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Der Jüdische Arbeiter · 1928-06-26 · Heft 10 (26.6.1928) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
5 (1928)
Issue
Heft 10 (26.6.1928)
Date
1928-06-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 10 Der jüdische Artfeifer Seite 3 „Der Kampf der Sozialdemokratie gegen den Antisemitismus ist ein völlig anderer als der der jüdischen Abwehrorga.nisa.tionen oder der der bürgerlieilven Mittelparteien. Ks ist. aber auch die einzige Form, die in sich dio Kraft trägt, den Antisemitismus zu treffen, weil wir uns nicht durch seine „Phrasen und Einbildungen" über seine „wirklichen Interessen und Realität" täuschen lassen und unser Kampf getragen wird von der sozialen Bewegung einer Klasse; die allein unter den gegebenen historischen Bedingungen berufen ist, den Kampf gegen die Verirraug menschlicher Bcwußtseinsvorstelluugen erfolgreich zu vertreten. Dieser Kampf als notwendiger Teil unserer Klassenbewegung wird von der (Sozialdemokratie allein ausgefochten werden: Seine Methoden und seinen Inhalt bestimmen wir." Jawohl, wir Sozialisten, und nicht der Centralvercin! Der Parteitag besehließt die Wahl einer Kommission, die ein konkretes Schulprogramm entwerfen soll. Auf die Erfahrungen, die die in der tschechoslowakischen Republik bestehenden jüdischen Schulen gemacht haben, soll besonders Rücksicht genommen werden. In der selbständigen jüdischen Schule erblicken wir den konsequenten Ausdruck der Kulturgemeinschaffe des jüdischen Volkes, die ungeachtet der Verschiedenheit von Land zu I*ind zur Einheitlichkeit strebt. In den Ländern der jüdischen Massensiedlung, wo die jüdischen Schulen in jiddischer oder hebräischer Sprache geführt werden, wie in den weistlichen Ländern, wo die -luden nur kleine Teile der Bevölkerung bilden, überall ist. es Sinn und Aulgabe der jüdischen Schule, das ererbte Kulturgut des jüdischen Volkes, wie auch sein lebendiges Kulturschaffen der Gegenwart, der heranwachsenden Generation zu überliefern. Für dio tschechoslowakische .Republik ist dio Erreichung dieses Zieles von einer bestimmten Unterrichtssprache in den Schulen nicht abhängig. Das jüdische Schulwesen wird hier einzig und allein durch den Leh'rinha.lt der Schulen, durch die Pflege aller Schöpfunge n uusercs Volkes bestimmt. Die jüdische sozialistische Arbeiterschaft hat in allen Ländern jüdische weltliche Schulen gegründet, die dem' jüdischen Kinde das gegeben, was zu seiner Erziehung zu einem vollwertigen modernen jüdischen Menschen notwendig ist. Unser Ziel muß auch in der Republik die Errichtung jüdischer weltlicher Schulen sein. Grundsätzlich soll die jüdische Schule das gesamte Leben eines jüdischen Kindes entwickeln, die jüdische Volksschule erscheint daher berufen, das Schul ideal unserer Gegenwart, zu entwickeln. Solango die nötige Anzahl jüdischer Volksschulen' nicht, ins Leben gerufen ist, verlangen wir für alle jüdischen Kinder, die in nichtjüdischen Schulen lernen, die Errichtung! von Schulen für die rein jüdischen Eäteher. Der Gründung von jüdischen Kindergärten ist größtes1 Augenmerk zuzuwenden, um schon dem jüdischen Kleinkind eine Kindheit in nationalem Milieu zu geben. ' Das jüdische Volksbildungswesen muß durch Errichtung von Abendkursen für die arbeitenden Juden so ausgestaltet werden, daß der arbeitende Jugendliche wie auch! der Erwachsene die Lernmöglichkeiten in allen jüdischen!. Fächern erhält;, die ihm ein allgemeines Bildungswesen für arbeitende Jugendliche und Erwachsen© nicht -verm itteln. *!! Die Lage in der Weltbewegung. Der erste ordentliche Parteitag der Poale-Zton' in dci' tschechoslowakischen Bepublik nimmt den Bericht des Genosson Locker über die Lage der Poale-Zion-Weltbewegung mit Befriedigung zur Kenntnis. Wir anerkennen voll und ganz die bedeutenden Leistungen der Leitung unseres Weltverbandes für die ideologische und organisatorische Vereinheitlichung der Weltbewegung, für die Gewinnung der sozialistischen Internationale für unsere Bestrebungen in Palästina und versichern die Leitung des Wcltverbaudes unserer ständigen Mitarbeit. Wir verpflichten uns, mit allen unseren Kräften' zur Arbeit des "Verbandsbureaus finanziell beizutragen. Der Parteitag betrachtet es als seine selbstverständliche Pflicht, einen steten Kontakt mit allen Teilen der Weltbewegung, und insbesondere mit der Bniderparjtei in Palästina., aufrechtzuerhalten. Mit Entrüstung hat der Parteitag die Mitteilungen' über* die Verfolgungen der sozialistischen Parteien in Rußland .aufgenommen. Der Parteitag cutbietet seineu herzlichsten Gruß den im Kerker und in der Verbannung schmachtenden'; nach Tausenden zählenden Zionisten-Saxialisten, die bloß wegen ihres Eesthältcus an ihrer zionistisch-soz. Ueberzeugung das schwere Martyrium erdulden. Ebenso protestiert der Parteitilg gegen die Auflösung des Hechaluzin Rußland und gegen die brutale Vertreibung der Chahizim' aus der von ihnen in jahrelangen Entbehrungen und selbstloser Arbeit aufgebauten Mutterkolonie Tel Chaj, die einen brutalen Angriff auf das Recht der revolutionären jiidischon Arbeiterschaft darstellt. Wir versichern die kämpfenden Kommunisten (Jewsekcia), die für die Verfolgung unserer Genossen moralisch in erster Linie verantwortlich1 sirict.- P r o ß n i t z. Am 31. Mai 1. J. fand im renovierten Jüdischen Kasino die Plemwversaanmlung! der hiesigen Ortsgruppe 3,Poale-Zion" statt. Gen. Obmannstellvertreter Hermann A nts oh er 1 eröffnete die zahlreich besuchte Versammlung und erteilte dem Genossen Ernst Neumann das1 Wort zur Berichterstattung über den ersten Parteitag in Brünn. Im Verlaufe seiner Ausführungen wies Gen. Neumann insbesondere auf unser Programm und auf die besonders eigenartige und schwierige Lage in der 0. S. R. hin. An der anschließenden Debatte beteiligten sich viele der Anwesenden, unter anderen der in der Versammlung anwesende Obmann der deutschen sozialdemokratischen Partei in Frößnitz,- Genosse Gottlein. Nach einem eindringlichen Appell an die Genossen für die Erstarkungder Partei eifrig zu arbeiten; schloß der Vorsitzende dio gelungene Versammlung. AUS der Bewegung- Tschechoslowakei. Der erste ordentliche Parteitag der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Poale Zion in der Tschechoslowakei. 2(5. bis 28. Ma,i in Brünn. I. V c r Ii a u d 1 u n g s t a. g (n a c Ii mit-t a. g). Um 8 Uhr wurde die Beratung fortgesetzt. Genosse M. »Singer (Wien) erstattet das Referat über „Das a r be i te nd e E re z-1s r ae 1 u n d unsere A u f - gaben". Gen. Singer analysiert das Problem der IV. Alijah. In ihrer mangelhaften Verbreitung und wirtschaftlich' planlosen Durchführung sieht, er den Grund ihres Scheiterns. Der arbeiterfeindliche Teil der zionistischen Bewegung wollte die IV. Alijah' gegen die palästinensische Arbeiterschaft und die Ohaluzim ausspielen. Das Resultat war eine Demoralisierung des Gallith und seiner Eeserven. Die kleinbürgerliche Privatwirtschaft, wie sie sich die zionistischen Kleinbürger der „Ethliwnoth"-nruppe, unterstützt durch' die amerikanischen Zionisten, vorgestellt haben, konnnte in Palästina selbstverständlich keinen Fuß fassen. Der Referent erörtert die Lage der Juden in Polen, die langsam aber sicher pauperisiert werden und stellt fest, daß die allgemeinen Zionisten dagegen kaum etwas ernstes unternehmen. Der Referent übt scharfe Kritik au der Politik der Exekutive und der liquidatorischen Haltung ihres Exponenten in .'Palästina, des Herrn Sacher. Der Redner kritisiert die Ohnmacht und die Verständnislosigkeit, die Herr Sacher der Krise gegenüber an den Tag gelegt hat und die lähmende Wirkung, die für darf ganze Wirtschaftsleben daraus ausging. Und anderseits' die heroischen Bemühungen der palästinensischen Arbeiterschaft die unproduktive Arbeitslosenunterstützung in wertschaffende Investitionen zu verwandeln, die allein imstande waren, dio gefährlichsten Momente der Krise zu beheben. Unsere wichtigste Aufgabe ist nur die Positionen der Arbeiterschaft in Palästina, wesentlich zu stärken und sie wirtschaftlich' zu fundieren. Aus diesem Grunde müssen wir in den Ligen für das arbeitende Palästina, eine aktive Tätigkeit entfalten, um neben den beiden nationalen Fonds, Gefängnisses aufgenommen hat. Hierauf haben die Verhafteten nach (> Tagen den Hungerstreik eingestellt. Genosse Ben-Zw.i hatte auch in dieser Angelegenheit eine Unterredung mit dem Leiter des Gerichtsdepartements, Herr Bentw.ic.h und übergab der Regierung ein Memorandum der „Histadruth", das die Forderungen über die Verbesserung des Regimes der Gefängnisse enthält. Im ganzen Lande fanden 'ProtestVersammlungen gegen dj,e Ereignisse im Gefängnis in Jerusalem statt. In diesen Versammlungen kam die Empörung der Arbeiterschaft gegen die schändliche Prügelstrafe und gegen die Willkür der Regierung bei der Ausweisung von Juden aus Palästina zum Ausdrucke. Besonders imposant fiel die Protestversammlung, die am 9. Juni in Jerusalem stattfand, aus. An dieser Versammlung nahmen über 2000 Arbeiter teil, die Referate erstatteten dio Genossen Finkelstein, Beu- Zwi, Sprinzak und Leibowitseh; die Protestresolution wurde einstimmig angenommen. * r i Am 2. Juli, wird in London die zweite Arbeiterkonferenz des britischen Imperiums eröffnet werden. Palästina wird auf dieser. Konferenz durch die Histadruth" und unsere Bruderpartei „Achduth Haawodah" vertreten sein. Die erste Konferenz fand im Sommer 1925 in London statt. Die Exekutive der „Histadruth" hat gemeinsam mit der Leitung der Achduth Haawodah" nach' London ein ausführliches Memorandum, welches den Standpunkt der Arbeiterschaft Palästinas in den drei Hauptfragen, die Palästina betreffen, enthält, geschickt. Diese Fragen sind: 1. Koloniale Länder (Mandat, Selbstverwaltung u. ä.). 2. Emigration. 3. Sozi.alisieximg. In diesem ausführlichen Memorandum wird ein umfangreiches Bild von den Bestrebungen des jüdischen Volkes in Palästinn. entworfen, die Erfolge und Entwicklung der letzten Jahre, wie auch' die Stellung der Arbeiterschaft zu den erwähnten drei Problemen werden ausführlich! geschildert. des K. K. und K. ILunsere eigenen Institutionen, wie Arbeiterbank u. a,, tatkräftigst zu unterstützen. Unsere Sorge müsse eine sozialistische Eifeiehiung der Ohaluzim sein. Sein Referat schloß Gen. Singer mit den Worten: Für uns, für die Poale-Zion ist die Internationale nicht nur das höchste Tribunal von. heute, sondern auch die Macht von morgen. Den, mit starken Beifall aufgenommenen, Ausführungen des Gen. Singer folgt das Referat des Gen. Dr. Rudolf Glanz Wien) über „Gemeinde- und Schulfrage n". In der Tschechoslowakei, führt er ans, ist es nicht wie im Osten, wo die Unterrichtssprache in unseren Schulen das Kriterium unseres nationalen Schulwerks bildet, sondern hier ist ausschlaggebend der Geist, der die Erziehung beseelt. Jede wahre Kultur müsse Volkskultur sein und als besten Beweis für diese .Behauptung sehen wir die Tatsache, daß Dichter wie Perez oder Brenner zugleich Fülü'er der jüdischen Arbeiterbewegung waren. Darum müssen auch alle unsere gesellschaftlichen Einrichtungen vom jüdischen Vo'lksgcist erfüllt sein. Für die Tschechoslowakei als Ganzes hält er es nicht für ratsam, ein detailliertes Bildungsprogramm auszuarbeiten — sind doch die einzelnen Länder der tschechoslowakischen Republik, sowohl was1 den Charakter ihrer Einwohner als auch deren Kiilturboclm-fnis.se betrifft, ganz verschieden geartet. Abgesehen von den schon erwähntem jüdischen Schulen fordert er weiter jüdische Ergänzungsisclmlen, Maßnahmen zur Bildung eines eigenen jüdischen Yolksbildungswesens, Bibliotheken, Lesehallen! u. ä. Gen. Dr. Glanz besprach noch1 unsere Forclerungten' auf dem Gebiete der Kultusgemeindepolitik. Als Ergänzung dieses Berichtes mag noch die in der Schhlfrage gefaßte Resolution dienen. Nach einer kurzen Diskussion, an der auch Genosse L o c k e :r teilnahm, wurde auf Antrag des Gen. H u t h wegen vorgerückter Stunde die Diskussion an diesem Tage beendet. Nun wurden die Resolutionen verlesen und zur Abstimmung gebracht. Die drei Resolutionen zu den drei gehaltenen Referate werden einstimmig angenommen. Der II. Verhandlungstag* Der zweite Tag, a.n dem die Vertreter der Presse wie auch keine Gäste mehr teilnahmen —er wurde für vertraiilich erklärt — war den politischen Erörterungen gewidmet. Ein groß angelegtes Referat zur politischen Lage im allgemeinen wie über unsere Taktik in der nächsten Zeit erstattete Gen. Hub er (Olmütz). Dem sehr sachlichen Referate des Gen. Huber folgte eine Debatte, an der fast alle Delegierten teilnahmen... Die Debatte nahm einen seinlebhaften Verlauf. Alle waren sich darin einig, daß wir uns in unserer Politik auf ' die Arbeiterschaft orientieren müssen, es handelte sieh bloß um den Weg, um die Mittel, bei den Arbeiterparteien die berechtigten Forderungen der Juden durchzusetzen. Die gefaßten Beschlüsse wurden hierauf einhellig angenommen. Gen. Rokaoh (Brünn) erstattete den Bericht der E i n a n z k o m m i s s i o n und teilte mit, daß es gelungen ist, ein Budget für die nächsten Monate zu sichern. Er appellierte a.n alle Vertreter unserer Organisationen dem Beispiele der Genossen aus Olmütz, die mustergiltige Initiative und echten Opferwillen bekundet haben, zu folgen, um ein rasches Fortschreiten unserer Arbeit zu ermöglichen. Der Bericht wurde einstimmig zur Kenntnis genommen. Die Vorschläge des Wahlkomitees bezüglich der Wahl der Parteileitung wurden ebenfalls einstimmig angenommen. Nach den Schlußreden der Genossen Keßler und Singer wurde hierauf der Parteitag geschlossen, Unter den. Klängen der „Schwieh" gingen die Delegierten auseinander. * Resolutionen des Parteitages: Das jüdische Schulproblem. Die jüdische Arbeiterschaft wird darüber wachen, daß das jüdische Schul- und Bildungswesen weltlichen Charakter trage, daß es kein Instrument des Klerikalismus und der Reaktion werde.

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