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Der Jüdische Arbeiter · 1929-07-09 · Heft 8 (9.7.1929) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
6 (1929)
Issue
Heft 8 (9.7.1929)
Date
1929-07-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Organ der sozialdemokratischen Poaie Zion Österreichs Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wie«, "Iii. BlumauefgASöfe l/Ill Postscheckkonto Nri 38,042 Bezugspreis: vierteljährig. S L20 halbjährig . . „ 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 8. Wien, 9. Juli 1929. 6. Jahrgang. Ein Sieg des arbeitenden Palästina. Zum Ausgange der Ko ngreß wählen in;. : - Wien'. Als wir vor acht Wochen an unsere Genossen und alle übrigem Freunde des arbeitenden Palästina 'den Appell gerichtet haben, dafür zu kämpfen, daß das jüdische 'Wien wenigstens einen Arbeitervertreter zum Zionistenkongreß delegieren könne, da — wir können es heute .gestehen — taten wir es aus dem Gefühl heraus, daß derjenige, der das Unmögliche anstrebt, zumindest das maximal Mögliche erreicht. Daß uns die Eroberung eines Mandates als kaum .möglich1 schien, das war nicht etwa in unserer Wankelmütigkeit und Mutlosigkeit begründet, denn wer hatte erwarten, können, daß die Ärbeiterliste, für die bei 'der letzten Kongreßwahl kaum 50 Stimmen abgegeben wurden, nunmehr. viele hundert Stimmen in sich' vereinigen werde? Gewiß: die Koppelung mit "der Liste der allgemeinen Ziionisten war die wahltechmische Voraussetzung dafür, daß sich unser Wahlsieg, in der Eroberung des Mandats und nicht an der, bloßen. Stärkung der Weltliste -unseres Weltverbandes auswirkt. Aber das^'Genossen, soll uns die Freude über unseren Erfolg nicht trüben: denn , wären diese Wahlen reine Wahlen gewesen, hätte Herr Stricker) der doch1 sonst die Rückkehr zum" Herzischen Zionismuspredigt, vor der wichtigsten Schöpfung des Führers, vor dem Zionistenkongreß. auch nur ein bißchen Respekt gehabt und nicht die Schillinge des Häuserspekulanten aus der Taborstraße rollen lassen, dann, Genossen, hätten wir unser Mandat aus eigener Kraft erobert! Bekanntlich vergessen: die Menschen angesichts eines Erfolges nur allzu leicht der Kämpfe und der schweren Arbeit, die ihn herbeigeführt haben. Wir wollen diesen Fehler vermeiden und feststellen: der iWah'lsieg, der uns das Kongreßmandat gebracht hat, ist ein ebensowenig mühelos erlangtes „Geschenk", wie es unser Erfolg im Wahlkampf um die 'Kultusgemeinde war. Im Dezember war es die ältere Generation unserer Organisation, die die. Hauptlast des Kampfes trug, diesmal war die Wahlarbeit in der Wirkungssphäre unserer Jugendorganisation konzentriert, 'i n b e iid e n F ä 11 e n a b e r w a r e s d i e s e 1 b e Taktik, die zum 'Zi'elie geführt hat: die Fruchtbarmachung außerhalb unserer Organisation stehender Kräfte hat es uns ermöglicht, dem Gedanken der Erneuerung des jüdischen Lebens im Sinne der sozialistischen? Lebensprinzipien in zwei wichtigen Bereichen des jüdischen Lebens zum Siege zu verhelfen. Und stehen wir nicht an, auch an dieser Stelle allen unseren Verbündeten in diesem wirklich1 schweren Kampfe, vor allem aber dem Kartell zionüstischsozialistischer Jugendbünde unseren Dank und unsere. Anerkennung für die vorbildliche Arbeit, die sie geleistet haben, auszusprechen! Es war dies, Freunde und Genossen, nicht der letzte Kampf, den wir diesmal auf Wijener Boden ausfechten mußten: wenn wir aber von nun an, dem Beispiel, unserer Brüder im Lande folgend alle Prestigepolitik beiseite lassen und uns einzig und allein von sachlichen Motiven leiten lassen werden, dann, Chawerim, braucht uns um die Zukunft des zionistischen Sozialismus nicht Bange zu sein! Die Weltkpnlerenz. Die Weltkonferenz findet vom 18. bis 25. Juli in Berlin statt. Am 20. Juli i wird die Weltkonferenz für einen Tag unterbrochen werden, um die Beratung der Vertreter des arbeitenden Palästina vieler Länder, die für den 21. Juli in Berlin anberaumt wurde, abhalten zu können. Die Adresse des Büros iautet: Poale-Zion, Berlin N 24, Auguststraße 17.! Unsere Weltkonferenz. Die Weltkonferenz wird)vor sehr wichtigen Aufgaben stehen. Sie wird in erster Reihe die Richtlinien für den Kampf auf dem sechzehnten Zionistenkongreß festzulegen haben!, Die jüdische Arbeiterschaft Palästinas erwartet vom bevorstehenden Kongreß einen neuen mächtigen Vorstoßi für die Sicherung und Erweiterung des Aufbauwerkes.; Die Weltkonfereriz soll nun die Parolen und , Methoden, die zur Verwirklichung dieser Bestrebungen führen, bestimmen. . Es ist selbstverständlich,; daß hiebei mit der liüqidatorischen, sogenannten -flügellosen Exekutive des Herrn Sach'er strenge abgerechnet werden soll. Es soll auch der zionistischen Weltbewegung zum Bewußtsein gebracht werden, | daß, wenn wir, trotz Sach'er-Regime, die schwere' Krise in Palästina überwunden haben, es in erster Reihe der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas zu' danken sei. - Neben dem Kampfe in der zion. Weltbewegung um die Sicherung des Aufbauwerkes, wird ■ unsere Weltkonferenz die weitere Entfaltung der Organisaf ion für das arbeitende Palästina in Beratung ziehen müssen. In den letzten Jahren sind auf diesem; Gebiete bedeutende Erfolge zu verzeichnen. Die Aktion der jüdischen Gewerkschäften Amerikas hat sich zu einer permanenten Einrichtung entwickelt und ist im stän'r digen Wachsen begriffen. Die Organisation' des arbeitenden Palästina in Polen hat hinter sich über 30.000 Mitglieder gesammelt. Die Organisationen für das arbeitende Palästina in Ost- und Westeuropa weisen eine günstige Entwicklung auf. Die Gründüng des internationalen! Komitees für das arbeitende Palästina, die anläßlich des letzten Kongresses der S. A. J. stattfand; eröffnete neue Betätigungs'möglichkeiten. Im Hinblick auf die Arbeiterregierung in England gewinnt dieses Komitee ganz besondere Bedeutung. Hier wird es vor allem notwendig sein, alle gemachten Erfahrungen richtig zu Verwerten und die gesamte Tätigkeit zu systemisieren. Eine große Rolle wird zweifellos die Frage der Vereinigung der beiden großen jüdischen Arbeiterparteien in Palästina;und ihre Auswirkung auf die Länder des Golus spielen. Wir verkennen die Schwierigkeit dieser Frage keinesfalls, aber wir glauben, zur Erleichterung der Lösung derselben allen Richtungen folgende Erkenntnis nahelegen zu "dürfen: Die jüdische Arbeiterschaft in Palästina besitzt eine von der jüdischen Arbeiterschaft aller andern Länder völlig veränderte Struktur, sie steht vor unmittelbaren Aufgaben, für die uns bestenfalls nur mittelbare gegeben sind. Es erscheint uns deshalb unvermeidlich, daß diese Verschiedenheit auch organisatorisch zum Ausdruck gelangen soll. Donnerstag, den U* Juli 1929, findet Inden Künstlerspieh n (Reklame), II., Praterstraße 34, um 8 Uhr abend«, eine Versammlung statt — 1. Gruß an die Delegierten der jüdischen Arbeiterjugend zum internationalen Sozialistischen Jugendtrefftp. — 2* Der Ausgang der Kongreßwahlen und -die Probleme des XVI. Zionistenfcongresses. Referenten; M, Neustadt (Tel-Aviv) und M, Singer Was wir noch hervorheben möchten, ist die Bekundung eines intensiven Interesses für die 'örgarVis a t© r i s ch1 e Kräftigung der. Bewegung.-' Die ideologischen Kämpfe seit der Spaltung haben' die organisatorische Tätigkeit zum großen Teile gehemmt. In den letzten. zwei Jahren ist eine teilweise Belebung der organisatorischen Tätigkeit zu: merken. Die Weltkonferenz würde den Ast, auf denr wir sitzen, untersägen, wenn sie nicht mit dem gebührenden' Ernst diesen Zweig unserer Tätigkeit behandeln .soTlte. Für die Bewegung in' Westeuropa erscheint es von. besonderer Wichtigkeit, daß: man' den eigenartigen Verhältnisseh in diesen Ländern Rechnung tragen soll. Unsere Vertreter auf der Weltkbnferertz werden sich' dieser Frage besonders widmen müssen. Eine Fülle wichtiger Aufgaben harrtder ^Weltkonferenz. Hoffen wir, daß sie sich denselben, gewachsen zeigen wird.; M.> S. Robert Stricker. Ein Scha11enbi 1 d, an läßlich se ines f ünfzigsten Geburtstages.- Robert Stricker trat in die jüdische Oeffentlichkeit Wiens in den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, -als in Wien der „Jüdische National verein für Oesterreich'';;gegründetwurde. Im alten.Oester-' reich war jede politische,. Bewegung der nationalen. •Minderheiten von wahrhafter Demokratie erfüllt. Das galt natürlich auch für die unterdrückteste aller .unterdrückten nationalen Minderheiten: — die Juden. Der Kampf des „Jüdischen Nationalvereines" richtete sich damals fast ausschließlich gegen die Gruppe des Dr. Ofner, aber Wur in puncto Assimilation oder nationales Bekenntnis. An der wahrhaften Demokratie hielten beide fest. Auch' der-Kampf gegen die Wiener Sozialdemokraten bezog sich nicht auf ihre allgemeine Politik, er beschränkte sich bloß auf die Stellung in der Judenfrage. Zu jener Zeit war auch1 Robert Stricker Demokrat gewesen.. Der Krieg scheint eine tiefgehende Wandlung in der Orientierung Robert. Strickers herbeigeführt zu haben. Wir haben Grund zu. behaupten, daßi Herr Stricker in derü Kriegsjahren, insbesondere nach' dem Jännerstreik, gute Beziehungen zur Polizei des Herrn Präsidenten .Schober hatte, daß er dort geradezu als Hausjud ein- und ausging. Wir, sind darüber informiert, daßi es Herr Stricker als seine Aufgabe betrachtet hat, festzustellen, ob und welche Gruppen jüdischer Arbeiter 'bolschewikisch eingestellt sind, damit nicht „Unschuldige" den Verfolgungen der Polizei zum Opfer fallen sollen... Man muß sich1 vergegenwärtigen, was die Polizei .in jenen Tagen nach dem Jännerstreik in Wien getrieben hat,, um ermessen zu können, wie man über einen Menschen denken soll, der sich1 dafür interessiert, den Herren. am Schottenring Klarheit darüber zu verschaffen, welche Gruppen jüdischer, Arbeiter zu den „Bolschewiken" zu zählen wärenl und welche nicht. Jeder Bürger, der aus Empörung gegen den blutigen Krieg und seine Folgen die Auflehnung der Massen gegen das Morden und Sterben gefördert hat, war den. Herren vpm Schottenring ein — Bolschewik. Die Auflösung von Vereinen und die Verhaftung ihrer leitenden Mitgi'ies der war die tägliche Lieblingsbeschäftigung der Polizei. Viele unserer Genossen sind Tag und Nacht bespitzelt worden, Zu jener Zeit unterhielt Herr Stricker gute Beziehungen zur Schober-Polizei lund bemühte . sich'

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