Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- Heft 11 (13.7.1928)
- Date
- 1928-07-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Der jüdische Arbeiter Nr* 11 Es ist kaum anzunehmen, daß das Aktionskomitees eine Lösung dieser verworrenen Situation zu finden imstande sein wird. Es wird notwendig sein, an die zionistischen Massen zu appellieren, neuen . Geist in Öle zionistische Weltbewegung zu tragen. Nur eine Erneuerung der gesamten Bewegung, eine Aufrüttelung der jüdischen Massen kann den Weg ins Freie bahnen. .Wir steuern diesem Auswege zu. M. S. Wir fordern ein Programm! Ein Beitrag zur Diskussion in der Organisation der Poale-Zion in Deutschland. Von Fritz Frae n ke 1. Die innere Stärke einer Partei beruht auf der Zielsicherheit und Zielklarheit ihrer politischen Führung. Fehlt diese, sich auf alle Gebiete der Arbeit erstreckende-programmatische und taktische Bestimmtheit, so ist die Partei in entscheidendem Maße ihrer Schlagkraft und ihrer Anziehungskraft beraubt. Die .in jeder Partei vorhandenen Richtungsgegensätze können sich dann zu einer Gefahr für die Arbeit der Partei auswachsen. Wo bei der Führung der notwendige richtunggebende politische; Wille nicht in Erscheinung tritt, da wird die Partei leicht zum Schauplatz eines heftigen innerparteilichen Kampfes., Die Geschlossenheit des Parteikörpers, die die beste Bürgschaft für einen erfolgreichen Kampf nach außen hin ist, wird dann durch die inneren Gruppengegensätze zerstört. Für die Entwicklung einer Partei kann der Kampf der Richtungen sehr nützlich' sein. Werden die verschiedenartigen Elemente in einer Partei durch politische Schulung in die Arbeit so eingesetzt, daß Zweifel über die Marschroute, die politische Linie der Partei, nicht möglich' sind, so können die verschiedenen Meinungen wohl zu einer Bereicherung des •Parteilebens beitragen, ohne die Einheit der Partei zu gefährden. Läßt die Führung der Partei die Zügel aber schleifen, setzt die unheilvollste Verwirrung selbst über Axiome der Bewegung in der Parteimitgliedschaft ein. Eine wirksame Bekämpfung dieses Uebels ist nur möglich', wenn eine offizielle, richtunggebende, autoritative Aeußerung der Leitung in Gestalt eines Parteiprogrammes der Mitgliedschaft vorliegt. Allen von rechts und links kommenden Verwirrungsversuchen 'kann so der Boden entzogen werden. Seit langem schon ist die Schaffung eines Parteiprogramms in deutscher Sprache eine von weiten Kreisen 'der Parteimitgliedschaft erhobene Forderung. Aufgabe des nächsten Zentralkomitees wäre es, dieses Programm auszuarbeiten. Das Programm hat Stellung zu nehmen zu allen Fragen, die das jüdische sozialistische Interesse in Deutschland erwecken. Vor allem muß die Stellung der Partei zur Sozialdemokratie und zur Zionistischen Vereinigung, zum Kongreß und zur Gemeindearbeit klar und scharf formuliert werden. Unsere Stellung zur wirtschaftlichen Entwicklung im deutschen Judentum, unsere Auffassung über die Lage in Palästina, unsere Arbeit für Palästina, all dies sind Fragen1, die einer eingehenden Behandlung und Beantwortung von Seiten des Par- Palästi na-Rundschau. Die Tätigkeit der Arbeiterjugend. — Die zentrale Bibliothek der Arbeiterschaft — Die Ausstellung der Arbeiterjugend. — Die Aktion für das arbeitende Palästina in Polen. Zur Zeit der Gründung der Arbeiterjugendorganisation, als sie mit ihren ersten Organisationsversuchen begann, wahren in Tel-Awiw viele jugendliche Arbeiter vorhanden (12,3 Prozent von der allgemeinen Zahl), die ohne jedes Gehalt arbeiteten. Jetzt ist ihre Zahl bedeutend, bis auf 3 Prozent der Gesarntzajd, gefallen. Dieses günstige Ra- •STiltat zeugt von der Leistung der Organisation. Im Gegensatz zu anderen Punkten im Lande ist in Tel-Awiw die Zahl der ungelernten jugendlichen Arbeiter verhältnismäßig gering. Die Mehrheit der Genossen! in Tel-Awiw arbeitet in der Schlosserei, der Tischlerei und bei, Bureaua.rbei[ten, die Genossinnen zumeist im Haushalt, teilweise auch in Webereien1. Die Kai'tonnageindustrie ist der Hauptzweig, in dem die jugendliche Arbeiterin: festen Fuß gefaßt hat. In der Abteilung der Arbeiterjugendovganisaition i,n Tel- Awiw sind 60,8 Prozent aller jugendlichen Arbeiter und 39,3 Prozent der arbeitenden Mädchen Tel-Awiws organisiert. Seit dea* Gründung der Organisation ist eine merkliche Besserung aller Arbeitsbedingungen der Arbeiterjugend in Tel-Awiw eingetreten. Im Jalirel 1925 arbeiteten bloß teivorstandes harren. Wir möchten unterrichtet sein über die. jüdische Arbeiterbewegung in allen Ländern, wir möchten eine ernste Behandlung des Problems: Religion und Freidenkerbewegung, auch nicht länger vermissen. Durch solche autoritative Aeußerung der Leitung hätten wir ein geeignetes Mittel zum Kampf gegen diejenigen Elemente in der Partei, die die Grunderkenntnisse der Partei nicht anerkennen, ganz abgesehen davon, daß wir nach außen hin.eine werbende Kraft erhielten.; Grundlegende Differenzen über die augenblickliche Arbeit der Partei könnten und dürften unter der Mitgliedschaft dann nicht mehr entstehen. Wohl ist der Rahmen der Ppale-Zion weit genug, um Men- SGhen aufzunehmen, die über die Fundierung des Poale-Zionismus nicht einer Meinung' sind. Mögen Menschen bei uns sein, die durch' soziologisches Denzen Poale-Zionisten geworden sind, mögen andere Parteigenossen aus ethischen; Gründen zu uns gekommen sein, das ist nicht entscheidend. In unseren Reihen ist für Marxisten, für Empirokritizisten, ja selbst für religiöse Sozialisten Platz — doch über die praktische zionistisch-sozialistische politische Arbeit darf es keinen Streit geben, will sich unsere Bewegung nicht des Rechtes begeben, als, eine Partei aufzutreten. Vor allem muß das Programm dem Kampf um die „rechten Abweichungen" endlich einmal ein Ende bereiten Unter den Parteimitgliedern in Deutschland sind nicht wenige, die durch ihre persönliche soziale Lage einen engen gesellschaftlichen Kontakt zur zionistischen Bourgeoisie unterhalten. Diese Menschen, die nicht dem proletarischen Lager entstammen, kön- "nen der Bewegung sehr viel nützen, wenn sie sich den von den Interessen des jüdischen Proletariats diktierten Parteitendenzen unterordnen. Versuchen diese Elemente jedoch', die Richtung' der Partei nach' ihren Xlasseninteressen hin Umzubiegen, ist schärfste Vorsicht geboten. Diese „rechte" Gruppe, die eine Reihe von Menschen mit typischen Beamteninteressen aufweist, ist zionistisch und sozialistisch ihrer Ideologie nach'. Für sie ist ebenso wie bei großen Teilen der zionistischen Bourgeoisie die Parteizugehörigkeit eine Sache der Gesinnung. Für sie ist der Poale- Zionismus keine jüdisch-proletarische Klassenbewegung, sondern; eine aus persönlicher idealistischer Einstellung heraus erlangte politische Ueberzeugung, und häufig sq eine sehr wirklichkeitsfremde und abstrakte Angelegenheit. NÄHMASCHINEN II I P 17 mit kostenlosem Stickunterricht mJ I Ä ML FAHRRÄDER 1928 Auch gegen Teilzahlung!! Q!!!!i!!!Hii!!!!i!!!!!!!! 1 IIG'lillliI!III!I!IHill! Reparaturannahme aller Systeme! IX., Liechtenstein8tr. 27, IV., Wiedner Hauptstr. 8 Telephon 16-5-64, 16-5-65, 57-109 Schreibmaschinen, Knopfpressen und Zugehör. Sport- und Touristenartikel ^gä^^gäta^Kätsts^ 44 Prozent 8 Stunden: täglich; dieses1 JajbJr erreichtet ilire Zahl 63 Prozent. Bei der Arbeiterjugend in Jerusalem konnte eine Berufsstabilisierung nicht erreicht werden. Der größte Teil der jugendlichen Arbeiter ist dort in folgenden Berufen tätig: Tischlerei, Schuhmacherei, Schmiedearbeit und Schlosserei. Ein beträchtlicher Teil ist auch bei der Beförderung von Lasten beschäftigt. Die> Jerusalexner Arbeiterjugend; ist in allen Handwerksfcweigon besonders stark vertreten; 48 Prozent der im Handwerk Beschäftigten sind Jugendliche im Alter bis zu 18 Jahren. Diese Tatsache beweist schlagend, in welchem Maße im Handwerk in Jerusalem Jugendliche ausgebeutet werden. 70 Prozent der Arbeiterjugend in Jerusalem arbeiten mehr als 8 Stunden täglich', viele erheblich mehr. Die Arheiterjiigendorganisatioii hat jedoch' auch in Jerusalem viel erreicht. So ist auch1 in Jerasalem die Zahl der jugendlichen Arbeiter, die ohne Gehalt arbeiten, um die Hälfte gefallen. Allein die Notwendigkeit angestrengter organisatorischer Tätigkeit liegt nach wie vor vor. in Haifa arbeiten nur 5 Prozent aller Jugendlichen 8 Stunden täglich; allein die Arbeitszeit in Tel-Awiw und Haifa übersehreitet niemls 10 bis 11 Stunden, in Jerusalem, aber erreicht sie zuweilen) 14 Stunden. Es ist die Aufgabe der Arbeiterjugend, jetzt eine neue Aktion zur Durchsetzung des 8-Stundentages zu unternehmen. Durch ihre soziale Gebundenheit Kömmt diese „rechte" Gruppe leicht in Versuchung, die realen Gegensätze zwischen dem bürgerlichen und dem proletarischen Zionismus zu übersehen. Unterstützt wird dieser Flügel von sozialistischen Menschen im bürgerlichen zionistischen Lager, die als nic'h'tproletarischie Elemente von der Notwendigkeit des Klassenkampfes nicht überzeugt sind, oder den Gedanken des Klassenkampfes willkürlich in der zionistischen Bewegung ausschalten. So gibt es hier Sozialisten, die die Ideologie eines allgemeinen, überklassenmäßigen Zionismus, den es für soziologisch' denkende Menschen ja gar nicht geben kann, teilen. Interessant ist es nun, aus dem 2. Band Borochov, den Locker jetzt herausgegeben hat, ein Analogon zu diesen Verhältnissen im amerikanischen Poale- Zionismus wiederzufinden. Auch dort steht dem Poale-Zionismus, der den Klassenkampf als notwendige Grundlage einer sozialistischen Bewegung ansieht, ein klassenfriedlicher rech'ter- Flügel gegenüber. Ebenso wie hier geht es um die Einschätzung des Gegensatzes zum bürgerlichen Zionismus. Während der rechte Flügel die bürgerliche zionistische Organisation für eine „Partei" und die Poale-Zion-Bewegung für eine ^Fraktion" in dieser Partei ansieht, muß 'die klassenkämpferische sozialdemokratische, Poale-Zion-Organisation zunächst einmal fragen, was denn wohl das Kriterium für die Führung des Titels „Partei" sei. Kann wohl die bürgerliche zionistische Bewegung, die deY Kompliziertheit des jüdischen sozialen Lebens nicht gerecht wird und sieht lediglich für ein Problem: Palästina, interessiert, und an den Galuthfragen und der sozialistischen Bewegung vorbeigeht, eine Partei genannt werden? Gebührt diese Bestimmung nicht weit eher der Poale-Zion, .die in ihren Gesichtskreis das ganze jüdische Leben einschließt und nicht nur einen Teil wie die Zionisten? Diese Fragen sollten wir auch jetzt wieder stellen. Die Klarstellung unseres Gegensatzes zur zionistischen Organisation ist eine Forderung innerer Reinlichkeit, ebenso ist diesem „rechten" Flügel in der Partei gegenüber Abgrenzung notwendig und geboten. . Auf der anderen Seite sollten wir uns nicht minder scharf gegen jede Art von pseudoradikalem Vulgärmarxismus zur Wehr setzen. Auch' diese Erscheinung ist eine Folge der mangelnden politischen Schulungsmöglichkeiten. Es besteht eine große Gefahr darin, daß Menschen aus dogmatischer Engstirnigkeit einen Poale-Zionismus vertreten, der wertvollen revolutionären Elementen den Weg zu uns versperrt. Für die Aufnahme und die Mitarbeit in der Partei ist ein Bekenntnis zur Mehrwerttheorie sicher nicht notwendig. Auch die von außen hineingetragenen verwirrenden Einflüsse, die eine Revision unserer Stellung zur 2. Internationale fordern, sollten als „linke" Abweichungen mit aller Entschiedenheit bekämpft werden. Alles in allem befindet sich die deutsche Poale- Zion-Organisation im Zustande einer zunehmenden politischen Konsolidierung und inneren Verfestigung. Die Namen Dr. Ball, Düsseldorf und Alfred Berger, Berlin, sind Meilensteine auf dem Wege der Konsolidierung der Partei. Die deutsche Partei hat diese Meilensteine bei ihrem Vormarsche hinter, sich ge- In dem halben' Jahre von Oktober 1927 bis April 1928 erhielt die Zentralbibliothek der Kiüturkommissioii (Kulturabteilung der Arbeiterorganisation in Palästina) 1200 neue Bände, von ihnen wurden 977 (51,9 Prozent) mit den Mitteln des Budgets der Kulturkommission gekauft und 925 (48,7 Prozent) kamen aus! anderen Quellen (Sa.rn.mlungen, Geschenke vom Lande und Auslände usw.). Die gekauften Bücher sind alle hebräisch, von den geschenkten sind 41 Prozent hebräisch, 10 Prozent jiddisch, 28 Prozent deutsch, 12 Prozent russisch, 9 Prozent englisch, polnis'dli \is\v. In der obenerwähnten Zeit hat die Zentralbibliothek an ihre Kreisbibliotheken \inrt an einzelne Genossen au wissenschaftlichen Zwecken 2678 Bände verteilt, davon 18 Prozent in hebräischer Sprache; Die Kreisbibliotheken haben aai die einzelnen Stellen 3792 Bände abgegeben und 2067 Bände zurückerhalten. In derselben Zeit wurden 4 neue Lokalstellen eröffnet. Neuerdings richtete die Zentralbibliothek einen Zirkularbrief am alle Parteien wnäi Organisationen im Auslande, die dem „Arbeitenden Palästina" nahestehen. Es wurde auch Agitationsmaterial in der Form von Berichten und Artikeln gesandt. Einstweilen sind Nachrichten über die begonnenen Arbeiten nur von Amerika und Litauen angelangt. In Deutschland wurden im „Heclialuz" besondere Kreise zu diesem Zwecke organisiert. Es ist zu. bedauern, daß viele Länder keine Antwort auf diesen' Aufruf