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Der Jüdische Arbeiter · 1929-02-15 · Heft 2 (15.2.1929) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
6 (1929)
Issue
Heft 2 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite % Der jüdische Arbeiter Nf. 2 Untermieter zu gewähren, das Wohl der Arbeitermassen und der Konsumenten dem der Kapitalisten unterzuordnen, und den „Ausgleich", der bekanntermaßen der Traum unserer Bourgeoisie ist, wenn es sich um Finanzen und Stadtsteuern handelt, zu verwirklichen. Die große Eroberung der Arbeiterfraktion, die unentgeltliche Volksbildung, die schon vom „Vereinigten Block" stiefmütterlich behandelt wurde, wird jetzt, wenn die Majorität es auch nicht wagen wird, sie gänzlich zu beseitigen, sicherlich eine* bedeutende Einschränkung erfahren. Die Aufgaben unserer Fraktion als Opposition werden nicht leichter sein, als sie es früher waren. Es wird die Pflicht unserer Genossen sein, für die Be- .dürfnisse der breiten Volksmassen zu sorgen, die demokratischen und autonomen Grundlagen des Stadtrates zu verteidigen, die Arbeit der neuen Machthaber zu kontrollieren und ihr wahres Antlitz der breiten Oeffentlichkeit aufzuzeigen, um auf diese Weise die Eroberung der Majorität bei den nächsten .Wahlen vorzubereiten — das ist der Weg, den viele sozialistischen Parteien gehen müßten, bevor sie die Macht erobert, hatten. Und dann wird der Sieg unser sein. Vierzigjähriges Jubiläum der vereinigten jüdischen Gewerkschaften in Amerika. Vierzig Jahre sind seit dem Tage verflossen, an welchem die Vereinigten Gewerkschaften, gegründet wurden, ein Tag, der nicht nur für die ganze amerikanische Arbeiterbewegung, sondern auch für die breiten jüdischen Volksmassen von großer Bedeutung ist. Die Geschichte der Gewerkschaften ist die Geschichte der großen Kämpfe, die 40 Jahre hindurch geführt wurden, um die Immigrantenmassen zu organisieren, ihnen bessere, menschlichere Lebensbedingungen zu erkämpfen, sie im Geiste der Einigkeit, im Geiste der Solidarität zu erziehen. Darin liegt 'die große, historische Bedeutung der Gewerkschaften — nicht nur für die Arbeiterklasse im allgemeinen, sondern ganz besonders für den jüdischen Arbeiter, den sie erweckt und dessen Gleichstellung im gesellschaftlichen Leben Amerikas sie bewirkt haben. Zu den: großen Verdiensten, die sich die Gewerkschaften im Laufe ihrer vier Jahrzehnte währenden Tätigkeit erworben: haben, gehört auch die erst letztens ins Leben gerufene Gewerkschaftskampagne für die organisierte jüdische Arbeiterschaft in Palästina. Es war die historische Aufgabe der Gewerkschaften, zu zerstören und zu vernichten die trennende Wand, die Söhne eines Volkes und Brüder einer Klasse zu scheiden vermochte. Gerade diese Tätigkeit war von .besonderem Erfolge gekrönt und immer inniger und Palästina-Rundschau. Kampf jüdischer und arabischer Eisenbahnarbeiter. — Kind e r er zi e lixing in „Ejn-Oharod". — Ilegi erungs'käuf e bei den Arbeiterinnen-Wirtschaften. — Anleihen für kooperative Anstalten. — Wahleo im Tel-Aviver ■Holzarbeiter-Verein. — Arbeiter von Petach- Tilcwali gründen eine Spar- und Leihkasse. — Weitere Geldeingänge für die Arbeit er Versicherungsgesellschaft „Ii a s n e h". Trotz ausdrücklicher Zusage der 'Bahnverwaltung, daß keine Arbetier entlassen werden, haben in den' letzten Tagen; eine Anzahl von Arbeitern Kündigungsbriefe erhalten. Die Erregung unter der Arbeiterschaft ist sehr groß. Es fantl eine große Eisenbahuarbeiter-Versammhuig des Kreises Jaffa-Lud statt, in welcher jüdische und arabische Redner darauf hinwiesen, daß die Entlassungen unbegründet seien, da die Sti-ecke' sein* rentabel sei und. die Arbeit in keiner Hinsicht eingeschränkt würde. Die arabischen Redner forderten besonders ihre Genossen auf, sich in der „Histadruth" zu organisieren, um die Angriffe der Balmverwaltung erfolgreich abschlagen zu können. \ * Iii der, großen .Gemeinschaft „Ejn-Charod", im Emek, wird, wie in jeder A'rbeiterwirtschaft, der Erziehung der Kinder große Aufmerksamkeit geschenkt. „Ejn-Charod" besitzt heute 140 Kinder, die auf fol- .gen'de fünf Anstalten verteilt sind: 1. Das Säuglingsheim .mit 20 Kindern, 2. das Haus der „Kleinen" mit 30 Kindern im Alter von zehn.Monaten bis zu zwei Jahren, 3. der Klein- . Kindeigarten mit 15 Kindern, die für den Kindergarten noch zu jung sind, aber schon einer besonderen Erziehung bedürfen, 4. der Kindergarten mit 40 Kindern, 5. die Schule, tiefer werden jetzt die Verbindungen zwischen den Arbeitermassen Amerikas und der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. .Wir hoffen, daß die Gewerkschaften ihrer bisherigen Tätigkeit noch viele Jahre fruchtbarer Arbeit hinzufügen werden. Große Aufgaben haben sie noch im Kampfe für die Interessen der jüdischen Arbeiterschaft zu erfüllen. Nicht mindere Aufgaben fallen ihnen bei der Reorganisierung der gesamtamerikanischen Gewerkschaftsbewegung zu, die in den letzten fünf Jahren eine schwere Krise durchzumachen hatte. Wollen wir hoffen, daß die Gewerkschaften, nach diesem Feste, mit jugendlichem Elan ihre Tätigkeit fortsetzen werden und daß es ihnen gelingen wird, auch weiterhin eine schöpferische und konstruktive Macht zu sein, sowohl im Leben des Jüdischen Arbeiters, als auch in der ganzen internationalen Arbeiterbewegung. Zur Sprachenfrage. (Unseren Jugendlichen gewidmet.) Es gibt im politischen Leben Probleme, die verhältnisrnäßig leicht ihrer endgültigen Lösung zugeführt werden können und solche, die scheinbar unlösbar, dauernc Streitobjekt zwischen den Parteien bleiben. Im Bereiche der jüdischen Bewegung gehört die „Sprachenfrage" zu den Problemen der letzteren Art: Vom Beginn ihrer Demokratisierung, d. h. vom Augenblick an, da das jüdische Proletariat seine Forderungen in der jüdischen Gasse erhebt, bis heute, wie gewisse Ereignisse (Streit um den' Lehrstuhl für Jiddisch an der Universität in Jerusalem, Entstehung eines Jiddischflügels im polnischen Zionismus und das Scheitern der Konferenz für das arbeitende Palästina an der Sprachenfrage) zeigen, ist die Frage Hebräisch oder Jiddisch das Schiboleth, das die Geister iund Parteien scheidet. Allerdings: die Geister und Parteien in den Ländern der jüdischen Massensiedlungen. Im Westen — und das ist sicher ein Symptom der fortgeschrittenen Assimilation und des Unernstes, mit welchem hier die nationalkulturelle Arbeit in Angriff genommen wurde — ist auch' die im Lager der Zionisten stehende Judenschaft von dieser Problematik nicht berührt. Die Leidenschaft, mit der die Sprachenfrage diskutiert wird, kann als Symptom für die Bedeutung der Sprache im ganzen eines Volkstums gewertet werden; es taucht aber hier die Frage auf, ob nicht am Ende der Masseninstinkt geirrt hat und im Lichte objektiv soziologischer Betrachtung die Sprache gar kein wesentliches Merkmal des Volkstums darstellt. Tatsächlich ist das Problem des richtigen Begriffes des Volkstums auch in der marxistischen Soziologie umstritten: es stehen sich da die De* finition Otto Bauers, der in der Nation „eine Kulturegmeinschaft und Charaktergemeinschaft, die aus einer die von 35 Kindern im Schulalter besucht wird1. Die Hauptlast der Ausgaben für diese Anstalten trägt die Gemeinschaft selbst, nur zum geringen Teile trägt die Kulturabteilung der Arbeiterorganisation bei. Die Arbeitspflicht ist (Grundprinzip dieser Schule. Jeder 'Schüler hat je nach Alter und physischer Eignung e'irj\3 gewisse Anzahl von Stunden im Tage zu arbeiten!. Die Schule hat eine eigene Küchb sowie einen eigenen Garten, der von den Schülern bearbeitet wird. Die Ordnung wird von den Schülern selbst besorgt. Der Aufenthalt in der Schule beträgt 8—9 Stunden, also fast den gauzen Tag. * Dio Verhandlungen, die die Regierung mit dem Ai'beiterinnenrat betreffend den Kauf eines größereu Quantums von Baumpflanzen', die die Regierung für die Aufforstung benötigt, sind abgeschlossen worden. Die gekauften 100.000 Baumpflanzen — 50.000 Tannen und 50.000 Cypressen — werden von den Arbeiterinnen-Wirtschaften in Jerusalem, Nachlatli-Jehuda, Petach-Tikwah und SclMiunatii-Boroohow geliefert werden. * Die Zentral-Bank für kooperative Anstalten hat im «Jahre 1928 an 5-1 Anstalten Kredite in der Höhe von 9G.431 Pfund gewährt. * Von den 237 Wahlberechtigten haben 191 gestimmt (15.arbeiten außerhalb der Stadt und konnten ihre Stimme nicht abgeben). Es entfielen auf die. „Achduth!. Awodah" 125 Stimmen (8 Vorsteher), Linke Poale-Zion 37 Stimmen (2 Vorsteher), „Hapoel Hazair" 1.7 Stimmen!. (1 Vorsteher). Bei den vorjährigen Wahlen .erhielten ^Achduth Awodah" 6, Linke. „Poale-Zion" 4, „Hapoel Ifazair' 1 Mandat. * Schicksalsgemeinschaft ersteht" sieht und die Karl Kautskys, dem das Volk eine Sprachgemeinschaft schlechthin ist, gegenüber. Doch ist der Unterschied der Auffassungen beider Autoren nur formal: während K a u t s k y in der Sprache das einzige Merkmal eines Volkes sieht, strebt Bauer über diese enge Definition hinaus, ohne aber die Bedeutung der nationalen Sprache als wichtigstes, seine Einheit erst so recht begründendes Merkmal des Volkstums zu unterschätzen, wenn er auch bemüht ist, die Sprachgemeinschaft aus der Charaktergemeinschaft abzuleiten, „Daß eine Nation sich dauernd ohne die Gemeinschaft der Sprache, dieses wichtigsten Werkzeuges menschlichen Verkehrs, als Kulturgemeinschaft erhält, ist nicht denkbar." (Otto Bauer, Nationalitätenfrage, S. 115). Wenn wir nun dieses Ergebnis marxistischer Forschung auf unseren konkreten Gegenstand anwenden, so ist es klar, daß die Frage, ob es ein jüdisches Volk gibt, mit der Frage nach' der Existenz einer jüdischen Nationalsprache zusammenfällt: mit Recht also meint Kautsky, daß es ein jüdisches Volk im eigentlichen Sinne 'des Wortes nur in Osteuropa gäbe, wo die Juden ihre eigene Sprache, das Jiddisch, sprechen. Die Westjuden allerdings rechnet Kautsky ihren Gastvölkern zu und bezeichnet die deutsch, französisch sprechenden Juden als Franzosen und Deutsche.! Hier zeigt sich' die Ueberlegenheit der Bauerschen Definition: denn es ist doch unzweifelhaft, daß gemäß dem auch im Reiche des Sozialen herrschenden Gesetz der Trägheit die ehemals bestehende Schicksalsgemeinschaft der vom Volkskörper abgesplitterten Teile mit diesem sich im Charakter ihrer Glieder ausdrückt — auch' dann, wenn die Glieder der letzteren die Sprache ihrer Umwelt angenommen haben. Es muß aber natürlich zugegeben werden, daß der seiner Volkssprache entfremdete Westjude national als minderwertig anzusehen ist. Das haben die meisten unter dem Druck des-nach dem Niedergang des Liberalismus intensiv einsetzenden Antisemitismus „national" gewordenen Westjuden auch gefühlt und esi ist sehr interessant, festzustellen, wie sie auf dieses! Gefühl reagierten. Man konnte sein Judentum nicht! mit dem „formalen" Element der Sprache nachweisen:! so bemühte man sich denn, seine Zugehörigkeit „in-J halt lieh" zu dokumentieren, indem man seinen! Charakter analysierte und in ihm jüdische Elemente! nachwies: symptomatisch für diese Einstellung ist, daß! Schriftsteller wie 'Buber und Achad Haam, deren! Werk ja auch1 'auf die klare Herausarbeitung des! spezifisch-jüdischen Wesens hinzielt, im Westen eine! viel größere Popularität erlangten, als im Osten. Doch» begnügte man sich' natürlich nicht mit dieser, von! Buber geforderten Selbstbesinnung: man suchte der! jüdischen Wirklichkeit näher zu kommen und mußte! so 'die Notwendigkeit, seinen Mangel, die „nationale! Sprachlosigkeit" zu beheben erkennen. Der natürliche! Die Seßhaftwerdung des jüdischen Arbeiters in den privaten Kolonien macht, trotz verschiedener Störungen, ununterbrochene Fortschritte. Als Beweis kann die neue Institution der Arb'eiter-Petach'-Tikwahs angeführt werden. Eine eigene Leih- und Sparkasse —. die erste, Arbeiter-Leih-. und Sparkasse in der privaten Kolonie. j 300 Pfund haben die Arbeiter aufgebracht, 300 Pfund leiht die Arbeiterbank, 150 Pfund werden sonst noch auf-j gebracht werden und dies wh-d das Griindungskapital sein, | mit dem die Kasse ihre Tätigkeit beginnen wird. Während die städtischen Arbeiter-Leih- und. Spar-j kassen in der Hauptsache Hilfe für den Augenblick! gewäh-j reu, soll die Hauptaufgabe dieser Kasse in der Gewährung konstruktiver Hilfe liegen. Es soll dem Arbeiter ermöglicht werden, sich' eine Hiifs-Wirtschaft einzmüchten, Vieh ode,<* Inventar zu lauvfen u. v. m. Die Höhe der Anleihen soll 5—25 Pfund betragen. Die Hilfe für den Augenblick fällt natürlich auch in den Aufgabenkreis dieser neuen Arbeiter- Institution. Ende Dezember erhielt die Arbeiiterlebensversich'errun'gsgesellschaffc „Hasueh" in Palästina vorn nationalen Arbeiter-Verband in Amerika die dritte Geldüberweisung in der Höhe von 5000 Dollar auf Grund der Beteiligung des nationalen Arbeiterverbandes an der Gesellschaft. Nach dem Vertrage zwischen' der „Histadruth" und dem Arbeiterverband investiert letzterer, 75.000 Dollar in' die Arbeiterversicherungsgesellschaft „Hasueh", Die letzt»- Rate hat Ende 1929 gezahlt zu werden. Die beiden" bisher vorgenommenen Üeberweisungen. machen 14.000 Dollar: aus,. 60). daß die bisherigen Investitionen des nationalen Arbeiter- Verbandes in . Amerika 19,000 Dollar betragen.

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