Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- Heft 13 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Der jüdische Arbeiter 'die Verstärkung der privaten Bautätigkeit in Rechnung zu ziehen; die aus dem nach den Unruhen entstandenen Bedürfnis nach konzentrierten jüdischen Wohn und Geschäftsvierteln einsetzen wird. Ferner werden die internationalen Gesellschaften ihre Arbeiten ver "größern (Hotel in Jerusalem, Petroleumgesellschaften etc.), so daß die freigewordenen Arbeiter wieder ab sorbiert werden. Gewiß werden viele sagen: Diese Berechnung von 10.000 Olim gilt nur unter gewissen Voraussetzungen, die nicht sicher sind: nationale Ver antwortlichkeit der jüdischen Bodenbesitzer, Wille der Regierung, ihren Pflichten gegenüber dem jüdischen Arbeiter nachzukommen usw. Richtig, unser Kamp um die Alijah wird immer verbunden sein mit dem Kampf um. die Eroberung der Arbeit. Wir werden •nie eine andere Wahl haben als den Kampf gleich zeitig auf beiden Fronten zu führen. Jede Schwäche öder Nachlässigkeit auf der einen: rächt sich auf der änderen Seite. Jede Einschränkung unserer Forderung nach Alijah bedeutet einen politischen: und natforiälert Verzicht auf die Forderung nach Beschäfti gung durch die Regierung und die jüdische Privatwirtschaft. Niemand darf sich von der schweren Las: dieses doppelten Kampfes befreien. Der ganze Ji Schuw und1 die Jewish Agency müssen in: dieser Stunde eine energische Tätigkeit entfalten und die Alijah von 10.000 Arbeitern zur Eroberung der Arbeit und zum Aufbau zu ermöglichen. Aus dem roten Palästina. Palästina. Allgemeines. Die Hoffnung, daß die Arbeit der Untersuchungs kommission beruhigend wirken wird, hat sich leider Tiicht erfüllt. Die Boykottbewegung ist zwar nicht größer, aber auch nicht kleiner geworden. Im Zentrum der Diskussion; stehen die politischen Fragen, rdie der Brith-ha-Schalom aufgeworfen hat. Die jüdische Arbeiterorganisation1 verstärkt ihre Arbeit unter den arabischen1 Arbeitern; es finden allenthalben Konferenzen1 der jüdischen Arbeiter statt, die der arabi sehen Frage gewidmet sind. Es wurde die Herausgabe einer arabischen Zeitung unter der Redaktion der Genossen Ben-Gurion, Tschertov iund Asef beschlos Seh1. "Weiters finden weitestgehende Vorbereitungen für eine umfassende Gewerkschaftsarbeit unter den arabischen Arbeitern statt. In Haifa wurde ein Or ganisationskomitde gebildet, an dem auch ein arabischer Arbeiterführer, der schon längere Zeit innerhalb der Histadruth arbeitet, teilnimmt. •*••••' •.In der Frage der Alijah bemühen sich die Organe der , zionisuscheh 'Organisation, .eine neue Erteilung von Zertifikaten"'Zu erwirken. Der Wad Hapoel der Histadruth wendet sich an alle Arbeiterorganisationen im Gallith, ihre Tätigkeit in folgende zwei Richtungen zu konzentrieren: erstens sollen: sie bis Ende Dezember 'die bereits verteilten Zertifikate ausgenützt werden, zweitens soll auch vom Gälut aus von der Regierung die Erteilung neuer Einwanderungszertifikate nachdrücklichst , gefordert werden1. ,; Die Arbeitslage ist im Lande günstig. Die'Industrie,. die'in; den ersten Tagen nach den Geschehnissen ihre. Produktion eingeschränkt hat, ist zur früheren Arbeitsintensität Übergagengen. : ' Neue Ueberfälle. Im November fand wieder eine Anzahl von Ueberfällen statt: auf Ajeleth-Ha-Schachar, auf einen Kolonisten aus Kerkur, dessen Frau ermordet wurde. In " Jerusalem wurden Attentate auf den bekannten Augenarzt Dr. Ticho und auf den als dem zionistischen Aufbau freundlich gesinnt bekannten Generalstaatsanwalt Bentwich ausgeübt; nur im zweiten Falle konnte .der Täter verhaftet werden, er ist ein Angestellter der Polizei. Daß diese Terrortaten eine a 11ge meine Demoralisation im Lande bewirken, zeigt die Tatsache, daßsich die Angriffe der Räuber; nunmehr auch gegen deutsche Kolonien und arabische — bei Gott nicht judenfreundliche! — Polizisten richten. Inner jüdischer Kampf. ' Der innerjüdische Kampf konzentriert sich auf die Fragen, die der Brit-Ha-Schalom aufgeworfen hat. Der Brith-Haschalom fordert, daßi die Juden die Initiative ergreifen sollen, um eine gesetzgebende Körperschaft unter folgenden Bedingungen ins Leben zu rufen: 1. Die Juden haben das Recht, in das Land in den1 Grenzen der Aufnahmsmöglichkeiten einzuwandern1.'2. Die hebräische Sprache ist eine der drei amtlichen' Landessprachen.'3. Das System des selbständigen! hebräischen Schulwesens ist weiter aufrechtzuerhalten. 4. Den jüdischen Wohnbezirken und Distrikten ist eine Verwaltungsautonomiezu gewähren. Im Zuge der Auseinandersetzungen haben an der Universität Demonstrationen gegen Hugo Bergmann stattgefunden. Wer die Ergebenheit Hugo Bergmanns für die zionistische Bewegung kennt, wer es weiß, daß Bergmann den dornenvollen Weg eines in deutscher Kultur wirkenden deutschen Philosophen zur hebräischen '»Publizistik gegangen ist, zu deren glänzendsten Vertretern er gehört, der wird — wie immer er zum Brith-Haschalom stehen mag — das Vorgehen der jüdischen Studenten als grobe Ungehörigkeit zurückweisen! Aus unsere Weltbewegung. Sowjetrußland. Dem im Oktober erschienenen Bericht der Auslandsdelegation der zionistisch-sozialistischen Partei in Rußland entnehmen wir folgendes: Mit großer Freude hat sich die Sowjetpresse auf die Ereignisse in Palästina gestürzt und sie als nationalen Aufstand dargestellt; der „Emes", das Blatt der Jevsektia, meinte gar, die Ueberfälle seien auf Wunsch der zionistischen Bourgeoisie von den Arabern veranstaltet worden. Diese Preßlügen haben auf das russische Judentum keine Wirkung ausgeübt. Unsere Zentrale meldet, daß das Interesse|der arbeitenden jüd. Massen und der jüd. Jugend an Palästina von Tag zu Tag steigt. In vielen Städten und Städtchen fanden aus Anlaß der Geschehnisse im Lande Protestversammlungen statt, in welchen Protestresolutionen gegen die Effendis und ihre kommunistischen Helfershelfer angenommen wurden. In den letzten zwei Monaten besuchten Instruktoren der Zentrale die Parteiorganisationen, es wurden Versammlungen mit aktueller Tagesordnung veranstaltet. Durch diese Aktion ist der Parteizusammenharig verstärkt worden. Eine Anzahl von Organisationen sind reaktiviert worden, auch Neugründungen wurden in einigen Städten vorgenommen. Ein großer Teil unserer Freunde befindet sich in Haft und teilt mit den übrigen sozialistischen Genossen die Leiden der Gefangenschaft. > Amerika. Das vonl'unsern Genossen in Montreal geschaf fene jüdisch e Sch u 1 werk feiert in diesen Tagen sein fünfzehnjähriges Jubiläum. Es umfaßt heute einen Kindergarten, eine Volks- und Mittelschule, sogar die Grundlage eines Colleges ist vorhanden. Gegenwärtig zählt das Schulwesen 500 Schüler. Auch an der Gründung einer anderen wichtigen Bilduhgsinstitution, die heuer ins 12. Schuljahr tritt, hat die amerikanische Poale-Zion großen Anteil: des jüdischen Lehrerseminars. Auch dieses hat9eine schöne Entwickulng genommen. Während die poalezionistischen Organisationen in Philadelphia, Montreal und in anderen Städten alljährlich für das unter ihrem Einfluß stehende Schulwesen Werbeversam mengen veranstalteten, fand eine solche Kampagne in New-York im November zum ersten Male statt. Die Poale-Zion besitzt gegenwärtig in New-York sieben Volksschulen und eine Volksschule, die ihre Aufgäben immer besser erfüllen. Zwei organisatorische Mängel weist unser Schulwesen auf: Dezentralisation und Mangel an Funktionären. Die Schaffung eines zentralen Fonds und die wachsende Einsicht bei unseren Genossen in die nationale Bedeutung dieses Schulwesens wird zur Behebung dieser Mängel beitragen. ■lieber die Konferenz unserer amerikanischen Bruderpartel in Buffalo erfahren wir nachträglich, daß die Konferenz den Beschluß gefaßt hat, das Verbandsbureau zu ersuchen, daß es die Vereinigung der Partei mit der Zeire Ziort auf folgender Grundlage bestätige: Sozialistischer Zionismus, Erziehungswerk mit Jiddisch als Unterrichtssprache und Hebräischunterricht in einem Maße, daß die Erlernung der Sprache gesichert erscheint; die vereinigte Partei wird mit beiden Weltverbänden in Verbindung treten, sie ist aber Teil des Weltverbandes Poale Zion, soweit Fragen des Sozialismus und der Internationale in Betracht kommen. Dieser Beschluß wurde auf Grund des Berichtes des gemeinsamen Verhandlungskomitees gefaßt. Die politische Tätigceit wurde einer ernsten Diskussion unterzogen: die Konferenz hat sich für die Gründung einer amerikanischen Labourpartei und für eine Kooperation unserer Organisationen mit den Ortsgruppen der sozialistischen Partei ausgesprochen. Weiters wurde beschlossen, den „Jüdischen Arbeiter" in ein Wochenblatt umzuwandeln. Eine Versammlung des jüdischen Nationalfonds. Am 27. ds. M. fand im Hotel »Post« unter Vorsitz Dr. Goldhammers eine Versammlung der Mitarbeiter des Keren Kajemet statt, deren Besuch viel zu wünschen übrig ließ. Adolf Böhm hielt ein Referat über die Bedeutung und Aufgaben des N. F. in der gegenwärtigen Situation, Dr. Zweig über Nationalfondspolitik am Kongreß und Dr. Tartakover über die Nationalfondsarbeit in Wien. Hoffentlich werden die Wenigen, die gekommen sind, die Anregungen des Referenten (Selbstkontingent, Neuaufstellurig von Büchern) in ihren Organisationen in Wirklichkeit umsetzen. Versicherungsaktion! Unseren Gesinnungsgenossen ist bekannt, daß der K. K. L. seit vielen Jahren mit der Lebensversicherungsgesellschaft »Phönix« im Vertragsverhältnis steht. Wir erlauben uns Ihnen diese Tatsache in Erinnerung zu bringen, da wir uns entschlossen haben, die Aktion, die dem K. K. L. als Hauptinstrument der Kolonisationsarbeit zugute kommt, mit größerer Intensität als bisher zu fördern. Wir w;erden Mitarbeiter der K.-K.- L.-Versicherungsabteilung mit Empfehlungen unserer Leitung ausrüsten und unsere Gesinnungsgenossen von innen besuchen lassen. Wir befrachten es als Pflicht aller Genossen und Freunde, den. Vertretern der K.-K.-L.-Abteilung an die Hand zu gehen, den Abschluß von Versicherungen u erleichtern und in Bekanntenkreisen weiter zu empfehlen. Eine Beratung der Chaluzverbände Oesterreichs, Deutschlands und der Tschechoslowakei am 14. und 15. Dezember 1. J. in Wien. Auf Initiative des Wiener »Hechaluz« findet am 14. und 15. ds. M. in Wien eine Beratung der Chaluzverbände der drei westeuropaischen Länder statt. Sie soll die aktuellen Fragen klären, von denen wir jetzt nach den letzten Ereignissen stehen, insbesondere aber soll diese Beratung ein näheres und engeres Zusammenarbeiten der drei Chaluzverbände anbahnen. Es sind auch Vertreter der jüdischen Jugendorganisation eingeladen und es ist zu erwarten, daß eine große Zahl von Delegierten aus allen Organisationen der drei Länder nach Wien kommen werden. Wir rechnen auch mit der Teilnahme von Chawerim des Haschomer Hazair aus Un-; garn und der Slowakei. Veranstaltungen. Kartell zion.-soz. Jugendorganisationen. Mittwoch 11. Dezember halb 8 Uhr Borechovfeier. Verband der Angestellten für Privatkundenbesuch. Mittwoch den 11. Dezember Cafe, II., Stuwerstraße, Versammlung der Handelsagenten und Inkassanten .Tagesordnung: Die politische Lage. Referent: Nationalrat Doktor Ellenbogen. Jüd.-soz.-dem. Arbeiterorganisation Poale Zion: Samstag, 14. Dezember, II., Blumauergasse 1, Mitgliederversammlung. Das arabische Problem. Referent: Ing. Baumann. Samstag, 21. Dezember, II., Blumauergasse 1, Boruchovfeier. Mittwoch den 11. Dezember um 8 Uhr abends in den »Jüdischen Künstlerspielen«, IL, Praterstraße 34,' Theaterabend der Ortsgruppe Brigittenau der Organisation Poale-Zion. Mitwirken werden unter anderem: Vera Kaniewska, Herr Paul Breitmann, Herr Fistel. Karten sind im Cafe Jä.gerhof, XX., Gausplatz und bei allen Vertrauensmännern zu haben. Hotel Post. An unsere Mitarbeiter! Die Beiträge für unser Blatt müssen bis spätestens Montag der Erscheinungswoche bei der Redaktion erliegen, und wollen an unser Sekretariat gesandt werden. In keinem Fall können Sendungen direkt an die Druckerei berücksichtigt werden. Die Redaktion. Besuchen Sie die STEWE SONDERSCHAU e e isRirizita! im mm\ mm:$m Gewerbe" Elektrische Maschinen Apparate u. Geräte Leihmotoren Wiener städtische Elektrizitätswerke Wien, IX., Marsannengasse 4 Besichtigung u.Vorführung 8—18 Uhr TEILZAHLUNGEN! iilirtim Kiiiin. :.(iiiiin.: .miiiii. .muni, :.iiiiiiii.::,iiiiiiii,::,inmii,!,iiiiiih,!!,iiiiiiiii Lebens versicher ungs*» G es ellschaft Zentrale: Wien, I , Riemergasse Nr. 2 Versicherungsbestand Ende iuni 1929: 8 2,000,000.000'~ Qarantlemittel Ende 1928: 8 242,UOO.OOO'- Präraien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1928: 8 97,300.000'— Auszahlung an die Versicherten im Jan e 1921: s 26.s00.000'-- TÄTIGKEITSGEBIET: Oesierreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarien.Grlei henland.Türkei, Aegypten, Palästina. Pensions-Versicherung NCU! mi* Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei frönet er BERUFS-UNFÄHIG KEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unvetfallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs^Ak* ien** Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr, J;Miiiiii»;;;»mH»»;;:«MiiiH»;^ Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantworte Redakteur: Markus Lachs, Angestellter, Wien, II., Gr. Sperlgasse 19. — Druck: „Adria", Wien, IL, Taborstraße 52b.