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Der Jüdische Arbeiter · 1929-12-06 · Heft 13 (6.12.1929) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
6 (1929)
Issue
Heft 13 (6.12.1929)
Date
1929-12-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der jüdische Arbeifer Seite 3 BÜCHER ALLER ART insbesondere Sozialismus. Dubnows Weltgeschichte, Handbücher des Wissens (Brockhaus, Meyer) Schöne Literatur etc. auch gegen Teilzahlung bis 15 Monate ohne jeden Preisaufschlag, Zu beziehen durch Gen.-J. Heilig. Tel. ü-22-0-96 Wir haben der ganzen Welt berichtet, daß Euch die blutigen Ereignisse nicht wankend gemacht haben. Wir beide haben Eure mutige Verteidigung geschildert, ohne welche der ganze Jisch'uw vernichtet worden wäre. Ich habe Chulda besucht, drei Tage 'und drei Nächte habe ich dort mit den: jungen' Menschen, die die Kolonie verteidigt haben', verbracht. Ich habe die Belagerung miterlebt. Ich' habe den Jüngling gesehen, der es auf sich nahm, in der Nacht unter stärkstem Feuer nach Ejn Charod Botschaft zu überbringen. Das alles hat auf mich den tiefsten Eindruck ausgeübt, es hat mein1 Herz erwärmt und ich bim stolz darauf, mich Euern Freund nennen zu dürfen. Zwei unerfreuliche Dinge habe ich hier leider bef Euch feststellen müssen. Vor allem die Tatsache, daß Ihr die Schuld der Regierung an: den: Ereignissen •übertreibt. Sie ist schuldig, aber man muß zwischen der Gesamtregierung und der lokalen Administration 'unterscheiden. Jede Uebertreibung in dieser Frage ist unrichtig und kann unter Umständen großen Schaden zur Folge haben. Weiters habe ich gefunden, daß sich der, Jischuv von der Stimmung des revisionistischen Doar Hajom hat. anstecken lassen, jenes Doar Hajom, dessen' Haltung. e,ine pefahr für unsere Sache bedeutet. Ich weiß1, daß E u r e.Presse den Jischuv vor histerischer Erregung, warnt. Gehet Genossen in die Kolonien, und treibt dort die Wolken auseinander, die den Jischuv bedrohen. k , .. Nach Palästina fahrend, habe ich' überall, in Irland, in Frankreich und in anderen Ländern, gesehen, wie sich die Herzen, dem Zionismus immer mehr zuwenden. Die Zahl Eurer Freunde wächst. Der Zionismus wird jetzt die Religion! derer, die; im Begriffe sind, sich - dem Judentum zu" entfremden. Die Liebe zu Palästina als einem Zentrum des Judentums wird jmmer größer, Eure Sache wird allmählich allen Juden teuer. Ich . habe durch' meine Reise meine Beziehung zu Euch klären wollen. Ich habe meine Erfahrungen .te»!« graphisch weitergeleitet. Und siehe da: man läßt Euch Euer Werk nicht in, Frieden tun, man geht gegen Euch mit Stöcken 'und Messern vor, man hetzt 'und reizt gegen Euch auf, Ihr aber sagt in aller Ruhe: wir weichen nicht. Ihr habt aufgehört, von hohen Idealen zu sprechen. Ihr seid sachlich1 gewortivistischen Siedlung erscheint gesichert. Naturgemäß nicht so einträglich wie die kapitalistische Siedlung, vermag siesich doch neben ihr zu behaupten: und überragt sie als zionistischer Faktor anerkanntermaßen turmhoch durch ihren 'erzieherischen Wert. Aber ihre gesellschaftliche Entwicklung kämpft mit fortwährenden Krisen und Schwierigkeiten. Immer wieder droht die Gefahr, daß Kw.uzah und Kibuz zur Familie entarten, ihrer Aufgabe, die Keimzellen1 einer neuen Gesellschaft zu repräsentieren, auszuweichen beginnen. Das aktuellste Problem ist gegenwärtig die Frage der Kabbalath Chawerim, die Aufnahme neuer Genossen. In vielen, besonders älteren Kwuzoth und Kibuzim hat sich ein gefährlicher Aristokratismus entwickelt, eine Tendenz, sich nach außen abzuschließen. Es ist eine Frage von gar nicht abzuschätzender Wichtigkeit. Ihre 'Lösung, die Beseitigung dieser psychischen antisozialen Schwierigkeit, ist vielleicht entscheidend für den Weiterbestand dieser Formen der kollektivistischen Palästinasiedlung. Das rote Palästina hämmert, schleift und feilt an seinen neuen Lebensformen. In endlosen Diskussionen ringt es nm seine organisatorischen Ziele: Kollektivismus und streng eingehaltene Demokratie. Zwei Stimmen hat das rote Palästina, beide klar und leidenschaftlich. Die eine diskutiert unermüdlich. Und die andere singt. Singt einfache, für kollektiven Tanz geschaffene, tief suggestive Volkslieder: „Wir sind bereit, wir sind bereit, wir sind bereit...", (,Wenu nicht jetzt, wann denn?", „Wer wird das Land erbauen? Wir, die Chaluzim ..." , " den. Ihr sprecht: hier ist eine Kolonie, dort eine Kwuzah und dazwischen fehlt ein Stück Boden; den müssen wir erlangen. Wir wollen uns konzentrieren, wir wollen uns verteidigen, und wir wollenj alle Schwierigkeiten besiegen — es gibt keinen Antizionisten, der, Euch so.sprechen hörend, in seiner Gegnerschaft zum Zionismus beharren könnte. Ich habe von Euch keine Belehrung über das Wesen des Zionismus empfangen; das, was ich hier gesehen habe, ist: Ihr baut das Zentrum des Judentums; Man spinnt Intriguen gegen Euch, man bekämpft Euch, ja man schleudert Messer aüf Euch — Ihr aber tut das Eure. Ich1 habe niemals daran geglaubt, daß Euer Glaube in der Wirklichkeit begründet ist. Nun habe ich es erfahren. Diese meine Erfahrung werde ich allüberall, wohin mein Einfluß reicht, weiterleiten." Frumkim: Arbeits- und Auswanderungs- Perspektiven. Aus allen Enden des Landes, aus den Städten und Kolonien kommen Forderungen an die Institutionen der Histadruth: Schicket uns unverzüglich weitere Arbeiter! Schon vor einem Monat fehlten Arbeitsräfte; heute ist das' ein aligemein bekannter Zustand. In den Städten des Nordens: Haifa, Afuleh, Tiberias gibt es überhaupt keine Arbeitslosen. Verschiedene Arbeiten öffentlichen und privaten Charakters werden wegen Arbeitermangel verschoben. In Jerusalem ist eine Bewegung unter den Arbeitgebern, die jüdische Arbeit zu verstärken. In Tel-Aviv ist nur eine unbedeutende Anzahl von Arbeitern, die für Kibbuscharbeiten in Betracht kommen. Und in den Kolonien: In Judäa und in der Saronebene, in Schomron und Galiläe werden dringend hunderte Arbeiter benötigt. DiePica verschiebt ihre Arbeiten wegen: Arbeitermangel, aus dem gleichen Grunde verzögern sich manche Arbeiten in der jüdischen Pflanzungswirtschaft. Und diese Arbeitslage besteht in: einer Saison, die man sonst in der Kolonie als „tot" bezeichnet, bevor noch die .großen Pflanzungsarbeiten begonnen: haben, bevor, noch die Regierung mit jenen Arbeiten begonnen hat,, bei welchen sie sich' zur Beschäftigung jüdisch'er Arbeiter verpflichtet hat: DieJStraßen nach Kalkitijeh', MischarAfuleh, Hadar Hakarmel etc. und zu einer Zeit, wo der jüdische Arbeiter von den bereits begonnenen Regierungsarbeiten; ausgeschlossen wurde. Die Resultate einer Zählung, welche vor kurzem vom Arbeitsamte veranstaltet wurde, aus welcher hervorgeht, daß bei den Regierungsarbeiten 3200 Araber und 68 Juden beschäftigt sind, zeigen, wie gräßlich der Raub an .unseren Rechten ist. Wir erwarten! das Kommen der Olim, wodurch die Lage etwas besser wird', aber sie können den. Arbeitshunger nicht in nennenswertem "Maße befriedigen. Von den 2400 Zertifikaten sind. in Abzug zu bringen die Zertifikate für Verwandte/industrielle Facharbeiter, Touristen, die im Land verbleiben, Arbeiterinnen in den Mischkej Poaloth, Alijakibbuzim iusw. Für den effektiven Arbeitsmarkt verbleiben nur etwa 1250 Menschen. Angesichts dieser zahlreichen Arbeitsaussichten und angesichts der Mobilisierung neuer Kräfte für das Land, steht in aller Dringlichkeit und Konkretheit die Forderung nach Verbreiterung und Stärkung der Alijah vor uns. Nicht eine beschränkte, sondern.1 eine breite Alijah, die den Bedürfnissen und Möglichkeiten des Landes voll'befriedigen kann. Welches sind die Arbeitsaussichten für die nächste Zeit? Das wichtigste Aufnahmsreservoir vermag auch diesmal die jüdische Landwirtschaft zu bilden. Vor kurzem besuchten die Vertreter der Histadruth und der Zionistischen Exekutive alle Moschawoth (Privatkolonien), um die Anzahl der erforderlichen Arbeiter festzustellen. Die Untersuchung ergab: In diesem Jahre wird von Juden die doppelte Fläche als im Vorjahre 'bepflanzt werden, es ist ferner eine starke Baubewegung zu verzeichnen. Diese Arbeiten werden nahezu 3000 neue Arbeiter erfordern. Außerdem gibt es jedoch in Judäa und Samaria in der alten Pflanzungswirtschaft Aufnahmsmögfichkel'en für Hunderte und Tausende von Arbeitern. Wenn die Bewegung nach Ausbreitung der jüdischen Arbeit, die in gewissen Kreisen der Pflanzer eingesetzt hat, verstärkt wird, wenn es gelingt, die palästinensische Oeffentlichkeit mit der großen Verantwortung zu erfüllen, die uns heute obliegt, dann können auch zahlreiche Aufnahmsmöglichkeiten für die Alijah in der Moschawah geschaffen werden. Ziehen wir noch in Betracht, daß die Pica im Begriffe ist, große öffent- SPORTHAUS Dirif IV., Wiedner Hauptstraße 8. Tel. A-30-0-36 (Fortsetzung der Kärntneratraße) AUSRÜSTUNG UND BEKLEIDUNG FÜÄ ALLE SPORTZWEIGE NÄHMASCHINEN UNO FAHRRÄDER auch gegen i eilzahlung Zentrale: IX.f Liechtensteinstraße 27 Tel 'A-16-5-65 liehe Arbeiten in Samaria und Galiläa zu beginnen (Straßenbau, Trockenlegung, Bewässerungsarbeiten), die hunderte Arbeiter beschäftigen werden, berechnen' wir die Chaweroth in der Hauswirtschaft, die etwa 20 Prozent der Kibbuzim ausmachen, so können .wir mit Gewißheit sagen, daß bei Mobilisierung aller Aufnahmsquellen die jüdische Landwirtschaft imstandg ist, 4500 Olim aufzunehmen. . . ' ' "' ■. ■,; 'rj Nun zu den Regierungsarbeiten. Es ist zu hoffen1; daß die Regierung endlich mit den Arbeiten beginnen wird, bei welchen sie die Beschäftigung jüdischer: Arbeiter zugesagt hat und daß hiebei etwa 500. Ar* beiter Beschäftigung finden werden. Ist doch allgemein bekannt, daß diese Zahl in gar keinem yerhältnis steht zu den gewaltigen Summen und dem Umfang der Arbeiten, welche die Regierung begonnen hat und in nächster Zeit durchführen wird. -Wie gesagt, arbeiten heute bei der Regierung über 3000 Araber, wobei bei den Hafenarbeiten noch nicht die volle Arbeiteranzahl (etwa 2000) eingestellt wurde, die großen Eisenbahnbauten für etwa 130.000 Pfund nocH nicht begonnen haben und 0er Bau der großen Museums in Jerusalem und andere Arbeiten sich erst i/d Anfangsstadium befinden. Zweifellos werden bei die» seit Arbeiten insgesamt etwa 5000 Arbeiter beschäftigt werden. Es ist überflüssig nochmals die Gründe• anzuführen, warum wir die Beschäftigung yon 50' Prozent jüdischer Arbeiter bei den: Regierungsarbeiten fordern. Wir haben wiederholt erklärt, daß entspre^ chend unserem Beitrage zum Regierungsbudget und entsprechend der Zahl der Lohnarbeiter im Lande die Regierung Bedingungen schaffen, muß, welche , die Erfüllung dieser Forderung ermöglicht. Die Jew&h' Agency muß von der Regierung in London, und Pa*. lästina mit mehr Energie verlangen, daß den langwierigen Untersuchungen und Erwägungen iri der Frage?: der jüdischen Arbeit ein Ende gemacht werde; Fünf Juden gegenüber 400 Arabern bei den Hafenarbeiter^ 68 Juden gegenüber mehr als 3000 bei den anderen Arbetiern sind beschämende Zeugnisse für "die Recf^ lichkeit äH derer, die wi£derhort sich feierlich ver-r pfiTcn tet fiaben, 'ctie judische Arbeit oeim 'Hafenbau"" sicjierzusTeffen und*eineTösung Tür 7hre'Einordnung in den sonstigen Arbeiten zu finden. Diese Benachteiligung in unseren Rechten muß aufhören, ,D,ie je: wish Agency muß klar und präzise fordern', daß^die;,, Regierung, deren Arbeiten .in diesem Jahre mehr als eine Million* Pfund erfordern werden, 2500 jüdische Arbeiter beschäftigen muß. Nach diesen; zwei wichtigsten Quellen kommt ajsdritte die jüdischen nationalen Institutionen in Ber tracht. Das landwirtschaftliche Budget des Keren Hajesr sod enthält heute nahezu 100.000 Pfund für* Bauten und Vorbereitungsarbeiten, in kurzem beginnt der Bau des größten Gebäudes der Universität, des judaistischen Institutes. Es ist anzunehmen, daß aubty die Haifa-Bay und der K. K. L. Vorbereitungs- und sonstige öffentliche Arbeiten durchführen werden. Es ist nicht übertrieben, wenn wir die Zahl der Arbeiten auf 100.000 schätzen. Wenn wir noch die Arbeitein: beim Toten Meer hinzunehmen, die langsame, aber ständige Erweiterung im Gewerbe und Industrie, diel Notwendigkeit nach einer bedeutenden Anzahl von Zertifikaten für Verwandte, deren Kommen nicht in Verbindung mit den Hauptquellen der Arbeit" ist/. sondern mit Errichtung eines neuen Hühnerstalle^ der Erwerbung einer Kuh beim Bauer im Dorf oder mit der Aufstellung noch eines Arbeitstisches für den Handwerker oder einer kleinen Maschine für deri Kleingewerbetreibenden, so sehen wir, daß das Lancj in nächster Zeit 10.000 Olim braucht. Zwar werdetf einige. Arbeiter freigesetzt bei Arbeiten, die in der nächsten Zeit beendet oder eingeschränkt werden^ wie die Ruthenbergarbeiten am Jordan, Vorbereitung^ arbeiten in der Haifabucht u. a. Demgegenüber ist

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