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Der Jüdische Arbeiter · 1928-08-24 · Heft 13 (24.8.1928) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
5 (1928)
Issue
Heft 13 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 13 Der jüdische Arbeiter Seite 3 beiterzionismus angenommen.' und dem Arbeiteraufbau in Palästina ihre Unterstützung; zugesagt haben, bildet mit einen der äußeren Erfolge iinserer Delegation. Zieht man noch in Betracht, welche Bemühungen am Werke waren, um solche Resolutionen nicht zuzulassen, welche alte Traditionen mit der Wurzel entfernt werden mußten.', bevor es auch nur möglich war, solche zionistisch angehauchte Reolutionen überhaupt mir vor die Versammlungen dieser Arbeiterorganisationen zu bringen — dann kann man erst verstehen, daß der moralische Wert dieser Resolutionen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Und es ist sicher nicht übertrieben, anzunehmen, daß in nicht langer Zeit der „moralische Wert" auch' in materielle Werte umgeschmolzen werden wird... Und noch1 eines : Wir erfahren: aus sicheren Quellen („sicher" hier nicht nach dem Zeitungsispracihgebrauch), daß es unserer Delegation auch gelungen ist, die „American federation of labour" für den Zionismus zu interessiei*en. Und nicht nur zu interessieren, sondern auch) Verbindungen mit dieser großen Arbeiterfederation herzustellen. Der Präsident der Federation, Mr. Green, hat der zionistischen Arbeiterschaft sogar Unterstützung versprochen. Nach, der englischen Labour .Party, die sich zum Zionismus freundlich.' bezieht, ist diese Stellung der amerikanischen „Federation of labour" der größte Gewinst für den Arbeiterzionismus und isohin für den Zionismus überhaupt. So wird gesellschaftliche' Politik geführt. So werden Menschen und Gruppen, Führer uad Klassen gewonnen. So werden Sympathien geschaffen. Sind das nicht Errungenschaften, auch' wenn sie .sich' nicht in Ziffern abschätzen lassen? ®S®gH3gH3Q(a^ g E Zweiter Kongreß für Lehrlingsschutz und Berufsfürsorge. Im Verlag der Zeitschrift 7,Lehrlingsschütz und Berufsfürsorge" ist schon vor längerer Zeit das Protokoll der Tagung des zweiten Kongresses für Lehrlingsstohütz- und Berufsfürsorge erschienen'. Unter den ausgezeichneten! Referaten machen" wir besonders auf das Referat des Genossen Tandler ,',Eintritt in das. Berufsleben1 und körperliche Entwicklung" aufmerksam, da gerade für unsere Jugendlichen das Problem der Berufswahl ein äußerst einschneidendes ist. Es würde zu weit gehen, den Inhalt des1 Vortrages, wenn auch nur in kurzen Worten, wiederzugeben. Wir können uns hier nur begnügen,- allen jugendlichen Genossen; unid Genossinnen, die sich1 mit, dem Prägen der Erziehung befassen, dieses Büchlein' un'd insbesöndere das Referat Tandlers zum genauen Studium zu empfehlen. hl st. Wir gratulieren unserem Genossen Dar. Föritz Spitzer anläßlich seiner Vermählung mit Frl. Felicitas Grimm auf das herzlichste. Oi^anisationsleitung. Redaktion;,Der jüdische Arbeiter". *. Zur Vermählung mit Frl. Felicitas! Grimm gratulieren ihrem Genossen Dr. Fritz Spitzer Dr. Rudolf Glanz Mendel Singer E Die Wahrheit über Brüssel! über die Sozialistische Arbeiterinternationale und die Stellung der österreichischen Sozialdemokratie zum Problem: PALÄSTINA Darüber spricht Genosse MENDEL SINGER (Delegierter in Brüssel), am Donnerstag, den 6. September im großen Saale II., Blumauergasse 1 Genossen und Genossinnen erscheint in Massen! | B HHEHEEEEEH^ Probleme organisierter Jugend. (Bemerkungen zur Frage: Wir und die J. S. A. J Jugendorganisationen sind Fundamente moderner politischer Parteien. Politische Partei und Jugendorganisation sind unzutrennliche Zwillinge. Die Jugend, die in; politischen Jugendorganisationen zusammengefaßt ist, ist der Nachwuchs der politischen Partei, deren Ideologie sie teilt. Das ist das wesentlichste Merkmal der Unterschiede von Jugenidbund;und Jugendorganisation. Während der Jugendbuitd 'keine politische Ideologie besitzt, was natürlich nicht hindert, daß sich auch' er einer gewissen politischen Richtung anschließt oder nahesteht,, keinesfalls aber politisch1 orientiert ist und sind seine Arbeitsmethoden so parteipolitisch gerichtet wie die einer Jugendorganisation, die die Grundlage künftiger Partei ist. Die Jugendorganisation ist also Durchzugsorganiisation der 14- bis 20jährigen, die dann der Partei zuzuführen sind. Schon hier beginnen die Probleme. 14- und 20jähr. sind verschieden veranlagt, ihre Bedürfnisse sind nicht die gleichen und man kann dem 20jährigen, der gewöhnlich politisches Interesse zeigt, nicht dasselbe bieten, was für den 14jährigen gut und unerläßlich ist. Ein großer Teil der Jugendlichen, der zur Organisation kommt, ist nicht immer von der Ideologie der Organisation! durchdrungen. Verschiedene persönliche Interessen (Freunde, Gesellschaft) spielen hier eine bedeutende Rolle, daher die in keine Erwachsenenorganisation zu verzeichnende ungeheure Fluktuation (Mitgliederwechsel). Diese Probleme beherrschen jede Jugendorganisation und es ist daher kein Wunder, daß sich nun nach zweijährigem Bestände auch unsere Jugendorganisation, die J. S. A. J., damit beschäftigen muß. Gen. Lindenbaum allerdings; übersieht den Zusammenhang und kommt daher zu einem Urteil, welches an und für sich voll und ganz unterschrieben werden kann und muß, den Anschein aber erwecken muß, als ob die von ihm aufgezählten Mißstände die wichtigsten wären. Gewiß, die Tatsache des Fernbleibens leitender Mitglieder der J. S. A. J. vom einzigen, im Ma! abgehaltenen Kurs, der die Ideologie der Poale Zion behandelte, ist sicherlich' alles eher als eine erfreuliche. Berücksichtigen wir aber die Tatsache, daß wir in einer Zeit leben, wo nicht theoretische Überzeugungen aliein die Leute zu Sozialisten machen, sondern in, viel "stärkerem Maße praktische, konstruktive Arbeit es ist (Gemeinde Wien), die den Leuten den Unterschied zwischen kapitalistischer und sozialistischer Politik aufzeigt. Und so erleben wir 'das merkwürdige Schauspiel, daß neben1 einer gewissen Belebung des theoretischen Interesses, dies sich nur dort auswirkt, wo es mit den praktischen, die Tagespolitik berührenden; Fragen zusammenhängt. Keine Menschengruppe ist geeignet, der Theorie meh'r abgeneigt zu sein, als Jugendliche, die die Kraft der Masse de facto kennen lernen. •Das soll natürlich keineswegs das Verhalten leitender J. S. A. J.-Funktionäre entschuldigen', vielmehr wird alles darangesetzt werden müssen, um (diesem Uebel nach' Kräften zu steuern. Die J. S. A. J. leidet aber an -andern, nicht minder üblen Dingen, die einmal offen auszusprechen nur nützen kann: sie leidet an dem Mangel an Idealism us und Bew. Buchbesprechungen £ Neues vom Jüdischen Wissenschaftlichen Institut. Das Institut wird immer mehr zur zentralen Stätte lex jüdischen. Wissenschaft überhaupt. Dank! seinem allsltliehen Charakter, dem Umfang! der in den verschiedenen Sektionen unternommenen wissenschaftlichen Arbeit, der Bedeutung! seiner großen Publikationen, hat es schon bleute die inhrende Stellung1 inuev In seinem Naehrichtenblatt (Nr. 25) vom 3. August a. c. gibt uns die Institutszentrale eine interessante Uebersicht über den ^organisatorischen Stand! des Instituts, wie über das Fortschreiten der wissenschaftlichen Arbeit. Wir erfahren zunächst, daß die Bemühungen!, zum Institutsbudget immer mehr auch! die öffentlichen! Körperschaften heranzuziehen, nicht erfolglos geblieben! sind'. Außer einer 2!ahl von jüdischen Gemeinden sind es in; Polen nun auch .schon Stadtveawaltungen, die zum Budget beitragen1, zuletzt auch die Stadt Lödla. Die Institutsaentrale fordert alle Freunde der jüdischen; Wissenschaft auf, in ihren Anstrengungen; nicht zu erlahimen, sondern das große Werk Nach1 den Publikationen der letztem Zeit, unter denen •der große Band II der philologischen Sektion einen hervorragenden Platz einnimmt, sollen, schon! in 1 bis 2 Monaten, eine ganze Anzahl wichtiger Bände erscheinen. Der III. Band der philologischen Serie wird Ende September auf dem Büchermarkt sein, Teile des IV. Bandes1 sind schon im Satz. Der erste Band1 der ökonomisch-statistischen Sektion umfaßt 40 Bogen und gelangt schon Ende August zum Tierkauf. In diesem Band ist neben einer Uebersioht in der deutschen Sprache auch die Einrichtung; getroffen, daß Tabellen und Diagramme auch! in deutscher Sprache wiedergegeben werden. Der Band1 der historischen Sektion! wird gleichfalls 40 Bogen umfassen. Die Arbeiten für den folkloristisoheni Band schreiten rüstig vorwärts. Die Herausgabe liegt in; den Händen von J. L. Cahan, Newyork. Das dritte "Vierteljahrsbieft des amerikanischen Pinkas ist bereits erschienen, das vierte schon in Druck. Das bibliographische Jahrbuch' ist seiner "Vollendung nahe. Es wird 30 Druckbogen! umfassen. In'der Serienreihe „Organisation der jüdischen Wissenschaft" erschienen im Laufe des Juni die Broschüren Nr. 4 und 5. Erstere enthält die Enqueten1 der ethnographischen Kommission über die Feiertage, letztere eine linguistische Enquete mit 237 Fragen;. In Kürze erscheint ein HaUdbücMein für die Sammler des Instituts unter dem Titel „Was ist Ethnographie?" Ferner wird eine ständige Bücherreihe, die „Bibliothek des Jüdischen Wissenschaftlichen Instituts" vorbereitet. Band I dieser Reihe wird. Schatzkys Werk, Die Bibliographie der jiddischen Drucke, Band II eine von; J. Weinles besorgte Ausgabe der jüdischen; Schriften Josef Perls sein. ••. Auch eine faksimilierte Handschriftenausgabe wird das Institut herausbringen. Zur zwanzigsten Wiederkehr der Tage der Czemowitzer Konferenz wird ein Sammelbuch herausgegeben. Neben den Publikationen schreiten auch! die übrigen Arbeiten der Sektionen rüstig vorwärts. Die ethnographische Zentrale hatte am 1. Juni 1928 schon' 34.000 Nummern registriert. Die .ungeheuren Sammlungen1 werden nun nach Stoffgebieten und Stoffkreisen geordnet. 18.596 Nummern betreffen Sprichwörter, Redensarten u. dgi., 3348 das Kinderschaffen, Kinderlied, Kinderspiel, 3255 Rezepte, Vorzeichen, Träume, 2692 sind Lieder, 2112 Anekdoten, 1510 Erzählunigen, 616 Gebräuche und Feiertagsbesohreibungen, 487 Melodien (mit und ohne Worte, wie chässidische, Hoch'zeits'weisen), 57 Purimspiele. Die ökonomisch-statistische Sektion hat Ende 1927 ihre Arbeiten zur Erforschung! der ökonomischen Lage der jüdischen Bevölkerung Polens durchgeführt. Sie geht nunmehr an 'die Bearbeitung des die Juden betreffenden Materials der letzten Volksizählung in Deutschland (1925). Endlich wurde das jüdische Theatermuseum auf den Namen der E. R. Kaminsky eingerichtet und durch' eine Anzahl neuer Schenkungen vermehrt. Dr. N. M. Gelber, Vorgeschichte dös Zionismus. Judenstaatsprojekte 1696—1845. Dieses wichtige Buch enthält die Geschichte des Judenstaatsgedankens in seinen historischl bedeutsamen Emanationen. Dem Verfasser ist es auf Grund1 vielseitigster Arcnivforschung geglückt, bisher unbekanntes Material aufzufinden. Die einzelnen Abschnitte des Buchte, die zeitliche Aufeinanderfolge der verschiedenen Manifestationen des Judenstaatsgedankens geben uns eine Vorstellung von der Größe dieser Idee und von der Intensität, mit der sich' Denker und Staatsmänner ihr hingaben. Wohl der merkwürdigste Versuch, der je unternommen wurde, war jenes Ararat, das Mordechai Immanuel Noah im Jahre 1825 in den Vereinigten Staaten zu gründen unternommen hatte. Obzwar dieses Projekt schon bekannt war, ist es doch erst von Gelber in allen seinen Zusammenhängen mit der Zeit seines Entstehens und mit dem Leben dieses außerordentlichen Mannest erforscht wor- den. Dieses VIII. Kapitel des Gelberscthen1 Buches liest sich spannender als der spannendste Roman. Irgendwie sind wir dem Gedanken, dem rein Geistigen' im mensch- ' liehen Willen, näher, wenn wir in1 diesem Dokument die Existenz des jüdischen Volkes bejaht finden1. Das überaus wertvolle Buch1 kann! nicht genug empfohlen werden. Aus ihm ist zu erkennen, was eine historische Idee ist, was die Existenz der Juden den Denkern vergangener Jahrhunderte bedeutet hat. * Im Verlage des Vereines der Freunde desi arbeitenden Palästina in Wien und der Verbände für das arbeitende Erez Israel in der tsc^'eöhbslowaildscheni Republik ist ©ine sehr aktuelle Broschüre aus der Feder des Ifouptsekretärsi der Zentrale des Palästina-Arbeiterfonds, in Tel-Aviv; M. Neustadt, erschienen, welche die Aufgaben desi Palästina- Arbeiterfonds im gegenwärtigen Augenblicke behandelt. Das ungemein interessant und erschöpfend1 geschriebene Buch gewährt einen sehr guten Einblick in das Wesen dieses Arbeitex'fohds, dem schon wegen der in der zionistischen Organisation vor sich gehenden Veränderungen eine immer größere Bedeutung zukommt. Die siehr interessante und schön ausgestattete Broschüre ist bei der Kolpartageabteilung. der Bildungsstelle der jüda-soz. Organisationen," II., Blumauergiasse 1, zum Preise von 60 Groschen erhältlich'.

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