Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- Heft 12 (25.7.1928)
- Date
- 1928-07-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2641551-2641567-2641579--176-2642099- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oran 1× ep/1048048
OCR text
Nf. 12 Der jüdische Arbeifer Seite 3 Genosse Singer weist ah der Hand der Tatsachen und Ziffern aus dem jüdischen Leben nach, daß sie die Vorhersage Otto Bauers widerlegt haben. Nach einer gründlichen Auseinandersetzung mit den Behauptungen des Genossen Otto Bauer schließt Singer seine Ausführungen mit folgenden Worten: „Die historische Entwicklung des jüdischen Volkes innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft führt also nicht zur Assimilation. t)ie Juden haben ihre wirtschaftliche Sonderstellung beibehalten, ihre Eigenart bewahrt. Die kompakten jüdischen: Siedlungen sind nicht zersprengt worden. Der soziale und kulturelle Fortschritt der Juden liegt auf der Linie der Normalisierung ihres Lebens." Hakoah-Cheruth. Wie immer man sich zur Wiener „Hakoah", oder zu ihrer Fußballmannschaft verhalten haben mag, ihr Niedergang, der durch ihren Abstieg in die zweite Klasse deutlich sichtbar wurde, machte in der Oeffentlichkeit einen Eindruck .Die Freunde des unverfälschten jüdischen Sports hofften, daß sich die vom Ungeiste des Geschäftssportes noch nicht demoralisierten Mitglieder und Anhänger der „Hakoah" aufraffen werden, um den großen jüdischen Sportklub seinem ursprünglichen Zwecke wieder zuzuführen. Was aber seit Wochen in und um die „Hakoah" vorgeht, muß jeden Freund des jüdischen Sports mit Ekel erfüllen. Es geht ein förmlicher Kuhhandel um die „Amerikaner" und die Fußballer, die noch nicht das Glück hatten, nach Amerika engagiert zu werden, drohen mit der Reise nach Amerika, wenn man ihnen nicht das gewünschte Handgeld, die verlangte Gage, zusichert. Ein Proponentenkomitee ist auf der Suche nach neuen Würzen und täglich werden verschiedene Bulletins und Interviews über den Stand der Verhandlungen mit den Spielern1 veröffentlicht. Das unwürdige Spiel mit dem käuflichen „Sportsmännern" scheint also kein Ende nehmen zu wollen, der Niedergang der Fußballmannschaft der „Hakoah" kann also nicht aufgehalten werden. In den allerletzten Tagen zuckte ein Lichtstrahl auf: die anderen Sektionen der „Hakoah" erklärten, von einer Fortsetzung des Professionalismus nichts wissen zu wollen. Wer aber aus der Erfahrung weiß, daß die Fußballsektion und ihre Gönner die gesamte „Hakoah" terrorisiert, kann nicht daran glauben, daß sich der Wille der wahrhaften Sportsleute in der „Hakoah"' durchsetzen wird. Deshalb gilt es: durchstreichen und weitergehen! * In aller Stille, ohne große Aufmachung, hat sich in Wien eine Gruppe jüdischer Sportler, die durchwegs aus Proletariern besteht, vom bürgerlichen jüdischen Sportverband losgelöst und einen jüdischen Arbeitersportverein mit dem Namen „Cheruth" gegründet. Der Verein: besteht aus bewährten Sportsleuten, vorwiegend Stemmer. In der nächsten Zeit Fetach-Pikwah—Kilhilijah' bei. Neben den Mitgliedern, der Genossenschaft sind weitere 15 Arbeiter aus Tel-Aviv bei dieser Arbeit beschäftigt. * .Laut den offiziellen Daten der Regierungsind im Jahre 1927 in Palästina Gebäude im' Werte von 707.064 Pfund aufgeführt worden. Im Vergleiche mit den vorhergehenden zwei Jahren ein bedeutender Küciklgang. Im Jahre 1926 wurden in Palästina Gebäude im Betrage von 1,140.965 Pfundy im Jahre 1925 im Betragje von 2,058.705 Pfund erridhtet. Den größtem Rückgang hat Tel-Aviv zu verzeichnen. Dort wurde im Jahre 1925 um 1,472.820 Pfund im Jahre 1926 um 276.923 Pfund1, im Jahre 1927 aber nur um 60.000 Pfund gebaut. Eine gesteigerte Baubewegung war in Jerusalem festzustellen. Dort betrugen; die Gebäude im Jahre 1927 412.642 Pfund, um 9000 Pfund mehr als im Jahre 1926 und um 180.000 Pfund mehr als im Jahre 1925. Auch in Sichern war uac)h' dem Erdbeben eine starke Baubewegung zu verzeichnen. Es waren 85.861 Pfund gegenüber 14.554 im Jahre 1926. Seit Anfang 1928 ist in Tel-Aviv ein stetes Steigen der Bautätigkeit festzustellen, * Unter den Arbeitern der Eisenbahn, der Post und des Telegraphiendienstes verlautet, daß die Regierung ihr Defizit durch.1 Lohnkürzungen und Entlassungen! beheben will. Am 24. Juni fand in Jerusalem ein, von der Organisation der Eisenbahn-; Post- und Telegtpapihenarbeiter einberufenes Protestmeeting1 statt. Es erschien eine große Zahl jüdisctner und arabischer Arbeiter, es kamen auch Polizeimänner, die darauf hinwiesen1, daß ein engliscibjer Polizedmann das dreifache Gehhlt als ein Palästinenser bezieht. soll die Turnsektion eröffnet werden, der bestehende „Jüdische "Arbeiterschachklub Andermann" soll dem „Cheruth" angegliedert werden. Die neugewählte Leitung geht energisch daran, den „Cheruth" nach allen Richtungen hin auszugestalten. Der „Cheruth" ist berufen, die Erbschaft der einstigen „Hakoah" anzutreten. Ihm fällt die Aufgabe zu, den jüdischen Sport vom Geschäfte, vom Menschenkaufe zu trennen. Er wird es sich zur Aufgabe machen müssen, die jüdischen Massen für den Sport zu erobern. Er wird auch der heuchlerischen Losung vom „unpolitischen Sport" entgegentreten. Als jüdischer Arbeitersportklub wird er sich in den Dienst der jüdischen Arbeiterschaft und ihrer Bewegung stellen. Als Teil der Arbeiterschaft dieses Landes, wird er sich der proletarischen Sportbewegung anschließen. Schwere Aufgaben harren des „Cheruth" in der nächsten Zeit. Er wird sie nur dann zu erfüllen vermögen, wenn die jüdische Arbeiterschaft und alle Freunde des proletarischen, jüdischen Sports ihn unterstützen werden. Wir erachten diese Unterstützung als Pflicht für alle Genossen und Freunde. 600.000 Stromabnehmer der Wiener städtischen Elektrizitätswerke. Die Zahl der Konsumenten der städtischen Elektrizitätswerke ist in den letzten Jahren gewaltig-gestiegen. Im Jahre 1913 gab es in Wien nur 92.000, Ende 191S schon 159.049 und Ende 1927 hat sich1 die Oesterreich. Die bürgerlichen Zionisten täuschen sich. Die „Stimme", das Organ des Zionistischen Landeskomitees, glaubt die Katzenjammerstimmung in den eigenen Reihen durch die Verbreitung des Gerüchtes, daß in der „Vereinigung der werktätigen Juden" ernste Konflikte ausgebrochen sind, auszutreiben. Die Herren fürchten die herannahenden Kultuswahlen. Die Herren Ing. Stricker und Dr. Plaschkes haben ein politisches Manöver veranstaltet, sie haben ihre Mandate zurückgelegt, weil sie — ausgerechnet knapp vor den Neuwahlen — erkannt haben, daß die Koalition mit der „Union' mit den zionistischen Aufgaben unvereinbar sei. Die Herren vom Landeskomitee schieben nun die Schuld an diesem „unpopulären Bündnis" dem Herrn Stricker, unter dessen Leitung die Koalition zustandegekommen ist, zu. Wahr ist natürlich, daß beide Teile für diese Politik des Verrates verantwortlich sind. Die Herren vom Landeskomitee werden sich von dieser 'Mitschuld nicht reinwaschen. Vor den Massen der jüdischen Bevölkerung werden wir sie zur Verantwortung ziehen. Die Herren dürfen sich nicht einbilden, daß sie sich mit der dummen Phrase „die So- Genosse Achilah, als erster Referent, protestierte gegen die Tendenz, die Last des Defizits den kleinen Beamten aufzubürden, während man die großen Gehälter der hohen Beamten nicht angreift. Die kleinen Beamten entläßt man und zur selben Zeit bringt man aus. England Beamte, die kolossale Gehälter beziehen. Genosse J. Köllen verweist darauf, daß die Eisenbahn auch! heuer einen Betrag von 45.000 Pfund und der Telegrapliendienst einen Betrag von 30.000 Pfund ah Reingewinn gebracht haben. Es sei deshalb keine Berechtigung vorhanden, an Eisenbahn, Post und Telegraphendieüst zu ersparen, die Feiertage und Urlaubs^zeit nicht zu bezahlen. Es sind entsprechende Resolutionen gefaßt worden und es wurde beschlossen1, für di* gemeinsame Organisation der jüdischen und arabischen Arbeiter eine neuerliche Werbetätigkeit aufzunehmen. * Am 28. Juni fand in Tel-Aviv die erste Hauptversammlung der Arbeitei"lebenlsversichea*ungsgesellsichk.ft Palästinas „Haaneh" statt. Es erschienen Vertreter von -1310 Aktien. Dem Berichte des Sekretärs Genosse Muntschik war zu entnehmen, daß dag Jahr 1927, nach Abzug aller Ausgaben und auch eines Teiles der Gründungs- und Organisationsgaben, die im ersten Geschäftsjahre besonders heeih sind, einen Reingewinn von 120 Pfund, aufweist. Der Gewinn wurde dem Reservefonds zfugeführt. Nach der Erledigung einiger Angelegenheiten wurde die Verwaltung durch die Genossen Rechtsiaarwalt Jakob Ben-Meiir, M. Jeschiwitz, Sch. Kaplansky und M. Krapnik ergänzt, * Am 17. Juni fand in New-York im Hotel „Pensylvania" die Jahreskonferenz des nationalen Arbeiterkomitees inl Amerika für die organisierten jüdischen Arbeiter in Zahl der Wiener Konsumenten auf 545.421 erhöht. Es ist demnach seit dem Anfang des Jahres 1914 dte Zahl der Stromkonsumenten auf das Sechsfache gestiegen'. Hiezu kommt noch die ansehnliche Zahl der Strom* abnehmer in den an das Ueberlandnetz der " Wiener städtischen Elektrizitätswerke angeschlossenen siebzig; niederösterreichischen und burgenländischen Gemeinden, so daß gegenwärtig gegen 600.000 Strom konsumenten gezählt werden. Allmonatlich werden gegen^ viertausend Neuanschlüsse durchgeführt. Dementsprechend ist die Stromversorgung von 199 Millionen im Jahre 1913 auf 267 Millionen im Jahre 1918 und jetzt auf 520 Millionen Kilowattstunden gestiegen'. Die größte Stromerzeugung im Jahre 1927 war am 23. Dezember mit 2,098.705 Kilowattstunden, die kleinste am 12. Juli mit 1,139.433 Kilowattstunden, Aus den Zahlen' über die Steigerung der Stromerzeugung, sowie der Konsumenten ist deutlich zu ersehen, daß sich die Verwendung von elektrischer Energie in den weitesten1 Kreisen der Wiener Bevölkerung Bahn gebrochen hat. Nicht nur das elektrische Licht und die Verwendung des elektrischen Stromes zum Antrieb von Motoren, auch seine Verwendung zu Koch- und Heizzwecken! ist nunmehr wirtschaftlich' geworden. Die Steweausstellung der städtischen Elektrizitätswerke erfreut sich1 eines;ebenso| regen Besuches wie die populären Kochvorführungen, die im Vortragssaal des Direktionsgebäudes abgehalten werden. Im Jähre 1927 wurden von den städtischen Elektrizitätswerken! insgesamt 162 Vorträge über elektrisches Kochen vor insgesamt 9000 Zuhörern abgehalten. (Entgeltlich1.) zialdemokraten wollen die jüdische Gemeinde zertrümmern" aus ihrer Verlegenheit herauswinden werden. Diese Lügen haben sehr kurze Beine. Was Herrn Stricker vor vier Jahren nicht gelungen ist, wird den Herren des Landeskomitees heuer gewiß nicht gelingen. Unsere Genossen können bereits auf ihre vierjährige Tätigkeit in der jüdischen! Gemeinde 'hinweisen. Die Zionisten werden sich schon bequemen müssen, den jüdischen Wählern über ihre „Tätigkeit" zu berichten. Wir werden es nicht verabsäumen, ihnen ihr Sündenregister vorzuhalten. Es wird den bürgerlichen Zionisten noch recht bange werden. * Exekutive der „Werktätigen Juden". Im Berichte über den Delegiertentag der „Vereinigung der werktätigen Juden" wurde irrtümlicherweise Dr. Fritz Spitzer-unter den Mitgliedern der Exekutive nicht aufgezählt. * Kanzleier Öffnung. Genosse Dr. Rudolf Glanz verständigt alle Genossen und Freunde, daß er sich seine Anwältskanzlei im 1. Bezirk, Teinfaltstraße 5, eröffnet hat. Palästina statt. Es beteiligten sich an diester Konferenz gegen 250 Delegierte aus allen Teilen der Vereinigten Staaten und Kanadas. Genosse Hamlin berichtete, daß heuer 140.000 Dollars bereits gesammelt wurden. Ungefähr 50.000 Dollars sind noch in den verschiedenen Ortschaften, 85.000 Dollars sind nach Palästina bereits überwiesen' worden, außer den Setzmaschinen, die für den „Dawar" eingekauft wurden. Die Konferenz beschloß in Palästina: eine Institution für die berufliche Heranbildung der arbeitenden Jugend zur Erinnerung an Max Pine zu gründen, * Im Jahre 1927 hat Kutenbergs Elektrizitätswerk an Strom für Zimmerbeleuchtung: allein geliefert: in Jaffa- Tel-Aviv an 5324 Abnehmer (58.323 Lampen); in Chaifa an 1906 Abnehmer (20.856 Lampen); in Tiberius an 227 Abnehmer (2679 Lampen). * i Anläßlich des neuen Budgetjahres haben! beide medizinische Institutionen in Palästina. — die „Hadassa" .und' die Arbeiter-Krankenkasse (Kupath Cliolim") — 'ihre Budgletvorschläge gemacht. Das Budget der „Hadassa" sieht 10 Prozent der Eingänge im Lande und 90 Prozent im Auslande, das der „Kupath Cholim" '70 Prozent der Eingänge im Lande und 30 Prozent im Auslände vor. * Die Zentrale der Einkaufsgenossenschaften der Großhändler Englands hat bei der Konsumgmosisenschaft der Arbeiterschaft Palästinas ,-,Hamaschbir'' 23.000 Kisten Oran. gen bestellt. * "I In der Kwuzah „Giwath Haschloschah" nächst Petadh- Tikwah wurde eine Websdhule eröffnet. Der Zweck dieser Schule ist, die Genossinnen der Siedlung für die Heimarbeit heranzubilden, j,.'. Aus der Bewegung.