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Der Jüdische Arbeiter · 1928-06-26 · Heft 10 (26.6.1928) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
5 (1928)
Issue
Heft 10 (26.6.1928)
Date
1928-06-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Der jüdische Arbeiter Nr. 10 Mit aller Scharfe kennzeichnete in der Diskussion Genosse Blamier die Widersprüche,- die bestehen zwischen den Darlegungen Goßlars und dem Programm der Sozialdemokratie. Er legte dar, da II es unvereinbar mit dem Programm und den Anschauungen der Partei sei, Religion zu einer politischen Forderung zu erheben. Er betont, daß auch der jüdische Kapitalist den ökonomischen Gesetzen unterworfen sei, daß er derselbe Ausbeuter sei, wie jeder andere, da dos der Mechanismus des Kapitalismus erfordere. Wie Goßlar die Widersprüche innerhalb seiner eigenen Anschauung überbrücke, sei ihm unverständlich. Er fragte den Referenten insbesondere nach seiner Stellungnahme zum Reichsschulgosetz, da, sich hier doch deutlich die wahre Meinung zeigen müsse. Auf diese konkrete .Frage hatte Goßlar trotz mehrfacher Zwischenrufe nur die eine Antwort: konsequentes Schweigen. Goßlar hielt es noch für besonders geschmackvoll, vor der Versammlung zu erkläreny daß ihm der kommunistische Diskutant lieber sei, als der Genosse Blauner und seine Eichtling. Wir hätten uns mit dieser ga.nzen Angelegenheit zu befassen,- keinen AnlaJ.1 gehabt, wenn es sich! nur um eine Person handeln! würde. Aber wir haben viele Sozialdemokraten; die es nicht wagen, in jüdischen Institutionen dem Staub desi Klassenkampfes aufziiwirbcln, die der Auffassung sind; daß im Judentum, zumindest im deutschen, jeder Klassengegensatz aufhöre. Hierzu gehören auch die Sozialdemokraten,- die dem „Zentral- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" angehören. Es ist uns Unverständlich; wie Sozialdemokraten, die glauben, sie müßten noch der jüdischen Gemeinde angehören; sich derartigen bürgerlichen Gruppen mit reaktionären Ideologien anschließen können, wie sie ein© sozialistische Aufklärangsarbeit verhindern können, indem sie für die Verschleiei-ungspolitik solcher Organisationen Propaganda machen. , ■" * . i , , •, , i | In einer späteren Nummer lesen wir: Zu denn Bericht, den1 wir unter diesem Titel in unserer Nr.. 49 brachten, wird! uns von einem Parteigenossen, der dem 'Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Giaubens nahesteht, geschrieben: Ich gehe wohl nicht fehl; wenn ich in dem Berichterstatter einen Genossen aus der Poäle-Zion vermute. Dieser Bericht geht von' ganz falschen Voraus Setzungen aus. Ich habe keine Veranlassung, für den Genossen Dr. Hans Goßlar aus Berlin irgendwie mich einzusetzen und übergehe daher den! ersten Teil des Berichts. Ich verstehe nicht, wie der Berichterstatter den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mit seinem Angriff auf Genossen Dr. Goßlar in Verbindung bringen kann. Er bedeuert, daß viele Sozialdemokraten es nicht wagen, in jüdischen Institutionen den Staub des Klassenkampfes aufzuwirbeln, weil sie angeblich der Auffassung seien, daß im deutschen Judentum jeder Klassengegensatz aufhöre. Ich' kann mir nicht denken, da.ß jüdische Parteigenossen die unsinnige Ansicht haben könnten, die der Berichterstatter ihnen unterschiebt. Die- Sozialdemokraten, die dem Zentral verein deutscher Staatsbürger jüdi- ' sehen Glaubens angehören, haben — soweit, ich sie kenne — jedenfalls diese irrige Ansicht nicht. Im übrigen ist der Berichterstatter gar nicht im Bilde, welche Aufgaben der Zentralverein hat. Der Zentralverein ist eine Organisation, der jeder deutsche Jude, ohne Bücksicht auf seine Religionscinstellung, ganz gleich, ob er Unternehmer oder Arbeiter ist, angehören kann. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens führt den Kampf für die Gleichberechtigung der deutschen Juden, bekämpft also vor allem den Antisemitismus und alle politischen Parteien, die sich irgendwie antisemitisch betätigen. Daraus geht schon hervor, daß der Zentralverein seinen Kampf gegen die rechtsstehenden Parteien führt und deshalb ein großes Stück des Weges gemeinsam mit den linksstehenden Parteien, besonders der Sozialdemokratischen Partei, zu gehen vormag. Gerade in dem Kampf gegen die Nationalsozialisten, Völkischen und Deutschnationalen unterstützt er doch die politische Tätigkeit der Sozialdemokratischen Partei. Mit irgendwelcher reaktionärer Ideologie hat der Zentralverein nichts zu tun, da er sich' weder mit Wirtscluii'tspolitik noch mit der Politik im allgemeinen, soweit sie über den Kampf gegen den Antisemitismus hinausgeht, zu befassen hat. Daß hervorragende Parteigenossen auch führend im Zentralverein tätig gewesen sind1, spricht ebenfalls dafür, daß die Mitgliedschaft im Zentiulvercin sich sehr gut mit der Zugehörigkeit zur Sozialdemokratischen Partei verträgt. Zentralverein und Sozialdemokratie. Die in Nr. 51 der LV. abgedruckte Zuschrift eines Genossen vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens macht sich die Beweisführung dafür, daß ein Sozialist ohne Schaden Mitglied dieses Vereines sein könne, ungeheuer leicht, indem sie einfach die zu untersuchende Frage in eine apodiktische Behauptung umwandelt: die Tatsache, daß Parteigenossen führend im- Zeoitralvorein tätig gewesen sind, spricht dafür, daß die Mitgliedschaft im Zentralverein sich sehr gut mit der Zugehörigkeit zur Sozialdemokratischen Partei vertrage. Mit der gleichen Logik könnte man beweisen, daß infolge! der Zugehörigkeit; irgendwelcher Parteigenossen zu Kriegeirvereiiien und Kurpfuschervereinen sich die Kriegervereinsmeieirei und die Kurpfu&eh'erei;,sehr gut" mit der Zugehörigkeit zur SPD. vertrage. Was sonst in der Zuschrift gesagt wird,- bestätigt auf das vortrefflichste die in der LT. Nr. 19 vertretene Auffassung, von der der Einsender mit Unrecht annimmt, daß sie eine speziell ponlezionistische sei. Wenn in der Zuschrift, festgestellt wird, daß sieh der Zentralverein „weder mit Wirtschaftspolitik noch mit der Politik im allgemeinen, soweit sie über den Kampf gegen den Antisemitismus hinausgellt, zu befassen hat", so ist diese „parteipolitisch neutrale" Betätigung vom Standpunkt eines Sozialisten durchaus reaktionär. Waszu allem Uebcrfluß noch in der Zuschrift durch den Hinweis auf das Zusammengehen des ÜV. mit allen nicht antisemitischen, aber sonst reaktionären und arbeiterfeindlichen bürgerlichen Parteien erhärtet wird. (Daß die Deutsch© Volkspartei, der führende Funktionär des CV. angehören, eine „linksstehende" sei, pflegt der Durchsohniltssozialist nicht, anzunehmen.) Insoweit nun aber der CV. in den in der Zuschrift angegebenen Grenzen Politik macht, sind die Beispiele doch1 wohl ausreichend genug zur Beurteilung dieser Institution. Soll erinnert werden au die durch seine Zeitschrift belegte erbärmliche Polle des CV. während der Kriegszeit.? Soll erinnert; werden an die ebenso erbärmliche Stellungnahme der Zentralvereinlcr gegen die ostjüdischeu Arbeiter? Soll schließlich noch erinnert werden an die Haltung des CV. gegenüber jüdischen Itcvolutionären,- sowiohl Sozialdemokraten (Hugo Haase, Kurt Eisner u. a.) und "Kommunisten'/ Der Gegensatz zwischen Sozialdemokratie und Bolschewismus ist schließlich eine Angelegenheit, die dem CV. einen Dreck anzugehen hat; gegenüber der Bourgeoisie, und auch der jüdischen, ist, diese Differenz eine Sache, die im Kähmen der Arbeiterparteien selbst auszuf echten, ist, und gegenüber der jüdischen Bourgeoisie, die auf „Reinheit" hält, ist es gleichgültig, ob jüdische Revolutionäre, Sozialdemokraten iodei\ Bolschewiken sind. Ja, aber der Kampf gegen den Antisemitismus? Nun, hierin hat die Zielrichtung der Sozialdemokratie mil> der des CV. gerade soviel zu schallen, wie der Kampf der Sozialdemokratie gegen den Kapitalismus mit dem der Aufwerter, die auch „gegen den Kapitalismus kämpfen". Sind mit uns auch die Zentralvereinlcr der Ansicht, daß erst durch den Sieg des Sozialismas, und nur durch ihn, eine Gesellschaftsordnung begründet wird, die jeden Rassenkampf und nationalen Kampf ausschließt? Bekämpft auch cler CV. den Antisemitismus, weil er in bestimmten Situationen von Teilen der Bourgeoisie dazu benutzt wird, die sozialistische: Arbeiterklasse von ihren unmittelbaren Klassenaufgaben abzulenken? In den Leipziger Volks zeitung vom 17. Dezember 1921 wurde zu dem Kampfe der Sozialdemokraten' gegen den Antisemitismus in einem längeren Artikel geschrieben : Palästina-Rundschau. Der Kampf der jüdischen Arbeiterschaft für eine neue -,Alijah" wurde eröffnet. — Eine Provokation des1 Herrn Sacher. — Eine Abfuhr für Herrn Sacher. — Prügelstrafe im Gefängnis in Jerusalem. — Die „Histadruth" protestiert. — Die Labor Party interpelliert. — Große Protest - Versammlungen im ganzen Lande. — Die jüdische Arbeiterschaft Palästinas auf der- Arbeiterkonferenz des britischen Imperiums. Gegen Ende Mai, fand eine Sitzung der Leitung der ■„Histaclruth", die sich mit der Forderung nach einer Oeffnung der Tore Palästinas für eine neue Einwanderung ■ befaßte, .statt. Nach einem ausführlichen; Referate des Gen. Frumkin, in welchem er an der Hand von Zahlen und Ziffern die Notwendigkeit und, Möglichkeit einer neuen Einwanderung von Chaluzim ins Land nachwies, wurde beschlossen, mit der Zionistischen Exekutive über diese Frage Verhandlungen einzuleiten. Am 29. Mai fand auch die Besprechung mit der zionistischen Exekutive statt. Seitens der „Histadruth" nahmen au der Besprechung teil die Genossen: Josef Ahronowitsch, A. Golomb, iL Frumkin, A. Zeisling und Chaim Holpern; die Zionistische Exekutive war durch Herrn Saöher, Herrn Van Freesland und Miß Szold vertreten. Die Vertreter der „Histadruth" beleuchteten jeder von einem andern Gesichtspunkte die Notwendigkeit einer neuen Einwanderung und wiesen nach', daß sie in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage begründet ist. Hierauf antwortete Herr Sacher. Er meinte, in der zionistischen Bewegung muß man über die Notwendigkeit einer neuen Einwanderung nicht erst debattieren. Die Exekutive hat eine eigene Kommission eingesetzt, die sich mit der Frage 'der „Alijah" befassen soll,- sie wird auch die Angaben des Herrn Frumkin überprüfen. Aber die Exekutive befindet sich in einer anderen Lage als sie. Ihr könnt leicht Optimisten sein und Artikel scln^iben. Was riskiert ihr denn? Ihr könnt nicht ein Verantwortungsgefühl wie die Exekutive es besitzt, haben. Die Exekutive muß euren Optimismus bezahlen. Euer übertriebener Optimismus hat unsere schlechte finanzielle Lage herbeigeführt, hat die ungünstigen Berichte über die zionistische Bewegung verursacht usw. Ich kann euch deshalb nur zur Antwort geben, daß wir eure Forschläge prüfen werden. . Genosse Ahronowitsch antwortete hierauf Herrn Sacher: AVenn ich nicht als Vertreter der Bewegung hier wäre, würde Ich Herrn Sacher nicht anhören und seine Worte nicht beantworten, aber als Vertreter der „Histadruth" will ich' feststellen: Die Arbeiterbewegung trägt die Verantwortung für die zionistische Bewegung, sie leidet unter jedem Fehler der zionistischen Bewegung. Die Arbeiterschaft hat den Hunger und die Krise ertragen, sie wird auch die Last und die Schmerzen der Bewegung in der Zukunft tragen müssen. Herr Saeher kann morgen in seinen Privatberuf zurückkehren, die Arbeiterschaft aber Ist mit ihrem ganzen Wesen an das Land und. die. zionistische Bewegung gebunden. Dem Optimismus der Arbeiter und den Plänen des Genossen Frumkin, die sie voriges Jahr ausgelacht haben, verdanken wir, daß man heute überhaupt von einer neuen Einwanderung, eiuer zionistischen Anleihe reden kann und daß Sie hier ruhig sitzen können. Euer Pessimismus und der Pessimismus jener Leute, die Sie gewählt haben, Euere liquidutorisehe Tätigist die .Ursache dos Niederganges der zionistischen Bewegung, der- Ursprung der Krise des Zionismus und somit auch in Palästina. Wir fordern die Bettung der gegenwärtigen zionistischen Generation und die Möglichkeit neuer Einwanderung. Wir warten auf die Antwort. Diese scharfen Worte ergänzt Genosse Golomb. Herr Sacher beklagte sich auf den Mangel von Geduld bei den Vertretern der Arbeiterschaft. Ueber die Sache selbst kann er jetzt nichts konkretes sagen, die Angelegenheit muß erst untersucht werden. Es findet ja demnächst eine Sitzung des Aktionskomitees statt — meinte Herr Sacher — und ihr werdet dort für Eueren Standpunkt eintreten können. Die Arbeiterorganisation eröffnet nunmehr den Kampf für die Oeffnung der Tore des: Landes. Sie hofft, daß sie, genau wie im Kampfe um die Liquidierung der Arbeitslosigkeit, Erfolge erringen wiaxh * l E,ih)0 unerhörte Nachricht hat in den letzten Tagen die gesamte jüdische Bevölkerung aufgerüttelt. Es ist in die Oefi'ontlichkeit gedrungen, daß mau drei, politische Häftlinge, die in den Hungerstreik getreten sind, geprügelt hat. Diese Nachricht hat in allen Kreisen der Bevölkerung und insbesondere unter cler Arbeiterschaft eine ungeheure Au fregung hervorgerufen. In Jerusalem befinden sich 10 politische' Häftlinge, die laudesverwiesen werden sollen. Eines Tages forderte sie der Gefängniswärter auf, vorzeitig den Spaziergang im Hofe zu unterbrechen. Da sie sich weigerten, Folge zu leisten, wurden sie gewaltsam in ihre Zeilen gebracht und geprügelt. Hierauf traten; sie in den Hungerstreik und forderten die Bestrafung; der Schuldigen,- wie auch1 Erleichterungen des unmenschlichen Gefägnisregimes. Die Verwaltung des Gefängnisses erhielt Vom Regierungskommissar die Erlaubnis, drei der streikenden Hüftliiige zu prügeln und machte auch von dieser schändlichen Erlaubnis Gebrauch» Die Exekutive der Histadruth schickte .hierauf sofort ein längeres Telegramm an die Labor Party in London und eine Abschrift an den politischen Vortreter des Weltverbaudos Poale Zion in London; Genosse Do wo Hos. Hos setzte sich sofort in Verbindung mit der Parlamentsfraktion der Labor Party und am 11. Juni interpellierte Genosse Konworthy die Regierung wegen der schändlichen Vorfälle in Jerusalem. Im Auftrage der Exekutive der „Histadruth" hat Genosse Ben-Zwi die Verhafteten besucht, er informierte sich über ihre Lage und teilte ihnen mit, daß die „Histadruth" den Kampf für eine Milderung des Regimes des

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