Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- Heft 9 (15.7.1929)
- Date
- 1929-07-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Der jüdische Arbeiter Nr. 9 mengefaßtert Jugendverbände die subjektiven Voraussetzungen! erfüllen, an deren Bestehen; das Gedeihen und die erfolgreiche Wirksamkeit einer jeden föderativen :Orgänisation geknüpft ist, dann kann das Kartell einen, entscheidenden Schritt zu der so bitter notwendigen Erneuerung der jüdischen Jugendbewegung auf Wiener Boden darstellen. Denn noch' niemals schienen uns die objektiven Voraussetzungen für die Konzentration aller auf dem Boden des proletarischen Zionismus stehenden Kräfte in so hohem Grade gegeben. zu sein; wie im ^gegenwärtigen Augenblick. War es früher möglich und ungefährlich, daß sich die verschiedenen, zionistisch-sozialistischen Organisationen gegeneinander abschlössen, ihre Hauptkraft auf die Propagierung der Nuance Sozialismus verlegten, die ihnen als die allein seligmachende erschien, heute müßte jedem,, der die jüngste Entwicklung des Zionismus mit Aufmerksamkeit verfolgt, dieses Bestehen auf seiner souveränen Unabhängigkeit, diese Ueberbetonung des dogmatisch-ideologischen Gehaltes der verschiedenen Teile der zionistisch-sozialistischen! Bewegung als Verrat an den praktischen Zielen wirtschaftspolitischer und kulturpolitischer Natur, die uns allen gemeinsam, sind, erscheinen. Worin besteht nun die Aenderung der objektiven. Lage, in! die der zionistische Sozialismus nunmehr "hineingestellt ist, was sind die Ursachen, die luns die Konzentration aller linksorientierten, innerhalb •der:.zionistischen Bewegung wirkenden.'Kräfte-als geschichtliche Notwendigkeit erscheinen lassen? Diese Frage zu beantworten ist wichtig genügt: denn aus vielfacher Erfährung wissen wir alle,' daß der gute Wille, einzelner allein die erfolgreiche Wirksamkeit einer Institution nicht garantiert, daß diese einem wahrhaft bestehenden Bedürfnis entsprechen muß, soll 'die Arbeit, die an ihre Schaffung verwendet wurde, nicht vergeudet sein. : Entsprechend" der Differenzierung des Arbeitsgebietes unserer Bewegung haben wir-die objektiven Voraussetzungen unserer Arbeit im Bereiche der Palästina- und' Gaiutpolitik zu suchen. Palästinaarbeit bedeutet für :uns politische iund1 materielle Förderurig des arbeitenden1 Palästina, seiner sozialen} wirtschaftlichen und kulturellen Institutionen. Für die materielle Seite dieser Arbeit haben wir uns die Li ga der Freunde: des arbeitenden Palästina geschaffen; es wäre aber ein .großes, die Existenzgrundlagen des Ärbeiterjischuw erschütterndes Mißverständnis, wenn wir glauben, uns durch Geldopfer von der Verpflichtung,: unseren Klasr sengenossen in .Palästina politisch beizustehen1,, befreien können. Die Notwendigkeit, den Klassenkampf innerhalb der zionistischen Organisation! zu: führen* bestand immer, und unser Weltverband hat seit seiner Gründung ihr Rechnung getragen. So lange aber der. Zionismus mehr eine Idee, eine Angelegenheit der, Welt der Ideale war, fern von Fragen des alltäglichen; sozialen Lebens, in welchem, abstrakte Gedankengänge nichts, ökonomische Interessenfragen alles'-bedeuten, fern aber auch' von Problemen der Gestaltung; der; werdenden jüdischen Massenkultur, in Palästina mit; ihren vielfachen Bildungsinstitutionen. In diese )u-.; gendepoche der zionistischen Bewegung; also, gehörte:; das weit vorausblickende Genie eines BorochovSyrTi kin dazu, die zionistische Bewegung aus den sozialri ökonomischen Grundlagen des jüdischen Volksdaseins abzuleiten, und das Walten der Klassenkräfte (auch* in. diesem Bereiche des jüdischen Lebens festzustellen. In dieser Zeit, da die jüdische Kolonisation in Palästina noch keinen Massencharakter hatte,'waren die; Klassen des jüdischem, Volkes noch1 nicht in ihren; c lebendigsten Interessen von der zionistischen Qrganfe-; satiöm in solchem Grade abhängig, wie das .heute , der, Fall ist. Demgemäß) war auch' das zionistische; Bürgertum — so weit es zumindest nicht in- Palästina bereits^ ökonomisch! verankert war — in Sachen des Zionismus nicht: ausschließlich klassenmäßig .eingestellt und. somit auch1 nicht auf die ausschließliche Durchsetzung: typisch' bürgerlicher Prinzipien im Rahmen der zionistischen Wirtschaftspolitik bedacht Heute Ist es grundsätzlich anders: die zwei letzten großen Alijoth' haben nach: Palästina relativ ■/ große Teile des jüdischen Volkes gebrächt, der Arbeiterjischuv ist gewachsen und auch die besitzenden Klassen haben ein stärkeres, realeres* Intere^^an/ "d'eb. Gestaltung der sozialen Verhältnisse im Lande; Diese" ökonomische Entwicklung in1 Palästina, wirkt sich' pov litisch*. innerhalb des Zionismus darinyaus, daß sich' vom „allgemeinen" Zionismus Gruppen mit ausgesprochen " arbeiterfeindlichen Charakter abspalten,.' Gruppen, die; in verschiedenen Ländern' verschiedene Namen tragen können,: deren Ziel: aber, den zionistiV sehen Sozialismus zu bekämpfen, offenbar istt/Dieser bürgerlichen; Klassenfront winkt .auch durch' die Erweiterung der Agency . Verstärkung; .sofern es uns nicht gelingt, auch* ••für" die-'ain.- ^üfbäti 'Palästinas teilnehmende ,Vnichtziortistische'' Arbeitergruppen eine1 gehörige Vertretung. im Council. der Agency;zu erkämpfen. Die Differenzierung der. jüdischen Sozial Wirtschaft im Lände hat aber auch die Entwicklung der, Struktur iund Strategie der proletarischen!-Frönt