Mannheim
Compact Memory

Der Jüdische Arbeiter · 1929-01-15 · Heft 1 (15.1.1929) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
6 (1929)
Issue
Heft 1 (15.1.1929)
Date
1929-01-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2641551-2641584-2641585--201-2642128
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Seite 2 Der jüdische Arbeiter Nf. 1 dert Arbeiter, die wahlberechtigt waren, an der Abgabe der Stimme zu hindern. Und wenn trotz alledem zirka 3000 Stimmen für die Histadruth abgegeben wurden, 300 mehr als bei der letzten Wahl, so ist dies ein klarer Beweis für die große moralische und faktische Kraft der organisierten Arbeiterschaft. Nach der „Nichtziönisten"- Konferenz. (Brief aus New-York.) Die Konferenz der „Nichtzinoisten" hat mit einem vorauszusehenden Resultat geendet — es wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in welcher sich die amerikanischen „Nichtzionisten" bereit erklären, in die „Jewish Agency" einzutreten, um Hand in Hand mit den Zionisten am Aufbau Palästinas mitzuarbeiten. Damit wurde ein1 bedeutender, wenn nicht der entscheidende Schritt zur Schaffung der gemeinsamen .Agency gemacht. Es soll aber nicht geleugnet werden, daß die Organisierung jüdischer Gruppen für den gleichen Zweck in.anderen Ländern, was ja die oraussetzung] für die endgültige Etablierung der Agency ist,'sicherlich auf große Schwierigkeiten stoßen wird. Auch hier in Amerika sind noch nicht alle Schwierigkeiten beseitigt. Auch wir haben Grund in vieler Hinsicht mit dem Verlauf und dem Ausgang der Konferenz zufrieden zu sein, besonders deshalb, weil wir hoffen, 'daß durch1 das Zusammenarbeiten mit den nichtzionistischen Teilen des jüdischen Volkes die palästinensische Front verstärkt, die Mittel für den Aufbau vergrößert und das Tempo beschleunigt werden kann. rTrotzalledem sind wir der Ansicht, daß auch jetzt . Vorsicht in der Beurteilung des erreichten Resultates am Platze ist und auf keinen Fall darf die oberflächliche Harmonie unsere Wachsamkeit hinsichtlich der Gefahren, die dieses Experiment mit sich bringt, beeinträchtigen.. Es erübrigt sich hervorzuheben, daß wir in der Von niemandem gewählten Notabein-Versammlung — in welcher die Delegierten, die Teilnehmer an der Disküssion, 'die, Resolution' und das Verhandlungskomitee von oben, . von Herrn Marschall,! bestim — keine legitime Vertretung der großen jüdischen Massen Amerikas, die der Zionistische^ Organisation' nicht an-' geschlcissensind,' sehen. Und nicht nur -aus „demovkartischeri- Grundsätzen" heraus sind wir mit der Kon-? stituierung.des amerikanischen Teiles des nichtzionisli-' sehen Agency-Partners nicht zufrieden — wobei wir uns natürlich der „demokratischen Grundsätze" nicht zu schämen haben — sondern besonders deshalb, weil, der undemokratische Charakter der amerikanischen Palästina- Run dsch au. Bau eiire s Ärb e itei'h'ei mis im Jerusalem. — Eine K o n f er en' z f ur das ar beutende Paläs ti na .in Deutschland. — Die Arbeiterjugend Polen s''. 'beglückwünscht' d en „Dawar"* 1— Gen. Vandervelde auch! in Südamerika für Palästina tätig. — „I>oar-Ha j om" geht zu Jabotinski über. — Das internationale Arbeitsamt über das Werk der palästinensischen Arbeiterschaft. — Vergrößerung des Sanatoriums in Mozä. — Mehr als 4000 erwachsene E in wo h' n er in Pe t a ch - T i k wah1. ' Die Arbeiter Tel-Äwiws und Haifas besitzen bereits ihre eigenen „Arbeiter-Häuser", große Gebäude, in welchen sowohl die gewerkschaftlichen als auch andere Organisationen der Ax-beitei'scliaft in modernen, bequemen Räumlichkeiten Unterkunft finden. Nur Jerusalem bildete eine Ausnahme. Dies soll jetzt nachgetragen werden.! Der Keren-Kajemetlii stellte einen Baugrand in llech'awja (einem neuen Stadtviertel Jerusalems) zur Verfügung und der Arbeiterrat Jerusalems schrieb schon früher' einen' Wettbewerb für den Bauplan aus. 14 Projekte wurden der SachverstäncUgeu-Kommisision vorgelegt, die 4 mit Preisen auszeichnete. Die Baupläne werden im Arbeiterrat ausgestellt werden unid erst nachher' soll beschlossen werden, nach welchem Plane gebaut werden soll. Die Kosten dürften die Höhe von 17,500 Pfund Sterling erreicheii. * In Bei'lin ist ein Aufruf veröffentlicht worden, in welchem eine Konferenz für das arbeitende Palästiua in Deutschland, die am 29. und. 30. Dezember stattfinden soll, angekündigt wird. Eingeladen werden, alle Gruppen, die ein Interesse- (an einem neuen jüdischen Leben', in freiheit- Vertretung; eine Reihe nationaler und sozialer Gefahren in sich birgt, die nicht sehen zu wollen, ein großer Fehler wäre. Dies zeigte sich auch klar auf der Konferenz selbst. Es ist wahr, diese Konferenz bedeutet, trotz entgegengesetzter Behauptungen gegnerischer Kreise, einen großen Sieg des Zionismus über seine langjährigen Gegner. Aber nicht alle haben die Waffen gestreckt. Wenn man die Aufrichtigkeit dieser Kreise, dem Aufbau Palästinas beizustehen, nicht anzweifeln soll, so liegt auch gar kein Grund vor, die so oft wiederholten. Erklärungen, daß sie weiter „Nichtzionisten" bleiben, das heißt, daß Paläiina auch weiterhin keinen zentralen Punkt in ihrer Auffassung des jüdischen Problems einnimmt, in Frage zu stellen- Und nicht um das Theoretische handelt es sich hier; darauf könnte man leichten Herzens verzichten. Die große Gefahr aber besteht darin, daß sie versuchen werden, diesen Minimalismus bei der praktischen Arbeit in der erweiterten Agency anzuwenden. Und bei der jetzigen psychologischen Situation im Zionismus, besonders im amerikanischen, ist keine Garantie vorhanden, daß diese sozusagen „Achad-Haam"sche" Auffassung, Verständnis und Mithilfe in den zionistischen Reihen selbst findet. Mr. Lee Frenkel für den Palästina als späteres jüdisches Land gar keine Bedeutung, hat, dem es nur wegen der „Bibel" wichtig erscheint, ist gar nicht so weit entfernt von ...Harry Saker. •■ ' - Dies bezieht sich nicht nur auf die nationalen, sondern auch auf die sozialen Auffassungen. Herr Marschall hat den Vorbehalt des Aktionskomitees hinsichtlich der fünf entscheidenden Punkte des Expertenberichtes, auf nicht sehr anständige Weise als „Mißverständnisse" abgetan. Der Expertenbericht, den man verhimmelt hat, fast mehr noch als die „Bibel" ist ausdrücklich als die ' Grundlage für die Arbeit der „Agency" bezeichnet worden, in klarem Gegensatz zum zionistischen: Aktionskomitee, welches sich ausdrücklich weigerte, den Bericht als Grundlage für die weitere Arbeit anzuerkennen, wobei es aus Höflichkeit anerkannte, daß er ein Material „von wesentlicher Bedeutung"; darstelle. Natürlich handelt es sich hier nicht um den Namen, mit welchem man den Bericht bezeichnet, sondern darum, ob man seine Hauptpunkte, die .ohne Zweifel fälsch und schädlich sind, annimmt oder nichtv., ..• :'• p Die Konferenz bevollmächtigte Herrn Marschall, eine •Kommission zu..ernennen, welche bezüglich der Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich des Berichtes mit der zionistischen Organisation, verhandeln soll. Erst vom Resultate dieser Verhandlungen wird die lichem und sozialistischem Geiste, haben; Der Aufruf fordert auch1 alle Freunde der' palästinensischen Arbeiterschaft auf, sie mi.t Rat-und-Tat-zu unterstützen. Gezeichnet erscheinen: Eduard Bernstein, Siegfried. Bernfeld1, Jcsef Bloch (Redakteur der „Sozialistischen Monatshefte"), Martin Bubor, Prof.. Simon Dnbnow' Oskar Kohn, Georg Landauer, Fritz Naftali (bekannter sozialistischer Wirtschaftspolitiker), Lion Feuc'hWanger (Verfasser des'„Jud Süß"), Arnold Zweig, S. Rudel u. v. a; * Der sozialistische "Verband der jüdischen Arbeiterjugend „Freiheit" in Polen sandte anläßlich des Erscheinens der 1000 Nummer nachstehende Begrüßung an den „Dawar": „4000 junge jüdische. Sozialisten, organisiert im Freiheit-Verband, in Polen, übersenden auch die herzlichsten Grüße anläßlich des Erscheinens der 1000. Nummer. Möge auch weiterhin; euer Wort "zur Verwirklichung des Sozialismus, zu unserer nationalen und sozialen Erlösung beitragen. Die Jugend ist, mit euch!" Gleichzeitig haben die Mitglieder der Warschauer Organisation "beschlossen, den ,-,Dawar", anläßlich ■ desi Jubiläums in das goldene Buch des „K. K. J." eintragen zu lassen. * Im Auftrage der sozialistischen Internationale fuhr Gen. Emil Vandervelde nach1 Argentinien, um zwischen, den zwei dort existierenden sozialistischen Parteien zu vermittein. Schon auf dem Wege nach Buenos-Aires, in Rio de Janeiro und Montevideo liaben ihn unter anderen auch die Vorsteher der Poale-Zion-Organisation' besxicht, zu welchen er begeisternd über seinen Besuch in Palästina sprach1. Am 13. Oktober, einem Tag vor seiner Abreise, fand im Salon der größten argentinischen Zeitung „La Preusa"/ ein Vortrag Vanderveldes über Palästina statt. Die Rede erschien dann in der gesamten Presse. Die sozialistische endgültige Stellungnahme der Arbeiterschaft zum neuen Stadium, in welches das Agency-Problem eingetreten ist, abhängig sein. Es ist zu erwarten, daß die zionisi'schen Verhandlungsführer es" besser als Herr Marschall wissen werden, wie ernst diese Fragen m Berlin behandelt wurden, daß die 'Berliner Beschlüsse kein Objekt des Feilschens sind und daß man weder zum Aktionskomitee und schön gar nicht zur palästinensischen Arbeiterschaft und ihren Verbündeten mit Vorschlägen kommen. kann, Sie den klaren, fast einstimmigen Beschlüssen des Aktionskomitees, widersprechen. Cr. Otto Wertheimer. Zum zehnjährigen Todestage. Jm Dezember 1918 starb im 26. Lebensjahre ,'unser Chawer Otto Wertheimer. - .... Im jugendlichen Alter wurde er dem jüdischen Proletariats dem er mit ganzer Seele anhing, entrissen. Intellektueller und Westjude zugleich, fand er, alle Hindernisse überwindend, den Weg zum' jüdischen Arbeiter. Sprachliche Schwierigkeiten! tauchten auf. Mit Feuereifer stürzte er sich auf das „Jiddische". Mit welcher Freude er über die Erzählung! von Perez berichtet, die er im Original gefesen' hat. Der Krieg, den er krankheitshalber im Hinterlande mitmachte, drückte ihn schwer. Keinen Augenblick reiner Freude gönnte er sich, da ihn stets der Gedanke an die Vielen, die draußen ihr Leben lassen müßten, quälten. Mit angehaltenem Atem blickte erj nach Stockholm, mit Tränen in den Augen las er über russische Revolution. Aber immer noch wollte, der Friede nicht kommen'. ■ , - Und das jüdische Volk? Mit inniger Liebe hing er ihm an. Als bewußter Sozialist verlangte er auch für das jüdische Volk sein Recht. - Wie ihn die Pogrome, aufwühlten! Wie ihn das Unrecht am jüdischen Volke zur Tat aufrief! Jetzt erst hat er den heißersehnten Rückhalt gefunden. In der' Gemeinschaft des jüdischen Proletariats will er als Jude und Sozialist wirken. , ■ . Der Krieg geht zu Ende. Die Ereignisse überstürzen sich. Ein ungeahntes, Tätigkeitsfeld eröffnet sich ihm. Wo' es das Interesse des jüdischen: Proletariats erfordert, ist er zur Stelle. - Da bringt ihn eine tückische Krankheit zur Strecke. In der Blüte des Lebens, an der Schwelle des SchaffenSj mußte er von uns scheiden. ' : r ' .Wir werden seiner stets in Treue gedenken'. . Nachstehend! folgen einige Aufzeichniingeni ansi seinesa. Tagebüchern1: •. , . Zeitung „La Vanguardia" brachte außerdem am 17. Oktober einen besonderen Artikel Vanderveldes über das arbeitende Palästina. Auch vor seiner Abreise nach. Europa verbrachte Vandervelde einen halben Tag in Rio de Janeiro, wo er vor den versammelten Führern der sozialistischen Pajtei Brasiliens; .der „Poale-Zion", der dortigen Presse neue begeisternde Erklärungen über das arbeitende Palästina abgab. > : Die .reaktionäre bürgerliche Zeitung'Jerusalems' „Doar Hajom". bestätigt, daß vom 1. Dezember an1 W. Jabotin'ski ihr Chefredakteur sein wird. . * . Im Oktober-NovemberrHeft der .„International Labour Review", die das internationale Arbeitsamt in Genf herausgibt, erschien eine größere Arbeit über die palästinensische Landarbeiterorganisation. In einer. größeren redaktionellen Bemerkung wird. auf die Wichtigkeit und Eigenartigkeit der „I-Iistadruth'V sowie ihre Bedeutung für Palästina hingewiesen. . , * * Das Gebäude des Arbeiter-Sanatoriums in'Mbza wurde voriges Jahr um einen zweiten1 Stock vergrößert. Dieser konnte aber nicht benützt werden, da es an der "Inneneinrichtung fehlte. Eür diesen Zweck ex-liielt nun die Krankenkasse von der Hadassa-Organisation i.n Kanada 3Ö0O Dollar, wodurch' es in einigen Monaten möglich sein wird, daß weitere 15 Arbeiter eine Erholungsstätte in ihrem Sanatorium finden. ' * _ . ■ :.........! Im Zusammenhang mit der Herausgabe einer Jubiläumssclrrift anläßlich (der 50 jährigen Gründung von Petach-Tikwah nahm die Kolonieverwaltung eine Zählungder Einwohnerschaft vor. Nach dem Ergebnis der Zählung; wohnen in der Kolonie mehr als 4000 Einwohner, die; das 20. Lebens jährbereits überschritten haben,. ,!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.