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Der Jüdische Arbeiter · 1929-12-20 · Heft 14 (20.12.1929) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
6 (1929)
Issue
Heft 14 (20.12.1929)
Date
1929-12-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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met Oer jüdische ArtJdter Aus der jüdischen Welt Der K a m p t u m d a s j i d d 1 s c h e S c h u I w e s e n. Das jiddische Organ der polnischen bürgerlichen Zionisten hat gegen das jiddische Schulwesen in Polen ein&r publizistischen Kampf eröffnet. Die Angriffe, die mart da gegen die jiddischen Schulen richtet, sind : eigentlich gegen den „Bund" gerichtet und sind auf dessen1 schmähliche Haltung nach! den Palästinaereignissert zurückzuführen. Das diese Taktik des bürgerlich-zionistischen Haint zu verwerfen ist, braucht nicht bewiesen zu werden r das jiddische Schulwesen in Polen — ein Bollwerk gegen die Assimilation — muß um seine öffentlich-rechtliche Anerkennung kämpfen — und1 das „nationale" Blatt, der Haint fällt ihm in den Rücken! Nicht nur die polnische auch" die litauische Regierung ist dem jüdischen Schulwesen feindlich gesinnt, und zwar dem jiddischen feindlicher als dem hebräischen. Die jiddischen Schulen werden eben hauptsächlich vom Proletariat getragen, Grund genug, daß die Faschisten ihrer Entwicklung alle möglichen Hindernisse in den Weg legen. Schalom Asch in Amerika. Der Aufenthalt Schalom Aschs in Amerika gestaltet sich zu einem Triumph für den Dichter. Alle jiddischen Zeitungen veröffentlichten Begrüliungsartikel, die jüdischen Theater veranstalteten Festvorstellungen ihm zu Ehren. Antisemiten und Kommunisten preisen auch in Rumänien die arabischen Mör- :der. Während die ganze jüdische Oeftentlichkeit in Rumänien in voller Einheit gegen die Ueberfalle in Palästina protestierten, fanden die jüdischen Kommunisten' den traurigen Mut, in einer Front mit den Cuzisten1 den arabischen Mördern ihre Sympathie zu bekunden. Viele jüdische Versammlungen wurden von jüdischen Kommunisten brutal gestört. Für die Methoden der kommunistisch-jüdischen Panaraber ist es bezeichnend, daß in Lipkon (Nordbeßarabien) kommunistisch-jüdischen Studenten durch die Stadt mit folgender Aufschrift zogen: „den arabischen Helden zum ewigen Andenken". Die jüdischen Kolonien in Rußland als . Teil der kommunistischen Wirtschaft. Der jüdisch-kommunistische Führer Diamantstein erklärt in einem im „Emes" veröfefntlichten Artikel, ■ -daß sich alle jüdischen Kolonien in Sowjetrußland . dein' Kollektivwirtschaften werden anschließen1 müssen. JDje jüdische Kolonisation werde sich aut derselben vldeologie aufbauen müssen', die die Bauernpoiitik der 'Sowjetunion erfüllt. Man werde die jüdischen Kolonien in Kollektiven umwandeln müssen. „Die Fonds, Vdie wir vom Agrojoint erhalten haben, sind Anleihen, die die Regierung refundieren .wird", versichert Diamäntstein in seinem Artikel.,Diese neue Kolonisationspplitik hat in den Kolonienpeine ernste Lage geschaffen Der'jüdisch-kommunistische Führer Mereschin befin det. sich seit Wochen in den Kolonien, um zu verhindern, daß gegen die .jüdischen Kolonien dieselben rigorosen Mittel angewendet werden, wie gegen' die Kulaken. 176 russische Juden werden Kohlengrä- Aber. Eine Gruppe von 176 jüdischen jungen Männern aus verschiedenen Städtchen ist vom „Komzet" nach Wladiwostok geschickt worden, wo sie in den Kohlenbergwerken Arbeit erhalten haben. Eine Konferenz jüdischer Kolonisten in Odessa hat beschlossen, ihr Inventar zum Gemeineigentum zu! erklären (und die 240 Wirtschaften, die einen Flächeninhalt von 240 ha umfassen, zu vereinigen. Die Werkzeugaktion für die deklassierte n r u s s is c h e n J u d e n i n A m e r i k a. Die Werkzeugak'tion für das verarmte russische Judentum hat infolge der Ereignisse in Palästina eine Unterbrechung erfahren. Wie nunmehr aus den größten' Städten der Vereinigten Staaten. gemeldet wird, wird die Aktion nunmehr mit verstärkter Energie fortgesetzt. Unter Führung des Joint und Ort finden Haussammlungen, Meetings und Veranstaltung von Bazars statt. Im Jänner 1930 findet in Philadelphia eine Konferenz der an der Werkzeugaktion beteiligten Organisationen statt. Konterenz des jüdisch-sozialistischen Verbandes in Amer 1 ka. Am 26. .November fand in New-York die Konferenz des jüdisch-sozialistischen Verbandes in Amerika statt. Das Ergebnis des Kampfes zwischen der bun'distischen und prozianistischen Richtung war eine Solidaritätskundgebung für das arbeitende Palästina mit einem, 'antizionistischen Vorbehalt. j ü d i s c h en K o mwehraktion begegnet — es fanden Konferenzen der Ortsgruppen in allen Städten, statt:,-es gelang, den kommunistischen Angriff abzuwehren und nur ein Bruchteil der Mitglieder ist den kommunistischen Verführern erlegen. Wie wenig der kommunistische Zerstörungsversuch dem Arbeiterring anhaben konnte, zeigte die Konferenz desselben, die kürzlich in New-York stattfand, an der 219 Delegierte teilnahmen. Gegenstand der Konferenz war einzig und allein die „Camp- Aktion" des Arbeiterringes, die das Ziel hat, erwachsene Arbeiter und Arbeiterkinder aufs Land zu bringen. Den wesentlicheren teil dieser Aktion bildet natürlich das Kinderlager, dessen Mitglieder ihre Angelegenheit in voller Selbstverwaltung regeln. Der Delegierten tag der österreichischen aligemeinen Zionisten. Am 8. Dezember fand ein außerordentlicher Delegiertentag der dem Landeskomitee angegliederten österreichischen zionistischen Verbände statt. Er war im wesentlichen organisatorischen Fragen gewidmet. Das wichtigste Ergebnis der Tagung ist die Aenderung des Wahlmodus zum Delegiertentag: es wurde die Zusammenlegung der zionistischen Bezirkssektionen und der dem Landesverband angeschlossenen Sonderverbände in einen Wahlkreis beschlossen. Präsident des neu gewählten Landeskomitees ist Dr. Jakob Ehrlich. Die jüdischenAbgeordneteninden Tscheche Slowakei treten dem Klub der tschec ho slowakischen Abgeordneten als Hospitanten b'er. Um das Interpellationsrecht ausüben und in jene Ausschüsse, denen die Beratung wichtiger, die Forderung der jüdischen Partei betreffenden Fragen zusteht, eine Vertretung entsenden zu können, sind, wie die „Selbstwehr" meldet, dem Klub der tschechoslowakischen Sozialdemokraten als Hospitanten beigetreten. Ein pro-arabisches Komitee in London. Colone! Howard-Bury und etwa 20 gleichgesinnte Mitglieder des englischen Parlaments haben sich zu einer pro-arabisc'hen Gerneinschaft zusammengetan, um dem zionistentreundlichen Pro-Palästinakomitee ein Gegengewicht bieten zu1 können. Aus unserer Weltbewegung. Amerika. Während der Konferenz unserer Bruderpartei in Buffalo fand daselbst auch eine Beratung der „Piomer- Frauenorgaiiiyatioii-' statt, der poalezionistisclie Frauen angehören. Dem Konferenzbericht entnehmen wir folgendes: Im abgelaufenen Jahr hat sich' die Zahl der Sektionen um 10 vergrößert. Die Organisation zählt 2000 registrierte Mitglieder die in 52 Sektionen in den U. S. A. und in Kanada vereinigt sind. Ueberdies hat die Organisation eine große Anzahl von Sympausierenden in allen Städten, sie wird von denselben bei ihren Aktioneiftinterstützt. Die Organisation nimmt an allen Aktionen der Partei-üewerkschaftskampagne, politischer Fonds, Sclrekel, Wahlen, Lehrerseminar, Schulwesen — größten Anteil. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Bildungsarbeit gewidmet. Es wurden eine Reihe von Maßnahmen' beschlossen, die die Intensivierung der Parteiarbeit zum Ziele haben. Am 29^ November fand in New-York die Konferenz der'jüdischen Arbeiterverbände, für das arbeitende Palästina statt, an die sich auch' ein Meeting anschloß, in dem unter anderen der Redakteur des „Vorwärts", Abraham Kahan, und .die Dichter Schalom Asch und Pinski das Wort ergriffen. Die Konferenz stellte die Schuld der Palästinaregierung an den Ereignissen im Lande fest und sprach deni jüdischen Arbeitern ihre Bewunderung aus. Es wurde beschlossen, 500.000 Dollar für das Werk des Arbeitenden Palästina zu sammeln und 100.000 Arbeiter als ständige Beitragsleistende zu organisieren. An der Kam pagne wird sich auch der in Palästina wirkende — in Wien wohlbekannte— Genosse Juris beteiligen. Litauen. Am 22. Oktober, fand eine Beratung unserer Partei statt, an der sich 28 Ortsgruppen beteiligten. Es wurden Beschlüsse über die Reorganisierung und Legalisierung, unserer Bewegung, die Gründung von Jugend und Arbeietrbibliotheken, die Intensivierung der Ar- Spaitungsversuche der munisten in Amerika. ,, Nachdem die Kommunisten mit ihren Spaltungsversuchern in den jüdischen Gewerkschaften in Amerika vollständiges Fiasko erlitten, versuchten sie nunmehr ihre Methoden gegen den „Arbeiterring", die mächtige jüdische Arbeiterorganisation, anzuwenden. Der Arbeiternng. ist diesen Versuchen mit einer Abbeit für den politischen Fonds gefaßt. „Unser Weg", das Parteiorgan, soll finanziell fundiert werden, die Redaktion wurde beauftragt, der Erörterung prinzipiell ideologischer Fragen größeren Raum zu gewähren. Kulturpolitisch hat sich die Beratung zum synthetischen Standpunkt, der die weltliche Kultur in jiddischer und hebräischer Gestaltung bejaht, bekannt. Den Genossen wird die Mitarbeit in der hebräischen Tarbuthorganisation gestattet. Die Jugendarbeit, die Arbeit für den Keren Kajemeth und Keren Hajessod soll intensiviert werden. Bezüglich der in Litauen bestehenden zionistischen Arbeitsgemeinschäften wurde beschlossen, daß eine Beteiligung der Ortsgruppen an diesen nur mit Erlaubnis der Zentrale zulässig ist. Tschechoslowakei. Am 20. November tagte in Olmütz die 1. Parteiratssitzung dieses Arbeitsjahres. Vertreten waren die Gruppen Mährisch.Ostrau, Olmütz, Proßnitz Brünn, sowie alle Jugendgruppen. Nach einem Bericht des Gen. Keßler über die vergangene Arbeitsperiode wur-* den alle organisatorischen Probleme erörtert. Es wurde beschlossen, das Organ, den jüdischen Sozia* listen, vom 1. Jänner an zweimaf monatlich erscheinen zu Tassen. Polen. In Plock und Zamosc fanden kürzlich Gemein'deratswahlen statt. In Plock haben unsere Partei 517 Stimmen, 1 Mandat, der Bund 1185 Stimmen, 2 Mandate, Linke Poale-Zion 119 Stimmen, 0 Mandate, die Zionisten 460 Stimmen, 0 Mandate, die Assimilanten 123 Stimmen, 0 Mandate erhalten. Mit der P. P. S. (3630 Stimmen, 9 Mandate) bildet Bund und Poale- Zion eine proletarische Mehrheit. — In Zamosc hat unsere Partei 404 Stimmen und .1 Mandat, der Bund 687 Stimmen undi 2 Mandate, die linke Poale-Zion' kein Mandat erhalten. In lanov-PodoIsky, wo auch'Wahlen stattfanden, erhien unsere Partei 311 Stimmen und 2 Mandate, Bund und linke Poale-Zion nichts. Wien. Eine Ermittlung hat ergeben, daß 28 Genossen unserer Organisation ständige Zahler höherer Beträge für den Keren Hajessod sind — bei der sozialen Struktur unserer Organisation eine erstaunlich große Zahl. Genosse Dr. Kantor wurde als Vertreter unserer Organisation in die Leitung des Keren Hajessod entsandt. Die Wahl eines Vertreters für den Keren Kajemet wird, demnächst auf Vorschlag der Palästinakommission getroffen werden.' Kürzlich fand die Gründung einer zionistischsozialistischen Studentenorganisation statt. Der jüdische Arbeiterschachklub spielte kürzlich gegen den Arbeiterschachklub Aisergrund 8:4, Floridsdorf 5:7 und- Simmering 6:6. Buchanzeigen. Orje Tartakower: Tolboth tennath haowdim hajehudith Teil I., Warschau 1929. Herausgegeben vom »Brithhanoar« und »Hechaluz« in Verbindung mit dem Hauptbüro des I. N. F., 94 Seiten. Der Verfasser hat zum erstenmal den Versuch, wie er bescheidenerweise seine Arbeit nennt, unternommen, eine Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung, und zwar der politischen, zu beschreiben. Wenn man bedenkt, daß er, ohne sich auf allzuviele Vor-, arbeiten stützen zu können (soweit ich mich erinnere, gibt es außer Borochows wienig bekannter Skizze der Poale- Zion-Bewegung, Lockers kurzer Darstellung im »Judea«, und einiger Artikel im »Jidischen Arbeiterpinkas« nichtswesentliches) an seine Arbelt herantrat und daß ihm, vielleicht mit Ausnahme des bundistischen Parteiarchives keine anderen zur Verfügung standen, so muß man seine Darstellung mehr als gelungen betrachten. Tartakower macht uns in diesem Band, der die Entwicklung aller Richtungen der. jüdischen Arbeiterbewegung (außer Hapoll Hazair und Zevie-Zion) bis zum Ausbruch des Weltkrieges schildert, zunächst in großen Umrissen mit den sozial-, ökonomischen Grundlagen derselben bekannt und geht dann nach einer Skizzierung des Wesens und einer Begründung des jüdischen Sozialismus im allgemeinen zur Vorgeschichte derselben über (Liebermann, Emeth, erster jüdisch-sozialistischer Verein in London). Im 3. Kapitel schildert er uns die Entwicklung des »Bund«'und ähnlicher Organisationen in anderen Ländern. Tartakower würdigt auch als sozialistischer Zionist die Verdienste des Bund als erster Organisation des jüdischen Proletariats; im letzten Kapitel führt uns der Verfasser mit kundiger Hand durch das Labyrinth der Ideologien und Parteien des proletarischen Zionismus, im besonderen der Poale-Zion-Bewegung und deren zwei Hauptrichtungen, des Boruchowismus und Syrkinismtis. Zum Schluß eine subjektive Bemerkung: Ist es ein bloßer Zufall, daß, wie das erste sozialistische Organ, der Emeth, in hebräischer Sprache erschien, so auch diese erste Geschichte des jüdischen So- - zialismus? Ist es nicht vielmehr der Weg vom maskilischen »bürgerlichen« Hebräisch zur Sprache der palästinensischen Arbeiterschaft, der Avantgarde des jüdischen Volkes? Wie immer denn auch sei, das Buch verdiente jedenfalls auch dem deutschen und jidischen Leser zugänglich gemacht zu werden. Dr. Karpelesz. Lebens versicher ungs« Gesellschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Veralcherungsbestand Ende Juni 1929: 8 2,000,000.000*- Qarantlemittel Ende 1928: S 242,000.000'- PrSmien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1928: 8 97,500,000'— Ausz>blung an die Versicherten Im Jah e 192is 8 26*00.000'— TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien. Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien« Bulgarlen,Qrlechenland,Türkei, Aegypten, Palästina. Pensions-Versicherung (j£j|- mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früheter BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Primie. Sofortige Unverfallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherung» ^Aktien*Gesellschaft früher , PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, ScheHInggasse Nr. 1 ^fwat»finj«r, Vertegw, Herausgeber u. w&fttwwtl Ra4akmr: Maafrut I*oas, Angestellte?, Wien,- IL, 4 u»-i.*£e. -•>-- »ifcM

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