sprach über die in Mitteleuropa bestehende irrige Ansicht über die Vorbereitung für Palästina. Seiner Ansicht nach ist nicht die besondere Ausbildung für einen Beruf die Hauptsache, da der nach Palästina kommende Arbeiter zirka viermal im Jahre, je nach der Saison, seinen Arbeitsplatz und seinen Beruf wechselt. Vielmehr müßte das Hauptaugenmerk auf die Vorbereitung zum Gemeinschaftsleben, den Kollektivismus, zugewendet werden. Die Kibuzim sind und müssen auch weiterhin die Hauptzentren der Arbeiterschaft im Lande bleiben. Deshalb die besondere Bedeutung der Hachscharah-Kibuziuth. Die eigentlichen Beratungen der Delegierten wurden in Anwesenheit einer großen Zahl der aus den Ländern erschienenen Jugend in unserem Heime, Blumauei gasse, Sonntags früh begonnen. Das Einleitungsreferat wurde von Hugo Steiner (Wien) gehalten. Von der soz. Struktur der Juden in Mitteleuropa ausgehend, betrachtete er die Möglichkeiten der Umschichtung, die Einordnung, in Palästina. Seine Ausführungen, die mit zahlreichem statistischem Material bewiesen wurden, waren ausgezeichnet, doch wurden sie im Laufe der Debatte vollkommen übergangen und blieben nichts weiter als die Einleitung. Es wurden schließlich Resolutionen gefaßt, in welchen die Konzentration aller-chaluzischen Jugendbünde, die Schaffung eines Sekretariats in Berlin und der Ausbau der Chaluz-Literaiur beschlossen wurde. Lu. Wiener Organisation. Der Beginn der Vorwoche stand ganz im Zeichen des Abschieds unserer 18 Chaluzim und Chaluzot. Am Montag veranstaltete unsere Ortsgruppe Brigittenau ein Abschiedsfest, das außerordentlich schön verlief. Nach der Eröffnung des Abends durch Gen. Horowitz intonierte die Kapelle unser Schwurlied; hierauf sprachen die Genossen Dr. Bernay, Dr. Sokal und Herr Nimhäuser Abschieds wiorte an unsere Olim, in deren Namen Gen. Hugo Steiner antwortete. Die au der Feier teilnehmenden Herren Prof. Geiger und Oberkantor L a n d erer haben durch ihre künstlerischen Darbietungen den Abend besonders schön gestaltet. Horatanz und Gesang vereinte die Teilnehme bis spät in die Nacht. Am Dienstag fand im Hotel »Post< die offizielle Abschiedsversammlung unserer Organisation, der JSAJ. und des Mischmar Ovdim unter Vorsitz Dr. Bernays statt; es sprachen Gen. Singer (P,-Z.), fakob Singer (Hechaluz), Gen. Papanek für die Partei, die SJA. und die Jungordner, Gen. Winterberg für die JSAJ. und Gen. Werkert für den Mischmar Ovdim.. Im Namen der Chaluzim antwortete Gen. Bloch in hebräischer Sprache. Unter den Klängen der Internationale überreichte Gen. Lustig den Olim eine rote Fahne, mit der Absingung des Techesakna schloß die erhebende Feier. Generalversammlung, Am Mittwoch, den 20. Jänner d. J. fand die Generalversammlung ■ des ersten jüdischen Arbeiter- Schach klubs statt Dem Berichte der abtretenden Leitung' war zu entnehmen, daß die Schachsektion im abgelaufenen Arbeitsjahre eine günstige Entwicklung genommen hat. Die Konsolidierung der Kampfmannschaft hat bedeutende Fortschritte! durch den Beitritt ziemlich spielstarker Mitglieder gemacht. Der momentane Stand in der Meisterschaft kann als günstig bezeichnet werden. - Die Gebarung Wurde nach sehr soliden Grundsätzen geführt, so daß die abtretende Klubleitung keine geldlichen Verpflichtungen hinterläßt, obwohl die Beiträge an den Arbeiterschachbund eine bedeutende Erhöhung' erfahren haben und zur Ergänzung des Schachparks weitere Anschaffungen gemacht werden mußten. Die wichtigste. Aufgabe der neuen Leitung ist die Aufstellung einer Schutzgruppe bezw. einer zweiten Mannschaft. Nach einer Diskussion, au der sich die Spieler Ewinger, Goldsteiii, Jungermaun, Lichte nfeld und Schleien beteiligten, wurde die neue Leitung gewählt. Mit der Führung des Klubs wurde Gen. Schleien betraut: Ihm stehen von der abtretenden Leitung als Spielführer: Gen. Lichtenfelcl, als Kassier, bezw. Schachwart die bewährten Genossen Ewinger bezw. Pachtinger zur Seite. Gen. Fried mann wurde von den jüngeren Mitgliedern als fünfter in die neue eitung dirigiert. Den nach Palästina auswandernden treuen und ihr pflichteifrigen. Gen. Socha jun. wurde der beste Dank und die "herzlichsten Wünsche für seineu weiteren Lebensweg ausgesprochen. Die bis h e r i g.e n Spiel e r g e b n i s s e s i n d: gegen Alsergruud 71 .,:4'/.,( SimnWing 6:6, gegen Josefstadt H'/,:1 Stadlau 6:6, Franz-Jose fsbahn 5:7, Floridsdorf 5:7. friitoiiwr i die L Die Gemeinde Wien haftet mit ihrem gesamten Vermögen für alle Einlagen in der Zen- - - - - tralsparkasse - - - - JL, m$ iiiiiiiiiu.oiiiiiii.:1 Leb ensversi.cherungs» Gesellschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Versicherungsbestand Ende Juni 1929: 8 2,000,000.000' - Garantleinittcl Ende 1928: S 242,000.000'- Prflmien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1928: H 97,300.000 — Auszihlung an die Versicherten im jahie 1923: » 26.500.000 — TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavlen, Bulgarien,Griechenland,Türkei, Aegypten, Palastina. Pensions-Versicherung Ugy; mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei frühe! er BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unveifallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Vers i ch eruri gs * A k t i e n * G e s e I f-s c h a f t früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 Wir gratulieren dem Gen. lng. Engelberg zu seine Vermählung. Die Organisationsleitiing. Wir beglückwünschen unseren Genossen Professc Hirschl und Gemahlin anläßlich ihrer Vermählung au allerherzlichste. Die Organisationsleitun; Genossen und Genossinnen! Gedenket bei jedem Anlaß des jüdischen Nationalfonds! Genossen .und Genossinnen unserer Organisatiü treffen sich jeden Donnerstag ab 8 Uhr im Cafe Arkade 1., Universilätsstraße. Genossen! Verlanget in den Kaffeehäusern und Restaurants den „Jüdischen Arbeiter1 Jeder Arbeiter und Angestellt liest die Arbeiterzeitung zu beziehen durch jede Tabak-Trafik od< direkt, Wien, V, Rechte Wienzeile Nr, Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantvvortl. Redakteur: Markus Lachs, Angestellter, Wien, II., Gr. Sperlgasse 19. —' Druck: »Adria«, Wien, II., Taborstraße' 52 b