Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- Heft 14 (20.9.1928)
- Date
- 1928-09-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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f Seite 2 -...... i" jproklamiert. Dasselbe soll im Parteihaus, das in TeliAwiw errichtet wird, aufgestellt werden. Im Archiv isoll alles-gesammelt werden, was nur irgendwie, direkt!pder indirekt, in Beziehung zur Geschichte unserer Bewegung steht. Aber auch1 zur Gegenwart, die ja morgen bereits Geschichte sein: wird.;• Es ist mir eine aufrichtige Freude, den Chawerim ftiitteifetr zu' können, daß es* mir während meiner letzten Reise über Amenka gelungen1 ist, unsere.Sammlung um eine Reihehöchst wertvoller Materialien zu bereichern. Es stellte sich heraus, daß sehr viele Chawerim die' verschiedenen Parteiausgaben, wie Zeitungen,- Broschüren1, Flugschriften, weiters Bilder, Plakate, hektographierte Materialien, Briefe usw., die von größter Bedeutung für die Geschichte der Bewegung sind, sehr' sorgfältig durch' viele Jah're hindurch aufbewahrt, haben. Insbesondere Ch'awer Milkow (Cleveland) soll hier erwähnt werden1, ferner Ch'awer und Chawera Krit (Cincinnati), Mr. Harry Kohn (einer 'der Gründer der Partei in New-York) und Chawer Lefkowitsch' (Rakesbury), die dem Archiv wah're Seltenheiten erhalten und zum Teil auch1 geschenkt haben. Hier möge dem Ch'awer Mordechai Rosner, Chrzanow, Westgalizien, gedankt werden, der dem (Archiv eine Anzahl Jahrgänge des galizisclien „Jüdischen Arbeiter" und andere wichtige Ausgaben überlassen hat. Eine kleine Auswahl dieser Materialien wird in dem Arbeiteralmanach, der in! diesen Tagen erscheint, publiziert werden. Und schon diese erste Publikation wird zweifellos ein neues Licht auf die Geschichte unserer Bewegung werfen1. Die Arbeit für das Archiv hat aber eben erst begonnen'. Erst jetzt muß sie systematisiert und intensiviert werden. Zweifellos befindet sich' ein kolossales Material noch' zerstreut in den! Bücherschränken und — wir wollen es söhne Beschämung zugeben — auch' in alten Kästen1, im Keller und auf dem Boden vom Hunderten Chawerim und Vereinen. Und es bestehen tausend Hindernisse für die Aufsammlung all 'dieser Schätze in unserem Archiv. Ein Teil der Ch'a- .werim will sich' vom diesen Materialien nicht trennen1, weil sie ihnen lieb' und teuer geworden sind, andere . wieder glauben1 inich't, daß diese ,„alteni Sachen" irgendeinen .Wert haben und lassen sie verschimmeln; lund so zum Schluß, verlöre« gehen1. Zeitmangel und Faulheit, die Bücherkästen oder verräumte Pakete alter Stücke durch'zusuchen1, verleiten1 die Chawerim, diese Angelegenheit immer wieder auf bessere Zeiten zu verschieben. Zum Teil haben 'die Chawerim noch keine klare Vorstellung, was .Wert für das Archiv 'besitzt und was nicht. Und es gibt nicht wenige, . 'die von der ganzen) Sache nichts halten1 und nicht verstehen, wozu man das überhaupt braucht. An sie alle und anl unsere Chawerim und Organisationen im allgemeinen wende ich1 mich1 mit diesen Zeilen. Das Archiv ist eine Notwendigkeit und eine . Tatsache. Die Bewegung kann! von den' einzelnen Chawerim dieses Opfer ihrer Liebhaberei, Faulheit 'oder Besserwissenwollens verlangen. Das interessanteste und seltenste Dokument hat einen sehr geringen Wert, wenn es irgendwo in der Schublade eines Privaten verborgen] bleibt, ohne jeden Zusammenhang mit dem ganzen übrigen historischen Material. Und die kleinste Versammlungsanzeige kann in einer reichen Materialsammlun'g für die Beleuchtung bestimmter Geschehnisse von großem' Wert sein, sie •kann von der Stellung der Partei oder eines Teiles 'der jüdischen Bevölkerung zeugen! usw. Dies will besagen, kein Material kann so wertvoll sein, daß der betreffende Ch'awer es nicht dem Archiv der [Weltbewegung überlassen müßte, und keine Kleinigkeit kann so wertlos sein, als daß es sich nicht lohnte, sie zu übersenden. Alles, was dem Geschichtsschreiber unserer Bewegung auch n'ur im geringsten behilflich' sein kann, ist wichtig. Besser mehr als weniger. Und denkt daran: Nicht nur alte Materialien haben ihren Wert, sondern) auch das allerneueste. Es ist daher auch schon klar, daß in unserem Archiv sich auch1 die gegnerische Literatur und so weit als möglich sich1 überhaupt alle Materialien' befinden müssen, die nahestehende Bewegungen' angehen, wie Zionismus überhaupt, jüdische Arbeiter- b'ewegung in allen ihren Richtungen und Verzweigungen (auch1 Gewerkschäften und Orden), ja sogar 'die allgemeine Arbeiterbewegung inl den Ländern, in welchen1 es auch' eine jüdische Arbeiterbewegung gibt. Alle Materialien (womöglich in zwei Exemplaren) sind an die Adresse: B. Locker, Berlin, Steglitz, Schildh'ornstraße 15, zu senden. Der -jüdische Arbeiter Die Poale Zion in der Tschechoslowakei. Wenige Monate Parteiarbeit liegen' hinter uns und es läßt sich bereits konstatieren, daß unsere Partei nicht nur festen' Fuß gefaßt hat, sondern daß sie auch einen zukunftsreichen Boden' in der tschechoslowakischen Republik hat. Als wir uns im April dieses Jahres auf der Olmützer Tagung trafen, um mit den österreichischen und deutschen Genossen über eine gemeinsame, zukünftige Arbeit zu beraten, waf ein Großteil von uns aus alter Parteitreue wohl erschienen, aber vielfach erfüllt von Zweifeln an einer gedeihlichen Arbeit für unsere Partei. Schlechte Erfahrungen bei den wiederholten Versuchen, die Partei wieder zu erneuern, Arbeitsmüdigkeit, der scheinbare Mangel an Menschen und Mittfein, all das wirkte nicht gerade ermutigend. Dabei die böse Erbschaft, die uns die Poale-Zion der ersten Nachkriegsjahre hinterlassen hätte. . Schon während des Krieges wurden die ersten Zellen der Poale-Zion geschaffen1. Wohl gab' es in Prag bereits seit langem eine kleine Gruppe der Poale-Zion; die eigentlichen Träger der späteren Partei aber waren die zahlreichen Ortsgruppen' des Jüdischen Handlungsgehilfen-Verbandes in Mähren^ insbesondere in Brünn, Olmütz, Proßnitz und Mährisch'-Ostrau. Als dann der Umsturz kam, vollzog sich die' Umwandlung dieser '.unpolitischen, eines klaren Programms entbehrender Gruppen, in Parteiorganisationen der Poale-Zion. So war denn in wenigen Wochen nach dem Umsturz bereits eine Reichspartei geschaffen, die rasch' einen ungeahnten Aufschwung nahm. Ein Netz von Organisationen1 breitete sich über Mähren und Böhmen! aus, einzelne derselben zählten Hunderte von Mitgliedern, so zum Beispiel Brünn bei 10.000 jüdischen! Einwohnern fast 700 Organisierte, ein gut funktionierendes Parteisekretariat, eine gut redigierte Zeitung „Der jüdische Sozialist", Studentenvereine, Jugendorganisationen', proletarische Sportvereine. Alles dies bot ein Bild einer kräftigen, im Aufstieg begriffenen) Partei, die durch - eine Reihe vbffi Getheihderäts- und Kültusratsvertreter auch im politischen', sowie im jüdischen Leben Einfluß hatte. Das wurde aber auch in kurzer Zeit hinweggefegt. Kommunistische Zerstörungsarb'eit, schließlich Uebertritt der meisten Führer und ganzer. Parteiorganisationen zur kommunistischen Partei vernichteten gründlich das ganze Werk.. Was blieb' zurück? Das Mißtrauen der sozialdemokratischen Parteien gegen1 uns, die Schadenfreude der bürgerlichen Zionisten', die) wiederum ein Argument mehr dafür hätten, daß eine sozialistisch-zionistische Bewegung ein! innerer Widerspruch1 sei; und in der jüdischen Bevölkerung eine Abneigung gegen die so wenig prinzipientreue Partei. Mochte der Pessimismus so mancher alter Genossen daher in Olmütz begreiflich erscheinen, so wich' er rasch angesichts des Ernstes, der Entschlossenheit und Öpferwilligkeit, die die Tagung zeigte. In Olmütz wurden die ersten) Vorarbeiten für die neue Parteigrün'dung festgelegt, Richtlinien für die gemeinsame Arbeit der österreichischen', deutschen und der künftigen tschechischen Partei angenommen, und die Gemeinsamkeit des publizistischen Organs „Der Jüdische Arbeiter" beschlossen. Wenige Wochen darauf, zu Pfingsten desselben Jahres, konnten wir den ersten Parteitag für die Tschechoslowakei in Brünn1 abhalten; unsere Stellung, zu den sozialdemokratischen Parteien der, Republik, zu den bürgerlichen Zionisten, unsere zukünftige Wahltaktik, die Schulfrage, unsere Palästinaarbeit, wurden durchberaten, die Bildung eines Parteisekretariats beschlossen und die Finanzfragen der Partei geregelt. Seit dem Parteitag wird nun in zielbewußter Weise die Organisation ausgebaut. Trotz der, organisatorischer Arbeit stets hinderlichen1 Sommerszeit, geht es Schritt für Schritt vorwärts. Mit Hilfe des trefflich1 arbeitenden Sekretariats konnte die Exekutive, deren Sitz in Brünn ist, ein Netz von Vertrauensmännern in der ganzen Republik schaffen, die Vorarbeiten für Gruppenbildungen durchführen' und insbesondere der Jugendbewegung das größte Augenmerk zuwenden. Geracle die zionistische Jugendbewegung unserer Republik bietet ein Bild von Ziellosigkeit, Unklarheit und Inkonsequenz. Erfüllt von Sympathien für den) Sozialismus, stark' palästinazentrisch1 eingestellt, sucht diese Jugend neue Wege. Nr. 14 Hier ist für unsere Arbeit ein breites und dankbares*. Betätigungsfeld offen und ein Großteil der Arbeit, des Sekretariats war der Jugend gewidmet. Die Grüp-' pen Brünn, Olmütz, Proßnitzsind bereits konsolidiert und bilden feste Stützpunkte der Partei. Unsere älteste und bewährteste Gruppe in Olmütz geht daran, in den nächsten Wochen selbständig in den Wahlkampf um die Kultusgemeinde zu treten, und es ist mit Bestimmtheit auf einen seh'r guten Erfolg zu hoffen, dank der bewährten Arbeit der Genossen, in1 der alten Kultusstube und ihrer ausgezeichneten Organisation und Agitation. Proßnitz, ebenfalls eine Gruppe, die auf eine lange Tradition proletarischer Kampf Organisation zurückschauen kann, soll sich in der nächsten Zeit vor allem der Arbeit für die „Liga für das arbeitende Palästina" widmen. Hier bieten sich aber auch gute Möglichkeiten für die Entwicklung der Organisation,- da dieses Zentrum der mährischen Bekleidungsindustrie ein zahlreiches Angestellten-Proletariat ber herbergt. Eine gute Entwicklung nimmt die Ortsgruppe B r ü n n. Trotzdem hier die Schwierigkeiten besonders groß waren, sind auch' sie überwunden worden. Hier konnte die erste Poale-Zion-Jugendgruppe in der Tschechoslowakei ins Leben gerufen werden, die ein trefflich geleitetes Seminar und eine, wenn auch1 kleine, Bibliothek besitzt. An den: bevorstehenden Gemeinderatswahlen wird die Brünner Gruppe aktiv teilnehmen. Die Ortsgruppe M ä h ri s c h - O s t r a u wird sich in den nächsten Tagen konstituieren, in Prag und anderen Orten sind kleine Zellen gebildet,- so daß auch1 dort in kürzester Zeit Gruppen entstehen werden'. Aber auch im fernsten Osten unserer Republik,, in) Karpath'o-Rußland, haben; wir, festen Fuß gefaßt. In diesem Lande jüdischer Massensiedl ung haben sich bereits drei Gruppen konstituiert, in: Uzh'orod1, Beregsas und Hust, eine ganze Anzahl Zellen sind entstanden und in Kürze dürfte bereits eine Lan'desknoferenz stattfinden. Die Teilnahme an den; in. Kürze stattfinden1 Landtags- und Bezirksratswahlen1 kann, als feststehend, angenommen; werden'. Aber 'auch1 in der Slövakei, besonders in) deren, östlichen Teil beginnt es sich zu regen und so: ist die Zuversicht berechtigt," daß unsere Partei bald! wieder ihre alte Position! zurückgewonnen haben wird. Nicht unbeachtet bleiben' darf, wie unsere Partei; unter den Chäluzim immer mehr festen) Boden gewinnt. Wer die einfachen Berichte aus den Chaluzfarmen Komorau und Slatina, die wir auszugsweise von Zeit zu Zeit, veröffentlichen werden, liest, wird ersehen, wie unsere Partei, unser Programm, unsere- Arbeit einwirkt, wie sie die besten Elemente der Jugendbewegung für sich gewinnt. Aber nicht nur die Jugend ist es, die zu uns kommt, überall zeigt sich eine rasche Stärkung unserer Gruppen, überall wird mit Hingebung und Opferfreudigkeit gearbeitet'. Die Poale-Zion in der Tschechoslowakei lebt wieder;; es geht vorwärts. SchTomohb'en Oha im. Die Entschließung der sozialistischen Konferenz für das arbeitende Palästina. Die Konferenz der Sozialisten verschiedener Länder, die auf Initiative des Weltverbändes „Poale-Zion|" durch die Genossen Eduard Bernstein, Leon Blum, Arthur Henderson und Emile Vandervelde einberufen und am 10. August, 1928 abgehalten wurde, hat nach Anhörung der Referate der Genossen E. Vandervelde, Seit. Kaplansky und M- Jahrblum folgende Entschließung gefaßt: Das Werk der jüdischen': Arbeiter in Palästina und ihre Bestrebungen für, die Bildung einer neuen jüdischen Gesellschaft auf der Grundlage von Arbeit und sozialistischer Lebensreformen und sie mit dem Geiste der internationalen Solidarität zu erfüllen, verdient die aktive Unterstützung der Sozialisten aller: Länder. Die Konferenz beschließt deshalb: a) Die Gründung eines Komitees „Für das arbeitende Palästina" zwecks Unterstützung der jüdischen' Arbeiterbewegung in Palästina in ihrer konstruktiven Tätigkeit und im ihrem Klassenkampfe. b) Das Komitee wird in steter Fühlung mit dem Weltverbande „Poale-Zion", der die Palästinasektiort der Sozialistischen Arbeiter-Internationale ist, bleiben'«