Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- Heft 12 (25.7.1928)
- Date
- 1928-07-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DerjGdfeche Arbeiter Nr. 12 Deutschland« Die Beschlüsse der Bezifkskonferenz der Poale Zloü in Hamborn* Wie bereits berichtet, fand am 3. Juni in Hamborn •eine Konferenz der Poale-Zion in Rheinland-Westfalen, statt. Wir veröffentlichen hier die Beschlüsse, die in dieser Konferenz gefaßt wurden: I. Die .Bezirkskonferenz der P.-Z. von Rheinland-Westfalen, fordert vom C.-K. der deutschen P.-Z., unverzüglich die nötigen Schritte 7Ai tintornehmen, damit die Vertreter fler P.-Z. im A. C. der zion. .Exekutive verla.ugen: 1. Daß die zion. Exekutive bei der Mandatarmacht gegen die Ausweisung der Juden aus Palästina ans politischen Gründen protestiert. j , i 2. Daß sie bei der Majiclata.rmacht gegen die unwürdige .und allen modernen Rechtsbegriffen hohnsprechende Behandlung jüdischer Arbeiter in den Gefängnissen Palästinas protestiert. 3. Daß sie schleunigst Schritte unternimmt, die vom letzten Zionistenkongreß geforderte chaluzische Einwanderung zu ermöglichen. 4. Daß sie die K. II. Gelder gleichmäßig für alle Budgetposten auszahlt und niclht wie bisher, einzelne Posten (Hadassah) voll auszahlt und andere (Arheitsbudget) ganzstreicht. 5. Daß sieschleunigst Hilfsaktionen für die durch' die Naturkatastrophen in Palästina geschädigten Arbeiterwirtsch'afte'n durchführt. II. Das absolute Versagen des bürgerlichen Zionismus Zwingt die Arbeiterschaft z-u erhöhter Selbsthilfe. Die Bez.- Konferenz verlangt deshialb die Anerkennung des Primates der Paf-Aktionen, vor allen anderen zionistischen Finanzaktionen und fordert das Z.-K. auf, sofort Maßnahmen zu ergreifen, die die Intensivierung der Arbeit für den Paf bezwecken. III. Die Bez.-Konf. verlangt eine größere Aktivität der P. Z. in den jüdischen Gemeinden. Im Hinblick a.uf 'die im diesem Jahre stattfindenden Wählern zw preußischen Landesverban'dssammliing jüdischer OJeimeinden, fordert sie die endliche Aufstellung eines Programms1 der P.-Z., für die Arbeit in den Gemeinden; und Landesverbänden. Sie fordert ferner schon jetzt die Vorbereitung1 dieser Wahlen zxl beginnen und diese für eine iimfangriea,cih'e P.-Z. Propagandatätigkeit auszunutzen. Sie verlangt prinzipiell, daß möglichst in allen Orten ein Wahlkampf für die Gemeindevertretung durchgeführt wird. IV. Wir begrüßen das Zurückdrängen! des Einflusses Öer Chawerin, die für einen Eintritt der P.-Z. in die Z. V. f. D. eingetreten sind. Dagegen fordert die Bezirks- K'onferenz vom Z. K. auf Schaffung einer territorialen tomistischen Arbeätsjgemieinsch'aft auf paritätischer Grundlage, gemäß des Beschlusses des' 15. Zionistea-Kongresses, zu dringen. Die Bezirks-Konferenz betrachtet den zionistischen Aktions-Ausschuß für Rhfeinland-Westfalen als Vorstufe der territorialen Ai-beitsiglemeinscihaft und beatiftragt das Bezirks- Sekretai-iat, Vierhianldllungen zwecks Eintritt der P.-Z. in den zionistischen Aktions-Ausschuß aufzunehmen und abzuschließen. . Resolution V. Die Konferenz verpflichtet alle Ortsgruppen und Einzel-Ch'awerim, die Beiträge für das Zentral- Kommiteene regelmäßig am 1. einfetsi jeden Monats abzu- 'führen. In läjllen Orten, in denen Einanzarbeit für das Z. K. nicht geleistet wurde, ist die Einantaarbeit zu reorganisieren, eventuell neue Einanzkommissionen oder Vertrauensleute zu 'ernennen. Die Haltung des Parteiorgans,- des Wiener Jüd. Arbeiter dst obligatorisch für alle Chaweiitn. Resolution VI. Die Bez.-Konferenz beschließt, die Arbeit im Bezirk zu intensivieren. Zu diesem Zwecke schafft die Konferenz folgende Dezernate, die das Bezirks-Sekretariat bilden. 1. Politisctoes Dezernat, 2. Gemeindepolitik, 3. Paf., 4. Kulturarbeit. Das politische Dezernat wird aufgefordert, regelmäßige Rundschreiben zur Belebung der Ortsgruppenavbeit erscheinen zu lassen. Das Dezernat Gemeindepolitik wird beauftragt, einen Entwurf für ein Programm der P.-Z. für die Arbeit in den Gemeinden und Landesverbänden auszuarbeiten und dasselbe dein Z. K. als Antrag weiterzugeben: Die Konfeienz beauftragt das Bezirks-Sekretariat, spätestens nach Ablauf eines halben Jahres erneut eine Kon- ■fetrenz einzuberufen. Die Konferenz setzt den Beitrag* für das Bezirks- Sekretariat auf 20 Pfg. pro Chawer und Monat fest. Resolution VII. Die in der Bedtritts-Erklärung als Vorbedingung zur Aufnahme geforderte Anerkennung Oeoc unter 1, 2 und 3 formulierten Grundsatze dea Poale- Zionismus, ist für jeden, unser Formular Unterzeichnenden unverbindlich, da nach diesem sowohl evolutionäre als revolutionäre Sozialisten Aufnahme finden können und somit die Partei zum Tummelplatz zweier, sich erbittert bekämpfender, sozialistischer Richtungen gemacht wird. Wir fordern dalier die sinngemäße Aufnahme, der unsere Partei als marxistische kennzeichnenden Stellen, an» den unter 1 und la niedergelegten Grundsätzen unseres Programms, sodaß die Beitritts-Erklä.rung nunmehr folgenden Wortlaut hätte: Ich erkläre hiermit, daß ich die Grundsätze des Poale- Zionismus anerkenne: 1. Die Umwandlung, der kapitalistischen Gesellschaftsordnung in ein sozialistisches Gemeinwesen auf dem marxistischen Wege des professionellen und politischen Klasse nkampf e s. 2. Die allweltliche Einheit und Selbstbestimmung des jüdischen Proletariats als ein Teil des internationalen Proletariats. 3. Und weiter wie bisher. Resolution VIII. Die Bezirks-Konferenz erklärt, daß die Tätigkeit des Z. K. \ind des Zentralrates. in der Einstellung zur ZVfD, der Mcihtausnutzung des Waihierfolges zum Zionisten-Kongreß, der dauernden Verstöße gegen die Partei-Demokratie nicht im Einklang steht mit dem Willen der Partei. Sie fordert daher die schleunigste Einberufung einer Partei-Konferenz. Als wichtigste Aufgabe der Konferenz fordern wir die Schaffung eines Parteiprogramms auf der Grundlage des revolutionä,reu, klassenkämpfeiiscllien Sozialismus. Das Z. K. soll Sorge tragen, daß der' Programm-Entwurf spätestens 8 Wochen vor der Konferenz der Partei bekannt gemacht wird. Als Tagungsort schlagen wir einen Ort des Rheinlandes vor. * Bericht aus Duisburg. Seit einigen Monaten besteht in Duisburg eine Poale- Zion-Gruppe, die regelmäßige Zusammenkünfte hat. Es gelang der Gruppe, auch nichtjüdische Sozialisten zu Vorträgen heranzur/iiehlen. So sprach, kürzlich! der Vorsitzendeder sozialdemokratischien Partei von Duisburg Vor der Gruppe. Am 3. Juni fanden in Duisburg; Wahlen zur jüdischen Gemeinde statt. Obwohl die Poale-Zion! prinzipiell bei Gemeindewahlen immer mit eigenen Listen in den Wahlkampf geht, hat sie in Duisburg, wo bis heute kein Proportionalwah'lreciht besteht, die Liste des „Jüdischen Einheitsblockes" stillschweigend unterstützt, um den Sturz der Liberalen Partei hterbeizufüha-en. Die bürgerlichen Zionisten sollten sich darüber klar sein, wem sie den Sieg des Einheitsblockes zu verdanken haben. Ereilich werden sich die Poale-Zion durch: Lobsprüche der Zionisten (nationales Verantwortungsbewußtsein) nicht davon abbringen lassen, PICK NÄHMASCHINEN mit kostenlosem Stickunterricht FAHRRÄDER 1928 Auch gegen Teilzahlung!! Reparaturannahme aller Systeme! IX., Liechtensteins!!*. 27, IV., Wiedner Hauptstr. 8 Telephon A 16-5-64, A 16-5-65, A 30-0-36 Schreibmaschinen, Knopfpressen und Zugehör. Sport« und Touristenartikel Leb ens versieh er ungs**Ges ellschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Versicherungsbestand Bode Februar 1928: S 1,550,000.000'- Garanüemlttel Ende 1927: » 190,000.000'- Prämien- und Zinseneinnahmen Im Jahre 19271 S 70,000.000 — TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarien,Grlechenland,Türkel,Aegypten,Palä8tina. Pensions-Versicherung mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55«, 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unverfallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs* Aktien* Gesell Schaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schelliitggasse Nr. 1 bei einer späteren Wahl, die im Zeichen des Proportionalwahlreqhtes vor sich geht, auch die Rolle dieser Klee- Partei vor den jüdischen. Massen zu entlarven. Trotz des Wahlfiebers nahrneii die Duisburger Poalev Zionisten, an der am 3. Juni in Hamborn stattfindenden Bezirkskonferenz regen Anteil, nachdem am 2. Juni, F. Rabinowicz vom Berliner Z. K., in Duisburg,, vor einer überaus großen und interessierten Zuhörerschaft über die- Lage der palästinensischen Arbeiterschaft imd die Lage im Zionismus, unter großem Beifall gesprochen hatte. Einen weiteren starken Impuls für die Arbeit empfing; die Gruppe durch das Referat von Evitz Eraenkel, dem Sekretär der deutschen Partei. Das Referat, dem sich' eine lauge Diskussion anschloß, hat durch die Klarheit und Schärfe der Beweisführung, mit der er an die Analyse der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung im deutschen. Jndentum, herangegangen wurde, viel zur Aufklärung der Duisburger jüdischen Oeffentlichkeit beigetragen. Benno Sehr Tschechoslowakei. Arbeitsgemeinschaftderpoalezionistischen Jugend. Brünn. Kurz nach unserem Parteitag in Brünn; referierte Gen. E. Lindenbaum, in einigen Jugendorganisationen, über das Programm der „Poale-Zion". Er besprach die poalezionistdsclbe Politik in den Galutbländern, wie auch, das Werden und Wachsen des „Arbeitenden Erez-Israel". Als Erucht dieser Arbeit, hauptsächlich aber dank dem Hinauswollen der modernen jüdischen Jugend aus der Enge ihres büagerliclhen Seins und ihrem Streben nach einer sozialistischen Weltanschauung, 'entstand eine poalezionistisdhe Arbeitsgemeinschaft, die sich zum Ziele gesetet hat,, poalezionistiseihes Wissen innerhalb ihrer Mitglieder und der jüdischen Jugend überhaupt, zu verbreiten. Trotz der heißen Sommermonate und der Eea'ien, fand schon eine ganze Reihe von Referaten und Sicihoth statt. Es bestehen gegenwärtig, unter der Leitung des Gen. Lindenbaum, zwei Vortragsreihen: a) Aus der Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung und b) Probleme der marxistisehen Nationalökonomie. Nach den Eerien hoffen wir unsere Arbeit auf eine breitere Basis zu stellen und so wirkliche, organisatorische* und Aufkläanngsarbeit im poalezionistiscihieni Sinne leisten zu können. Und daß die letztere von großer Bedeutung für die jüdische Jugend der Tsch. S. R. ist, beweisen die Diskussionsartikel der letztem' Wocihen ,in der „Selbstwehr". Immer lauter werden Stimmen innerhalb der zionistischen Jugend, die einen wesentliclieoi Unterschied zwischen den ziion!. bürgetrl. Jugendorganisationen und der sioz. zion. Jugendbewegung sehen. Diese ermutigende Tatsache ist für tuns die stärkste Verpflichtung den poalezion. Gedanken: in die Jugend zu tragen. E. * Mitteilungen des Parteisekretariates für die Tschechoslowakei, Brünn. 1 Unsere Aktion: für den „Jüdischen Arbeiter" muß in. den 'nächsten Wochen viel intensiver g-eführt werden. Davon hängt es in erster Reihe ab, ob es uns gelingen wird, die Zeitung unseren Bedürfnissen entsprechend auszubauen. Zu diesem Zweck© müssen Hunderte neuer Abonnenten ge-, wonnen werden. Wir müssen auch Inserate für die Zeitung werben. 2. Alle unsere Ereunde, die in Ortschaften wohnen, in denen es keine poalezion. Ortsgruppen gibt, werden ersucht, ihre Adresse' dem Sekretariat mitzuteilen. "3. Alle für unser Büro bestimmten Zuschriften, sind bis auf weiteres an die Adresse des Genossen S. Kessler, Brünn, Herrengasse 12, (für „P.-Z.") zu richten. w. * Buchbesprechungen g Löbel Taubes: Talmudische Elemente im jidd isch'en Sprich'worte. (Jiddisc'h). Verlag des Verfassers, IX., Liechtensteinstraße 60. Der Autor hat dieses Thema mit außerordentlicher Sachkenntnis und mit viel Liebe behandelt. Er eröffnet uns den Einblick in eine neue, vielen verschlossene Welt. Das Buch' kann uns als Beweis dienen, wie tief der alte jüdische Geist, der jüdische Scharfsinn in die jiddische Sprache eingedrungen sind. Wir empfehlen dieses Buch allen Genossen und Freunden, die der jiddischen Sprache mächtig sind. * Zehn Jahre Hech'aluz in derC. S. R. (Im Selbst- Verlage des Hechaluz, Landesverband für die C. S. R., Mähr.-Ostrau). In einer knappen, sehr sachlich gehaltenen Broschüre, schildert der Landesverband des Hechaluz für die C.S.R. die 10jährige Tätigkeit des Hechaluz in der Tschechoslowakei. Die Tätigkeit erstreckt sich auf alle Gebiete der „Hachscharah" und hatte besondere Erfolge durch die Heranbildung in den 3 Farmen (Bratislava, Neutitschein, Komotau)) aufzuweisen. In Palästina genießen die Ch'aluzim aus der Tschechoslowakei einen besonders guten Ruf. Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantwortL Bedaktemr: Markus LochB, Angestellter, Wien, II., Gr. Sperlgasse 19. — Druck: „Adria", Wien, II., Taborstraße 62b.