Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- Heft 2 (17.1.1930)
- Date
- 1930-01-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Settel Der jädfcßhe ArHHter sten (Naphtaligruppe) und Misrachi mit Blumenfeld als Vorsitzenden gewählt. Ein Mißtrauensvotum gegen die Redaktion der jüdischen Rundschau wegen ihrer Haltung zur arabischen Frage v/urde mit Zweitdrittelmehrheit abgelehnt. Der 9. tschechoslowakische Zionistentag. Am 28. Dezember fand in Brünn der 9. tschechoslo wakische Zionistentag statt. Von 222 Delegierten waren 55 der Arbeitsgemeinschaft zionistisch-sozialistischer Gruppen angeschlossen. Die Tagung beschloß, daß jedes Mitglied der zionistischen Organisation Mitglied der Jüdischen Volkspartei sein müsse — ein gegen die Poale Ziort gerichteter Beschluß. Tagung der Hitachdut in Polen. Bei der kürzlich in Warschau stattgefundenen Kon ferenz der zionistischen Arbeitspartei Hitachdut in Polen wurde u. a. auch die Icliudfrage erörtert: man kam zum Beschluß, daß eine Vereinigung mit der Poale Zion'gegenwärtig unmöglich, aber eine weitgehende Kooperation anzustreben sei. Konferenz der »International ladies garment workers union« in Cleavländ. Die International ladies garment workers union (Gewerkschaft der Frauenbek'leidungsarbeiter) ist die größte Organisation der amerikanischen Bekleidungsarbeiter überhaupt.-Sie ist im jähre 1900 gegründet würden, zählt heute 105 Tausend Mitglieder, davon sind 63% Juden. In der New Yorker Gewerkschaftsgruppe bilden die Juden 75% der Mitglieder. Die Organisation gibt englische, italienische und jiddische Zeitungen heraus, und hat »Ge sundheitszentren«, Gewerkschaftsbanken und Bildungs-: insitute geschaffen. Die Konferenz ging unter der größten Anteilnahme der amerikanischen Arbeiteröffentlichkeit vor sich: es nahmen u. a. als Gäste der Präsident des amerikanischen Gewierkschaftsbiindes Green, der Herausgeber des Vorwärts Kahaul und Hilgint teil. Die Paole Zion hat ein ausführliches Begrüßungsschreiben entsandt. Die Konferenz; hat wichtige Beschlüsse gefaßt: sie beschloß, mit großen Lohnbewegungen einzusetzen, einen Arbeitslosenfonds zu errichten, eine Kranken- und Altersversicherung ihrer Mitglieder einzuführen und die Aktion für die Gründung einer amerikanischen Labourparty zu fördern. Terror in Rußland. 400 Zionisten, darunter Chaerim des linken Hechaluz wurden in Odessa verhaftet. Die Werkzeugsamnilung für die deklasierten Juden Rußlands in Amerika. Die genannte Hilfsaktion hat im abgelaufenen Jahre 100.000 Dollar ergeben. Die Kampagne hat 108 Städte erfaßt. 140 Zweigstellen des Arbeiterringes führen regelmäßige Beiträge ab. Für das Geld wurden Rohstoffe und Maschinen gekauft, Fabriken gebaut. Demnächst findet' die erste nationale Konferenz der Werkzeugaktion statt. Aus unserer Weltbewegung. Aus unserer Weltbewegung Amerika. Die Spitzenorganisationen unserer amerikanischen Partei haben im Verein mit dem jüdisch-nationalen Arbeiterverband einen Aufruf erlassen, in dem sie dies jüdische. Proletariat Amerikas auffordern, die jüdischen Arbeiter in Palästina politisch zu stärken. Diese Aktion wendet sich — wie es im Aufruf heißt — einerseits gegen gewisse Reformrabbiner, andererseits gegen gewisse antizioni-; stische Sozialisten, die in der letzten Zeit nach den Geschehnissen im Lande glauben, daß ihre Zeit wieder gekommen ist und versuchen in der nichtjüdischen Welt den Eindruck zu. erwecken, als ob wesentliche Teile des jüdischen Volkes sich zum Zionismus oder zur Balfourerklärung indifferent oder gar negativ verhalten würden. Das jüdische Proletariat soll sich durch Unterschriften; unter eine Solidaritätskundgebung für das arbeitende Palästina zum proletarischen Zionismus bekennen. Dieser Aktion wie auch der allgemeinen Propaganda gilt eine Tournee, die Genosse Locker durch das ganze Land unternimmt. Die poale-zionistische Frauenorganisation steht mittendrin in einer 50.000 Dollaraktion für die Frauenkooperativen in Erez Israel. In Chicago fand kürzlich eine Frauenkonferenz statt. Der unserer Bruderorganisation nahestehende jüdisch-nationale Arbeiterverband hat für das unter seiner Mithilfe geschaffene Arbeitersanatorium »Borochov«, das am Karmel aufgebaut ist, 1000 Dollar an C.'< yz "i Leitung übcr.vicse:!. Der 3. Band Boroäors Schriften wurde dem Drucker bereits übergeben. Internationale. Die bei der Sommertagung des Bureaus der Internationale aufgeworfene Frage der Ligen für das arbeitende Palästina, die Frage der Vereinbarkeit der Zugehörigkeit zu ihnen mit der Mitgliedschaft zur Internationale wurde bei der Herbsttagung nichi mehr auf die Tagesordnung gestellt. Man sah offenbar ein, daß da bei der bestehenden Einheitsfront aller Vertreter der in der Internationale realpolitisch entscheidenden Länder für das arbeitende Palästina nur eine Niederlage zu holen ist und vermied diese durch stillen Rückzug. Palästina. Auf Anregung unseres Wettverbandes entsandte die Histardrut an die Amsterdamer Internationale ein Memorandum über die Ereignisse im Lande; in der von unserer Organisation herausgegebenen Broschüre ist das Wesentliche des Memorandums enthalten. Konferenz der Poale-Zion in Deutschland. Die Beschlüsse der am 4. und 5. jänner stattgefundenen Beratung unserer Genossen in Deutschland sind uns leider noch nicht authentische Nachricht zugekommen. Uelber den äußeren Verlauf folgendes: Gen. Rudel eröffnete die Tagung mit Worten des Gedenkens der Toten in Palästina und des Grußes an das arbeitende Erez Israel und die russischen Genossen. Oskar Cohn hielt eine Ansprache an Eduard Bernstein, der in seiner Antwort ein Bekenntnis zum Poale-Zionismus ablegte: »Ich halte es für meine Pflicht, der Bewegung der Poale-Zion anzugehören,« Referate hielten Gen. Ing. Reiß vom Verbandsbureau über die Lage im Weltverband, Gen. Beil Katzenelson über die Politik der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. Am 5. Jänner vormittags fand die Debatte zum Bericht des ZK. statt und referierte Gen. Cohn über die Gemeindepolitik. In der Nachmittagssitzung fand eine Palästinadebatte statt, an der sich Fritz Naphtali, Reiß und 'Katzenelson beteiligten. In das neue ZK. wurden gewählt die Genossen Rudel, Dr. Lubinsky, Dr. Hans Cohn, Dr. Potscher, Wahl, Dr. Kaleko, Bloch, Lifschütz, Tschertok. In der Frage der Beziehung zur zionistischen Vereinigung für Deutschland wurde auf Antrag Rudels beschlossen, daß die Mitgliedschaft zur Poale-Zion mit der zur Z. V. f. D. vereinbar ist. Konferenz der englischen Poale-Zion. Bei der Ende Ende Dezember stattgefundenen Konferenz der Poale-Zion in Großbritannien referierte Gen, Ing. Kaplansky über die politische Lage, Gen. Hos, der Leiter unseres politischen Bureaus in London über die Hilfe, die unserer Bewegung seitens der nglischen Gewerkschaften gewährt wurde. Tschechoslowakei. Am 15. Dezember fanden in Prossnitz Kulturgemeindewahlen statt, bei welchen die Liste Poale-Zion-Werktätige Juden 147 Stimmen (von 806) erhielt und 2 Mandate erobert hat. 2 Stimmen haben für ein drittes Mandat gefehlt. Polen. In allen Teilen des Landes fanden Konferenzen statt, die der Klärung der Probleme gewidmet waren, deren Erörterung Hauptgegenstand des am 28. Februar stattfindenden Parteitages sein wird. fm Zusammenhang mit der Ankunft des Genossen Neustadt findet eine Reorganisation des Zentralkomitees statt. Genosse Neustadt hat die Redaktion der »Befreie ung« übernommen und wird, soweit ihm seine Hauptarbeit im Komitee fltfr das arbeitende Palästina Zeit lassen wireli im Zentralkomitee mitzuarbeiten. Die Gearbeiten. Die Genossen erhoffen sich von der Reorganisation eine Verstärkung; der Parteiarbeit.. Die Partei hat eine Broschüre des Genossen Spießmann mit dem Titel «die Verbündeten der arabischen Großgrundbesitzer auf der jüdischen Arbeitergasse« herausgebracht. Am 21. Dezember fand in Warschau die erste Kon ferenz der Ligen für das arbeitende Palästina statt. Es kamen Vertreter aus alen Teilen des Landes. An der Konferenz nahmen auch Genossen aus: Palästina teil, und zwar der gewesene Bürgermeister von Tel-Avivv, Genosse Bloch-Blumenfeld, der Arbeiterratsekretär von Petach-Tickwah Gen. Barski, Gen. Lewite und Gen. Neustadt teil. Referate erstatteten Gen. Bloch, Neustadt und Gen. Funt. Die Konferenz hat eine allgemeine-politische Resolution, dann Beschlüsse gegen die Alijahbeschränkung, für die Sammlung von 200.000 Dollar im Jänner und Februar für den PA.-Führer und für die Verstärkung der Arbeit der Ligen gefaßt. Es wurden Begrüßungen an den Vertreter der Ligen in der Jewish Agency, den Dichter Schalom Asch und an die amerikanische .Gewerkschaftskampagne entsandt. Unsere akademische Gruppe in Krakau (Cherut) nimmt eine schöne Entwicklung. Sie veranstaltete in der letzten Zeit eine Reihe von Vorrägen an der Universität. Innerhalb der jüdisch-sozialistischen Jugendbewegung vollzieht sich ein charakteristischer Prozeß: .unter dem Eindruck der schändlichen Haltung der Bundisten anläßlich der Ereignisse in Palästina treten Hunderte von Mitgliedern der bundistischen Jugendorganisation »Zukunft« zur poale-zionistischen Jugendorganisation »Freiheit« über: das ist keine allgemeine Behauptung, das Organ der Freiheit bringt die Namen dieser ihrer neuen Mitglieder. Diese Bewegung ist in allen Teilen des Landes festzustellen. Die Chaluzbewegung innerhalb der »Freiheit« nimmt immer größeren Umfang an: es wurde beschlossen, eine eigene Kwyzah u Drör zu begründen. Wien. In ,der neuen Arbeitsperiode unserer Organisation finden auf Anregung der Propagandakommission vierzehntägig an den Samstagabenden Diskussionsabende statt. Es fanden bereits zwei Abende statt, und zwar sprach am ersten Abend Gen. Ing, Baumann über das arabische Problem in Palästina. Gen. Baumann führte die Geschehnisse im Lande auf die Furcht der Effendis vor Schmälerung ihrer Macht, auf das Versagen der englischen Verwaltung und auf die zionistische Passivität in der Araberfrage zurück. Gen. Baumann lehnte die Lösung des Revisionismus als reaktionär und illusionär ab, wendete sich aber auchs charf gegen dies Preisgeben des zionistischen Zieles durch gewisse Vertreter des Brith-Schalom und man kam zum Ergebnis, daß die Lösung der Araberfrage in einer Aufklärungsarbeit unter den, arabischen Massen liege, was die . Aufgabe von Generationen sein wird. Auch die Organisierung des jüdischen Selbstschutz zes in Palästina ist eine dringende Aufgabe. An de,n Vortrag schloß sich eine lebhafe Diskussion an, an der sich die Gen. Dr. Bernay, Dr. Kantor, Okin Schapira und andere beteiligten. Gen. Baumann hielt das Schlußwort Am zweiten Abend sprach Gen. Singer über die Taktik der österreichischen Sozialdemokratie und wog das Gewicht von Prinzip und von Opportunismus innerhalb derselben gegeneinander ab. An der lebhaften Diskussion beteiligten sich die Genossen Ing. Baumann, Dr. Bernay, Halpern, Schuller, Teitelbaum und andere. Wir hoffen, daß sich die Genossen an unseren Diskussionsabenden rege und zahlreich beteiligen werden. Auf Wunsch des Gen. Dr. Kantor hat Gen. Prof. Hirschl unsere Vertretung im Keren Hajessod übernommen. In einer am 31..Dezember 1929 stattgefundenen Präsidialsitzung berichtete Gen. Hirschl über die Lage im Keren Hajessod und die Richtlinien seiner Arbeit; seine Vorschläge fanden die Zustimmung des Präsidiums/Unsere Bibliothek, die unter der sachkundigen Leitung der Geneossin Katz steht, hat eine Reihe von Neuanschaffungen gemacht, und erwarten wir nunmehr eine stärkere Inanspruchnahme dieser Institution durch unsere Genossen. In der am 10. Jänner 1930 stattgefundenen Präsidialsitzung iwfurde das Sekretariat beauftragt, Schritte in Sachen des Territorialverbandes zu unternehmen. Konferenz der Hechaluz. . ■ * Am 9. und 10 Jänner fand die Konferenz der Wiener Hechaluzorganisation statt. Die feierliche Eröffnung fand im Alten Rathaus statt, an der sich die jüdische Jugend, in großer Zahi beteiligte. Unter den vertretenen Organisaionen sind hervorzuheben: Kultusgemeinde .(Doktor Löwenherz), Hitachdut (Henisch), Poale Zion (Singer), Landarbeitergewerkschaft (Widmeyer), Arbeiterkammer (Dr. Rager) und Wizo (Dr. Kantor). Briefliche Begrüßungen sandten unter anderem Prof. Max Adler und Gen. Julius Brauntal. Anschließend hielt Adolf Böhm ein ausgezeichnetes Referat über die Wirtschaftslage in Palästina und Gen. Edelstein über die Lage der jüdischen Arbeiterschaft. Ueber den weiteren Verlaufder Konferenz liegen uns bei Redaktionsschluß keine Berichte vor. Genossen! Verlanget in den Kaffeehäusern und Restaurants den „Jüdischen Arbeiter". DIB STEWE zeigt geprüfte Elektro-Geräte und hält Vorträge jeden Dienstag Prüf- und Beratungsstelle der städt. Elektrizitätswerke in ihrer Ausstellung Wien, IX. Mariann eng 4 für den Haushalt für die Industrie für das Gewerbe über die Verwendung der Elektrizität im Haushalt von 15—17 Uhr bei freiem EINTRITT. Lebensversich erungs«Ges ellschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, l, Riemergasse Nr, 2 VerBicherungsbestand Bade [unl 1929: 8 2,000,000.000- - Garantletnlttel Ende 1928: 8 242,000.000*- Pramleu- und Zinseneinnahmen Im Jahre 1928: 8 97,500,000 — Ausz.nlung an die Versicherten im Jan e 192*: 8 26.AOO.OOO'— TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, öechoslov. Republik, Polen, Ungarn, jugoslavien, Bulgarien,Griechenland,Türkei, Aegypten, Palästina. Pensions-Versicherung NCU! mi* Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Leben & jähr oder bei frühe» er iBERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unverfallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs^Ak; ien** Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. J ^^^fe»0r,'-''V»ileper, Herausgeber u. vera©twwtLfcedakfcew: Ma*kU9 Iaous, A*ge§tettter, Wien, II., Gr, Spwrlgasso 19. — Druck: „Adria", Wie», II,, TaborstraÄe 62b,