Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- Heft 11 (8.11.1929)
- Date
- 1929-11-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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sä* a ni.....Htm 5er jäcikche Arbiter iiri in ftiimri im i nniig Palästina. Vom jüdischen Leben. Während der arabischen Uebefälle wurden vier in einem Steinbruch bei Jerusalem arbeitende jüdische Arbeifer von ihren arabischen Arbeitskollegen gerettet. Zu Ehren der letzteren fand im Jerusalemer Irbeiterheim eine Abendfeier statt, die sich zu einem Vierbrüderungsfest der arabischen und jüdischen Arbeiter gestaltete. — Die Hausbesitzer in Tel-Aviv setzen ihre meteründ stadtfeindliche Politik fort, und machen alle Anstrengungen, die Autonomie Tel- Avivs zu zerstören; sie wenden sich gegen die Steuerpolitik der jetzt bürgerlichen Stadtverwaltung. — Die „ijüdisch-sozialistische Arbeiterjugend" in Palästina feiert ihr fünfjähriges Bestandsjubiläum. Sie eröffnet die neue Arbeitsperiode mit der Herausgabe einer Zeitschrift „Der Aufstieg". — Der Haarez schlägtvor, die Juden mögen auf die Verrichtung der Gebete bei der Klagemauer bis zur Regelung der Rechtsverhältnisse verzichten, um nicht Anlaß zu neuen Hetzereien zu geben. — In Tel-Aviv gibt es noch 300 heim lose Opfer der Geschehnisse; die Ausgaben des Hiltskomites betragen bisher 3000 Pfund, die der Regierung 1500 Pfund — Während 'der Halbfeiertage (Sukot) wurde im ganzen Land eine finanzielle Aktion' für 'den Wad leumi durchgeführt. — Der Besitzer der Zündholzfabrik in Akko hat sein Unternehmen gesperrt. Da die Fabrik recht guten Absatz hatte, erregt diese Maßnahme allenthalben Verwunderung. — In Petachtikwa wurde eine paritätische Arbeitsnachweissteile gegründet. — Am 22. Oktober wurde in Rechobot der Grundstein für ein neues Arbeiterheim gelegt. — In Obergaliläa wurde am 20. Oktober ein leichtes Erdbeben festgestellt. — Die jüdische Jugendbewegung ist ganz auf den Uebergang zur landwirtschaftlichem Tätigkeit eingestellt; sowohl die jüdische Arbeiterjugend als auch die Jerusalemer Pfadfinder haben landwirtschaftliche Produktionsgenossensch'atten gegründet. — Um die Frage der jüdischen Arbeit einer Lösung zuzuführen, wurden in der letzten Aufb'auperiode in den- Kolonien Kwuzoth gegründet, deren wirtschaftliche Konsolidierung Fortschritte macht. In|(der|Kwuzah im Nes-Zionah" haben neuangekommen e Chaluzim Arbeit gefunden. Vom arabischen Leben. Der aräbische Bauernführer Musa Ah'div wurde von Anhängern des Mufti — des Inspirators der Ueberfalle auf die Juden — ermordet. — Am 11. Oktober fand eine Konferenz der muselmannischen Jugendorganisation statt. Es wurde beschlossen, die Tätigkeit der Organisation auch auf politische Aktionen zu erweitern und1 eine gemeinsame Konferenz der christlichem und1 muselmannischem Organisationen einzuberufen. Von der Arbeitsfront für das arbeitende Palästina. Eines technischen Versehens wegen sind in der letzten Nummer unseres Blattes die Mitteilungen über wichtige Tagungen der Ligen für das arbeitende Palästina, die im Juni in Polen und Frankreich stattgefunden haben, ungedruckt geblieben1. Die Konferenz im Polen1, die von 30.000 Wählern delegiert war, nahm trotz aller Quertreibereien 'der Bundistem einem glänzenden Verlauf. V a n d e r v e 1 d e, d e r j e t z i g e P r äsident der sozialistischen International e, der sich gerade im Polen aufhielt, ließ es sich nicht nehmen, seiner Sympathie für das arbeitende Palästina durch Teilnahme auch" an dieser Konferenz Ausdruck zui geben: seine großangelegte Rede ist als eine bedeutungsvolle Tat für unsere Bewegung in Polen zu wertem. Der Vertreter der Liga im Council der Agency ist Schalom Asch. — Das entscheidende Ergebnis der Beratung der Pariser Liga ist die Wahl Leon Blums, * des Führer« der französischem Sozialdemokratie, zum Mitglied des Councils der erweiterten Agency. — Auch unter den vom den deutschen Nichtzionistem in dem Council entsandten Delegierten befindet sich ein' hoher soz 1 a 1 demokratischer Parteif u m!ktionär,und zwar der bekannte sozialistische Kommuimalpolitiker Gen. Bruno Asch. — Unter den bisher gewählten 41 Vertretern der amerikanischen Nichtzionistem befinden sich auch' drei bekannte Führer der amerikanisch-jüdischen Arbeiterbewegung, Alexander K o h n, Herausgeber der verb'reitetstem sozialistischem Zeitung Amerikas, des „Vorwärts", Shiplacov, Führer der amerikanisch en P a r t e i, M i t g 11 e d1 d e r P a 1 ä s t i m a k o m m l s s i o m 'der II. Internationale, und Sidmey Hillman, der Präsident der Union der Bekleidungsarbeiter. Unter dem Vorsitz der Genossen Kaplansky, Kaplan' und Fritz Naphtali, des bekannten volkswirtschaftlichen Redakteurs des „.Vorwärts", fand am 21. Juli die Weltberatung des arbeitenden Palästina statt. Nach einer auch im Namen Dubnovs abgegebenen' Sympathiekundgebung des folkistischen Publizisten Latzki hielten Sprinzak, Naphtali und Arlosorov Referate über Grundfragen unserer Bewegung, an die sich eine überaus hochstehende Diskussion anschloß. Folgende Resolutionen wurden von der Beratung angenommen: „L Die Beratung spricht ihre Genugtuung darüber aus, daß die von der Histadrut ergriffene Initiative zur Organisierung der Kräfte in den verschiedenen Ländern zugunsten des arbeitenden Palästina ist. 2. Die Beratung nimmt den von der Histadrut ausgearbeitetem Organisationsplan: an und beschließt, den Weltkongreß der Ligen für den Sommer 1930 einzuberufen. 3. Die Berätung beschließt, die Arbeit der Ligen zu verstärken und in allen Ländern neue Kräfte zu werben. 4. Die Beratung drückt ihre Genugtuung aus über die Erfolge der Kampagne der jüdischem Arbeitergewerkschaften in Amerika zugunsten der Fonds der palästinensischen Arbeiterschaft und stellt mit Befriedigung fest, daß diese Kampagne, indem sie immer neue Kräfte heranzieht, moralisch und materiell das arbeitende Palästina stützt. 5. Die Beratung stellt fest, daß eine Reihe hervorragender sozialistischer Führer in die erweiterte Agency eingetreten ist, und spricht die sichere Erwartung aus, daß ihre Tat die Front der Arbeiter stärken wird. 6. Die Beratung beauftragt die Histadrut, einen Plan, der in dem verschiedenen Ländern zu leistenden Arbeit der Ligen zur Stärkung der Fonds der palästinensischen Arbeiterschaft auszuarbeiten. 7. Die Beratung begrüßt die Beschlüsse der in den verschiedenen Ländern abgehaltenen Konferenzen der Ligen, die ihre Mitglieder aufforderten, die Arbeit für die zionistischen Fonds, wie Keren Kajemet und Keren Hajesso'd, zu Verstärkern." Wir möchten die Aufmerksamkeit unserer führenden Genossen auf dem Beschluß, die Weltkomferemz für das arbeitende Palästina für dem Sommer 1930 einzuberufen, lenken: es muß ihre Aufgabe sein, dahmzuwirken, daß Wien zum Konferenzort gewählt wird — nur eine solche internationale Demonstration würde die österreichische Sozialdemokratie von ihrer zözern'den Stellungnahme zum arbeitenden P a l ä s t i n a e m d g ü 1 t i g a b b' r i n g e n. Aus unserer Weltbewegung. Weltb'eratum!g. Während der Ta'gurig des Aktiomskomites im Lohdon famd dort auch eine. Sitzung unseres Verbändsbiireaus statt, am der die Genossen' Hos," Jahrblum^ Locker, Kaplansky. und Reis teilnahmen. Genosse Hos berichtete über die außerordentlich rege Tätigkeit unseres Londoner politischen Bureaus aus Anlaß der furchtbaren Ereignisse im Lande. Genosse Jahrblum hat über die Aufklärungsarbeit berichtet, die er als Leiter des Sefretariats des sozialistischen Komites für das arbeitende Palästina, geleistet hat; er' berichtet, daß eine Reihe sozialistischer Führer mäch1 dem: Ereignissen ihrer freundschaftlichem Gesinnung für unser Werk Ausdruck gegeben haben. Die gegenwärtige Lage erfordert die Intensivierung der Arbeit unseres Politbureaus in London, und so wurde beschlossen, die Parteien zur Schaffung der finanziellem Grundlage für dieselbe," eines politischen Fonds, aufzurufen. Erfreulicherweise hat sich' die Beratung auch' mit organisatorischen Fragen beschäftigt. Es wurde vor allem die Gründung eines wissenschaftlichen: Organs unter der Redaktion Img. Kaplamskys beschlossen; die erste Nummer der Zeitschrift wird Emde Dezember im Warschau erscheinen. Im personalpolitischer Hinsicht wurde die Versetzung des Genossen1 Neustadt nach Warschau zur Verstärkung unseres osteuropäischen Bureaus beschlossen. ' Polen. 1 ,! Bei der, Wahl des Stadtrates in Kossov eroberte unsere Bruderorgamisation .7 Mandate. Der Bund und die linke Poale Zion gingen leer aus. Brasilien. Umesere Brüderpartei im Brasilien hat mit der dortigen Arbeiterpartei eine Arbeitsgemeinschaft gegründet. Die Poale Zion wird als die einzige jüdische Arbeiterpartei anerkannt. Beide Parteien verpflichten sich zur gegenseitigen Unterstützung, und entsenden Delegierte im die Leitungen ihres Vertragspartners. Deutschland1. Das zionistische Leben der letzten Wochen stand hier im Zeichen einer Vorträgstourne des Führers der belgischem Sozialdemokratie umd 2.1 n ternati omale Genossen Vandervelde und seimer Gemahlin. Daß Vandervelde gerade nach dem schrecklichem Ereignissen in Palästina aktiv für unser Werk eintritt,- für diese Treue dankt ihm' die gesamte zionistische Bewegung, insbesondere aber der deutsche Zionismus im Augenblick, da der reaktionäre ^Verband der nationalistischen Juden" ihm mit einer „Protesterklärung" in den Rücken gefallen ist! Tschechoslowakei. Unsere Freunde in Tschechien beteiligem sich als geschlossene Einheit an den Kultuswahlen in Brünn und Prag; wir wünschen ihnen viel Erfolg! In Fortsetzung seiner Tourne im Dienste des Zionismus hat der Führer der sozialistischen Internationale, Genosse V and e r v e 1 d e, im Rahmen einer Veranstaltung [der Freunde des arbeitendem Palästina in Prag einen Vortrag gehalten, der auf die zahlreich erschienenen Hörer von tiefster Wirkung war. Ungarn» In Budapest hat sich eine poale-zionistische Jugendgruppe gebildet. Es ist zum erstenmal, daß unsere Bewegung auf dem vom sozialistischen aber auch zionistischen Standpunkt so steinigen Böden Ungarns Wurzel faßt. Wien. Am 26. September fand unter Vorsitz des Genossen Kupfer die Generalversammlung [unserer Organisation statt. Sie war überaus gut besucht. Genosse Singer erstattete den Tätigkeitsbericht der abtretenden jOrganisationsleitumg, Gemosse Dr. Sokal sprach über die Ergebnisse der Berliner Weltkonferenz. An die Refarate schloß, sich eine rege Debatte an, deren Niveau Symptom 'des tiefen Ernstes war, mit dem sich unsere Genossen mit den Zukunftsfragen unserer Organisation befassen. Die von der Generalversammlung gewählte Organisationsleitung hat sich bereits konstituiert und hat im das engere Aktionskomite die. Genossen Ing. Bäumann, Horowitz, Dr. Vernay zu Obmännern, Genossen Welt zum Schriftführer und die Genossen Singer und Goldstaub1 zu Kassierer gewählt. Das Arbeitsgebiet unserer Organisation wurde in Ressorts gegliedert (Propaganda, Palästina, Jugend, Kultur, Veranstaltungen, Presse) und jedem Ressort wurden zwei bis drei Leitungsmitglieder zugeteilt. Hoffentlich wird sich diese Arbeitsteilung bewähren und die Tätigkeit unserer Organisation fruchtbar gestalten! . , : ' Die jüdische National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem. Der soeben erschienene Tätigkeitsbericht, der jüdischen National- und Universitätsbibliothek für die Zeit vom September 1928 bis Juli 1929 gibt ein Bild der fortschreitendem Entwicklung dieses für das jüdische Kulturleben in Palästina so außerordentlich bedeutungsvollen Instituts. Besondere Genugtuung muß bei allen Freurtden der Bibliothek die Nachricht hervorrufen, daß der für ein solches Institut, unhaltbare,; Zustand, daß es nämlich in vier verschiedenen Gebäuden verstreut war, nunmehr endgültig überwundenist: der Bau des neuem Bibliotheksgebäudes auf derni Skopusberg, das dem Namem David Wolfsohns tragen wird, ist beendet, und ist das Gebäude bereits seiner Bestimmung übergeben worden. Damit wird aber die vom Standpunkt der Volksbildung überaus wichtige Tätigkeit des Instituts in der Stadt nicht liquidiert, es verbleibt dort eine unter der Verwaltung der Bne Brith Loge, stehende Sta'dtbibliothek. Was die Entwicklung des Bücherbestandes der Bibliothek anbelangt, so wurden vom August 1928 bis Juli 1929 14.187 Bücher in 20.550 Bändern katalogisiert. Die Zahl der katalogisierten Bände betrug am 1. August 1929 164.583 Bücher in 211.492 Bände. Vom großer Bedeutung ist schließlich die Eröffnung einer Zweigstelle der medizinischen Abteilung der Bibliothek in Tel-Aviv, die vor allem die Duplikate erhält und1 mit einem Bücherbestand von zirka 7000 Bänden ihre Tätigkeit beginnen konnte, und der Ausbau der jiddischen Abteilung des Instituts. Wir begrüßen insbesondere den letzteren als Symptom dafür, daß man in Palästina endlich mit der antijiddischen Hetze der Haganah ha laschon zu brechen, beginnt und sich des nationalen Wertes der jiddischen Sprache bewußt wird! . . ...; 30 Jahre freie Arbeiterstimme. Die „Freie Arbeiterstimme", ein in Newyork in jüdischer Sprache erscheinendes anarchistisches Organ feiert in diesen Tagen sein 30jähriges Bestandsjubiläum. Das Blatt, mag seine Tendenz uns auch abwegig erscheinen, hat sicherlich um die Erhaltung der jüdischen Sprache, um die Förderung des jüdischen Kulturlebens und der revolutionären Bewegung innerhalb der jüdischem Arbeiterschaft seine großen Verdienste und es ist daher verständlich, daß sein Ehrenfest weit über seinen Leserkreis hinaus Anteilnahme findet: allenthalben werden in den Vereinigten Staaten Meetngs veranstaltet, in welchen das Blatt und seine Mitarbeiter gefeiert werden. Die Redaktion der „Freien Arbeiterstimme" selbst gibt aus diesem Anlaß eine Festnummer und ein Sammelbuch heraus, in welchen die Probleme der sozialem Revolution vom anarchistischen Standpunkt und. des jüdischen Kulturlebens in seinen wichtigsten Formen, des jüdischen Theaters und der jüdischen Literatur behandelt werden. Von den Verfassern der in die erste Kategorie gehörenden Aufsätze ist der auch dem sozialpolitisch interessierten deutschen Leser wohlbekannte b'edeutedndste Erforscher der Geschichte des Anarchismus, Max Nettlau (Wien), hervorzuheben.