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Der Jüdische Arbeiter · 1928-09-20 · Heft 14 (20.9.1928) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
5 (1928)
Issue
Heft 14 (20.9.1928)
Date
1928-09-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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■BflfatoMfk #» V. b. b. DES JUDISC Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Deutschlands, Österreichs und der Tschechoslovakei Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse Vit Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig , . ,2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 14. Wien, ^20. September 1928. ■;> . ■ - -U>.^.^- . - 5. Jahrgang. Nach dem Parteitag der Sozialdemokraten Oesterreich Gestehen wir uns doch1:. der Parteitag wurde lunter nicht besonders günstigen Auspizien einberufen. Der Mieterschutz wirkt sich' auf die Städte und auf "das flache Land verschieden; aus. Ini den größeren Städten und insbesondere in Wien wird durch die 'kommunale Bautätigkeit die Wohnungsnot und die Arbeitslosigkeit zumindest gemildert. Die kleinen' Gemeinden sind nicht in der Lage, eine ähnliche Bautätigkeit durchzuführen. Die Mieter Waben deshalb dort unter der Wohnungsnot viel zu leiden. Das bemühen sich nun die Feinde des Mieterschutzes auszunützen, um die Mieter gegen den Mieterschutz aufzuhetzen. Und. obwohl die Vertreter der Hausherren "genau wissen, daß ihr, Plan vom Abbau des Mieterschutzes keine Lösung] für das Problem des W o h- ■irun g s b a u e s bedeutet, scheuen! sie diese Demagogie nicht und nicht ohne Erfolg. ■ Die Heimwehr, mit Herrn Steidle an der Spitze, hat für den 7. Oktober in provozierender Weise eine Demonstration im roten Wiener-Neustadt angekün-; tilgt; Die Arbeiterschaft - vom niederösterreichischen Industriegebiet beantwortete diese Provokation1 mit 'der Ankündigung des Aufmarsches der Arbeiterschaft "in Wiener-Neustadt am demselben Tage.;Wir kennen die Skruppellosigkeit unserer Faschisten, wir wissen, daß die Regierung Seipel nichts unternehmen wird, um Blutvergießen zu vermeiden. Es galt deshalb, genau zu erwägen, was 'unternommen werden soll. Auch1 auf sozialpolitischem Gebiete 'harren der Arbeiterschaft schwere Sorgen': Pächtersch'utz, Arbeitslosenunterstützung, Altersversicherung. Und uns gegenüber die Regierung des Prälaten1, der keine Milde kennt. ' Die Auspizien waren: also' düster. Aber der Parteitag hat abermals bewiesen, daß die "österreichische Sozialdemokratie stark genug ist, um diese Probleme zu meistern. Der Parteitag begnügte sich1 nicht mit einer kritischen Analyse der bürgerlichen' Reaktion, er gab die Losungen zu schöpferischenj Taten, die den Weg aus dem Jammertale bahnen könnten. Er brachte den Mut auf, alle er ortete Fragen aufrichtig und ungeschminkt zu behandeln. Er konnte sich' auch deshalb viel leichter zu . einer einmütigem Lösung durchringen. Man gab sich keiner, Täuschung über die bevorstehenden Ereignisse hin. Wir stehen vor schweren Kämpfen. Das reaktionäre- Bürgertum schiebt bereits seine Söldlinge, vor. Es kann ernst werden. Zehn Jähre hat das österreichische Proletariat die Republik und die sozialen Errungenschaften-vor allen Gefahren geschützt. Es, ist möglich',, daß es> gezwungen werden soll,, abermals den. Kampf für .ihren' Bestand aufzunehmen j den!- Angriff der -üfeaktion' auf die errungene Freiheit abzuwehren. Aber es darf uns nicht bartge sein. Die Arbeiterschaft, die sich eine solche Partei geschaffen, sie wird die Republik gegen; alle und alles zu schützen vermögen. Der Parteitag hat diese Zuversicht nur noch' bekräftigt. Und das war seine größte Leistung. M. S, Zur Geschichte unserer Bewegung, Einige Worte für unser Archiv. Von B. Locker. Unsere Bewegung hat ein Alter erreicht, in dem sie schon ernstlich1 am ihre Geschichte denken muß. Zwar ist der Weltverband Poale-Zion im Jahre 1927 im ganzen erst 20 Jahre alt geworden, während gleichzeitig der allgemeine Zionismus und der Bund ihr dreißigjähriges Jubiläum feiern konnten. In Wirklichkeit beginnt aber die Geschichte des zionistischsozialistischem Gedankens viel früher als die Konstituierung unseres Weltverbändes oder sogar der einzelnen Poale-Zion-Parteien. Auch1 wenn wir die Vorläufer nicht einrechnen — als solche dürfen wir Moses Heß wie auch Aron Liebermann betrachten —, müssen wir sicher die Geschichte des zionistischsozialistischen Gedankens mit Nachman Syrkins „Sozialistischen Judenstaat" (1898) und mit der Gründung des ersten Vereines Poale-Zion (Minsk 1897) beginnen. Es wird den meisten unserer Chäwerim «ine Neuigkeit sein, daß 1901 schon in Minsk eine Konferenz der Poale-Zion-Organisationen; stattfand, welche eine „Vereinigung der zionistischen Arbeitervereine" mit einem Zentralkomitee an der Spitze schuf. Ebenso, daß es 1903 auf einer Beratung, in Wilna zu der ersten Spaltung der Poale-Ziom in Rußland auf der Linie von Sozialismus und politischem Kampf kam. Unsere Bewegung hat also an Ideengeschichte schon dreißig Jahre, an politischer Wirksamkeit im jüdischen, allgemeinen und Arbeiterleben über ein Vierteljahrhundert hinter sich1.. Diese Geschichte ist reich' an inneren und äußeren Geschehnissen von .zum Teil ganz außergewöhnlichem Charakter. Ideenkämpfe und praktische Leistungen, Spaltungen und Konsolidierungen, heroische Kämpfe und tragische Erlebnisse, Aufstieg und Abstieg. Keim Winkel im jüdischen Leben, keim Gebiet gesellschaftlicher Tätigkeit, keim Moment des Kampfes im der jüdischen Gasse, an dem unsere Bewegung nicht ihren ansehnlichen, oft den entscheidendem Anteil hatte. Im Suchen und Irren des jüdischen Arbeitergedankens, im Verbinden unserer verworrenem nationalen und sozialen Probleme und im der Beleuchtung ihrer Zusammenhänge und gegenseitigen* Beziehungen hat der Poale-Zionismus die wichtigste Rolle gespielt. Aber seine Bedeutung endigt noch lange nicht auf dem Gebiet der Theorie, die Sozialismus und Zionismus zu einer organischem Ideeneinheit verschmilzt. In allen revolutionärem Erlebnissen und Kämpfen1 der jüdischen Arbeitergasse hat er seinem ehrenvollen Platz eingenommen. Poale-Zionisten haben den ersten Selbstschutz organisiert (in Jekatorimoslaw 1901). Im gewerkschaftlichen Kampf der jüdischen Arbeiter für bessere Arbeits- und Lohmbefriedigungen nehmen sie einen hervorragenden Platz ein. In gewissem proletarischem Schichten, wie bei dem jüdischen Handelsangestellten im früherem Oesterreich waren die Poale- Zion die ersten Pioniere der gewerkschaftlichen Organisation. Sie haben' ihren ansehnlichem und ehrenhaften Anteil am revolutionären Kampf gegen den Zarismus. Unter den Opfern der zaristischen Gefängnisse erscheinen sie in einer verhältnismäßig großen Zahl. Neben Hirsch Lekert, der sein junges' Leben für ein Attentat auf dem Willnaer Henker von Wahl ■ ■ . *, . opferte,;ufn den barbarischen. Akt' körperlicher Züchtigung jüdischer Arbeiter zu rächen, leuchtet der Name des jungen Poale-Zionisten Pinchäs Daschefsky, hervor, der durch einen Akt des individuellen Terrors an dem Pögromhelden Kruschewani blutige Rache für Kischinew suchte Und hiefür mit Jahren Kerkers! büßen mußte. — Im politischen Erwachen der jüdischen Massen im Oesterreich, in ihrem Kampf für nationale Autonomie haben Poale-Zionisten die Rolle von Pionieren und Anführern gespielt. Dasselbe kann' über die Stellung der Poale-Zion im Amerika in der proletarisch-nationalen Kultur- und Erziehungsarbeit gesagt werden. Hand in Hand damit geht die wegb'ereitende Pionierarbeit, die Poale-Ziom schont in den ersten Jahren der erneuten Einwanderung nach Palästina entfaltet hat. Diese begann' seit 1904, zu einer Zeit, als der Uganda-Rummel und der Untergang der Charterillusionen den Zionismus in eine seiner gefährlichsten' Krisen stürzte. Zu dieser Zeit organisierte Poale-Ziom in einer Reihe vom Städten Gruppen „Pioniere nach Palästina". Die „zweite Alijah" aus jener Zeit brachte nach' Palästina einen Teil der besten poale-zionistiL sehen Intelligenz und Parteimasse, die noch bis heute die feste alte Gardg 'der Arbeiterschaft im Lande bilden. Die Selbstschützkämpfe vom Hömel/ die Piö-' niere. von Warschau und' Plonsk usw: — sie alle setzten ihre Arbeit im heroischem „Haschomer", im dem ersten gewerkschaftlichem Organisationen der palästinensischen Arbeiter, in den Pflanzungen Judäas und auf den Feldern! Galiläas fort. Aus den späteren Jahren! muß an die Rolle der Poale-Zion in der Komgreßbewegung in Amerika erinnert werden, ferner an den heroischem Kampf unserer' Chawerim, 'der Zionisten-Sozialistem in Rußland, an unseren Anteil in der Hechäluzbewegung, am die Rolle vom Ach'd'uth Haawodah im Palästina, am unsere Stellung im der Internationale und in der zionistischen Weltorganisation. Es ist nicht meine Absicht, hier auch nur die Kapitelüberschriften unserer Geschichte zu geben. Ich wollte mur durch einige zufällig herausgegriffene Momente zeigen, warum es so wichtig ist, endlich einmal damit zu beginnen, die Materialien unserer Geschichte aufzusammeln und für ihre Erhaltung und Bearbeitung Sorge zu tragen. Leider ist auf diesem Gebiet sehr vieles versäumt worden. Beim Verbandsbureau befindet sich zwar eine — durchaus nicht vollständige — Sammlung der Druckausgaben der Partei im verschiedenen Ländern aus der Kriegs- und Nachkriegszeit. Auch' die einzelnen Landesparteien haben in den letzten Jahren ihr Verständnis bewiesen, solche Materialien für kommende Generationen wie für Historiker aufzubewahren. Aber, wie gesagt, auch diese späteren Materialien sind nicht systematisch gesammelt worden und genug wertvolle Stücke aus den letztem Jahren befinden sich bis heute nicht in unseren Händen. Viel ärger noch ist es mit den historischem Materialien aus den Gründungsjahren der Bewegung, aus der Vorkriegszeit überhaupt.. Die Archive, die vorhanden waren — bei der österreichischen Partei in; Lemberg, beim Verbandsbureau in Wien —, sind in der Kriegszeit zum größtem Teil zerstört worden und zugrunde gegangen. Seit ungefähr einem jähr hat das europäische Verbandsbureau angefangen, Materialien für unser. Archiv zu sammeln und schon' in den ersten Monaten gelang es, in Europa allein sehr wichtiges und interessantes Material zusammen - zu bekommen. Die Beratung des Weltverbandes im August 1927 hat die Gründung eines Archivs der Weltbewegung offiziell

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