Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- Heft 15 (25.10.1928)
- Date
- 1928-10-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 15 Der jüdische Arbeiter Seite 3 Du darfst aber nicht, glauben, daß wir ob der poli tischen Tätigkeit die Tätigkeit, für das arbeitende Palästina Ja zur Genüge bekannt. Aber unsere Organisationen sind .•vernachlässigen. Der Sachverhalt, der durch den herauf-- .beschworenen Sprachenstreit verunglückte Aktion ist Dir genistet, für die Palästinatätigkeit sind unsere Genossen überhaupt stets mobil. Es kommt jetzt nur darauf n.n, den richtigen Zeitpunkt für die Palästina-Arbeiterfondsaktion festzusetzen. Die eroberten Mandate in den jfid. Gemeinden .werden übrigens auch hier gute Wirkung tun. Unsere Vertreter in den jüdischen Gemeinden.1 werden aktiven Anteil an der Arbeit nehmen. Das kann die Aktion besonders günstig beeinflussen. Das Verbandsbüro in Warschau. Auf Grund eines Beschlusses der Verbandsberatung, die gelegentlich des dritten Kongresses der Sozialistischen Arbeiter-Internationale in Brüssel getagt hat, ist der Sitz des Verbandsbüros nach Warschau verlegt worden. Das Verbandbüro, an dessen Spitze Genosse Anselm Reiß steht, hat nnmeuhr seine Tätigkeit in Warschau aufgenommen. Wir hoffen, daß das große jüdische Zentrum, die Hauptstadt des Landes der großen jüdischen Arbeitermassen, die Tätigkeit unseres Verbandsbüros befruchten wird. Berl Locker in Amerika, Einer Einladung der Poale-Zion Amerikas .Folge leistend, ist Genosse Berl Locker für die Dauer eines Jahres in die Vereinigten Staaten übersiedelt. Genosse Locker gedenkt in Amerika an der Tätigkeit der Partei teilzunehmen und hauptsächlich für den politdscheni Fonds des Weltverbandes zu wirken. Außerdem plant Gen. Locker weitere Schriften unserer Parteiliteratur herauszugeben. Auf der Konferenz der Frauenpionere,- die gegen Mitte Oktober in Philadelphia, getagt hlat, sprach Locker über die Frau in der Poale-Zion-Bewegung. Aus der Bewegung, Tschechoslowakei. Brün n. Am 4. Oktober fand hier die erste Generalversammlung der Brünner Ortsgruppe sibatt. Die Versammlung, die sehr gut besucht war, zeichnete sich durch eine besonders starke Vertretung aus den Reihen der Jugend aus. Den Vorsitz führte Parteiobmann Gen. Keßler. Nach der Begrüßung der Anwesenden berichtete Gen. Keßler über die bisherige Tätigkeit des provisorischen Ortsausschusses. In seinem ausführlichen Bericht schilderbe er dann die Erneuerung unserer Partei in den historischen Ländern und die Neugründung von Ortsgruppen in Karpath'oraßland. Nach dem Berichte des Gen. Keßler wurde die neue Ortsgruppenleitung gewählt. Zum Obmann wurde Genosse -3". Morgenstern, zum Obmannstellv. Gen. Egon Walt gewählt. Weiters wurden in die Leitung die .Genossin Paula. ■Friedmann, Gen. Donnebaum,. Singer, Brichta. und ein Vertreter der Jugendlichen gewählt. . .. _ Gen. Morgenstern dankte im Namen der neuen Leitung; .Tür das durch' die Wahl ausgesprochene Vertrauen und forderte alle. Genossen auf, die Leitung tatkräftigst zu unteristützen. Gen. Morgenstern besprach1 noch die Arbeiten zum Wolfsohn-Konzert, das am 4. Dezember von der Partei veranstaltet 'wird. Nach der Wahl, referierte Gen. Keßler . über die bevorstehenden Wahlen in den Brünner Gemeinderat. Nach! einer, regen Debatte, an der sich viele Genossen beteiligt haben,;wurde der '"Bericht des Gen. Keßler zur Kenntnis genommen. . . {' Viel -Baum wurde der Biidungsarbeit gewidmet. Es, Wurden mehrere Vorschläge dos Gen. Goldstein zur Frage von Kurs en . und Bibliothek erörtert. Gen. Lindenbaum skizzierte die" zu leistende Biidungsarbeit: ■ ' Gen. Morgenstern dankte dem Gen. Keßler für das vortreffliche Referat und schloß die Versammlung. Scliachar. * Proßnitz. Am 12. September 1928 fand in Prbßnitz die konstituierende Generalversammlung der hiesigen Ortsgruppe statt. An dieser beteiligten sich1 als Gäste die Vertreter der Chaluuzim, der zionistischen Ortsgruppe, der •deutschen sozialdemokratischen Partei, und der Exekutive in Brünn, sowie der Vertreter der Ortsgruppe Olmütz. Der Obmann begrüßt die Gäste und Genossen und erstattete den Bericht über die bisherige Tätigkeit in Prostejov. Sodann referierte Greh. Hufeli über die Tätigkeit der Poale-Zion' in der C. S. R. Bei den Wahlen wurde Gen. Leo Schreiber zum Obmann gewählt und ein Ausschuß aus sieben Mit-- gliedern gebildet. Der Exekutive in Brünlu wird ■ das1 Vertrauen votiert und dem vorbereitenden Ausschuß das Ab-, sohltorium erteilt. Nach Anträgen auf Bildung von Ligen, Bildnnjgjl^ und Lesekursen, .welch!©' dem Ausschuß zugewiesen wurden,,., wird die. Versammlung geschlossen. '•: ' ■• Oesterreich. Zum Kampfe gerüstet! Samstag,- den 22. September, fand die diesjährige CreneralVersammlungunserer Organisiation statt. Schon der starke Besuch' zeugte von dem' großen Interesise, das die Mitgliedschaft, aber auch unsere Jugend den kommenden Aufgaben entgegenbringt. Geht est doch um nichts weniger, als um die Umgestaltung der jüdischen Gemeinde und ihre Repräsentantin.:, •die Kultusgenieinde, zu einer ..wirklichen In-, stitution des Volkes. Al9 Auftrakt zu diesen, uns bevorstehenden Arbeiten^ kann die Generalversammlung bezeichnet werden. Die aefjjjl Leitung und auch die Leitungen der Bezirksgruppen, djfö gleichfalls auf der Generalversammlung bestellt werden^ haben junge Kräfte zur Verfügung. Gen. Singer, der als erster seinen Bericht erstattete,- schilderte die momentaue Situation in den uns nahestehenden Organisationen, wie JSAJ, PAF, Hechaluz und in dem neugeschaffenen Sportklub „Cheruth". Er spracfr die Hoffnung aus>, daß die vor kurzem gegründete Bildungss teile ihre Aufgaben, die nicht wenige siülcl1/ erfüllen wird. Zur politischen Lage übergehend schilderte Gen. Sing&r die gegenwärtige Situation bei den Werktätigen JudeW. Einen politischen Gegensatz, der im Verhalten der Fraktion} in der Kultusgemeinde seinen Ausdruck gefunden hätte1; hat es nie gegeben. Der Gegensatz der sich in der letztem; Zeit herausgestellt hat, und der keineswegs ünüberbrückMi' ist, ist hauptsächlich1 auf persönliche Gegensätze zurückzuführen. ■ .; Unsere Aufgaben sind.: Aktive Mitarbeit in der Organisation, Verbreitung der Zeitung und a.ktivste Mitarbeit in allen uns nahestehenden Organisationen. Nur so können und werden wir im kommenden Wahlkampf unseren Maua stellen. Wir dürfen uns aber auch schon jetzt mit den Wahlen' zum XVI. Zionistenkongreß beschäftigen, um eine unserer Organisation entsprechende Vertretung zu sichern. Als zweites erstattete Gen. Halpern den Bericht deä Sekretariats. Er wies darauf lüu, daß wir einen größereaT Mitgliederzuwaclis zu verzeichnen haben,' daß aber 'noch viel zu tun ist, hauptsächlich ist in bezug auf Werbearbeit seitens der Mitgliedschaft fast nichts gemacht worden." Zum Schlüsse appellierte er, ihn bei den Arbeiten in der Bildungsstelle zu unterstützen.' In der Debatte sprachen die Gen. Steiner,. Krämer, J. Schuler, Lustig und Schapira., die sich1 mit .verschiedenen-, organisatorischen Fragen beschäftigen. . Nach einem kurzen Schlußwerke des Gen. Singer wurden die Hauptleitung und die Leitungen der Bezirksgruppen" gewählt. * Haiisenberg. * Für das arbeitende Palästina. Von den, seit, der letzten Büchersendung] an die Kulturkommission1 der allgemeinen jüdischen Arbeitery. Organisation Palästinas, in Wien gesammelten Büch'ersind am 14. d. M. weitere'565 Exemplare vom Vereine der Freunde des arbeitenden Palästina in Wien zum' Versande gebracht worden. Nach Wissensgebieten geordnet entfallen auf:. Belletristik 27 Bände, Naturwissenschaften 65 Bände, Kulturgeschiclite 7 Bände, Sozialistika 6 Bände, Di-, verse 460 Bände, zusammen 565 Bände. Nach' Sprachen geordnet waren: .453 Bände im deutscher Sprache, 112 Bände in hebräischer Sprache1, zusammen 565 Bände"." 5,-ichud" waren die Genossen vor acht Monaten nur zwei bis di^ei Tage wöchentlich beschäftigt. Jetzt arbeiten dort dreißig von den arbeitslosen Arbeitern ununterbrochen die ganze Woche. Die Kooperative verfertigt eiserne Umzäunungen für Hühnerställe in den landwirtschaftlichem Siedlungen; die Kooperative „Aman Hamatechet" (Eisenbetten) :fand Abnehmer auf dem arabischen Markt und beschäftigt anch mehr als zwanzig Lohnarbeiter, meistensi Jugendliche. Die Gewerkschaft fordert die Beteiligung der Lohnarbeiter .an dein Gewinn der 'Kooperative.' . ' Die Lage der Elektrotechniker ist noch immer schwer, aber auch' in diesem Fache wird eine Besserung durch! die .Einstellung von 22 Facharbeitern bei den Rutenbergarbeiten .an der Elektrizitätsstation am Jordanflusse eintreten. Vor sechs bis acht Monaten waren im der Gewerk Schaft 150 bis 160 Arbeiter des Metallgewerbes als Arbeitslose registriert, heute beträgt ihre Zahl nur 17. * Die palästinensische Regierung hat das Arbeiterunter- ^nehmungsamt zur Dorrehführung landwirtsclioftlicher Ar- ,betien offiziell unter dem Namen „Jaohin" („Er wird voribereiten") registriert. „Jachin" wurde als Tochtergesellschaft der landwirtschaftlichen Arbedtergesellschaft ^.Nir" registriert. „Jachin*" unterstellt der Kontrolle der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisation'. ■"■ Bis jetzt hat die Geselkchaft unter dem Namen 5,^lisrad: Hakablani" (UnfernebJmirngsaint :i ür land wir tschaft - liehe Arbeiten) gearbeitet und zur größten' Zufriedenheit Ihrer Klienten viele Arbeiten durchgeführt,- zwischen diesen ^ißl% .für. im ^ii^nd wohnhafte -Auf&l^^ Plantagenpflanzungen). Vom 1. August au werden alle Arbeiten des „Misrad Kablani" dem „Jaohin" übertragen.;,Jachin" hat neuerdings die Pflanzung eines Orangen« gartens auf einer Fläche von 130 Dunnam, die von einer Newyorker Gruppe „Achusah A" in Raanauiah! gekauft wurde, übernommen. Am 21. August hatte der Regierungskommissär des Jaffaer Bezirkes die Vertreter der Kolonisten von Petach. Tikvali und des Arbeiterrates eingeladen, um mit ihnen dif Frage der Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei der Fruchtlese im nächsten "Winter zu besprechen. Der Regierungsvertreter wies darauf hin, daß zwar laut Gesetz jedermann das Recht habe, Arbeiter nach' seinem Willen zu beschäftigen und die Regierung verpflichtet sei, ihn zu schützen, wenn er dabei gestört werden sollte. Trotzdem gebe er den Kolonisten den Rat, beim Verkauf der Frucht an die arabischen Kaufleute die Beschäftigung jüdischer Arbeiter zu sichern. Der Vertreter des Kolonistenkomites erwiderte darauf, dies hänge von den arabischen Kaufleuten ab. Die Kolonisten könnnten keine derartigen Förderuhgen stellen, da dies zur Folge haben, würde, daß die 'Kaufleute den Preis, den sie für die Frucht zu zahlen haben, herabgesetzt würde. Der Regierungskonimisfiär bestritt die Richtigkeit dieser Behauptung und wies darauf hin, daß esi nicht schwer fallen dürfte, beim Verkauf-der Frucht die arabischen' Kaufleute zu beeinflussen. Der Vertreter der demokratischen Kolonisten forderte die Regierung auf; ihre Bemühungen1 im Kontakt mit dem „Jüdischen Nationalrat" und der Zionistischen Exekutive fortzusetzen. Nach ihnen forderte' der Vertreter des Arbeiterrates von) .der Regierung, sie solle den erforderHchen1 Einfluß ausüben:, sich aber im »Fall des Mißlingen© der Anwendung von' Gewaltmitteln enthalten. Die Regierung müsse Verständnis dafür luibeu, daß die Arbeiter in diesem Falle gezwungen1' sein werden, um ihr Recht auf Arbeit zu kämpfen. Sollte:1 die Regierung darauf verzichten, die Erfüllung der Forderung jüdischer Arbeiter zu erzwingen, dann müßte sie auch auf die Verwendung von Polizei verzichten; die Anwendung von Gewaltmitteln würde bedeuten, daß sie sich' auf die Seite der Kolonisten stelle und diesen Hilfe leiste.' * Seit der offiziellen Veröffentlichung des Arbeiterjugend- und Frauenschutzgesetzesi durch die Regierung sindbereits acht Monate vergangen, ohne daß Anezichen, einer konkreten und radikalen Aenderung eingetreten sind. Die Regierung kümmert sich um die häufigen Gesetzesüber-, tretungen nicht und sorgt nicht für die praktische. Durchr^ führung des Gesetzes. Die Presse berichtet, daß sogar die Regierung selbst bei Straßenbauten Kiiunder im Alter von sechs bis zehn Jahren weiterhin beschäftigt und einen Lohn! von 50 bis 60 Müs (25 bis 30 Cent) täglich zahlt. Unter diesen Umständen kann es kaum wundernehmen, wenn die letzte Zählung, die der Jerusalemer Arbeiterratin den jüdischen handwerklichen Betrieben iii Jerusalem durch-- führte, ergab, daß von den 512 registrierten jugendlichen1'' Arbeitern 175 (35 Prozent) im Alter von weniger als 'zwölf! Jahren stehen, oder 9 bis 15 Stunden täglich arbeiten'.1 Diese beiden Tatsachen stehen in ausgesprochenem GegöM satz zu den Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes. Auf1 Grund dieser Tatsachen kann "man sich ein Bild der Lage