Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- Heft 14 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdisch« Arbeifer Seit« 3 Judisches Leben in Jugoslavien. Das jugoslavische Judentum ist kein einheitliches Gebilde, sondern' umfaßt sowohl Aschkenasim als auch Sephardim. Die; Sephardim sind in Städten Dalmatiens, Bosniens und Herzegowinas in der Mehrzahl, während die Aschkenasim im alten Kroatien und in} Sla vonien die Vertretung des Judentums bilden. Die Großzahl der Juden sind auch dort Vermittler zwischen Produktion urid Konsumtion. Es ist daher klar, daßi sie in den Städten wohnen,v'wenn auch oft riür in kleinen Kolonien von drei bis vier Familien. Sowohl die nationale als auch die religiöse Einstellung der dortigen judenschaft ist ein& äußerst positive. In den Städten finden sich Bethäuser, diej von entschwundener Pracht zeugen. Wenn man, überrascht von ihrer Größe, nach der Zahl der Judenseelen fragt, so bekommt man Zahlen zu hören, diel oft im krassen Widerspruch dazu stehen. Erbaut zur Zeit, als der Handel mit der Levante blühte, diente er den damals großen Judengemeinden, die mit dem Verfall dieser Verdienstmöglichkeit sich rasch dezimierten1. Heute sind diese Gemeinden so klein geworden, daß es. trotz der Frömmigkeit , ihrer Mitglieder ihnen unmöglich ist, rituell das Fleisch zu Schächten, denn! für sie allein wäre es zu teuer und der, Transport ist bei den Entfernungen und der Hitze zu kostspielig und oft auch unmöglich. Der Antisemitismus ist international; auch Jugoslavien ist davon nicht verschont geblieben. Auf einem Dampfer hatten wir so ein Exemplar zur Gesellschaft. Ei* verfocht mit Leidenschaft die These, den: Juden ginge es in der ganzen Welt gut, schauen! sie sich' die Juden in X. und Y. an, wobei er; mur auf Städte mit •kleinem Prozentsatz hinwies, während er doch die Widerlegung in seiner nächsten: Nähe hatte. In Sarajevo, wo die Juden zehn Prozent der dortigen! Einwohnerschaft bilden, haben sie auch ihren Anteil an der ökonomischen Schichtung der Stadt. Der jüdische Schuster arbeitet im Basar — der übrigens wie ein Üeberbleibsel aus Tausend und eine Nacht anmutet ™" im offenen Laden neben seinem mohamedanischen Kollegen, der jüdische Limonadenverkäufer preist mit derselben. Lebhaftigkeit sein Getränk an, wie seine .Berufskollegen anderer Nationen. Sarajevo ist neben yeilen tausenden Orten der lebendige Beweis dafür, wie für .uns, .wenn wir irgendwo den Prozentsatz überschreiten, der den Vermittlern in. einer Wirtschaft gezogen ist,- auch ohne von irgendeiner Ideologie beeinflußt, die ökonomische Notwendigkeit entsteht, Uns; Berufen' zuzuwenden, die der Urproduktion1 nähergerückt., sind. ..... _ Das Verhältnis zwischen Sephardim und Aschkenasim .ist nach einem beigelegtem Zwist, der sogar zur Herausgabe eigener (selbstverständlich zionistischer) Organe führte, ein vollkommen1 brüderliches. Schon früher wurde das positive . Gemeinschaftsempfinden der Juden Jugoslaviens hervorgehoben und nun soll es an einigen Beispielen gezeigt werden. Sie haben l(X00O Schekalim (gegen 6000 «der viereinhälbfach so zahlreichen' judenschaft Oesterreichs) aufgebracht, sie geben ein wöchentlich erscheinendes zionistisches Blatt heraus, das ohne jedwede finanzielle Unterstützung existiert. Wiederholt hat zum Beispiel die Sarajevoer Judenschaft bewiesen, daß Juden wissen, was denen gebührt, die, wenn auch entfernter wohnende Juden, gepeinigt haben. So blieben z. B. die Konzerte sowohl einer Kosakentruppe als auch einer polnischen antisemitischen Studentengruppe von' den Juden unbesucht, d. i. von 99 Prozent den dortigen Konzertbesucher. Die zionistische Jugendbewegung, an und für sich nicht groß., ist ein Zweig der zionistischen Gesarntorganisation und trägt den Namen „Olim", obwohl sie keine Chalüzim in ihren Reihen hat. Ihre Führer sind der Ansicht, daß jugoslavien in. der nächsten Zeit keine Chalüzim stellen wird, da dies ökonomische Lage des Landes, das sich immer mehr! industrialisiert, eine Auswanderung der dortigen Jugend nicht nötig macht. Um so mehr wird Galuthärbeit geleistet. Hebräisch wird sehr intensiv gelernt, nur fehlt es oft an Lehrern, die entsprechend vorgebildet sind und Hebräisch nicht als „Laschon kodesch", sondern als lebende Sprache lehren können. Die äußere Form der dortigen Jugendarbeit ist unserer ähnlich, nämlich ein Gemisch von Wandervogel und Skaut. r. g. Palästina. Die Untersuchungskommission setzt ihre Tätigkeit fort, und wurden bei den letzten Verhören die Aussagen der proarabischen Zeugen — auch des Jeru salemer Mufti — verhört. Es ist das Bestreben dieser Zeugen, die Balfourerklärung als Ursache der Geschehnisse hinzustellen. Die arabischen Ueberfälle dauern an: In Jerusalem wurde von Arabern die Woh nung eines jüdischen Bäckers gestürmt, seine Frau und Kinder wurden verwundet. Ueberfälle sind zu verzeichnen auf die Arbeiterkolonien Mizra, Nahalal und Kfar Jehoschua. Auch die Boykottbewegung wird fortgesetzt: die Jerusalemer Stadtverwaltung zum Beispiel hat ihre Lieferungsaufträge bei jüdischen Kautleuten storniert und beschäftigt bei ihrem Hausbau keine Juden. In Tel-Aviv wurde der Grundstein zu einer Fruchtsäftefabrik gelegt; es werden dort 50 Arbeiterinnen beschäftigt sein. Ende November fand eine Beratung der landwirtschaftlichen Arbeitergenossenschaft (Kwuzoth) statt. Es waren 21 Kwuzot vertreten. Die Genossen Baraz und Reis referierten über die Lage der Kwuzot: sie ist relativ günstig, nur haben manche Kwuzot mit "dem Mangel an Boden, an einer zweckmäßigen Bewässerung, und an Absatzmöglichkeit zu kämpfen. Unter den sozialen Fragen lenkte hauptsächlich'die Exklusivität der Kwuzot die Aufmerksamkeit der Delegierten: es wurde die Stärkung des Zusammenhanges zwischen den einzelnen Kwuzot verlangt. Weiters wurden die inneren Verwaltungsfragen und Fragen ihrer Absatzorganisation erörtert, die Frage der großen und kleinen Kwuzah und schließlich die Fragen der Chäluzbewegung. Am 28. Dezember findet die Einigungskonferenz der Aehdutavodah' 'und des Hapoel-Hazair, die die endgültige Vereinigung beider Parteien beschließen wird, statt. Die Tagesordnung lautet: L Die Aufgaben der vereinigten Partei im In- und Ausland; 2. die gegenwärtige Lage im Zionismus; 3. die zionistische Politik in ihrem Verhältnis zu den Arabern und zur Mandatarmacht; 4. Kulturaufgaben; 5. Beschlüsse und Wahlen. Im Oktober, sind 1279 Einwanderer, unter ihnen 108S Juden, nach Palästina gekommen, 204 Juden wanderten aus. Im September betrug die Zahl der jüdischen Einwanderer 603, die der jüdischen Auswanderer 130. PICK SPORTHAUS IV., Wiedner Hauptstraße 8. Tel. A-30-0-36 (Fortsetzung der Kärntnerstraße) AUSRÜSTUNG UND BEKLEIDUNG FÜR AUE SPORTZWEIGE NAHMASCHINEN UNO FAHRRADER auch gegen Teilzahlung Zentrale: IX., Liechtensteinstraße 27 Tel A-16-5-65 Besuchet unsere Borochowfeier! Unsere Arbeit für Palästina. Schon: während des vergangenen Jahres machte sich bei vielen1 .Genüssen unserer Organisation eine Kritik an der 'Arbeit der Leitung bemerkbar, daßi zu wenig für Palästina - geleistet.1 werde. Dieses Gefühl des Mangels drängte zur positiven' Tat, als die Nachrichten über die traurigen Ereignisse in Palästina unsere Gefühle uiTd unser Pflichtbewußtsein1 aufwühlten. Die letzte Generalversammlung gab dieser Richtung Geltung 'und betonte die Wichtigkeit der Palästinaarbeit. Dies kam auch in der Bildung einer eigenen Palästina-Kommission, welchedie ganze Pa- 'ästinaarb.eit zu leiten hat, zum Ausdruck. Nun heißt es, diese Beschlüsse und Vorsätze in: die Tat umzusetzen! Es ist kein leichtes. Beginnen; zumal diese Arbeit bei uns tatsächlichlein! Stiefkind1 war und nie richtig gepflegt wurde. Zwar — und das ist das erste Verdienst der. P. K. — stellte es sich bei einer näheren Untersuchung heraus, daß; wir auch1 bis nun', für alästina mehr geleistet haben, als so manche andere Organisation, welche die Palästinaarbeit alsj die ihrige aufs Panier geschrieben hat und sich immer anmaßt, uns in dieser Hinsicht zu kritisieren. Unsere Arbeit geschah' still und lunbemerkt. Wir wurden z. B. selbst überrascht, daß ein' ansehnlicher Teil unserer Mitglieder aus eigenem' Pflichtbewußtsein sich für den <eren Hajessod besteuert hat und viel mehr leistet, als so manche unserer Kritiker. Das ist eben' der Ausfluß proletarischer Disziplin :i Still, ohne Lärm und Demonstration seine Pflicht zu erfüllen.. Und. von' solchen Grundsätzen geleitet wollen wir nun darangehen, die P. A. in unserer Organisation zu systematisieren und zu intensivieren1. Zunächst muß es uns klar sein', was wir als Organisation und was wir als einzelne P. Z. für Palästina leisten könnöen und leisten müssen. Soweit es sich um die materielle Förderung des P. A. handelt, haben' wir P. Z. einen schwierigeren Standpunkt, als die bürgerlichen Zionisten. Sowohl in' der Entscheidung, als auch in der Leistung., Neben den allgemeinen zionistischen Fonds, dem K. K. L. und K. H. haben wir noch' den P. A., F. zu betreuen, der ja im eigentlichsten Sinne des Wortes „unser Fonds" ist, und danach behandelt werden muß. Natürlich müssen wir auch die Arbeit für die ersten zwei Fonds propagieren1 und leisten, aber zuerst kommt der P. A. F, Dieser Grundsatz muß sowohl für die Organisation als auch für die einzelnen Genossen maßgebend sein, denn, wie gesagt, der P. A. F. ist „unser Fonds" iun'd wird in Zukunft vielleicht noch eine bedeutendere Rolle zu spielen haben' als heute. Laut Beschluß unserer Leitung werden wir an alle Genossen herantreten, sich für den: P. A. F. zu besteuern. Es soll dies keine Spende, sondern1 wirklich eine Steuer, eine Steuer nach eigener Einschätzung sein. Verband der Handelsagenten Ist die Gewerkschaft der Handelsagenten und Inkassanten im Ratenhandel.; Die Organisation besteht mehr als 30 Jahre und ist der österr. Gewerkschaftskommission angeschlossen. Jeder Handelsagent und Inkassant gehört seiner Berufsorganisation an. Partgienuerhehr unfl Stgllenuermifflung Montag und Donnerstag von 7—9 Uhr abends im Sekretariat: Wien, II., Glockeiigasse 23. Neben dieser rein materiellen, aber äußerst wichtigen Arbeit haben wir auch geistig ideelle Arbeit zu leisten. Die Schaffung; von Möglichkeiten für Fiachscharah und Aliah, die Vermittlung, von Kenntnissen des Landes und seiner Probleme unter unseren Genossen und die Auseinandersetzung, mit unseren Gegnern, von rechts und von links, all das zeigt nur einen Bruchteil von dem: auf, was wir machen müssen, wenn wir, unseren Idealen treu, ernst an: die Arbeit gehen wollen. Auch hier will ich1 aus der Fülle unserer Absichten eine herausgreifen und durch' einen Appell an unsere Genossen für sie werben. Wir werden in den nächsten Tagen eine Arbeitsgemeinschaft zur Erörterung palästinensischer Probleme und Tagesfragen gründen. Von geeigneten Menschen werden da die einzelnen Fragen angeschnitten: werden, um dann', nach eingehender Diskussion, durch die Teilnehmer, geklärt zu werden'. Wir wollen; hoffen1, daßisich genügend aktive P. Z. finden1 werden, um diesen. Anfang unserer geistigen' Propaganda für Palästina immer weiter entwickeln zu können. Die Palästina-Kommission wird sich bemühen ernste und sachliche Arbeit zu leisten. Gelingen wird ihr dies nur dann, wenn, sie das Verständnis und die Unterstützung aller Mitglieder finden wird. Schuller. Nach der Entscheidung. Der schwere Verfassungskampfi den! das österreichische Proletariat in' den letzten Wochen und Monaten führen mußte, ist beendet. Es ist hier nicht der Ort, durch eine vergleichende, verfassungsrechtlich^ Analyse im einzelnen den; Unterschied zwischen' dem rechtspolitischen Z i e 1 der Heimwehrbewegung,. beziehungsweise ihrer bürgerlichen Anhänger und der, nunmehr Gesetz gewordenen Verfassungsänderung; aufzuzeigen. Mit Freude und Genugtuung wollen:'wir aber feststellen, daß der Anschlag gegen die politischen und sozialen Grundrechte des Proletariats dank; seiner Kampfbereitschaft, dank aber auch der hohen Verhandlungskünst. seiner Führer vollständig abgewehrt wurde. In unserer Freude über diesen1 Erfolg dürfen wir aber auch die Stimmen im feindlichen' Lager nicht überhören: Schon;im Verfassungsäusseh'uß; erklärte der Vertreter der Großdeütschen, die Verfassungsgesetzgebiung werde trotz dieser No ve 11 ieru ng nich t zur Ruhe komment Man täusche sich' -darüber nicht hinweg: das ist-die Androhung :un*d Ankündigung einer „neuen Etappe" des Verfassungskampfes. Aufs glänzendste hat sich m den vergangenen Tagen die Lassallesche Lehre bewährt, wonach die Verfassung nichts anderes als der ' rechtliche Ausdruck der tatsächlichen Machtverhältnisse in einem' Staate ist: die faschistische Verfassungsreform ist an der Macht der Arbeiterklasse gescheitert. Ausbau dieser Macht, Verstärkung aller unserer proletarischen Organisationen, aber auch' eine Politik unserer Partei, die es-ermöglicht, alle sozial zu ihr Gehörenden auch tatsächlich1 der Sozialdemokratie zuzuführen, das sind die Aufgaben der nächsten Zeit: wenn wir sie erfüllen werden1, dann wird" der Bourgeoisie die Lust vergehen1, eine „neue" Etappe des Verfassungskampfes zu eröffnen! Zinsengutschriften bei der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien. Zur glatten Abwicklung des starken' Parteienverkehres bei Jahresbeginn, ersuchen wir, folgendes zu beachten. 1. Da die Einlägenzinsen mit 31. Dezember jeden Jahres aut den Kontoblättern automatisch zugeschrieben und weiter verzinst werden, 'ist es nicht notwendig, die Einlagebücher zur Zinsengutschrift in' den ersten Jänneragen einzueicheri. 2. Alle Parteien', die jedoch die Zinsen für 1929 noch in diesem Jahre gutgeschrieben wünschen, kön» nen die Einlagebücher vom 16. bis 31. Dezemben 1929 bei den Ausgabestellen einreichen, wenn das Einlagebuch bis 31. Dezember 1929 für Einlagen und Rückzahlungen gesperrt bleibt, (Entgeltlich'.)