Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- Heft 14 (20.9.1928)
- Date
- 1928-09-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2641551-2641567-2641581--186-2642111- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
.-/ffr. 14 Der jüdische Arbteiier Seite 3 c) Das Komitee wird1 ausschließlich' aus Mitgliedern der Parteien, die der Sozialistischen Arbeiter- Internationale angeschlossen sind, zusammengesetzt. d) Das Komitee wird die Internationale und die gesamte sozialistische Bewegung über seine Tätigkeit lund die der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina informieren. e) Es soll eine Exekutive aus 19 Mitgliedern, die die Tätigkeit des Komitees leiten soll, gewählt werden. Die Mitglieder der Exekutive. In die Exekutive wurden gewählt: Aus Belgien: Emile Vandervelde, De Brouckere, Camile Huysmans; aus England: Georg Lansbury, Jehoshua Wedgwood, Arthur Henderson; aus Frankreich: Leon Blum, Pierre Renaudelle, Jean Longuet; aus Deutschland: Eduard Bernstein, Paul Lobe, Dr. Breitscheid; aus Italien: Turati; aus Holland: Oudgest, Möller; aus Rußland: Tschernow (S. R.), Tseretelli (S. D.); aus Amerika: Schipliakow. Weitere Begrüß ungen. Begrüßungen zur Konferenz langten noch nachträglich ein von Carl Lindhagen und Dr. Max Adler, Wien, ein. Beide bedauern, der Konferenz nicht beiwohnen zu können, da sie verhindert waren, nach Brüssel zu kommen. Sie bekunden' ihr Interesse für die Tätigkeit des Komitees und wünschen viel Erfolg. Der Eindruck unseres Erfolges in Brüssel. Die' gesamte jüdische Presse befaßt sich' mit dem Erfolg, den wir in Brüssel durch1 die Gründung des internationalen sozialistischen' Komitees für das 'arbeitende Palästina errungen haben. Die bundistisch'e „Volkszeitung" in Warschau unternimmt , den lächerlichen Versuch', die Bedeutung der Teilnehmer an dieser Konferenz (es waren die bedeutendsten Führer, der Internationale) zu negligieren. Die Poale-Zion' und die Vertreter 'der. großem jüdischen Gewerkschaften Amerikas 'h'abeni am 17. August in einer großen1 Kundgebung in New-York dieses Ereignis gefeiert. Aehnlich'e . Kundgebungen sollen in allenf Teilen' der Vereinigten1 Staaten] stattfinden. sönlicher Hetzen' gegen einzelne Beamte1 der „Histaclruth" abzulenken. Das war auch der Inhalt ihrer Versammlungen und ihrer Presse. Die „Linken" gaben sich aber mit dieser Kampfmethode nicht zufrieden, sie forderten eine konsequente ideologische Richtlinie. Auch im Sprachenkampfe kam dieser Gegensatz zum Atisdruck. Reichmann und Nir versuchten ihre Stellung durch das Eintreten für Jiddisch in Palästina zu retten; die „Linken" gingen aber darauf nicht ein, sie meinten, daß die Sprachenfrage kein wesentlicher Punkt für eine kommunistische Partei sein kann und daß vom Standpunkte des Arbeiters in Palästina, dieser Kampf nicht als notwendig bezeichnet werden kann. Letztens kam noch die Auflösung der linken Poale Zion in Rußland hinzu, es entspann sich eine Debatte für und gegen eine unlegale Arbeit in Rußland. Am 24. und 25. August tagte in' Jerusalem ein Parteirat. Dort zog man über Reichmann und Nir her und man schloß sie endlich aus der Partei aus. Die beiden* Abgeschlossenen ließen sich aber nicht unterkriegen, und1 noch bevor das neugewählte Z. K. die Leitung übernehmen konnte, teilten sie öffentlich den Ausschluß des* — größten Teiles* der Partei mit. Die „Linken" wieder teilen den Ausschluß der kleinen Gruppe Reichmann—Nir durch den Parteirat mit. Dieser gegenseitige Ausschluß ist wohl als Zeichen des völligen Verfalls dieser unentschlossenen, unsachlichen .Gruppe zil werten. Auf die Entwicklung der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina wird diese Auflösung keinen Einfluß haben, da beide Gruppen schwaeh und unbedeutend sind. Für die Poale Zion in den Golusländern aber bedeutet es einen! schweren Schlag. Nach der Auflösung ihrer Parteien im Rußland und Palästina sind sie nunmehr ohne jede organisatorische Verbindung mit Rußland und Palästina geblieben, i Ch1. T. Die Spaltung der „Linken Poale Zion" in Palästina. Beide Gruppen schlössen sich1 gegenseitig aus1 der Partei aus. — Die ideologischen Gegensätze. — Hie Demagogie, dort Abhängigkeit von1 Moskau. — Die „Linken" in den Golusländern ohne Moskau Und ohne Palästina.' Der ^Dawar" . vom 26. und 27. August veröffentlicht zwei Meldungen, beide gezeichnet vom Zentralkomitete der linken Poale Zion in Palästina, beide enthalten den Ausschluß einer Gruppe, die die Grundsätze der Partei ver-, raten' und 'die Partei demoralisiert, aus der Partei; in ibeiden Meldungen wird unterstiiahen, daß die Ausgeschlossenen nur eine kleine' Gruppe darstellen'. Bezüglich1 der letzten Behauptung scheinen) sie auch! im' Rechte zu sein. Es ist richtig, daß beide Richtungen (völlig bedeutungslose Gruppen! sind, die auf das Leben' des jüdischen Arbeiters in1 Palästina einen geringen Einfluß ausüben. Es dürfte aber trotzdem von1 Interesse sein1, diese Angelegenheit kurz zu erläutern. Nach der Spaltung der Poale-Zion'-Bewegung im Jahre 1920 gab es einige Jahre hindureih in Palästina mehrere- Gruppen, die sich.1 „Linke Poale Zion" nannten. Später kam es zu einer Vereinigung der Anhänger Rewuzkis mit denen Reichmanns und so verfügte die linke Poale Zion der Golusländer endlich über eine Landespartei in Palästina. Die ganze Zeit hindurch herrschte kein Friede in der vereinigten Partei, Neue Mitglieder kamen nicht hinzu und mehrere Jahre nach der Vereinigung kam bei jeder Gelegenheit (auch.' anläßlich der Wahlen) die Uneinigkeit der Partei zum Ausdrucke. Die große Einwanderung in den Jahren 1924—1926 brachte ins Land eine gewisse Zahl linker Poale-Zionisten aus Polen. Das ermöglichte Nir und Reichmann, die Mehrheit in der Partei zu erlangen. Aber nur vorübergehend. Im Krisenjahre 1927 verließen die Neueingewanderten! das Land und Reichmann—Nir blieben abermals iu der Minderheit. Als Reichmann1 und Nir die Mehrheit in6 der Partei erlangten, sollen sie — laut den' Mitteilungen der jetzigen linken Mehrheit — mit der Liquidierung der kommunisti- >sahen Prinzipien der Partei begonnen haben. Die „Linken" forderten, daß die Partei den1 Kampf für die Umwanderurig der;,Histadruth"! in eine ausschließliche! internationale gewerkschaftliche Bewegung aufnehmen soll. Reichrnann und Nir begnügten sich aber mit demagogischen Reden gegen die „Histadruth",- da sie innerlich die konstruktive Tätigkeit und die Methode der „Histadruth" bei der Organisierung der Araber billigten. Reichmann und Nir bemühten sich; die Aufmerksamkeit von ihrer kommunistischen' Uhverläßliclikeit durch' die Inszenierung per- Aus der Bewegung. Oesterreich. Vor den Kultuswahlen in Wien. Alle Parteien' stehen nun mit voller Rüstung da. Die „Union", die inj der allgemeinen Pollitik Demokratie nimmt und ini der Seitenstettengasse die Forderung nach' dem allgemeinen Wahlrecht, die primitivste Voraussetzung jeder Demokratie, als Demagogie bezeichnet. In ihren1 Dienst 'hat sich1 natürlich die arbeiterfeindliche Tagespresse gestellt. Die bürgerlichen Zionisten1, die gegen ihren Willen einen Kampf mit der „Union" aufzunehmen gezwungen sind, glauben' ihren Katzenjammer durch das unverantwortliche Treiben der Minorität innerhalb der „Werktätigen Juden" niederhalten zu können. Sie werden noch1 für sie sehr unangenehme Ueberrasch'ungen erleben. .Wir und unsere Freunde treffen alle Vorbereitungen zum Wahlkampfe. In der allernächsten Zeit werden wir an die Oeffentlichkeit herantreten'. Unsere Genossen werden aufgefordert, jedem an sie in Angelegenheit der Kultuswah'len vom iuns gerichteten Ruf unverzüglich1 Folgje zu leisten;', Laut Beschluß unserer Organisationsleitung vom 7. September berufen wir 'hiemit für Samstag, den 22. September 1928, um 8 Uhr abends, im Lokale des Arbeiterheims, IL, Blumauergassei 1, 'unsere diesjährige General-Versanimlung ein. Als Tagesordnung schlagen] wir, vor:. 1. Allgemeiner Bericht und1 (unsere nächste Tätigkeit. 2. Kassaberich't 3. Wahlen und Allfälliges. Die Genossen werden1 in Anbetracht der besonderen1 Wichtigkeit unserer diesjährigen! Generalversammlung ersucht, pünktlich .und zuverlässig zu erscheinen. Die Orgän'isätionsl ei tunig. Genossen, die als Funktionäre in der Sozialdemokratischen Partei und ini den Gewerkschäften' mitarbeiten, werden dringend gebeten, dies in einer Zuschrift umgehend dem Sekretariat, IL, Blumauergasse 1, bekanntzugeben. Keren Hajessod in Oesterreich. Vom Präsidium des Keren-Hajessod (Abteilung Oesterreich) wird mitgeteilt: Auf der letzten Tagung des Zionistischen Aktions- Komitees1, die vor kurzem in Berlin stattgefunden hat, wurde nach1 eingehender Beratung beschlossen, in der allernächsten' Zeit in sämtlichen Ländern eine erhöhte Keren- Hajessod-Tätigkeit zu entfalten, um durch die Vergrößerung der Einnahmen entsprechende Mittel zur Sicherung des Palästina-Aufbau-Budgets aufzubringen. In Wien wird diese Aktion im Laufe der Monate Oktober-Dezember durchgeführt. Zur Unterstützung dieser Aktion wurden1 vom Keren- Hajessod-Direktoriura (Palästina-Aufbaufonds in Jenisalem) die Herren Prof. Arthur Freud und Dr. Chajim Kofler nach Wien delegiert, die in1 den letzten: Monaten mit besonderem Erfolg in der tschechoslowakiscen1 Republik tätig waren. In' einer Reihe von' eingehenden Beratungen wurde bereits ein entsprechende© Arbeitsprogramm festgelegt. ■ i : >! . i : * . . : . Die Objektivität der „Stimme". Wir haben uns bereits damit abgefunden1, daß die Herren Stricker und Löwy in ihrem Wochenblatte keine Gelegenheit verstreichen lassen, um die österreichische Sozialdemokratie zu beschimpfen \md zu verleumden. Wir wissen, daß der Haß dieser Leute gegen die SozialdemoT kratie ein pathologischer Fall ist Und betrachten uns hiefür als unzuständig... „Die Stimme" aber, das offizielle Organ des Zionistischen Landeskomitees*, hüllt sich sehr gerne in das Mäntelchen der Objektivität. Wir haben bereits einmal. darauf hingewiesen1, daß „Die Stimme" auch arbeiterfeindlich eingestellt ist, daß sie die Objektivität nur vortäuscht. Von' Zeit zu Zeit aber wird der Pferdefuß sichtbar... Zwei Tatsachen aus der letzten Zeit: Jedes irgendwie mißzuverstehondo Wort über Juden',' das in einer s. d. Zeitung aufgestöbert wird, ist ein Fressen für 'die Redaktion der „Stimme". Wenn a.ber die s. d. Presse Interesse für das Problem der Judenfrage be1kundet, entgeht esi in der Regel dem Späherblicke des? „objektiven" Wochenblattes. So hat es die „Stimme" nicht für bemerkenswert erachtet, den Artikel des Genossen! Singer gegen die Theorie der Assimilation der Juden, der im Juli-Heft des y,Kampf veröffentlicht war,- auch nun' zu registrieren. Nicht wahr, objektiv? Die über die sozialistische' Konferenz für das arbeitende Palästina verbreiteten falschen Gerüchte, die eine) Verleumdung der österreichischen Sozialdemokraten bein'- halteten, wurden von; .den meisten zionistischen Zeitungeta! wiedergegeben. ^,Die Stimme" gab ihren Kren dazu und die) Verleumdung Wurde dadurch' vervielfacht. Während aben alle anständigen zionistischen Blätter auch die Richtige Stellungen der1 Poale Zion veröffentlichten1,- schwieg sich! „Die Stimme" über die von unserer Seite erfolgten Aufklärungen völlig aus1. Da die Gelegenheit zur Verleumdung der Sozialdemokratie genügend ausgenützt wurde, .haben) die ^objektiven" Herren! an dieser Angelegenheit kein; Interesse mehr. So schaut die y,Objektivität" der 7,Stimme" im Spdegel der Wirklichkeit aus. * i ' '; , „Die Wahrheit über Brüssel." Donnerstag, den 6. September berichtete Genosse: Singer über den1 III. Kongreß der Sozialistischen' Arbeiter- Internationale und über die sozialistische Konferenz für das arbeitende Palästina, die in Brüssel stattgefunden hat. Der große Saal des! Arbeiterheiines war überfüllt, auch in den Nebenräumen! sammelten sich viele Zuhörer an'. Unter den Anwesenden sah ma«ni auch1 bürgerliche Zianisten und sozialdemokratische Juden. Der Referent schilderte zunächst die Bedeutung des III. .Kongresses! für die Entwicklung der Sozialistischen1 Arbeiter-Internationale zu einer wahrhaften' Kampfgemeinschaft des Weltproletariats. Das Veitmtwortungsgefühl/ der Delegierten, das bei allen! Beschlußfassungen festzustellen war, zeugt für den1 Ernst dieser wichtigen1 Tagung. Alle waren sich darüber klar, daß es sich nicht um radikale Demonstrationen, sondern um die Richtlinien für den' täglichen politischen Kampf handelt. Auf dem III. Kongresse selbst gab es1 nur selten! Gelegenheit, über jüdische Fragen zu sprechen, aber so oft sich diese Gelegenheit dargeboten; hat,- wurde sie in unserem Sinne ausgenützt. Genosse Singer weist energisch die Behauptung der bürgerlichen Zionisten und einiger sich Sozialisten-Juden nennender Ignoranten, daß die Genossen aus1 Oesterreich' gegen unsere Palästinabestrebungen aufgetreten wären', zurück. Die Tendenz dieser Gerüchtemacher ist uns klar. Wir müssen ihnen1 entgegentreten. Die sozialistische Konferenz für das' arbeitende Pa,- lästina hält der Referent für eine große historische Tat. Sie bildet einen 'herrlichen Abschluß der Aufklärungsarbeit;, die wir nahezu zwei Jahrzehnte unter den! Parteien de> klassenbewußten Weltprolefaariates geführt haben und einen1 hoffnungsvollen Anfang einer neuen' Phase: die Mobilisierung des sozialistischen Weltproletariates1 für den Kampf um die Verwirklichung unseres Ideals. Die Ausführungen1 des Referenten! wurden' mit lebheftem Beifall aufgenommen. Es entspann sich auch eine kurze Debatte, die durch einigeaufklärende Worte dea Referenten beendigt wurde.