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Der Jüdische Arbeiter · 1930-01-17 · Heft 2 (17.1.1930) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 2 (17.1.1930)
Date
1930-01-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Dar jüdiseha Ärt&ter Seite 3 Tüchtiger Inkassant sucht Beschäftigung. Zuschriften unter »Verläßlich« an die Administration d. Blattes. zu diskutieren*. Die Teilnehmer wollten nichts 'davon hören; nicht etwa aus bösem Willen, sondern aus Interesselosigkeit. Sie stellten den Referenten Fragen, " die aktuelle Ereignisse betrafen; statt der Besprechung der Parteien Vereinigung, kam es zu Referaten über . die politische Situation. In fast keiner Ortsgruppe kam es auch' zu einer gründlichen Durchbesprechung dieser wichtigen Probleme. Selbst in der Arbeiterpresse fand man keine Spur einer Diskussion, wie man sie erwartet hätte: Der größte Teil der Delegierten tritt unvorbereitet, zumindest von seinen Wählern nicht instruiert, die Reise zur Konferenz an. Es fehlte nicht an Stimmen, die eine Verschiebung der Tagung" um einige Monate forderten. Es besteht nämlich die Gefahr, daß es in Tel-Aviv ähnlich zugehen werde, wie auf den genannten Versammlungen. Die Delegierten würden bloß, über die „politischen Ereignisse" undihre Folgen sprechen, was in diesem Augenblick völlig unfruchtbar wäre, dabei die besonderen Aufgaben der Konferenz vergessen. Das Präsidium wird eine schwierige Arbeit zu leisten haben, um diese gefährliche Klippe zu umsegeln und die Tagung zur Erfüllung ihres Programmes zu führen. Jerusalem, Ende Dezember 1929. Haben die Juden beim Bodenkauf die Fellachen übervorteilt? Die Anwälte der Araber haben in' tter parlamentarischen Untersuchungskommission u. a. gegen den Zionismus > den Vorwurf erhoben, er verdränge die Fellachen.'Als Antwort darauf veröffentlichte die hebräische Presse folgendes Interview mit I. Chenkln. „Seit 48 Jahren weile "ich fast ununterbrochen in Palästina. Nur während des Krieges verschickte mich die türkische Regierung nach Buissa in Kleinasien. Die ganze Zeit hindurch widmete ich mich dem Kaufe von Böden für unsere Volkskolonisation, und ich' sehe in dieser Tätigkeit meine Lebensaufgabe. Ich habe auf diesem Gebiete nicht, ziellos, sondern systematisch nach einem vorbedachten Plan gearbeitet, mit reinem Gewissen, ohne jemandem Schaden zu wollen. Viele meiner Käufe, die ich vor 40 Jahren plante, hind erst jetzt realisiert worden. Die Beziehungen zwischen mir und den vielen Arabern, mit denen ich während all dieser Jahre zu tun' hatte, sind der beste Beweis dafür, daß; unsere Bodenkäufe nicht nur den Juden, sondern auch1 den Arabern Vorteile brachten. 95 Prozent aller Grundstücke, «die ich für jüdische Kolonisation gekauft habe, waren Eigentum von Großgrundbesitzern, die zum größten Teil nicht einmal im Erez Israel wohnten. Das Land lag völlig verödet da, nur kleine Teile wurden von fellachischen Pächtern bearbeitet. Die Lage dieser Pächter war. gewöhnlich sehr schlecht, denn sie steckten' tief in Schulden'. Die Effendis und reichen Städter gaben Darlehen gegen 30—40 Prozent, Zinsen, und nahmen 'ihnen bei "Nichtzahlung der Schuld all ihr Vermögen weg. Wir haben den Pächtern volle Gerechtigkeit widerfahren lassen: wir haben ihnen nicht bloß die Tilgung ihrer Schuld ermöglicht sondern ihnen auch große Geldsummen zur Verfügung gestellt, so daß sie sich leicht auf neuen Plätzen ansiedeln und ihre ökonomische Lage verbessern konnten. Nur wir konnten es uns leisten, solche Preise für Land zu zahlen. Es ist ganz unwahr, daßt die Araber von Grund und Böden vertrieben wurden. In einigen Punkten, .wie Kfar-Safa, und dem Emek'-Akko bei Haifa ist es so .weit gekommen, daß die dortigen gewesenen Pächter durch! jdiej von uns1 ihnen) gegebenen Entschädigungen über Nacht vermögende Kolonisten wurden, und ich kann mir nicht vorstellen, daß sie die Juden hassen. Esf ist;nur eine Phrase der arabischen Geschäftspolitiker, daß die Araber von ihren Böden vertrieben werden; denn sie können uns keineneinzigen diesbezüglichen Fall nennen. Der Verkauf der restlichen 5 Prozent Böden: durch' die; Fellachen brachte letzteren nur Vorteile, denn die Böden, die in der Pflanzungszone liegen, sind von den arabischen Dörfern weit entfernt und haben für diese keine wirtschaftliche Bedeutung. Wir haben für den Boden höhe Preise bezahlt. Durch deren Kolonisation wurde auch die Lage der Fellachen verbessert, ihr Lebensstandard erhöht und ihre» Wirtschaft produktiver. Nie sind wir an die Leute herangetreten, sie mögen uns Land verkaufen; nur wenn die Dörfer uns Böden anboten und alle Dörfbewohner zustimmten, tätigten wir Käufe. Es ist nicht richtig, daß. die Beziehungen der Araber zu uns feindlich sind. Es gibt nur professionelle Hetzer. Wo es jüdische Siedlungen gibt, dort entwickelt sich auch die arabische Bevölkerung. Sogar *die Beduinen setzen sich gerne in deren Nähe fest. Port, wo es keine jüdische kolonisatorische Tätigkeit gibt, ist auch die Lage der Fellachen schlecht und man konnte sie dort leicht aufhetzen. Aus der Wiener jüdischen Gemeinde. Der Lohnkampf der Angestellten. — Der Klub der sozialistischen Juden tritt für die Angestellten ein. — Die tragikomischen Schritte um die Bundeszuschüsse. — Die ewigen Budgetprovisorien. — Uneinigkeit in der „Union". — Die „Werktätigen" amüsieren die „Union". — Hetze gegen Genossen Singer. — Vor dem Kampfe um das allgemeine Wahlrecht. Seit Monaten steht die jüdische Gemeinde in einem Konflikt mit ihren Angestellten — bezüglich der Auszahlung des 14. Monatsgehaltes. Die Angestellten der jüdischen Gemeinde haben bekanntlich eine Vereinbarung, daß ihre Gehälter automatisch denen der Angestellten der Gemeinde Wien angeglichen werden sollen. Bei dieser Vereinbarung hatte sich die Leitung der Kultusgemeinde seinerzeit vorbehalten, daß sie die Automatik nur nach Maßgabe der hiefür vorhandenen Mittel anwenden wird. Nun hat die Gemeinde Wien ihren Angestellten den 14. Monatsgehalt bewilligt, die Leitung der jüdischen Kultusgemeinde weigert sich aber, ihren Angestellten diese Gehaltsaufbesserung zu gewähren, sie verschanzt sich unter dem ominösen Vorbehalt. Der Klub der Mandatare der sozialistischen Juden, dem außer unseren Genossen Dr. Glanz und Singer auch Genosse Grünhut angehört, haben in einem Antrag die Auszahlung des 14. Monatsgehaltes verlangt. In diesem Antrage wird u. a. darauf, verwiesen, daß der Vorbehalt, auf den sich die Leitung der Kultusgemeinde beruft, unfair sei, da er die Automatik völlig illusorisch mache. Die Kultusgemeinde sollte vielmehr den Anspruch der Angestellten aut den 14.' Monatsgehalt als berechtigt anerkennen und, wenn sich Schwierigkeiten bei der Aufbringung der Geldmittel ergeben sollten, mit größerem Nachdruck die Forderungen auf die Bundeszuschüsse vertreten. Bezeichnenderweise ist der Klub der .sozialistischen Juden mit der Forderung nach der Ausbezahlung des 14. Monatsgehaltes an die Angestellten von allen anderen Gruppen völlig isoHert geblieben. Es verlautet sogar, daß die Finanzkommission, der auch Palästina Orangen die führenden Marken von Palästina-(Jaffa)-Orangen sind Sungold und Hascherongoid in Aroma und Geschmack vorzüglich. Preise: 1 Kiste enthaltend 50, 60, 75 und 90 Stück S 23. 1 Originalpacket enthaltend 14, 17, 22 und 26 Stück S 7,40. Bestellungen — auch nach Hause zustellbar nur bei S. HALPERN Delikatessenhandlung Wien, II., Förstergasse 6, Tel. R-40-4rl2 Vorsteher Hirsdhfeld .von den „Werktätigen Juden" angehört, einhellig beschlossen hat, den 14. Monatsgehalt nicht auszuzählen. & i Geradezu tragikomisch wirkt es, bei jeder zweiten Sitzung des Kultusvorstandes zu hören1, man habe einen „neuen Schritt" lunternommen, um die Bundeszuschüsse zu erhalten' iimd man darf auf eine baldige günstige Erledigung rechnen. Diese' Versicherungen werden seit länger als einem Jahr' wiederholt. , Wird sich diese Leitung niemals, wie es unsere Genossen . oft vorgeschlagen haben, aufraffen, diese Zuschüsse laut und mutig zu fordern?. .* In der Sitzung vom 30. Dezember, also knapp vor Torschluß, suchte die1 Leitung um ein Budgetprovisorium für die Monate Jänner und Februar an, da .sie die Budgetarbeiten: nicht beendigen konnte, in der jüdischen Gemeinde sind die Budgetprovisorien das Normale geworden. Dr: Friedmann, der Obmann des zionistischen Klubs,, hat uns aufrichtig leid getan, daß er gezwungen war, in Vertretung des Finanzreferenten über die Bewilligung des Provisoriums zu referieren. Zur Begründung führte er an: Wir warten auf die Bundeszusdh'üsse (wie lange noch?) und die jüdischen Feiertage sind heuer in ein sehr vorgerücktes Datum gefallen ... Auch hier war der Klub der sozialistischen Juden der einzige, in dessen Namen Dr. Glanz erklärt hat, daß er gegen: die Bewilligung des Provisoriums stimme. ■ ■ * Es fällt allgej-neijn auf, daßs die Vorsteher der „Union" in den letzten:Sitzungen ihre Unzufriedenheit mit dem Präsidium juhd dem Vertreterkollegium, in denen ihr Klub die Mehrheit hat, laut und unzweideutig zum Ausdrucke bringen. Es scheint dort nicht alles in Ordnung zu sein. . Bedauerlicherweise lassen auch die beiden Vertreter der „Werktätigen Juden" Moriz und Hirschfeld fast keine Sitzung verstreichen, ohne den Klub der sozialistischen Ju^en anzugreifen. Die Herren der „Union" ergötzen sich natürlich an diesem Kampfe der „Genossen unter sich". Dient es ja auch der Ablenkung von der Wahrnehmung der Uneinigkeit in ihrem eigenen Lager. Unsere Genossen üben äußerste Zurückhaltung, sie überlassen es mit Recht den „Veteranen" Moriz und Hirschfeld, die jüdischen Plutokraten mit ihren Angriffen gegen uns zu amüsieren. * In der letzten Sitzung des Kultusvorstandes haben die Herren der „Union" und der ,,Agudah", auch diesmal auf ein Signal des Vorstehers Moriz, den Genossen Singer wegen seiner Behauptungen über die Fonds der „Agudah" angegriffen. An diesen Angriffen beteiligte sich leider auch Vizepräsident Doktor Ohrenstein, indem er behauptete, daß Genosse Singer dem Präsidium in dieser Angelegenheit keine schriftliche Erklärung übermittelt hat. Wie uns Genosse Singer mitteilt, entspricht diese Behauptung des Dr. Ohrenstein nicht der Wahrheit. Genosse Singer erklärte übrigens in der letzten Plenarsitzung, daß er den ganzen Sachverhalt veröffentlichen wird, was auch in der allernächsten Zeit geschehen wird. * Das Jahr 1930 wird im Zeichen des Kampfes um das allgemeine Wahlrecht stehen. Der Kampf wird zewifellos ein äußerst schärfer werden. Sollte die jüdische Plutokratie ihr reaktionäres Verhalten in dieser Frage nicht ändern, dürfte eine Auflösung des Vorstandes kaum zu vermeiden sein. Die Wähler werden dann zur Entscheidung in dieser Frage aufgerufen werden. Herr Stricker und das allgemeine Wahlrecht. Herr Oberbaurat Robert Stricker, der Führer der demokratischen Zionisten, bemüht sich krampfhaft, seine undemokratischen Taten in Gegenwart und Vergangenheit abzuleugnen. Er versucht auch abzustreiten, daß er gegen das allgemeine Wahlrecht in die jüdische Kultusgemeinde aufgetreten ist. Ich erlaube mir deshalb, ihm gefälligst in Erinnerung zu bringen,, daß er während der Wahlbewegung im Jahre 1925 in einer großen Versammlung in den „Rosensälen'", in weicher ich gegen ihn aufgetreten bin, die Ablehnung des allgemeinen Wahlrechtes verteidigt hat. Er tat es nicht nur im Sinne, sondern geradezu in; denselben Worten wie die Führer der „Union": Er sagte fast wörtlich: Da die Steuer eine so minimale sei, hat eigentlich jeder Jude die Möglichkeit, das Wahlrecht zu erwerben. Ich hoffe, Herr Stricker wird diese Tatsache nicht abzuleugnen versuchen. Mendel Singer. Jüdische Arbeiterbewegung in Palästina. Der wichtigste Inhalt des Memorandums, das — wie unser Berichterstatter mitteilt — von der Histardruth der Uritersuchungskommission überreicht wurde besteht in folgenden: Ktärke, Tätigkeit der Hist, Beteiligung an der Amsterdamer Internationale, Bedeutung des zionistischen Werkes für die Arbeiterschaft, soziale und nationale Triebkräfte der chaluzischen Einwanderung, die Niedrigkeit des Lebensstandards der arabischen Arbeiter, die sozialpolitische Passivität der Regierung, die soziale Natur der arabischen Hetzer, die Mitschuld der Regierung ai. den Hetzereien > Die Histardruth hat an die Regierung neue sozialpolitische Forderungen gestellt. Die Verordnung von 1927, die Arbeiterunfällsentschädigungen eingeführt hat, soll auf Beamte, Handelsangeslellte etc etc. erweitert werden. Weiters wird die Einbeziehung der Arbeiter in nicht mechanischen Betrieben unter das Gesetz gefordert, und die Einführung einer obligatorischen Unfall- und Krankenversicherung gefordert. Bei den Regierungsarbeiten in Jerusalem ist' unter der Führung der Histadruth eine Lohnbewegung ausgebrochen: es stehen in diesem Kampfe arabische und jüdische Arbeiter in einer Front. In der Kwuzah Jagur fand eine Konferenz aller Kwjirzoth statt, 50 Delegierte und 400 Gäste waren anwesend. Es wurde eine Spitzenorganisation aller Kwuzoth gegründet. In der Fabrik »Eden« fand, wegen verweigerter Lohnerhöhung ein statt; er wurde für die Arbeiterschaft günstig beendigt. Wegen innerer Streitigkeiten hat die Arbeit auch in der Fabiik Brokai geruht; sie wurde nach Verhandlungen wieder aufgenommen die Arbeiter erhalten den halben Lohnausfall. Die Eisenbahn- und Telegraphenarheiterorganisation hat eben ihr lOjähriges Bestandsjubiläuni gefeiert! Aus der Jüdischen Welt. Delegiertentag der deutschen Zionisten. In Anwesenheit des Präsidenten der Jewish Agency Chaim Weizmanns fand am 28. und 29. Dezember in Jena der 23. Delegiertentag der deutschen Zionisten statt, der einen monatelangen innerzionistischen Kampf zum Abschluß brachte. Das wichtigste Ergebnis der Tagung ist die Niederlage der Radikalen und Revisionisten: Es wurde eine Leitung auf Grundlage der Koalitionzwischen linkem Zentrum, Hitachdut, Sozialistischen Z\QXi\-

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