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Der Jüdische Arbeiter · 1929-07-09 · Heft 8 (9.7.1929) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
6 (1929)
Issue
Heft 8 (9.7.1929)
Date
1929-07-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Säte 2 Ö<r JfftoheAffediter 8 festzustellen welch'« Gruppierungen tief jüdischen Arbeiterschaft vom „Bolschewismus" infiziert sind.** Es folgten die Jahre des Umsturzes und die günstige Konjunktur für die „Radikalen" aller Spiel* arten* Herr Stricker sattelte rasch1 um. In der ersten Nationalversammlung, in die Herr Stricker gewählt wurde, spielt er den Radikalen', die österreichischen Sozialdemokraten sind ihm zu „mattaosa". Herr Stricker beweist nun unverzüglich' seine geradezu virtuose Wandlungsfähigkeit Als er bei den nächsten1 Wahlen in den Nationalrat durchfiel, sattelte er abermals gründlich1 um. Er eröffnete einen wütenden Kampf gegen' die Sozialdemokraten) und zwar nicht nur wegen ihrer Stellung in der Judenfrage, was wir noch ibegreifem würden/ sondern gegen ihre allgemeine Politik und Verwaltung im Staat und m der Gemeinde Wien. Herr Stricker machte aber nicht bei der Liquidierung seiner früheren allgemeinen linksdemokratischen Richtung halt, er beging auch schändlichen Verrat, an den von ihm seit Jahrzehnten propagierten nationalen Losungen.; Bei den folgenden Nationalratswahlen schlössen die Zionisten unter Leitung Robert Strickers mit den .Assimilanten der „Union" ein Kompromiß, welches den Zionisten die Verpflichtung auferlegte, wenn sie gewählt werden sollten,' niemals die Frage der Anerkennung der jüdischen Minderheit aufzurollen und sollte die Frage von anderer Seite aufgeworfen werden, niemals für ihre positive Lösung einzutreten. Der .Aussicht auf ein Mandat für sich opferte also Herr Stricker. sein „nationales Programm"! Herr Stricker setzte den Prozeß der Liquidierung der demokratischen und jüdischen Ueberzeugungen fort. Bei den Kultusgemeindewählen im Jahre 1924 schlössen die Zionisten 'unter der Leitung Robert Strickers ein Kompromiß mit" der „Union" — und gemeinsam mit den Vertretern der assimilatorischen jüdischen Pultokratie trat auch Herr Stricker höchstpersönlich' gegen unsere Forderung nach dem allgemeinen Wahlrecht in die Kultusgemeinde auf. - J Diese" 'unglückselige Politik des Herrn Stricker richtete den Zionismus in Oesterreich völlig zugrunde. Als Herr Stricker das wahrnahm, setzte er rasch eine neue Walze auf. Knapp -vor Ausschreibung der Neuwahlen in die Kultusgemeinde rückte Herr Stricker plötzlich mit der Forderung heraus, das Bündnis mit der „Union" zu lösen, und als die Mehrheit der zionistischen Kultusräte diese demagogische Parole ^des Herrn Stricker, der für den Niedergang des Zionismus in Oesterreich die größte Verantwortung trägt, ablehnte, trat er und der' ihm getreue Dr. Plaschkes . aus dem Kultusvorstand' aus. Die jüdische Oeffentlichkeit ließ sich' durch das Manöver des Herrn Stricker nicht irreführen, Sie sieht auch' heute in Robert Stricker den Mann, der seine Vergangenheit, die demokratische und die jüdische Bewegung, schmählich verraten hat. Nun schien es unerklärlich, daß derselbe Herr Stricker, dessen Ueberzeugungen vom Opportunis- Vom jüdischen Arbeiterleben in Palästina. \ ' Aus den städtischen Siedlungen. Im „Davar" veröffentlicht Seman interessante An- . gaben über die industrielle Entwicklung Palästinas. Ende 1928 wurden 513 industrielle Unternehmungen gezählt, in welchen 1,501.000 Pfund investiert und 4726 Arbeiter beschäftigt sind, exklusive der 700 in Rutenbergs Elektrizitätswerk beschäftigten Arbeiter. Davon entfallen: 137 Unternehmungen mit 1077. Arbeiter auf die Nahrungsindustrie, 43 Unternehmungen , mit 678 Arbeitern auf die Baustoffindustrie, 64 Unternehmungen mit 660 Arbeitern auf die Textilindustrie, , 71 Unternehmungen mit 671 Arbeitern in der gra- . phischen Industrie, 31 Unternehmungen "mit 243 Arbeitern in der chemischen Industrie, 59 Unternehmungen mit 605 Arbeitern in der Möbelindustrie, 48 Unternehmungen. mit 434 Arbeitern in. der Metall- ■ Industrie, 36 Unternehmungen mit 220 Arbeitern in der Lederindustrie, der Rest von 98 Arbeitern verteilt sich1 auf 24 verschiedene Unternehmungen. Von den 513 Unternehmungen sind 448 Kleinbetriebe.: Den bei den Vorarbeiten zum Hafenbau in Haifa Beschäftigten bezahlt die Regierung einen Tagiohn von 10 Grusen1 (S 3,50); die jüdische ..Irbeiterschaft beklagt sich überdies über Benachteiligung bei der Verge-» bung von Arbeitsstellen, — Die Lage der graphischen mus völlig zerfressen! würden1, der den letzten Rest seiner demokratische« und jüdischnationaleit Gesinnung jedem Scheinerfolg zu opfern bereit ist, sich mit Vehement gegem die Erweiterung der ^Jewish Agency" wandte. Der' Mann, der den Zionismus in Wien leichtfertig preisgab, fühlt sich berufen, als Retter des Zionismus der^zionistischen Weltbewegung aufzutreten. Das will sich' nicht reimen. Es wird nun erzählt, daß für den Anschluß Strickers an die „Radikalen" folgende Begebenheit ausschlaggebend war: Gelegentlich einer. Sitzung des A. C. in London soll sich' Prof. Weizmann einem Teilnehmer gegenüber sehr abfällig über Herrn Stricker geäußert haben. Weizmann bemerkte aber nicht, daß Herr Stricker hinter ihm stand und zuhörte. Daher der Ursprung der Opposition! Strickers gegen die „Weidmann-Politik". Wenn auch1 diese Begebenheit anekdotischen Charakter hat, kann Sie als Charakteristik der Ueberzeugungstreue Robert Strickers jedenfalls dienen. Dieses Charakteristikum scheint uns auch' deshalb richtig zu sein, weil-Herr Stricker, der in den ersten Kongressen nach Kriegsende der Mittler zwischen den streitenden Parteien war, sich jäh in einen militanten Oppositionellen umgewandelt hat und-— im Unterschied zu den anderen Führern der „Radikalen'' — den Kampf gegen die Erweiterung der „Agency" zum großen Teile zu einem Kampfe gegen Weizmann (persönlich! gestaltete. Es soll hier auch festgestellt werden, daß "sich Strickers „Radikalismus" von dem seiner Kollegen Grünbaum, Goldmann und Solowejtsehik in einem sehr wesentlichen Punkte unterscheidet. Jene verfechten überall den kompromißlosen Zionismus, Stricker ist im Wiener jüdischen 'Leben der Urheber der Kompromißpolitik mit den Assimilanten, jene sind folgerichtig Freunde des konsequentesten Teiles der zionistischen Bewegung, der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina, ihres Werkes und ihrer Organisation, während Stricker seit Jahr und Tag keine Gelegenheit vorübergehen läßt, um seine Feindseligkeit gegen die jüdische Arbeiterschaft zu bekunden. Herr Stricker beliebt seinen Kampf mit. den Sc'hlägworten zu würzen: „gegen -die Soldschreiber der zionistischen Bewegung", „Für die Reinheit der zionistischen Idee" uswi-Zur Charakteristik des Ernstes dieser Parolen wollen.'wir nun einige Tatsachen anführen: -; > 1. Vor Jähren wurde eine jüdische Zeitungs¬ und Verlagsgesellschaft zum Zwecke der Herausgabe der „Wiener Morgenzeitung" gegründet. Diese. Gesellschaft erwarb die Drückerei Steinmann (wie Hiebei mit dem Besitzer umgegangen wurde, bildet auch kein ruhmreiches Kapitel dieser Gründung). Die „Wiener Morgenzeitung" erscheint schon lange nicht mehr, aber Herr Stricker, der Baurat von Beruf ist, blieb Geschäftsleiter der Druckerei. 2. Gelegentlich eines Presseprozesses mußte Doktor Plaschkes zugeben', daß er und Stricker mit dem Erpresser Szandor Weiß Verkehr gepflogen haben. Industrie ist gegenwärtig! so günstig, daß sogar ein Mangel an qualifizierten Arbeitern zu verzeichnen ist. Dementsprechend,haben hier die Lohnbewegungen in der letzten £eit durchwegs günstig abgeschnitten: der Besitzer der Jerusalemer Druckerei „Asriel" hat für die niedrigsten Lohnkategorien eine Aufbesserung und eine Erhöhung des Akkordsatzes um 25 Prozent zugestanden, weiters sich zur Zahlung des Krankenkassenbeitrages und zur Anerkennung des Prinzips der organisierten Arbeit verpflichtet; auch der Streik in zwei anderen Jerusalemer Druckereien wurde mit Erfolg beendigt. Die Druckerei des Hapol-Hazair hat ihrem Unternehmen eine Buchbinderei angegliedert.—Der Bau eines Arbeiterinnen heimes inr Haifa ist kürzlich' beschlossen worden: das Heim wird Wohnungen für Arbeiterinnen, eine Bibliothek, einen Lesesaal und Lehrwerkstätten für weibliche Berufe wie Schneiderei, Strickerei, maschinelle Wäscherei, Gärtnerei umfassen. Das Kapital stellt zum größten Teil der Palästina-Frauenverein in Amerika zur Verfügung. —• Die Entwicklung der Verkaufsorganisation der landwirtschaftlichen Arbeitersiedlungen „Tenuwah" schreitet weiter günstig, vorwärts« Sie-besitzt Verkaufsabteilungen in Tel-Aviv, Haifa und Jerusalem, die ihren Absatz kontinuierlich steigern. — Nach langwierigen Verhandlungen zwischen der Histadruth und der .Handwerkerorganisation ist es gelungen, zu einem Resultat kommen; es werden in allen Orten paritäu> Eirt prominentes Mitglied der zionistischen Leitung teilte iuns gelegentlich mit, daß man Herrn Stricker in der Partei vorgeworfen) hat, daß mit seinem Wissen die „Wiener Morgenzeitüng" Geld vom Herrn Szandor Weiß erhalten habe. Herr Stricker soll nicht in der Lage gewesen sein, diese Behauptung zu entkräftigen. 3. Die letzten Wahlen zum Kongreß haben die Wiener „Radikalen" zu einem tinerhörten Skandal gestaltet. Hunderte von Schkalim sind von ihnen verschenktworden, Nichtzionisten sind zur Wahl geschleppt worden, um für die „Radikalen" des Herrn Stricker zu stimmen. So wacht Herr Stricker über die Reinheit der zionistischen Idee und Bewegung. .. Nur noch1 eine Schlußbemerkung: Der 2weck unserer Ausführungen ist nicht eine persönliche Attacke gegen Herrn Stricker, sondern gegen die Kämpfmethode, die er verkörpert, die die zionistische Atmosphäre in Wien vergiftet - hat. Die Säuberung des jüdischen Wien von den Brunnenvergiftern kann nicht länger - aufgeschoben werden. Im Dienste dieser Sache mußte auch manches Unappetittliche aufgetischt werden. P. A; Schach dem Klenkalismus! Es gibt auch' unter den areligiösen „allgemeinen" Zionisten solche, die, wenn sie das Wort jüdischer Klerikalismus hören, ungläubig den Kopf schütteln: vom chauvinistischen Glauben an die „Auserwähltheit" des jüdischen Volkes erfüllt, meinen sie, daß es im Bereche des Judentums, ein solches Mißgewächs, wie es der Klerikalismus auch1 nach ihrer Ansicht ist, nicht geben könne. Nun, in diesem Blatte braucht, wohl ein. Beweis für die Existent des jüdischen 'Klerikalismus nicht erbracht werden: wenn man unter Klerikalismus eine soziale Gruppenbildung versteh^ die einerseits durch Anwendung politischer Macht der Religion dort Einfluß verschaffen will, wo sie nichts ,zu suchen hat, zum "Beispiel in der Sphäre der Wissenschaft, anderseits aber mittels der Religion außerreligiöse Ziele zu verfolgen sucht, so sind unsere Orthodoxen in ihren verschiedenen Organisationsformen (MisrachV Augudah) typisch klerikale •Politiker: man erinnere sich nur des beschämenden Universitätsskandals — die Bibelkritik ist von der hebräischen 'Uni versitat ausgeschaltet —, man erinnere sich' der Entstehung einer -rciisrachistischen Arbeiferfraktion, und man wird jene beiden Merkmale auch bei unseren „religiösen" Organisationen vereinigt finden. Nun glauben, die Herren von der Rechten, daß ihre Zeit gekommen ist! Die „jüdische Welt", ein deutsch geschriebenes Organ der Misrachi, hat eine Enquete über den Einfluß der Erweiterung der Agency auf die Stellung der Orthodoxie innerhalb derselben veranstaltet und mit in jüdischen Kreisen seltener Einhelligkeit geht die Meinung aller, Teilnehmer dahin, Jdaß Agencyerweiterung gleichbedeusche Kommissionen gegründet, weiche die Löhne, zu welchen die Mitglieder beider Organisationen-arbeiten sollen, vereinbaren werden; Mitglieder der Handwerkerorganisation sind verpflichtet, falls sie Lohnarbeiter anstellen, den 8-Stunden-Tag einzuhalten und Beiträge an die Kupat Cholim abzuführen. Daß j die jüdischen Faschisten, die Revisionisten gegen i diesen für die Arbeiterschaft günstigen Vertrag hetzen,, | ist selbstverständlich1. ~ Die durch die Krise verursachte i Verschlechterung der Lage der Bauarbeiter ist nunmehr wieder wettgemacht; es ist nunmehr der Bauarbeiterorganisation gelungen, den 8-Stunden-Tag und Minimäilöhne durchzusetzen. Aus den ländlichen Siedlungen. In der Zeit vom 5. bis 8. Mai (fand in Tel-Aviv eine Konferenz der jüdischen Landarbeiter statt, die sich vornehmlich mit den Fragen der in den Privatkolonien beschäftigten Arbeiter befaßt hat. — Die Wirtschaften im Emek-Hajarden berichten über außerordentlich günstigen Saatenstand; auch der Gesundheitszustand ist gut — doch "befürchtet man für Juni das Wiederauftreten des Fiebers« — Es wird Klage erhoben, daß die von der zionistischen Anglo-Palästina-* bank abhängigen Pflanzungsgesellschaften sich wei^ gern, jüdische Arbeiter anzustellen. — Die neue Privat kolonje „Herzliah" hat dieselbe reaktionäre Entwicklung genommen wie die älteren, auf privatkapitalistischer Grundlage geschaffenen Kolonien; es be*

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