Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- Heft 14 (20.9.1928)
- Date
- 1928-09-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite? 0er jüdische ArrMter Nf. 14 Dr. Berthold Herzig gestorben. Durch den Tod des Dr. Berthold Herzig verloren die jüdischen Sozialdemokraten! Wiens einen ihrer besten und verläßlichsten Mitkämpfer. Dr. Herzig sah' keinen Widerspruch zwischen seinem Judentum und seinem Sozialismus. Voll Zuversicht sah er 'den herannahenden Kultuswählen entgegen. Er rüstete auch1 zur Beteiligung an diesem Kampfe. Ein tückisches Leiden entriß ihn uns. ,Wir werden dem Verblichenen) ein treues Angedenken bewahren. * Das Moskauer jiddische Theater. Flüchtige! Betrachtungen. Der Erfolg dea Moskauer jiddischen Theaters ist gewiß eia sehr erfreulicher und] verdienter. Die Hingabe der Künstler zur Kunst, der ungeheure Ernst, mit dem sie ihre Darbietungen formen, zwingt zur uneingeschränkten Achtung und Anerkennung. Das Wollen dieser Künstlerschar und ihres Führers ist revolutionär im wahrsten Sinne des Wortes. Sie haben dos alte Theator zertrümmert und ringen nach einer neuen Form der Theaterkunst. Haben sie die neue Form bereits gefunden? Wir zweifeln daran. Die drei Stücke („200.000", „Die Beigen Benjamins III." und „Die Hexe"), die sie hier aufgeführt, zeugen für dasf Suchen, das mutige Bingen! dieser vorzüglichen Künstler, aber nicht dafür, daß sie die neue Kunst bereits gefunden haben. Vielleicht ist auch gerade das Suchen'; das* Tasten das1 Bevolutionäre der jüdischen1 Künstler? * Die Bichtung dieser Theaterkunst kennen' wir von Pairow her. Granowsky bemüht sich mit Erfolg im Sinne dieses Meisters, die jüdische Greste und da3 jiddische Wort zu formen. Die künstlerische Disziplin ist geradezu meister- (haft, das Prinzip der Bewegung restlos verwirklicht. Zwei Fragen harren nur noch der Beantwortung. Erstens: Stellt die Kunst der Moskauer eine Ver- (einheitlichung des1 jüdischen Inhalte© mit dieser neuen Form dar? Tun sie nicht den jüdischen Stücken viel zu cviel Gewalt an? Zweitens: Kann diese extreme Form' des1 Theaters, " ödia jedes Stück seine» Inhaltes entleert und alles auf Idas Spiel einstellt, olsi das Th'eatör der Zukunft bezeichnet werden? Wir zweifeln daran'. * Abei" abgesehen von diesen und manchen1 anderen Beiidenken, bleibt dag Moskauer jiddische Theater ein Erlebnis für. uns. Die wundervolle Gestaltung des jüdischen Wortes,' der jüdischen Geste, des'' jüdischen Liedes1, die Iherrlichen Bilder (wir denken' hier insbesondere an „Benjamin"), die nur ein Chagall malen könnte, bilden eine ■großartige Leistung. ' , » * Die Kunst, die die Moskauer uns gebracht, ist auf den' jüdischen Brettern neu, man muß sich in sie erst (hineinleben. Sie will, wie jede echte Kunst, genommen 'werden wie sie ist. Wenn sie uns auch' manchmal nicht ganz zusagt, sie regt uns' an und! auf, sie reizt uns zum 'Widerspruche. Und auch das spricht für ihre innere Kraft, für die künstlerische Echtheit ihrer Darbietungen. . M. S.; * Unsere Bildungsarbeit. Mitteilungen der Bildungsstelle der jüdisch-sozialistischen1 Organisationen, Sekretariat: Wien1, II.,- Blumauergaase. 1. I. Kurse. Folgende Kurse haben' bereits begonnen: Hebräisch für Fortgeschrittene, jeden Montag und Donnerstag von 7—8 Uhr. Mandolinenkurs Mittwoch' und Freitag von 7—10 Uhr abends; ' Englisch' für Anfänger. Jeden Montag von' 8—9 Uhr abends. Dienstag, den 25. September, 8 Uh'r abends beginnt der Kurs: Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung, Leiter Dr. Saul Sokal. Gesangschor. Jeden Samstag von (5—8 Uhr abends. ßämtliche Kurse finden in den1 Lokalitäten, IL, Blumauergasse 1, statt. II. Theater und Führungen. I. K u n s t s t e 1 l e. Ab 22. September sind Karten für sämtliche Aufführungen des Carltheaters im Sekretariat täglich zu haben. Es empfiehlt sich, bei uns als Mitglied der Kunststello eintragen zu lassen, um die Karten mit Sicherheit erhalten zu können. * Jüdisches Theaterstudio „Borochow". Auf vielseitige Anregung haben sich Genossen und Genossinnen aus unseren Reihen zu einer Theatergemeinschaft zusammengeschlossen. Unser Ziel ist: die Schaffung und die die Heranbildung einer Amateurgruppe, die befähigt sein soll, Dramen unserer jüdischen Schriftsteller im Rahmen unserer Veranstaltungen der Oeffentlichkeit vorzuführen. Die Mittel zur Erreichung dieses Bestrebens sind: Eingehendes: Studium der jiddischen Sprache und Literatur, die monographische Darstellung der jiddischen Literatur, theatertechnische Ausbildung und die Möglichkeit eines (häufigen Theaterbesuches. Nun ergeht der Buf am die Genossen und Freund© unserer Idee, uns in diesem Vorhaben zu unterstützen und, sei es als aktive Mitglieder der Gemeinschaft oder auch als fördernde Mitglieder, der Theatergemeinschaft beizutreten. Anmeldungen sind an Bildungsstelle-Theatergemeinschaft, D. Hausner, II., Blumauergasse 1, zu richten. Zusammenkunft der Theatergemeinschaft Samstag, 8 Uhr abends. Tschechoslowakei. Brünn. Unsere politische Arbeit in' diesem' Herbste wurde durch ein Referat des* Gen. Singer aus Wien im großen Saale des „D. O. P. Z." eingeleitet. Samstag, den 7. September berichtet© Gen. Singer über den Kongreß der Sozialistischen Arbeiter-Internationale und über die sozialistische Konferenz für das arbeitende Palästina in Brüssel. Mit großem Interesse folgten die Anwesenden den1 Ausführungen' des Referenten, der allen Gerüchten' über eine Gegnerschaft der sozialistischen Parteien zu unseren Palästinabestrebungen entgegentrat und die Bedeutung der sozialistischen Konferenz für das arbeitende Palästina würdigte. Unter dem Beifall« der Anwesenden! schloß er seine Ausführungen mit der Aufforderung z.ur| Stärkung der Reihen der Poale-Zion. Olrnütz. Sonntag; den 9. September sprach] Genosse1 Singer im' Festsaale der Kultusgemeinde über den IH. Kongreß der Sozialistischen Arbeiter-Internationale und über die sozialistische Konferenz für das arbeitende Palästina, die in Brüssel getagt hat. Die zahlreichen Anwesenden nahmen' die Ausführungen Öeä Referenten beifällig auf. Genoase Hüttner, der den Vorsitz führte, dankte dem Referenten für seine wichtigen Aufklärungen und) rief die Anwesenden zur Unterstützung der Tätigkeit der Poale Zion auf. * Beratung der Parteileitung, Während1 der Anwesenheit des Gen. Singer in Brünn fand eine Sitzung der Parteileitung statt. Zur Erörterung standen die bevorstehenden Wahlen in der Republik und die organisatorischen Maßnahmen zur Erneuerung unserer Bewegung. In allen behandelten Fragen wurde ein Einvernehmen unter allen anwesenden Mitgliedern der Parteileitung erzielt. Auszug aus einem Brief aus der Chaluzfarm Komorau. Sonntag; dem 1« September hatten' wir einen Diskussionsabend über j,Parteiwesen". Warum sollen wir einer Partei angehören? Dieses Thema ist besonders in unserem Kreise sehr aktuell. Wir kamen1 fast alle durch' die jüdische Jugendbewegung (Tchelet Lawan, Haschomer Hazair) in den Hechaluz und damit auch als Arbeiter in die Arbeiterklasse. Wir haben in dieser Diskussion die Unrichtigkeit der Ideologie dieser Jugendbewegung in bezug auf den Sozialismus aufgezeigt. Ein Individuum oder eine Gruppe von Menschen allein können nicht den Sozialismus verwirklichen. Diies kann' nur die Gesamtheit der Arbeiterklasse. Man sagt uns, die Partei sei Schmutz und Demagogie. Ist denn' aber auch die Partei nicht ein. Abklatsch der heute bestehenden kapitalistischen Gesellschaft? Sollen' wir denn1 nicht gerade deshalb in die Partei gehen, um an' der Beseitigung dieser Gesellschaftsordnung mitzuhelfen und den Schmut? aus der Politik wegräumen? Wir alle kamen zu folgendem' Ergebnis: Es ist eine •Selbstverständlichkeit,' daß jeder Arbeiter sich in der Partei, welche die Interessen der gesamten Arbeiterklasse vertritt, organisiert. ■ In unserem nächsten Dis'kussionsabend1 werden wir das Thema: Poale Zion und der „Bund" behandeln. Wir werden untersuchen, wieso dies© beiden Richtungen der jüdischen Arbeiterbewegung zu verschiedenen Auffassungen über die jüdische Frage kamen, trotzdem sie beide auf der marxistischen Gesellschaftsordnung basieren. Leb en s versi eher ungs^ Gesellschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Verslcherungsbestand Ende Februar 1928: 8 1,600,000.000'- Garantlemittel Ende 1927: 8 192,000.000'- Prämien- und Zlnseneinnahmen Im Jahre 1927: 8 71,000.000 — TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, öechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarien.Griecheniand.Türkei, Aegypten, Palästina. Pensions-Versicherung Ndl. mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei frflhei er BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unveifallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs^ Aktien Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 Es ist selbstverständlich'; daß sich unsere Genossen1,' die jetzt als Olim nach! Eres gehen, sich dort in der „Achduth Haawodah" organisieren werden. 3?ür die Genossen' in Komorau J. Warenh'aupt Mitteilungen des Parteisekretariates füf die Tschechoslowakei, Brünn. 1. Wir ersuchen unsere Ortsgruppen und Vertrauensmänner, uns von Zeit zu Zeit für den ,-,Jüdischen Arbeiter" bestimmte Berichte einzusendea. Es handelt sich um kurze Mitteilungen! über unsere Organisations- und Bildungsarbeit, wie auch über politische Verhältnisse und Wahlen» Von besonderem Interesse sind für uns Berichte über Palästinaarbeit, über die Tätigkeit der Ligen und Jugendarbeit. 2. Im Sekretariat ist die anläßlich1 des Brüssele* Kongresses erschienene Schrift „Die Jüdische Arbeiterschaft in Palästina (Aufgabe und Werk)'* zum ermäßigten Preise von Kc. 7,50 zu haben. 3. Alle für die Zeitung, wie für unser Bureau bestimmten Zuschriften' sind an. die Adresse des Genossen ß. Keßler, Brünn, Herrengasse 12 (für „P. Z."), zu richten!. .Wir sprechen dem Genossen Kaplansky unser tiefes Beileidl zum Ableben seiner Scbwestler aus.! Organisation Poale Zion, Wien. Redaktion („Der jüdische Arbeiter". Genosse und! Freund" Kaplansky I Unser Beileid l Dr. ß. SokaL; Mendel Singer, Dr. Rudolf Glanfc, NÄHMASCHINEN lllf II mit kostenlosem Stickunterricht Br I m HL FAHRRÄDER 1928 Auch gegen Teilzahlung!! Reparaturannahme aller Systeme! IX., Liechtensteinstr. 27, IV., Wiedner Hauptstr. 8 TeUphon A 16-5-64, A 16-5-65, A 30-0-36 Schreibmaschinen, Knopfpressen und Zugehör. Sport- und Touristenartikel Vorzügliche Informationsquelle. Erscheint einmal; wöchentlich illustriert. Kapay-Mitteilungsblatt (jiddische Ausgabe) Die Zentrale1 des1 Palästina-Arbeiterfonds> ini Tel-Aviv,- Palästina, bringt die neuesten1 Nachrichten aus der palästinensischen' Arbeiterbewegung. Vorzügliches1 Nachschlagmaterial. Abonruementgebühr für 1/2 Jahr l1/2 Dollar, für 1 Jahin 2y2 Dollar. Anmeldungen; nimmt entgegen: Verein der JTreunde! des arb. Palästina, Wien, IL; Taborstraße Nr. 1 Gegenwärtiger Einlagenstand 360 Millionen Schilling Die Gemeinde Wien haftet mit ihrem gesamten Vermögen für alle Einlagen in der Zen- - - - - tralsparkasse Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantwortL Redakteur: Markus Lachs, Angestellter, Wien; II., Gr. Sperlgasse 19. — Druck: „Adria", Wien, IL, Taborstraße 6%b,