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Der Jüdische Arbeiter · 1928-08-24 · Heft 13 (24.8.1928) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
5 (1928)
Issue
Heft 13 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Oer jüdische Arbeiter Nr. 13 Nach der Sitzung des Aktionskomitees. Kritik am Verhalten der Arbeitervertreter. — „Kritik" der Ignoranten: — Die praktischen Erfolge der Arbeitervertreter. Der Ausgang der Sitzung des Aktionskomitees in Berlin hat in der jüdischen Oeffentlichkeit große Beachtung gefunden. Insbesondere wurde das Verhalten der jüdischen Arbeiterschaft scharf kritisiert. (Wenn von scharfer Kritik die Rede ist, so denken wir natürlich nicht an jene Ignoranten, die von einem Verrat der Poale Zion an der Arbeiterschaft Palästinas faseln. Diese Unwissenheit verdient keine Beachtung.) Wir wollen1 gestehen, daß die Beschlüsse, die die beiden Parteien der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina („Achduth Haawodah und „Hapoel Hazair") vor der Tagung des Aktionskomitees gefaßt 'haben, die Annahme berechtigten, daßdie Vertreter der jüdischen Arbeiterschaft eine unversöhnliche Opposition zu bilden entschlossen seien. Aber Schließlich dürfen wir die geänderte Situation, die Sich in Berlin gestaltet hat, nicht verkennen. jewish Agency. In dieser Frage hat die jüdische Arbeiterschaft seit Jähren keine prinzipielle ablehnende Stellung eingenommen. Sie betrachtete es vielmehr als ihre Aufgabe, auf die Demokratisierung der erweiterten ,',Agentur" hinzuwirken. Ihre Empörung richtete sich vielmehr gegen die Forderungen der Experten, deren Verwirklichung nahezu eine völlige Liquidation des arbeitenden Palästina bedeutet (hätte. Nun hat Weizmann den Vertretern! der Arbeiterschaft die Versicherung abgegeben, daß auch er i'h're Bedenken teile und daß er die ßerücksi-cih'tigung der Forderungen der Arbeiters cfraft als Bedingung für die Erweiterung der „JewishAgency" betrachte. In diesem Punkte darf die Arbeiterschaft beihaupten,, daß sie einen vollen Sieg errungen hat. Es war also kein Grund für eine weitere Opposition' in' dieser Frage vorhanden. Kampf gegen S ach er. Die Erbitterung, die in Palästina über das Verwalten des Herrn Sach'er iherrscht, wurde durch das Mißtrauensvotum klar zum Ausdruck gebracht. Unsere Genossen erbrachten auch den Beweis, daß sie bereit sind, die Folgen ihrer Opposition zu tragen, sie ih'abeh die Bildung einer Leitung übernommen. Daß ihre Bemühungen. keinen Erfolg 'hatten, lag nicht an ihnen, sondern an der Unentschlossen'heit der bürgerlichen Gruppen. Im übrigen haben die Vertreter der Arbeiterschaft auch1 in diesem Punkte nicht unbedeutende Erfolge aufzuweisen. Sie 'haben den' Widerstand Sachers gegen eine ne;ue Einwanderung von OhaInz im!und die Neukolonisation gebrochen. Die Vertretung der jüdischen Arbeiterschaft ih'at also Herrn Sacher nicht nur ein empfindliches Mißifrauensvotum verschafft, sie hat es auch vermocht, ihre Forderungen, die Herr Sacher 'hartnäckig abgelehnt hat, durchzusetzen. Die praktischen Erfolge der Opposition der Arbeiterschaft sind diesmal sichtbarer als je zuvor und das ist für die gegenwärtige Situation in Palästina entscheidend. L. K. Die sozialistische Konferenz für das arbeitende Palästina in Brüssel. Der große Erfolg der Aufklärungsarbeit der Poale-Zion. — Die Beteiligung der größten Parteien der Internationale. — Die Rede Vanderveldes. — Die Ausführungen Kaplanskys. — Die Wahl eines ständigen Komitees. Die Konferenz für das arbeitende Palästina, die Donnerstag, den 9. August, in Brüssel, unter Teilinahme der bedeutendsten Führer der sozialistischen Internationale tagte, war für uns ein großes Erlebnis, ija'h'rzeh'nte 'hindurch standen wir mit unseren Bestrebungen isoliert da. Die Tatsache, daß unsere vom wahrhaft sozialistischen Geiste getragenen Bestrebungen von der Arbeiterschaft der meisten Länder mißverstanden werden, schmerzte uns tief. Wir hielten aber durch. Mit revolutionärer Ungeduld haben unsere Genossen in Palästina das Aufbauwerk errichtet. Mit revolutionärer Ausdauer haben wir das Weltproletariat über die Leistungen unserer Genossen in Palästina unterrichtet. Und der Erfolg blieb nicht aus. Die Mißverständnisse sind weggeräumt. Da sitzen sie/ die Führer des Weltproletariates, beisammen und suchen nach Mitteln und Wegen, um das Aufbauwerk der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina zu fördern. Die Leuchten!der sozialistischen Internationale bekennen sich nunmehr zu unserem Werke. (Dürfen wir uns dieses Sieges nicht freuen? Gewiß, das Werk ist noch lange nicht beendigt. Hüben und drüben. In Palästina ist das Fundament des großen Aufbauwerkes kaum fertiggestellt. Unsere Genossen führen einen harten Kampf um die Fortsetzung des Aufbauwerkes. Unter den anwesenden Vertretern des Weltproletariates vermissen wir noch,, einige, die wir gerne in unserer Mitte begrüßen möcn'teh. Das Werk des Aufbaues in Palästina und der Aufklärung unter dem Weltproletariate muß energisch fortgesetzt werden. Die Konferenz in Brüssel bedeutet einen Schritt, vorwärts in der Aufklärung des Weltproletariats. Hoffen wir, daß sie auch auf die Arbeit unserer Genossen in Palästina befruchtend wirken wird. * Der Konferenz für das arbeitende Palästina in Brüssel wohnten u. a. bei: aus Belgien: Vandervelde, Huysmans und Genossin Fels; aus Frankreich: Leon Blum, Renaudelle und Lonquet; aus England: Henderson, Landsbury, Buxton und Snell; aus Deutschland: Reichstagspräsident Löbe, Breitscheid, Naftali, Oskar Kohn und Ströbel; aus Italien: Turati und Modigliani; aus Polen.- Diamand und Genossin Kulczynska; aus Amerika: Pankin; für Rußland: Czemow und Russanow; für Georgien: Tseretelli. Begrüßungsschreiben langten ein von Eduard Bernstein, Ab'. Kahän (New-York), Schloßberg und Schipliakoff, Führer der jüdisc'hen Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten. Entschuldigt haben ihr Fernbleiben "infolge anderweitiger Inanspruchnahme die Genossen aus der Tschechoslowakei und die Genossin Adelheid Popp aus Wien. Den Vorsitz führten: Vandervelde, Henderson, Leon Blum und Breitscheid. Blum, Renaudel und Lonquet; aus England: Henderleitend schilderte er seine Eindrücke aus Palästina und beweist dann an der Hand von Tatsachen und 'Ziffern, daß das Aufbauwerk in Palästina auf gesunder Grundlage fuße. Die Expertenkommission, die die Gruppierungen, die zur erweiterten ,,Jewish Agency" 'herangezogen werden, nach Palästina geschickt hat, 'hat auch die Frage des 'Palästinaaufbaues bejaht. Vandervelde versicherte, er habe vorurteilfrei das Aufbauwerk an Ort und Stelle untersucht und gefunden, daß es sowohl vom nationalen als vom sozialen Gesichtspunkte ein Werk des Progresses sei. Vandervelde schließt seine vorzügliche Rede mit einem Zitat der Propheten und ruft die Sozialisten aller Länder zur Unterstützung des Aufbauwerkes in Palästina auf. Gen. Kaplansky übersetzte die Rede Vanderveldes ins Englische und hielt dann eine groß angelegte Rede über die bisjetzigen Leistungen der Jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. Er führte u. a. aus: Vor Jahren pflegten wir vor die Internationale treten und über unsere Leiden klagen, ihre Mithilfe zur Linderung unserer Schmerzen anrufen. Heute treten wir vor die Internationale, schildern ihr unsere sozialistischen Leistungen und rufen1 ihre proletarische Solidarität an, um uns in unserem Kampfe um die nationale und soziale Umgestaltung unseres Volkes zu unterstützen. "Wir wissen wohl, daß die bis jetzt in Palästina geleistete Arbeit im Verhaltnisse zur Not 'unseres Volkes und vom Gesichtspunkte des Weltproletariates betrachtet eine bescheidene Leistung ist. Wir wissen aber auch, daß die Tatsache, daß wir in den Osten sozialistische Lebensfragen bringen, für das sozialistische Weltproletariat von großer Bedeutung ist. Die Ausführungen Kaplanskys machten auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck. Nach einer kurzen Ansprache des Gen. Jahrblum in französischer Sprache schlug Genosse Vandervelde eine Resolution vor, die die Sozialisten aller Länder zur Unterstützung des Aufbauwerkes der jüdischen Arbeiterschaft aufruft. Es wurde auch ein ständiges Komitee gewählt, das die Unterstützung der Sozialisten für die jüdische Arbeiterschaft in Palästina organisieren soll. Das Komitee ist auch mit Kooptationsrecht ausgestattet worden, um den an der Teilnahme verhinderten Genossen die Mitarbeit zu ermöglichen. Den Wortlaut der Resolution und die Mitglieder des Komitees werden wir in der nächsten Nummer veröffentlichen. Zur Bilanz. Von Seit. Roseufeld. In. vielen Ländern sehen die offiziellen Zionisten die selbständige Tätigkeit der Arbeiterschaft für Palästinanur sehr ungern. Den Delegierten des arbeitenden Palästinas wie' auch' den örtlichen Komitees1 f. d. a. P. werden bei der DurcMülrrung ihrer schweren; Aufgabe Schwierigkeiten bereitet. Alles unter dem: Vorwand, ihre Tätigkeit brächte der Arbeit für die nationalen Fonds — Keren Hajessod und Keren Kajemeth — Schaden. Schon oft haben wir gezeigt, daß diese Auffassung grundfalsch' und das gerade Gegenteil richtig ist. Nunmehr vertritt unsere Meinung einer der bekanntesten zionistischen Publizisten im amerikanischen „Tog". Wir bringein den Aufsatz mit wenigen Tdeinon Kürzungen. Vielleicht werden die Führer unserer allgemeinen Zionisten einiges daraus lernen. Die Redaktion. Die Arbeiterdelegation nimmt von uns Abschied. Wenn wir „die Arbeiterdelegation" sagen, meinen wir die Delegation der palästinensischen Arbeiter, die vor einiger Zeit wieder hieher zuriickgekommen ist. Während ihresi Aufenthaltes hat sie eine Kampagne geführt. Es ging um eine bestimmte Summe Geld für eine freilich1 unbestimmte Zahl von Seelen... Jetzt, wo sie von! uns Abschied nimmt, ist es nicht nur interessant, sondern auch! wichtig, ein Resümee über ihre Leistungen zu geben. Es ist wichtig, au wissen', was sie mit sich nimmt unJd weichte Aufgabe sie hier zurückläßt. Nun ist es au und für sich nicht leicht, eine solche Bilanz zu ziehen. Nicht leicht aus1 dem. Grunde, weil der Charakter der Arbeiter-Kampagne ein anderer ist, als der bürgerlicher Aktionen, daher muß auch! das Ergebnis ein anderes -sein. Wir haben bereits in dieser Zeitung, den Unterschied zwischen dem Publikum,- wo der bürgerliche Zionismus tätig ist und dem Publikum, wo die Arbeit für den' Arbeiterzionismus vor sich geht, aufgezeigt. Heute sollen hier*einige Tatsachen hervorgehoben werden, die einen weiteren Unterschied1 zwischen den beiden' j,Brüdern in Zion" bewirken. ■ S -Ich habe nicht die geringste Absicht, dem bürgerlichen Zionismus, seinen Anhängern oder Mitarbeitern nahezutreten. Und doch1 muß ich mir die Behauptung eiiauben', daß viele der Menschen, die wir Bürgerliche zum Zionismus bringen, nur mit ihrem Gelde gewonnen sind, nicht aber mit ihren Seelen. Ja, noch! mehr, auf das Geld, das sie hergeben, blicken; sie, die Geber — zumindest ein großer Teil unter ihnen — wie auf ein Lösegeld. Sie geben ihr Lösegeld und befreien sich' damit von unerwünschten Mahnern und Fordernden. Niemals würden sie die Mahner empfangen, wenn es ihnen einfiele, wirklich zu kommen. Meist haben wir es mit wohlhabenden, ja reichen Leuten zu' tun, die sehr gut wissen, daß man alles Vergnügen für Geld kaufen und sich! von allen Unannehmlichkeiten mit Geld loskaufen kann, sogar von1 „nationalen Pflichten". Zahlen und befreien sie sich also. Unter diesen Kreisen sind gewiß mehr Zahler für den Zionismus vorhanden, wie Zionisten. Besonders bei uns in Amerika. Ganz anders in den Kreisen, wo unsere Delegation zu wirken hatte. Dort ist, solange die Seele nicht gewonnen ist, auch! kein Geld zu erwarten'. Dort ist das Geld auch nicht in großen Mengen, Geld1 ist dort teuer. Aber die Seele, die UeberzeuguUg, die Anerkennung der Idee ist noch teuer. Und auf das Geld, das diese Menschen geben, blicken sie,; zumindest die große Mehrzahl unter ahmen',- wie auf ein Einkaufgeld. Der einzelne kauft sich mit diesem Gelde ein in einen Kreis neuer Interessen; neuer Aufgaben und Pflichten. Und noch ein Unterschied. Im bürgerlichen Zionismus ist die Kampagnezeit die Erntelzeit. Man arbeitet ein ganzes Jahr, was, läßt sich nicht genau bestimmen, und wenn sie, die bestimmte Zeit kommt, geht man1 auf die nurwenig beackerten und nur spärlich versäten Felder, um die reife Frucht zu ernten. Für den Arbeiterzionismus ist die Kampagnezeit eine Zeit der Saat. Während der Kampagne ackert er, der Mann von der Delegation, sät er und tut alle nötige Arbeit, damit die Saat aufgehen' kann. Die Ernte selbst wird sich1 erst viel später einstellen. Aus diesem Grunlde ist es, wenn die palästinensische Arbeiterdelegjation' von hier Abschied nimmt, gar nicht leicht, die Bilanz ihrer Leistungen hier im Lande zu ziehen. Wir wissen, daß die Mitglieder der Delegation rund hundert Städte und Städtchen aufgesucht haben, wir wissen, daß sie run!d 125.000 Dollar aufgebracht haben. Das ist aber d\uchaus nicht alles, was sie hier geleistet haben. Das Geld ist nur ein äußeres Zeichen der wahren Erfolge. Doch läßt sich nur dieses äußere Erfolgszeichen berechnen, läßt sich nur da eine Bilanz ziehen. Die innerlichen Beziehungen aber, die die Delegation geschaffen) hat, die neuen' Verpflichtungen', die die neu Gewonnenen auf sich genommen haben und die neuen Ueberzeugungen, zu denen sie sich durchgerungen haben, wie soll all das in' Ziffern gebracht werden, wie kann man hier eine Bilanz ziehen? Der Umstand, daß die zwei größten' jüdischen Arbeiterorganisationen Amerikas; die yjAmflilgamateid" unddie „International" wohlwollende Resolutionen über den Ar-

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