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Der Jüdische Arbeiter · 1928-11-28 · Heft 16 (28.11.1928) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
5 (1928)
Issue
Heft 16 (28.11.1928)
Date
1928-11-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 fier jadische Arbeiter Nr. 16 hauptung aufgestellt wird, daß Genosse Rubaschow auf dem Parteitage der Poale Zion Deutsichlaiids, ^tS^gerw^^ deä Colone! Wedgewood, die Angdegenh^tder Klagemaüer ab gleichgültige bezeichnet hat. Die Methode ist eine sehr einfache,und bekannte. Er greift einen Satz aus der Rede *■ ...... , ' \ Rubaschows heraus und tischt ihn seinen Leaern als Quin tessenz seiner Ausführungen auf. ~ 'Kubasohow sagte z. B. u. a. wörtlich: „Vor zwei Wochen protestierte die Leitung der;,Achduth Haawodah" gegen ein Vorkonimnig, das uns alle t,Lef erschüttert hat: Ein englischer Beamter brachte am Versöhhungstage in unserem freien Lande dem Mut auf, vor der Klagemauer alle betenden Juden mißhandeln zu lassen.";,Wir wollen, daß jeder in Palästina, der Araber wie der Jude, der Arbeiter, detr Beamte und der betende Judo an der Klagemauer keine „Natives", .sondern Bürger eines freien Landes sein sollen." Die ganze Rede stand unter dem Eindrucke der er sehütternjden Ereignisse vor der Klagemaüer und Wedgewood bemühte sich, den düsteren Eindruck dieser Rede zu verdrängen. Hat der Mischebeituih-Mann Kenntnis2 von der imposanten Protestbewegung unserer Genossen in Palästina gegen die Vorkommnisse an der Klagemauer? Wenn; er es nicht weiß; möge er gefälligst schweigen, sollte er es aber wissen und trotzdem darzustellen versuoheny als ob wir die Vorkommnisse an der Klagemauer als gleichgültig be traichten, müßten wir ihn als gemeinen Lügner und Verleumder bezeichnen. Werter Herr Mischeberach-Mann I Sie leisten. der?,Union" Bärendienste. Lügen haben kurze Beine!; Fort mit den politischen Lum pereien aus dem jüdischen Wien! . Im gegenwärtigen Kampfe um die jüdisfchte Gemeinde in Wien hat, sich etwas Unerhörtes ereignet. Drei Mandaten' jäger mit einer sehr zweifelhaften politischen1 Vergangenheit haben sich! zusammengejtan und reichten, eine Liste nnter dem 'Namen j,Niohtzi'oni3'fcischö Werktätige Juden" ein1. . ■ : Wer sin|d diese drei Herren? Der erste ist Dr. ßaul Rafael Landau; die pohtistehe Wetterfahne, der Mann,- der sich1 seit Jahren jej'dejr Gruppe, die ihm irgendein Mandat ^verhieß; anslchloß. Vor einigen' Jahren kandidierte er noch gemeinsam mit einem Hausjuden des Polenklubs,- vor kurzem sprach' er noch im Tone eines gehässigen Feindes dei*- ßcziajdemokratie, jetzt schloß er sich Juden! an, die be-- h^upten,;' 'Sozialdemokraten1 zu sein1. Was tut man nicht, um" Kultusrait zu werden? . . , Der zweite wetterfeste Mann ist der Mazzieüsbäck'er Herr VortiL-jeiflich. Vor vier Wochen war er noch zionistischer Müsoiigerat, da er aber dör,t kein Mandat erlangen konnte (und ein Mafzzesbäcker ' hat' begreiflicherweise Interessier Mitglied" des Knltusvorstandes zu sein . y .), s'chloß er sich den sogenannten1 j,Ni<3ihtzionisten" an. Die einige tausend Schilling, die' Herr Vortrefflich für die zweite Stelle in der Liste "zahlen mußte, hofft ßr sich! dann bei den Mazzes schon einzubringen.;; i per dritte im Bunde ist ein gewissler Herr Dr. Ernst Bauer, der sich! bis vor zwei Jahren nur mit' Börsengeschäften befaßte, al'si er an der Börse kein« Beschäftigung mehr finden konnte, schlich er sich! in die sozialdemokratische Partei ein. Er verstand es sich vorzudrängen und wurde bald Itunktionäi'. Vor einigen Wochen wurde er von einem Schiedsgericht der .sozialdemokratischen Partei, da«, er angerufen hat, der Lüge in vielen .Fällen über wiesen und für die Dauer vo'n zwei Jahren von der Ausübung jeder Funktion ausge schlössen. Diese drei biederen Männer, von denen die zwei Erst genannten der ^Vereinigung Werktätiger Juden" niemals angehört liaben (ein Versuch!, den Herrn Dr. Landau in die „Vereinigung" einzuschmuggeln, wurde unter allgemei ner Entrüstung abgewehrt), der dritte — Herr Dr. Bauer — aus der „Vereinigung" ausgeschlossen wurde, spekulieren nun dara-uf, durch die Worte: „Werktätige Juden" die jüdischen Wähler iirezuführem Diese unanständige Kampfmethode rufte überall Empörung hervor. Die Herren, die im Trüben fischen wollten, konnten auch keine einzige Versammlung abhalten..Die jüdische Wählerschaft hat diese Herten energischzurückgewiesen. Es ist gelungen, diese Liste zu Fall zu bringen. 8ie w u r d e von der Kultusgera e i n d e, a u f G r u n d ei ner E n t s c Iie i d ung des Mini s te r i u m s ajn n u 11 i e r t. kandidatenliste der „Wahl Vereinigung werktätiger Judena für den I Kultusvorstand.! /. . ' . . ' \ Gustav Moriz, Vei-sicherungs-Beaniter. I 2. Da*. Eudolf Glanz, Rechtsanwalt. 1 W3. Adolf Reich, Direktor. 1^0 4t. Wilhelm Hirschfeld, Ob.-Insp. der Bundesbahnen. : p'fc 5. Mendel Singer, Sekretär, f" i\ 6. Josef Grünhut, Wäsche-Erzeuger. 7. Willi Stern, Zahntechniker. 8. Leo Rath!, Parfümeriegeschäft. 9. Dr. Fritz Spitzer, Rechtsanwalt. ) ICK Da*. Josef Löwy, Beamter. , 11. A!dolf~Sobel7^en^iöMs^ Bundesbahnen. 12. Georg Reichenfeld, Kaufmann: 13. Jakob Scheuermann, Buchhalter. 14. Leo Prochnik, Autotaxi-Unternehmor. i. 16. Otto Reich-Fischer, Kaufmann. 16. Da«, Friedrich Tersch, Zahbai-zt. . 17.' Samuel Gesund, Prokurist. 18. Moritz Hecht, Kaufmann. 19. Leopold' Grün, Buchdruckereibesitzei'. 20. Norbert Gerber, 'Huterzeuger. 21. Isidor Schenkelbach, Kaufmann, 22. Emil Platschek, Vertreter* 23. Josef Bäck, Lederhändler. '24. Max Kessler, Fleischhauer. 25. Isidor A, Gruberg, Juwelier. 26. Gustav Bergmann, -Kaufmann. 27. Israel Schenkel,- Kaufmann. 28t Jakob 'Goldblum; Kaufmann. 29. Jonathan Goldstein, Kaufmann. 30. Julius Viala,' Kaufmann. 31. Isidor Spitz, Spirituosenhändler. 32. Leopold Bra^un, Privat. I B. Michalewitsch ] Aus schau kommt dietraurige;Nachricht/ daß B. Michalewitsch', der bekannte Führer des „Bund", gestorben ist. In ihm verliert die jüdische Arbeiterschaft Polens einen ihrer ersten Erwecker, ihren Führer und Lehrer. Ein Kind armer Eltern, wird er schon in ganz jungen Jahren mit der Idee des Sozialismus bekannt. Mit Feuereifer stürzt er sich in die Arbeit, wirbt unter den schwersten Bedingungen trotz zaristischer Verfolgungen 'für die Bewegung. Sein ganzes Sinnen und Trachten ist darauf gerichtet, dfce materielle und kulturelle Not des jüdischen Arbeiters zu lindern. Besonders am Herzen lag ihm das jiddisch'e Schuhwerk, dessen Leiter er in den letzten Jahren wurde. Als die materielle Grundlage der jüdischen Schulorgianisation in Polen erschüttert war, nahm Michalewitsch1, trotzdem er körperlich nicht auf der Höhe' war, die Mühen einerAmerikareise auf sich, um die jüdischen Arbeiter für eine Unterstützung, zu gewinnen, was ihm auch'gelang. 34 Jahre führte Michalewitsch' den Kampf der jüdischen Arbeiter. Ueberall, wo es galt, ihre Interessen zu vertreten, war er in der vordersten Reihe anzutreffen. Nun ist er durch' den Tod dem kämpfenden Proletariat jäh entrissen worden. Die jüdische Arbeiterschaft Polens ist um einen ih'rer Besten ärmer geworden. Auch' wir, die wir mit Michalewitsch nicht immer übereinstimmten, beugen uns vor seinem Grabe. . i Für die Lehrfarm des „Hechaluz". An die. Freunde dej* jüdischen1 Jugend'I . In vielen Ländern hat die Chaliizorganisation bereits Lehi'farmen errichtet, die ebenso der Erziehung Jugend- > lieber zum , Berufe des Landwirtes,; wie der Vorbereitung jener neuen Menschen dienen, die in Palästina für die glückliche; Zuendeführung der Aufbauarbeit notwendig sind. * Oesterreich hat bisher eine solche Lehrstätte entbehren' ■ müssen, ao daß junge Juden, die die Landwirtschaft erlernen wollten, private Arbeitsplätze aufzusuchen genötigt waren, was nicht oft und nur sehr schwer gelang. Nunmehr soll Wandel geschaffen weiden. Die österr. Ohaluzoi'ganisiation hat. das Gut •„Quellenhof' bei Neulengbach' für eine gemeinsame Bewirtschaftung in Aussicht ' genommen und können die Arbeiten in a.lleiinäch'ster Zeit beginnen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir den B eX triebsfonds beschaffen \md sichei'n. Dies kann nur erreicht werden, wenn wir in Oesterreich 1000 Freunde unserer' Sache finden, die uns ©inen Jahresbeitrag-nach'- ihren Kräften zuwendem j " Die besonders unter der jüdischen arbeitenden Jugend Oestei-reich's heiTßChendie ila'beitslosigkeit und die damit ii» ii Palästina-Rundschau. bi:e Arbeitslage ih den jüdischen Kolonien'. — Die f.L'ät,igkeit der Ai-beiter-Bauunternehmungen. — Daa erste Treffen der Axbeitiejrj'ugerijd. — Die eingeschränkte Einwanderung. Die Nachrichten, die die Arbeitszentrale der Histadruth' aus den privaten! Kolonien erhält, bestätigen die Vermutung, daß diejses' Jahr viele neue Plantagen1 angelegt werden^ dürften. Zu Beginn! der Axbedten wird sich folglich ein Bedarf an Saisonarbeitern einstellen. In den privaten Kolonien Scharons' sind dank dieser Neuanlagen gegenwärtig alle Arbeiter beschäftigt, was sonst während der toten Saison nicht vorzukommen pflegte. Dazugekommen sind noch.1 50 Arbeiter aus den Städten und anderen Kolonien. In Petach'-Tikwah war die Arbeitstage in den Sommermonaten befriedigend.'-Jetzt, während-dier toten Saison, macht sich die< Arbeitslosigkeit wieder bemerkbair1. Es ist aber zu .erwarten, daß sie mit dem Beginn deir Ernte, also am Anfang nächsten Monats,- vollständig verschwin-, den wird. > In Schomron begann die Pica mit verschiedenen Ar-i beiten, die sie den Arbejtsbüros von Benjaminia und Sich'ron Jakob übergeben hat. Bei diesen Arbei;ten werden* Arbeitete beider Gebiete beschäftigt werden. In Ohedei-ajh' herrschte A^-beitslosigkeit, trotzdem Arbeit vorhanden ist, da viele miclrtjüdische Arbeiter beschäftigt werden, Sogar in den Plantagen der j,Agudath| Netaim" arbeiten Juden und Araber > zu je 50 Prozent. # .; Die palästinensische Wirklichkeit macht den Bestand von Arbeiter-Bauunternehmungen notwendig, da größere Arbeiten von jüdischen Arbeitern sonst nicht durchgeführt werden könnten. Seitdem der j,Solel Boneh" steine Tätigkeit eingestellt hat, mußten an seine Stelle andere Unternehmungen tx*eten, die wenigstens in kleinem Maßstab die Arbeit des j,ßolel-Boneh" fortsetzen. In Tel-Aviv, Haifa, Jerusalem, Petach-Tikwah entstanden' solche Bauunternuhmungs- Büros, welche in den wenigen Monaten ihrer Existenz bereite Arbeiten um ca. 60.000 Pfund diu-chführten. Darunter waren einig61 größere Regierungsaufträge (die Chausseen-Jaffar—Tel-Aviv, Jerusalem—Jericho u. v. a.), Ai'beiten der Zionistischen Exekutive und .private Arbeitgeber. Den größten Teil der Ai'beiten führte das Tel-Aviver Büro durch' (25.000 Pfund). Dann kommen Jerusalem mit 19.000 Pfundy- Jaffa mit 7800 Pfund und Petach'-Tikwah mit; 7800 Pfund. Am 2. Oktober-fand in Tel-Aviv eine Beratung dieser Arbeiter-Ba,uuntemohnauri(gS'3üros mit der Arbeits-Zentrale und dem Wirtscliaftsrat der Histadruth statt', in welchleir dm zukünftige Ai'beit besprochen wurde, war Tel-Aviv^ wohi,n hunderte Jugendlicher aus. allen Teilen des Landes zusammenströmten. Die Jugendlichen des Einek legten den Weg zu Fuß zurück» Nach der Landberatung) die in TelrAviv stattgefunden hat, zogen die Jugendlichen in geschlossenen' Zügen mit flatternden Fahnen nach Rech'obofch» Vor dem Gebäude .'des Ai'beiterra,tes fand ein feierlicher Abschied. von. der höchsten Instanz der palästinensischen Arbeiterschaft statt. »Genosse Efter hielt eine begeisternde Ansprache. Daun wurde der Weg Tel-Aviv—iRechbboth (15 km) bei Nacht zurückgelegt. Sehl' eindrucksvoll war auch die Eröffnung der Versammlung. Kurze Begrüßungen, die. Aufforderung zur Solidarität mit der sozialistischen Jugend der* ganzen Welt, einige Rezitationen. . . Während des Tages fanden' Sportveranstaltungen und ernste Beratungen statt. Vorabends wurde unter den Klängen der Internationale die Konferenz, an. der. ungefähr 600 jugendliche Arbeiter teilgenommen •haben, geschlossen. ßukkbth fand in Rechowoth' die erste Zusammenkunft der paläst^Ae^^cheni Arbeiterjugend statt. Sammelpunkt Nach Monaten genauer und vorsichtiger Üntersuchungen kam die zionistische Exekutive zü dem Resultate, daß mindestens 1000 Arbeiter sofort in den Städten und in den- Kolonien Arbeit finden könnten. (Die Vertreter der Arbeiter behaupten, daß die Zahl viel größer ist.) Sie trat deshalb ah die Regierung heran und verlangte diese minimale Zahl von, Eini-eisebevvilligungen für die nächsten sechs Monate,

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