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Der Jüdische Arbeiter · 1928-11-28 · Heft 16 (28.11.1928) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
5 (1928)
Issue
Heft 16 (28.11.1928)
Date
1928-11-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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' V.b. b. Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Deutschlands, ichs und der Tschechoslovakei Erscheint zweimal monatlich, Redaktion Adminlstfi Wteft*!!^ Blumauer^asai f /Ilt Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig . . „ 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 16. Wien, 28. November 1928. 5. Jahrgang. Ein Jahrzehnt. Der Wille der Arbeiterschaft bat die Republik gezimmert, Das Bürgertum stand unb'eh'olfen da. Sein Gebäude, die Habsburger Monarchie, krachte in allen Fugen. Die Mächtigen von gestern fühlten sich' oh'n mächtig, das dröh'ende. Ghäos zu meistern, sie verkrochen sich' in: die Schlupfwinkel. Da griff das mutige revolutionäre Proletariat ein. Es sch'uf:..die Republik und war sich1 'darüber klar, daß dieses Staatswesen noch1 lange .nicht die Verwirklichung des Sozialismus sei. Die demokratische Republik bietet nur 'den besten Boden für den . Kampf um « die Verwirkl.ich'ung. des Sozialismus. Die Republik ist eine notwendige Voraussetzung für die freie Entfaltung 'der Kräfte des Proletariats. In dieser Erkenntnis hat die klassenbewußte Arbeitersch'aft die. Republik geschaffen, zu diesem Zwecke wird sie das Proletariat gegen' alle Feinde stets schützen. Ein Jahrzehnt ist kaum verstrichen, seit die Höh'enzollern und Habsburger davongejagt wurden und in Mitteleuropa neue Republiken, .entstanden sind. Wie lehrreich1 sind die Erfahrungen dieser Spanne Zeit!'1- , . . Y:-V;:.;: ' : ' - Das Bürgertum bat sich' überall erholt, der Klassenkampf beherrscht; zur Gänze -das Leben und die Entwicklung der jungen. Republiken. ~ Tm Deutsch e n R e i c h' e blüht die' Industrie in' raschem Tempo auf, die Rationalisierung schreitet erfolgreich1 fort: Die Arbeiterschaft erfaßt den Ernst der Situation und rüstet zur Abwehr der sich' täglich verschärfenden Ausbeutungspolitik' des Kapitals. Beide Lager — die Bourgeoisie und das Proletariat — befinden sich'- in fast ununterbrochener Kampfesstimmung. Der Kampf zwischen Kapital und Arbeit hat die Kämpfe um die politische Staatsform abgelöst Die Situation auf beiden Seiten klärt sich' immer mehr urid mehr, alle politischen Ideale treten in den Hintergrund, der Klasse n k a m p f ist d a s E n fs c hei d en<de. Nich't wesentlich' anders ist in dieser.Beziehung die Situation' in D e u t s c h' ö s t e r r e i ch1. Auch hier beherrscht der Kampf zwischen der Arbeitersch'aft und dem Großkapital das'gesamte Leben der Republik'. Vorbei ist die Zeit der Koalitionsregierungen, der Gemeinschaften zwischen Bürgertum und Proletariat, der K a m p f z w i s c h e n A r.b'.e 31 U n d K a p i f a 1 erfüllte das gesamte Staatswesen. Auch1 in1 . der T s c h e c h o s 1 o w a k e i ist die Idille des Burgfriedens zwischen tschechischem Proletariat und Bürgertum rasch verschwunden. Die klassenbewußte deutsche und tschechische Bourgeoisie des wirtschaftlich rasch fortschreitenden Landes haben sich gefunden'. Vergessen, oder zumindest in den Hintergrund getreten, ist der nationale Kampf, den' beide Teile gegeneinander mit großer Emphase führten', der geschlossene Kampf des Bürgertums beider Völker gegen' das Proletariat herrscht vor.____ Eine so gründliche Wandlung in einem Jahn zeh'nt! Diese Erfahrung lehrt uns, daß wir einem Es Der Kampf tobt .auf der ganzen Linie. „Union" und bürgerliche Zionisten führen den Kampf gegen uns mit. den schärfsten Mitteln. Die ersteren scheuen sich' nicht, den Kampf gegendie „Wählyereinigu'ng werktätiger Juden'-' wie eine Gruppe der Besitzenden gegen die Vertretung der arbeitenden Menschen zu führen. Ihre Losung von der ^Ausschaltung jeder Politik aus der Kultusgemeinde'' gehört sozusagen zu den erlaubten Kampfmitteln, und da sie ja die Parole jeder reaktionären Gruppe, die sich an die Macht klammert, ist, werden sie; kaum jemanden zu täuschen vermögen. Die Forderung nach einem' allgemeinen Wahlrecht sei Politik', die Aufrechterhaltung des gegenwärtigen schändlichen, reaktionären Wahlunrechtes ist dagegen die — „Ausschaltung jeder Politik". Die Umgestaltung des menschenunwürdigen Alrriosenwesens-un eine zeitgemäße, produktive Fürsorgetätigkeit' sei' ^— Politik', die Fortsetzung-: des gegenwärtigen' Zustandes heißt man —' „Ausschaltung jeder Politik". "Wir kennen :dieses .Lied;^ der^'£ntpbliti'sierurig-.,'die Verfasser /heißen : Seipel, Kienböck,. Vaugoin,- Mataja. Wir glauben' kaum, daß es der: „Union"; gelingen wird, denkende jüdische Wähler irrezuführen'. Aber, abgesehen von• diesem harmlosen Versuch, hütet sich die „Union", zumindest in ihren Versammlungen und Aufrufen (über die famose „Wahrheit" schreiben wir an anderer Stelle), die Grenze des Erlaubten zu überschreiten. . ' Die bürgerlichen Zionisten aber benehmen sich wie Menschen, die aus dem letzten: Loch pfeifen' und nichts mehr zu verlieren haben'. Sie rücken gegen unsere Gruppe mit den niedrigsten Verleumdungen aus: wir lassen' unsere Kinder nicht beschneiden, wir veranstalten zu Kol-Nidre Festessen u. ä. m; Herr Vizepräsident Dr. Löwenherz rief mit Ekstase in einer zionistischen Versammlung aus: Meidet die Versammlungen ■ der »„Werktätigen Juden", .sie sind Meschumodim. Und in diesem Geiste ist auch ein Aufruf der Zionisten in jiddischer Sprache gehalten Jahrzehnte schwerster und bedeutungsvollster Kämpfe zwischen Arbeit und Kapital entgegengehen. Um nun' diese Kämpfe für das Proletariat erfolgreich1 zu1 'gestaltert, bedarf es eines geeigneten Kampfbodens, einer Staatsverfassung, die der Entfaltung der Macht des Proletariats die größten: Möglichkeiten bietet:.' Daher erschallt der Ruf des Proletariats in' allen Ländern': Es. lebe die demokratische Repu blik! Alle Genossen der Poale-Zion, der J. S. A. J. und des „Cherutch" werden hiemit aufgefordert, sich für die Wahlarbeit sofort zur Verfügung zu stellen. Anmeldungen allabendlich im Sekretariate II., Blumauergasse l, oder im Zentralwahllokale CafeVOrient, II. Praterstraße. Die Lügen der „Wahrheit" Das Miscliebei^iali-Blatt h'at seinem Namen niemals Ehre gemacht, UnAvahrheiten iinki; Verleumdungen waren' stets seine beliebtesten ■ Waffen, aber im gegenwärtigen Kampfe haben die Lügen dieses Blätteliens den Höhepunkt 'eircejoht. - . ...■}* In' je^ei' .Nummer' werden die imerliörtesten Lügen üb'eir die sozialdemo'kititiische Partei verbreitet. Der Mischcbefraiöh'-Maiin lügt bewußt, daß- Leutner und Ellenbogen in W ä h1 e r v e r s a m m 1 u-ng e n der Werktätigen Juden" Referate hielten, er macht geschmacklose Witze, deren Pointe*,, Verdächtigung urid Verleumdung unserer fühlenden Genossen ist. In Nr. 44 des Misah'eberaich-Blatfceis finden wir eine Notiz;,Das Antlitz dier PoaleiZion"; in vwlchWr die Be- Genossen und . Werbet u. stimmet am 2. Dezember | für die Liste der Wahlvereinigung werktätiger Juden. Listenführer: Gustav Moriz um das Schicksal der jüdischen Gemeinde. * Wir und unsere Gegner. (Verfasser dieses Aufrufes soll der bekannte Batlen Meier Ch'artiner sein). Dort wird nich't nur der Schutz der Th'ora als Monopol der Zionisten erklärt, gegen, unsere Gruppe wird angeführt, wir 'hatten die Flüchtlinge aus dem Osten stets beleidigt, ihnen-ins Gesicht gespuckt Und daß : wir die Tempel in Kirchen.lund Klublokale verwandeln wollen ....; Darauf kann es nur eine Antwort geben: P-fui Teufel! . ' -Die Zionisten und ihre Gh'artiners täuschen sich', wenn, sie glauben, daß man jüdische Wähler und insbesondere' Ostljuderi mit solchen verwerflichen Mitteln irreführen lcann. Der 2. Dezember wird 'den Beweis'/erbringen. _! ' ' Unsere Gruppe, die „Wahlvereinigung Werktätiger Juden"," führt einen Aufkläningskampf, wie er einer sozialistischen Gruppe geziemt. In zahlreichen yersammlungen' in allen Bezirken Wiens, durch1 Zeh'ntausetfde von Exemplaren der „Jüdischen Volkszei- ig" und unserer' Wahlaufrufe tragen wir'sachliche .Aüfk]ärüh;g;in:;4ie; jMiscfeBeVol^ Wählerschaft bringt uhs großes ' Inieresse entgegen'. Unsere Genossen und Freunde sind sich' darüber klar, 'daß es' diesmal' iim die Entscheidung 'der Entwicklung der jüdischen Gemeinde ge'h't. Soll auch' weiterhin in der Seitenstettengasse der Geist der Reaktion, der menschenunwürdigen Verwaltung sein. Unwesen treiben, oder soll ein neuer Geist, ein Geist'der wahrhaften Demokratie, des sozialen Fortschrittes, sei- . nen Einzug halten? Sollen wir die Sch'ande des Rückschrittes auf der jüdischen Gemeinde ruh'en lassen, . oder die Tore des Hauses in der Seitenstettengasse für den neuzeitlich'en jüdischen Geist weit öffnen? Sollen wir die jüdische Jugend an "die Gemeinde fesseln, oder ruhig zuselien', wie sie :uns den Rücken .kehrt? - •Es gebt um das Schicksal der jüdischen Gemeinde, es geh't um die Linderung der jüdischen Not. Wir geben in die Gemeinde, um den Interessen 'der breiten' jüdischen Massen zu dienen. Mit uns das Volk! Mit uns der Sieg!

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