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Der Jüdische Arbeiter · 1929-07-09 · Heft 8 (9.7.1929) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
6 (1929)
Issue
Heft 8 (9.7.1929)
Date
1929-07-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Hr. 8 Der jüdische Arbeiter temd sein wird mit der Machtvergrößerung des Klerikalismus. Und sie haben vollkommen recht mit ihrer - Beweisführung, wenn sie vorbringen, daß jene bürgerlichen, nicht zionistischen Kreise, die sich der Agency anschließen werden, doch wohl vornehmlich' religiös gerichtet sein werden1, denn wenn sie den Palästinaaufbau nicht aus nationalen Gründen fördern! wollen, so wird eben ihr Beitritt fcur Agency vornehmlich' religiös motiviert sein. Man sieht, welche Gefahr der Idee der Verweltlichung des Judentums droht! Es ist höchste Zeit, daß man (an Abwehr denkt. Der eine Weg der Abwehr ist die Stärkung des Einflusses innerhalb der zionistischen Bewegung, und diesen Weg sind wir durch' Beteiligung an der Wahl zum: ZionistenkongreÄ, gegangen, Den anderen Weg haben unsere Mandatare auch schon .beschritten und wir werden fordern müssen, 'daß sie ihn nicht verlassen: es muß — wie es vornehmlich Rubaschov bei der vorletzten Aktionskomiteesitzung getan h'at — mit aller Energie darum gekämpft werden, d a & a u c d i e g r o ß e ni j ü d i s c mpro letarisch'em Organisationen! in Amerika, die schon jetzt in) so nohem Maße am Aufbau Palästinas teilnehmen, wahrend die Teilnahme der bürgerlichen Organisationen, mit welchen wegen des Beitritts zur Agency verhandelt wird, bis jetzt nur ein recht dubioser Wechsel auf die-Zukunft ist, zum Beitritt zur Agiency aufgefordert werden; es muß aber diesen proletarischen Organisationen von unseren Freunden im Amerika aufs eindringlichste gesagt werden, daß es vom Standpunkt proletarischer Klassensolidarität absolut nicht genügt, Geld für Erez Israel zu geben, daß sie uns auch politisch' helfen müssen bei unserem Kampf um ein1 weltliches jüdisches Kulturleben, in dem — wie bei allen Völkern — natürlich! auch Raum sein wird für religiöse Weltanschauung, das wir aber von der Dominanz der Religion befreien! wollen und werden! Zur sozialen Entwicklung der Juden in Rumänien und Ungarn Das von uns veröffentlichte Material, zur sozialen Struktur der Juden in Polen und Rußland (Nr. 2, 5) hat bei vielen unserer , Genossen ein reges Interesse für jüdische. Sozialstatistik geweckt,;und so ist es ]ceiri Wunder, daß wir vielfach ersucht wurden, auch andere jüdische Siedlungen in unsere Darstellung einzubeziehen. Eime Arbeit Jakob Leszinskys („Die berufliche Struktur der Juden in Ost- und Mitteleuropa", veröffentlicht im ökonomisch-statistischen Band der Publikationen! des Wilnaer Instituts) bietet uns die Möglichkeit, die Frage nach der Entwicklung des jüdischen Proletariates im einigen Ländern Ost- und Mitteleuropas zu beantworten, und zwar wollen wir diesmal einiges über die soziale Gliederung der Juden in Rumänien und Ungarn berichten. Ein den allgemeinen Verhältnissen; in Osteuropa entsprechendes Bild kann man den statistischen Daten, die sich auf Rumänien beziehen, entnehmen. In) diesem hochagrarischen] Land, dessen nichtjüdische Bevölkesteht dort ein Zensuswahlrecht und es ist daher (kein Wunder, daß die Kommune den proletarischen Forderungen in keiner Weise Rechnung trägt. — Die Unrichtigkeit der Behauptung der jüdischen Pflanzungskapitalisten, daßt die von ihnen gezahlten Schundlöhne eine ökonomische Notwendigkeit sind, geht aus dem günstigen Wirtschaftsergebriis der „landwirtschaftlichen Arbeiterunternehmungsgesellschaft Jachin" hervor: sie zahlt ihren 300 Arbeitern höhere Löhne als die PflanzungskapitaUsten und hat trotzdem dank ihrer fortschrittlichen Arbeitstechnik mit einem Reingewinn von 900 Pfund abgeschlossen — Die Moschav-Ordim „Tel-Adaschim" (Fläche 8000 Dünam) mach'r sehr günstige Fortschritte; das Prinzip der Selbstarbeit ist restlos durchgeführt und ein hoher Grad der Vergenossenschaftung erreicht. Allerdings hat es sich gezeigt, daß eine zu weitgehende Vergenossenschaftung zu dem ökonomischen Prinzip in Widerspruch1 geraten kann. Die Arbeiterinstitutionen1. Am 12. Mai fand die 2. Konferenz .der Arbeiterkrankenkasse statt. Von den 53 legalisierten Delegierten wareni. 20 Mitglieder der Achdut Avodah, 10 Mitglieder des Hapoel-Hazair, 4 linke Poale-Zionisten, 1 vom linken Block, 1 vom Haschomer Hazair, 17 Delegierte hatten ihr Mandat von der LokaU Organisation! erhalten."* rung zu 80,5 Prozent irr der.Landwirtschaft beschäftigt ist, stellen die Juden! zum großen Teil die Träger 'der städtischen Wirtschäftszwefge; nur 2,4 Prozent der jüdischen Bevölkerung sindL in der Landwirtschaft beschäftigt, dafür aber 41,9 Prozent in der Industrie und dem Gewerbe (Nfchtjuden 7,1 Prozent) und 37,2 Prozent im Handel und Kreditwesen (Nich'tjuden 1/ Prozent). Auch' im Transportwesen und in den freien Berufen übertrifft die relative. Zahl der Juden die der Christen ■ ums doppelte! Was die in der Industrie beschäftigten Juden anbelangt, so zeigt sich hier wie überall die Präponderanz der Juden in der Bekleüundgsiund Textilindustrie; dies gilt sowohl für die Arbeitgeber als auch' für;die Arbeitnehmer. Während von den nichtjüdischen' Selbständigen 32,9 Prozent, von den nichtjüdischen Arbeitern bloß 21,7 Prozent in der Bekleidungsindustrie ihren Unterhalt finden, läuten bei dem Juden .die; entsprechenden Ziffern 54,7 Prozent und) 48,8 Prozent. Auch' in der Textilindustrie haben die Juden ein relatives Uebergewicht 5,9 Prozent aller, jüdischem Arbeiter stehen hier 4,7 Prozent aller christlichem Arbeter gegenüber. In den anderen Produktionszweigen' sind überall relativ weniger Juden beschäftigt; eine Ausnahme bildet die Holzindustrie, wo vom allen jüdischen Selbständigen 11,2 Prozent, vom den: nichtjüdischen Selbständigen bloß 6,4 Prozent vertreten sind. Auch1 über die für uns so außerordentlichj wichtige Frage der Klassertdifferenzierung der Juden in Rumänien, über den Grad der Entwicklung des jüdischen Proletariats orientiert uns die Arbeit Jakob Leszinskys 52.7 Prozent aller im der Industrie beschäftigten Juden sind Arbeiter lünd1 Angestellte (bei den Nich'tjuden 61.8 Prozent), im Handel sind 42,1 Prozent der'hier erwerbstätigen Juden Lohn und Gehaltsempfänger. Wir erkennen: auchi für das rumänische Judentum erweist sich1 die These vom sozialeinheitlichem Charakter des jüdischen Volkes als Märchen. Wenn auch das jüdische Proletariat im Vergleich zum rumänischen etwas 'unterentwickelt ist, der Abstand zwischen der Entwicklungsstufe beider Proletariate ist nicht allzu groß-. Auchin Ungarn .weicht\die soziale Gliederung der Juden nicht sehr stark ab^von derjenigen des ungarischen. Volkes. Vom i00 invder-Industrie beschäftigten Juden sind 45,2 Unternehmer, (von lOO.Niehtjuden 33,2) und 54,8 Arbeiter (Nichtjudem 66,8). Auch hier also eine gewisse Unterentwicklung des jüdischen Proletariates! L Was die Berufsgliederung anbelangt, so findet auch hier 'die Kautskysche Formel Jude homo urbanus ihre Betätigung: die Konzentration der Juden in den städtischen Berufen ist in die Augen, springend. Von 100 jüdischen Erwerbstätigem': sind 4,2 in der Landwirtschaft (Nichtjudem 59,7!), 31,2 (Nichtjuden 17,5) in der Industrie, 43,6 (Nichtjuden 3,7) im Handel lund Kreditgeschäft, im öffentlichen' Diensten 'und freien Berufen 8,6 (Nich'tjuden! 4,2). beschäftigt. Daß für die Juden der 'letztem Kategorie vor allem die Zugehörigkeit, zu den freiem Berufen in Betracht kommt, üst wohl selbstverständlich', wenn wir dies auch auf Grund des gegebenen Materials nicht exakt beweisen können. Die Wahlen zum Zionistenkongreß. Großer Erfolg unserer Liste im Wien. Es liegen noch' 'immer hur wenige endgültige Resultate der Wahlen zum Ziönistenkongreß vor, aber es läßt sich1 trotzdem schön jetzt feststellen', daß die Revisionisten" und „Radikalen" vernichtende Niederlagen erlitten habem, während die jüdische Arbeiterschaft auf diesem Kongreß eine starke Vertretung aufweisen wird. In Polen eroberte unsere Partei 3 von den 29 Mandatem, die „Hitac'hduth", die eine gemeinsame Liste mit dem „Haskomer Hazair" hatte — 6 Mandate. Von dem 47,722 Stimmen, die im ganzen Lande abgegeben wurden', erhielten die Poale Zion 5294 und die Hitac'hduth1 (gemeinsam mit Haschomer Hazair) 7824 Stimmen. Die „Radikalen" erhalten 3 Mandate, die „Revisionisten" gingen leer aus. Aus Amerika liegt noch1, keim endgültiges Resultat vor, doch1 dürften dort die offiziellen Zionisten 17, der Misrachi 7, die Poale Zion 5 und die Hitach- 20, der Misrachi 10, die Poale Zion 7, und die Hitachduth' 4 Mandate erhalten1 haben. Alle änderen Grup- In De u t s c h11 a m d erzielten die allgemeinen Zionisten und der Misrachi zu je drei und die Poale Zion (1553 Stimmen) zwei Mandate. Die ^Hitactfd'uth'* er* hielt ein Mandat, die „Radikalen" und ^Revisionisten*' gingen; leer aus. In der Tschechoslowakei erhielte«. die Poale Zion und die „Hitachduth" zu je ein Mandat In Oeste rrei cm erhielten die Allgemeinen Zionisten, die „Radikalen" und die Liste des arbeitendem Palästina (Poale Ziom-Hitachdut) zu je ein Mandat Der Wahlkampf und seim Resultat verdienen beson* ders gewürdigt zu werden. Von dem in Oesterreich1 abgegebenen 3710 Stimmern erhielt unsere Liste 687 Stimmen, vdurch die Koppelung mit dem allgemeinen Zionisten eroberten wir eines der drei Mandate, die Oesterreich' zu vergeben hat. Zum erstenmal entsendet Wien zum Ziönistenkongreß einen Arbeitervertreter und das ist dem geschlossenem Vorgehen der G nippen des arbeitendem Palästina, der aufopfernden und mustergültigen Arbeit, die die Jugend geleistet hat, zu danken. Das Kartell der zion.-soz. Jugend hat die erste. Kraftprobe gut bestanden. Das wird es aneifern, seine Arbeit unerschrocken] fortzusetzen. - Als unverantwortlich' muß das Treiben unserer „Radikalen" bezeichnet werden. Mit dem Gelde, das zwei ihrer reichem Herren zu diesem edlen Zwecke gespendet haben', haben sie hunderte Schekalim an Njehtzionistenl verschenkt und am Wahltage die unaufgeklärten1, zum Teil vom ihnen abhängigen Menschen zur Wahl geschleppt. Die „Radikalen" scheinen es sich vorgenommen zu haben, dem letzten Rest des Ansehens und der Achtung, dem der Zionismus in Wien noch, besitzt, auszurotten. Es wird nottun', diese Plage energischer abzuwehren. Lebensversicherungsgeseflschaft „Phönix". Kürzlich ist die 46. ordentliche Generalversammlung der Gesellschaft unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten, Herrn Generaldirektor Fritz Bauer, abgehalten worden'. Im Jahre 1928 wurden neue Lebensversicherungen über S 557,566.048,— abgeschlossen. Der Versicherungsbestand hat Ende 1928 Schilling 1.787,935.715,— betragen und am heutigen Tage die Ziffer vom zwei Milliard-eni Schilling bereits überschritten. Die Prämieneinnahme im Jahre 1928 hat S 85,477.026,47 betragen. Am Versicherte öder deren Hinterbliebene wurden S 26,513.538,— ausgezahlt; die technischem Reserven haben sich um S 50,227.830,24, das ist auf S 215,973.096,06 erhöht. Die gesamten Garantiemittel der Gesellschaft haben zu Ende des Jahres 1928 den Betrag vom S 242,111.271,97 erreicht.; Der Immobilienbesitz der Gesellschaft im Gesamt-" betrage von S 44,914.333,85 besteht aus '64 Realitäten, vom denen sich* 30 in Oesterreich; 16 in der tschechoslowakischen "Republik, 3 in Polen, 5 in Ungarn, 3 im Deutschem Reiche, .je 2 in Jugoslawien und in Italien und je 1 in Frankreich', in Belgien und in Bulgarien befinden. Der Wert^papierbesitz der Gesellschaft, der sich zum überwiegendem Teile aus internationalen Anlagewerten zusammensetzt, . beträgt^ S 127,800.940,87. Die Hypothekardarlehen haben sich auf Schilling 14,774.889,— nnd die Polizzendarlehen auf S 10,962.846,— erhöht. Die Gesellschaft ist an 22 in- und ausländischen Versicherungsanstalten beteiligt. Aus dem Ueberschuß der Jahresrechnung im Betrage von S 728.515,03 werden S 340.000,— zur Ausschüttung einer Dividende von 8,5 Prozent;(im Vorjahre. 7,5 Prozent) nach dem volleingezahlten Aktienkapital vom S 4,000.000,— verwendet und Schilling'200.000 der Kapitalsreserve zugeführt, die sich' hiedurcb auf S 2,000.000 erhöht. (Entgeltlich.) Delegiertentag der „Werktätigen Juden", Kürzlich1 fand der Delegiertentagjenes Teiles der „Werktätigem Juden", der seinem Programme treu geblieben ist, statt. Erfreulicherweise nahmen an diesem Delegierten tag nicht nur'3 von den 5 Vertretern im Kultusvorstande, und die Mehrheit der Bezirksmandatarä teil, sondern auch Vertreter aller Ortsgruppen und der Mehrheit der Mitglieder. Es wurden sachliche Referate erstattet und wichtige Beschlüsse gefaßt. Unter anderem wurde auch eine Namensänderung, und zwar auf: „V e r b a n d so z i alistisöher Juden", beschlossen; Wir werden auf * diese, Tagung noch zurückkommen. .•

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