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Der Jüdische Arbeiter · 1928-07-13 · Heft 11 (13.7.1928) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
5 (1928)
Issue
Heft 11 (13.7.1928)
Date
1928-07-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nf. 11 Der jüdische Arbeite? Seite 3 lassen. Durch zielbewußte ..poale-zionistische Politik können 'die inneren Gegensätze in der Partei auf ein Minimum reduziert werden, und der Partei so der Weg freigegeben werden für eine weitere Ausdes, eine der interessantesten Persönlichkeiten des Josef Barondes gestorben. Am 20. Juni starb' in New-York Joseph Baronders, eine der interessantesten Persönlichkeiten des amerikanischen Judentums. Barondes, der am 3. Juli 1867 in Kamenez Podolsk zur Welt kam, war einer der Pioniere der jüdischen Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten. In späteren Jahren wandte er sich der allgemeinen jüdischen Bewegung zu. Er war Vorsitzender des Jüdischen Kongresses gewesen und leitete den Nationalfonds in den Vereinigtem Staaten. Barondes zählte zu den beliebtesten Volksmännern des jüdischen Amerika. Er war ein hervorragender Volksredner. Die jüdische Arbeiterschaft verlor durc¥~ den Tod Joseph Barondes' einen seiner treuesten Freunde, das Judentum eine interessante führende Persönlichkeit. Berlin-Wien. Die K Ii11, u s w a Ii' 1 e h u u d d e r Ausb a. u d e r j ü d is c Iren Gemeinde. ,. Wir sind .es .in .Wien gewohnt, das Interesse für jüdische Angelegenheiten" immer nurdann' im Vordergrund zu sehen, wenn eine Gruppe etwas will, oder wenn gewählt wird. Im Wahl- oder. Vorwalilfieber entsteht das „Interesse" der Parteien für die jüdische Gemeinde, das dann, wenn die Ma.ndatserate eine regierungsfähige Mehrheit in die Kultusstube gebracht hat, so liquidiert wird wie die jüdischen Angelegenheiten selber. Die jüdische Gemeinde bleibt'weiter ein Bild eines sozialen Verfalls, der nur aus der Interesselosigkeit der Herrschenden zu erklären ist. Wo in aller Welt könnte sonst eine „Union" sich dem primitivsten Selbstverständlichkeiten einer modernen Gemeindeverfassung' und -Verwaltung so lange widersetzen? In welcher Großgemeinde wäre es sonst noch möglich, daß die dringendsten Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung, Armenwesen, Fürsorge, Erziehung und Volksbilduagsarbeit, nicht geregelt werden, weil eben ©in an Wahlen zwar interessierter Klüngel nach! der Wahl für die Lebensnotwendigkeiten der jüdischen Bevölkerung schon gar kein Interesse mehr hat? Di© Tätigkeit' der Wiener jüdischen! Gemeinde bietet gar nicht das Bild einer andauernden Beschäftigung nach sachlichen Programmen und Prinzipien. Es scheint kenierlei Zielsetzung, keine Aufgabe scheint dieser Gemeindeverwaltung gesetzt zu sein. Planlos werden bestehende Institutionenausgehalten und unterstützt, ebenso planlos wird manchmal eine Neugründung vorgenommen, alles aber ohue Hinblick auf ein Arbeitsprogramm, eine richtige Gelegenheitsverwaltuug. Die Lage der jüdischen Bevölkerung wird überhaupt gar nicht erforscht, ihre Bedürfnisse innerhalb der Grenzen örtlicher Bezirke! wird gar nicht festgestellt. So kann die Gemeindeverwaltung gar nicht wissen, was die Juden in den Bezirken brauchen und wie' unzulänglich die bestehenden Institutionen sind. Die jüdische Gemeinde in Wien kennt das Wort. Statistik nicht einmal dem Naineh. nach,*, sie verfügt über keine Zahlen, die überdie Matrikeldaten; hinaus uns zeigen ■ könnten, wie erteilt habein. Die Zentralbiblioth'ek erhielt durch A^'ei-mitthing des P. A. F. eine Büchlersammlung von dem „Verein der Freunde des arbeitenden Palästina"-Wien, die 600 Bände enthält. Weiterhin ist das Geschenk! erwähnenswert, das die Zentralbibliothek aus dem durch! die amerikanische Schuljugend gesammelten:. Fond, „Ner. Tamid"', erhielt. * ■ Nach langdauernden Vorbereitungen und dank der Hilfe des Tel-Awiwer Arbeiterrates wurde Ende Mai in Jerusalem die Ausstellung der Arbeiterjugend eröffnet. Es wurden 130 Gegenstände von ungefähr 50 Genossen, darunter Steimmetzerei-, Holz-, Textil-, Schmiede-, Eisen-, guß-, Schneiderei-, Glaserei- und andere Arbeiten ausgestellt. Die meisten Gegenstände wurden in der Werkstatt, die neben dem Arbeiterjugendklub existiert, verfertigt. Einige darunter zeichnen sich' durch eine bedeutende künstlerische Fertigkeit aus, so besonders eine Miniatur-Morse- Telegraphenstation, die* mit Hilfe von Elektrobatterien funktioniert und den Besuchern den Empfang und das Senden von Telegrammen vor Augen führt. * Bekanntlich fand am 11. und 15. April in Warschau die erste Konferenz für das „Arbeitende Palästina" in die jüdische Bevölkerung; Wiens lebt und welche Einrichtungen sie benötigt. Und wenn die Hiobsposten der natürlichen Bevölkerungsbewegung, die Zahlen der Geburten und Sterbefälle verlautbart werden, dazu noch etliche Male im Jahr die Anzahl der Eheschließungen, so t>efestigt. sich in der unvoreingenommenen, jüdischen Bevöl kerung der Eindruck, daß die jüdische Gemeinde nur zu einzelnen Tatsachen im Leben der Juden Stellung nimmt, das jüdische Leben aber nicht organisieren, leiten und befruchten kann. Sehen wir auf andere große Städte Mitteleuropas, vor allem auf die Großgemeinde Berlin. Auch sie hat ihre Liberalen, die aber mit ihren Taten und Katschlägen auf die Wiener „Union" gar keinen Eindruck machen. Die imponierende Organisation des. Berliner jüdischen Gemeinwesens ist dort von Menschen geschaffen worden, die für das tagtägliche Leben! der jüdischen Bevölkerung verantwortlich sein wollen und die in erster Linie, die richtigen Einrichtungen geschaffen haben, die bestehenden Einrichtungen nach den einzig richtigen Gesichtspunkten ausgebaut. haben. Die Berliner jüdische Gemeinde pflegt, die Statistik des jüdischen Lebens, in einer sorgfältig ausgearbeiteten regionalen Gliederung werden die Lebensbedürfnisse der Bevölkerung örtlich', befriedigt, Armenwesen, Fürsorge, Unterricht und Volksbildung sind zentralisiert und doch. wieder in den einzelnen Verwaltungsbezirken, so planmäßig durchgeführt, daß auch die schwächst besiedelten Vororte der Riesenstadt ihren jüdischen Bewohnern die Einrichtungen der jüdischen Gemeinde darbieten.' Und dieser Aufban, von dem Ernst der Gemeindeverautwortlichen getragen, kann Jahir für Jahr auf große Erfolge, grundlegende Neuerungen hinweisen, während wir in Wien nur mühsam Altes, vielleicht nicht mehr ganz Zeitgemäßes erhalten und keine nennenswerte Neuschöpfung' begrüßen können.*) Freilich in der Berliner Großgenieinde spielen die Schlagworte, d,ie für die hiesigen! Herrschenden eine bequeme Ausrede bieten, warum sie nichts leisten, gar keine Rolle. Dem Charakter der Juden in Deutschland entspricht ein Verantwortlichkeitsgefühl, das die „Union" nie gekannt hat. Haben doch die Berliner Liberalen gegen die Forderung einer Volksgemeinde überhaupt keinen Einwand erhoben, dies aus dem Grunde, weil sie vor Worten keine Angst haben und den Inhalt dieses Wortes aus ihrer eigenen Arbeit kennen..... Und die Früchte dieser Arbeit? Die Berliner Gemeinde hat eben ein Budget von zehn Millionen Goldmark erreicht. Nur die sachliche, unentwegte, tagtägliche jüchsene Arbeit kann uns Wiener Juden in der jüdischen Gemeinde eine Zukunft erarbeiten. Wir müssen mit dem Gedanken aufräumen, daß es jüdische Angelegenheiten erst gibt, wenn Wahlen zu machten sind. Wir müssen der jüdischen Bevölkerung jahraus, jahrein mit voller Verantwortlichkeit dienen, ihre Lebensnotwendigkeiten wahrnehmen und sie von den Klüngeln der Mandaitsparteien befreien. Eine jüdische Vereinigung kann nur dann existieren und in den Kultuswahlkampf aufklärend und werbend eingreifen, wenn sie mitten im jüdischen Leben stehlt, der Bevölkerung hilft und tagtäglich für sie arbeitet. Alles andere ist Selbsttäuschung und Mandatsbetrug. Eine wirkliche jüdische Vereinigung, aus* der werktätigen Bevölkerung hervorgegangen und ihr dienstbar, kann *) Wer Interesse hiefür hat, lese das „Jüdische Jahrbuch für Groß-Berjin 1928". Polen statt. Die Konferenz erregte großes Interesse. An den Wahlen beteiligten sich 20.000 Genossen aus 110 Städten und an der Konferenz selbst nahmen 402 Delegierte teil (200 Poale Zion, vereinigt mit Z. S., 93 vom Haschiomer Hazair, 53 Hitachduthl, 43 Hechaluz, 7 von anderen Gruppen — Hapoel Haniizrachi' Unparteiische, (zwischen diesen Jizchak Grünbauni u. a.). Jedoch auf der Konferenz, wie auch vor und nach ihr, entstanden Konflikte, die den Wert dieses wichtigen Ereignisses bedeutend herabsetzten. Bei der Eröffnung der Konferenz und im Laufe der Konferenz selbst kam es zu Konflikte im Zusammenhang mit der Sprachenfrage. Beim Empfang der Delegation wurde der Vertreter der Poale Zion (vereinigt mit Z. S.), der die Konferenz in jiddischer Sprache begrüßte, gestört, und bei der Konferenzeröffnung erfolgten wiederum Störungen der Ansprache des Vertreters der „Tarbut", der hebräisch begrüßte. Auch in der Frag© der Organisationsform kam es zu einem Konflikt. Die Genossen von der Hitachdutb schlugen vor, daß die Tätigkeit für das' „Arbeitende Palästina" in Polen nicht durch' Ligen, die auf persönlicher Mitgliedschaft aufgebaut seien, sondern wie bisher durch die paritätischen Komitees für das „Arbeitende Palästina" durchgeführt werden sollten. Die Frage wurde von der Konferenz dem neugewählten Rate überwiesen und als dieser die jüdischen Massen erfassen und! aufklären. Kann ihheii das Bewußtsein bringen, daß sie nur durch' Selbsthilfe und tägliche verantwortliche Arbeit die jüdische Gemeinde zur zentralen Institution der Wiener Juden ausbauen' können. Diese Erkenntnis ist das LTm und Auf aller jüdisceh'n Arbeit; sie muß apich im kommenden Wahlkampf ' die Grundlage aller Volksaufklärung wie aller geistigen Auseinandersetzung mit unseren Gegnern bilden. Die „Histadruth" über die Vorfälle auf der Konferenz für das arbeitende Palästina in Polen. Das Exekutivkomitee der „Allg. Arb. Org." erörterte in seinen letzten Sitzungen die Lage, die in der Konferenz für das1 „Arb. Pal." in Warschau entstanden ist und beschloß einstimmig, Agende Erklärung in Palästina und im Auslande zu veröffentlichen: „Zirka 20.000 Personen haben an den Wahlen zur Konferenz für das ^Arbeitende Palästina" in Polen teilgenommen. Diese Tatsache zeugt vom dem großen ideelogischen Fortschritt, den das zionistische Werk der Arbeiter Palästinas in demjenigen Lande, in dem die jüdische Bevölkerung zahlreicher ist als in jedem anderen. Laude Europas, erreicht hatte. Das Exekutivkomitee der Arbeiterorganisation konstatiert mit Genugtuung die Tatsache der Konzentrierung lausender Genossen aus den Keinen der Jugend und der Arbeitenden in Polen und verzeichnet mit Freude das Aufleben der Bewegung und des Glaubens an die Bewegung, den das palästinensische Werk ins Leben des' polnischen Judentums hereingetragen hat. Das Exekutivkomitee sieht in den Massen, die sich an den Wahlen zur Konferenz beteiligt haben, den Kern chaluzischen Strebens in1 der neuen jüdischen Generation in Polen, dessen Aufgabe es ist, die Verantwortung für die zionistische Bewegung in der Diaspora zu tragen und an der Verwirklichung des1 Aufbaues im Lande teilzunehmen. Das Exekutivkomitee verzeichnet jedoch1 mit Bedauern, daß die Konferenz, die in Warschau zusammentrat,- die Hoffnungen, die die Arbeiterschaft im Lande an sie zu knüpfen berechtigt war, enttäuscht hat. Die Hauptursache des Scheiterns der Konferenz sieht das Exekutivkomiteein der Tatsache, daß die zwei Parteien, die "au ilvr teilnahmen — Poale Zion (ver. mit Z. S.) und Hitachduthl — die glänze Last der ihnen auferlegten Verantwortung nicht genügend empfanden und sich' von ihren Parteiinstinkten da.zu verleiten ließen, die ihnen obliegende Verpflichtung nicht zu erfüllen. Diese Tatsache machte sich im der Zersplitterung! der Tätigkeit für das;,Arbeitende Palästina" bemerkbar; die die Teilnahme aller uns! Nahestehenden in vereinigter Tätigkeit und ihre Konzentrierung um' das' Werk und1 die Bedürfnisse der jüdischen Arbeiter in Palästina, die sich der „Allg. Arb. Org." zusammengeschlossen haben, erforderte. Sie kam in noch stärkerem Maße im Sprachenstreita zum Ausdruck, der beim Empfange der Delegation der „Allg. Arb. Org." und inj der Konferenz selbst zu Situationen und Erscheinungien fnhrte,- die alle Freunde des „Arbeitenden Palästina" mit schmerzlichem Bedauern erfüllen müssen. auf seiner ersten' Tagung diesen Vorschlag zurückwies,, verließ die Hitachduth' den! Rat. Diese Ereignisse verzögerten den Beginn der Aktion' für das „Arbeitende Palästina" in Polen, an der die Genossen Feinstein, Beiß und Schurer teilnehmen sollten und die von der Konferenz! für das „Arbeitende Palästina" proklamiert worden war. Erst nach längeren Unterhandlungen und Bemühungen der Histadruth-Delegation wurden die Schwierigkeiten beseitigt und Anfang Juni hat in Polen eine große Aktion für das „Arbeitende Palästina" für den P. A. F. und die Arbeiterbank begonnen. Die Delegation der Histadruth beauftragte den Gen. Schurer, die Leitung der durch die Hitachduth durchzuführenden Aktion für die Arbeiterbank zu übernehmen und die Genossen Feinstein und Beiß wieder beteiligen sich an der Aktion des Komitees für das „Arbeitende Palstinäa". Auch das Exekutivkomitee der Histadruth hat die Ereignisse in Polen erörtert und beschlossen,- sich mit einer besonderen- Erklärung! an die Genossen in Polen zu wenden und ihnen die Stellung der Arbeiterschaft in Palästina zu den dortigen Ereignissen klarzumachen. Diesen Aufruf des Exekutivkomitees veröffentlichen wir an anderer Stelle.

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