Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- Heft 10 (26.6.1928)
- Date
- 1928-06-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. DER JUDISCHE ARBEITER Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Deutschlands, Österreichs und der Tschechoslovakei Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse l/II Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig . . „ 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 10. Wien, 26. Juni 1928. 5. Jahrgang. Zur Offensive für das arbeitende Palästina. Der Wulms tun der Arbeiter feinde hat Methode. — Herr D,ie Banken werden gegen die Arbeiterschaft mobilisiert. — — Die Erweiterung der „Jcwhish Agenoy" gegen die Arbei den Zionismus retten. — Auf zur Offensive für den wahr Die Situation' innerhalb der zionistischen Weltbewegung klärt sich immer mehr und mehr. Der Vorstoß der arbeiterfeindlichen Elemente auf dem letzten Zionisten Kongresse war das Präludium zu einer arbeiterfeindlichen Politik, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die schwer erkämpften1 Positionen der jüdischen1 Arbeiterschaft in Palästina zu erschüttern. Es hat nicht viel Sinn, sich mit der Feststellung der Unfähigkeit der arbeiterfeindlichen Exekutive zu begnügen und. vom wahrhaft zionistischen Gesichtspunkte den Wahnsinn ihres Vorhabens nachzuweisen. Denn dieser .Wah'nsinn hat Methode und sie zu erkennen betrachten wir als unsere Aufgabe. Herr'Sach'er, der berühmte „Fachmann" der Exekutive, dessen1- Weisheit sich' darin erschöpft, allen Forderungen der Arbeiterschaft sein hartes: Habe nichts! entgegenzuhalten, geht gegen die Arbeiterschaft systematisch zu Werke. Auf dem Zionistenkongresse hat man den Nationalfonds um seine Selbständigkeit gebracht. Dadurch hatte sich Herr Sachliche Möglichkeit gesichert, den in Aussicht genommenen Ankauf des „Mifranz Caiffa" durch den Nationalfonds zu verhindern. Sehnsüchtig warten Jahre hin'durch geschulte landwirtschäftlic'h'e Arbeiter auf eine Ansiedlungsmöglichkeit. Die Schaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten, die Erweiterung des Siedlungswerkes würde zweifellos auf die zionistische Bewegung und auf die Arbeiterschaft im Lande belebend wirken. Herr Sacher antwortet mit seinem lakonischen: Nein'! und die jüdische Arbeiterschaft in Palästina steht machtlos da, in die zionistische Bewegung frißt sich' der Zweifel, die Passivität immer tiefer ein. Es scheint die Aussicht vorhanden zu sein, bei amerikanischen Banken eine Anleihe für das Aufbauwerk zu erhalten, Flerr Sacher und seine amerikanischem Freunde lassen sich von den amerikanischen Bankieuten Bedingungen diktieren, die die Verwendung des Geldes für Arbeitersiedlungen nahezu unmöglich macht, Das Regime des Herrn Sacher wurde durch die arbeiterfeindlichen Beschlüsse des letzten Kongresses in Fragen des Budgets der Arbeitersiedlungen, in der Stellungnahme gegen „Nir" und das selbständige Kulturwerk der jüdischen Arbeiterschaft eingeleitet. Es setzte sich dann in der leichtfertigen Opferung des „Solel-Boneh", im Versuche, die Arbeiterschaft durch Arbeitslosigkeit mürbe zu machen'», fort, und scheut nicht davor zurück, das Arbeitersiedlungswerk völlig zu paralysieren. Auf diese jMethode des Herrn Sacher kann es für uns nur eine Antwort geben: .Weg mit Herrn Sa eher! Herr Sacher, der angebetete Finanzfachmann hat sich als völlig unfähig erwiesen, Palästina Sachcr, der Habenichts. — Gegen Nenkolovvisation. — Die Liquidation dos Zionismus. —"Weg mit Herrn Saeiher! terschaft gerichtet. — Die jüdische Arbeiterschaft ka.nn haften Zionismus. von der drückenden Last der Arbeitslosigkeit zu befreien, die Arbeiterschaft vollbrachte selbst die für die Exekutive des Herrn Sacher undurchführbare Aufgabe. Die Exekutive des Herrn Sacher hat nicht vermocht, die Stimmung in der zionistischen .Weltbewegung zu h'eben, sie konnte dem Niedergange des Zionismus und der zionistischen Organisation in Amerika nicht entgegenwirken,weil konsequente Negierung jeder positiven Forderung nach Fortsetzung des Aufbauwerkes, feindseliges Verhalten der Arbeiterschaft gegenüber den Zionismus und die ' zionistische Bewegung nicht beleben können. Daher muß im Interesse des Zionismus unsere Parole lauten: Weg mit der liquidatorisch'en Exekutive des Herrn' -S-ac-her! Es besteht die Gefahr, daß, von Seiten jener Philantropen, die zur „Jewisli Agency" herangezogen werden, die arbeiterfeindlichen Bestrebungen der Exekutive des Herrn Sacher eine Unterstützung erfahren sollen. Deshalb muß man der Exekutive energischer als es bis jetzt der Fall war, an den Leib' rücken. Die Befreiung des Zionismus und der zionistischen Bewegung von der gegenwärtigen Exekutive ■ist aber erst die Voraussetzung für eine Regeneration der zionistischen Idee, die Belebung des Zionismus kann in der gegenwärtigen Situation nur von der Arbeiterschaft versucht und durchgesetzt werden. Die jüdischen Arbeiter haben in den letzten Jahren abermals den Beweis erbracht, daß sie die verläßlichsten Hüter des Aufbauwerkes sind, sie haben heldenhaft auf ihren Positionen ausgeharrt, Hunger und1 Entbehrungen konnten sie nicht mürbe machen. Das waren sie nur imstande, weil ihr Glaube an den Zionismus nicht erschüttert werden kann, weil sie in dem Aufbauwerke felsenfest verankert sind. Mit diesem Glauben an unsere fclee ausgerüstet, gewappnet mit dem produktiven, konstruktiven Geiste, mit dem wunderbaren Heldenmut der zehntausenden jüdischen Arbeiter in Palästina soll nun die Offensive für den wahrhaften Zionismus unter den Massen des jüdischen Volkes unternommen werden. .Was die Kurzsichtigkeit und die 'Engherzigkeit des arbeiterfeindlichen zionistischen Bürgertums an zionistischem Glauben und zionistischer Ueberzeugung zerstört haben, soll und kann nur von den Vertretern der jüdischen Arbeiterschaft wieder aufgerichtet werden. Die Eroberung der breiten Schichten des jüdischen Volkes für den wahrhaften Zionismus, der die Schaffung eines arbeitenden Palästina zur Voraussetzung haben muß, bietet die beste Möglichkeit der .Wiederbelebung des Zionismus und die sicherste Gewähr gegen die liquidatorischen und arbeiterfeindlichen Bestrebungen der gegenwärtigen Exekutive. Das H i n1 d e r n i s, das die E x e k u t i v e d e s Herrn Sacher bildet, muß weggeräumt,, eine Offensive für den wahrhaften Zionismus, für das arbeitende Palästina muß unternommen werden. Das erscheint uns a 1 s dringendes Gebot der Stunde. L'. K. Eine interessante Diskussion. Anläßlich der Wahlen in die jüdische Gemeinde fand in der „Leipziger Volkls'zeitung" eine Aiiscinan'der.sctzung unter Genossen statt, die wir hier wiedergeben: Jüdischer Klerikalismus und Sozialdemokratie. Uns wird geschrieben: In diesen Tagen fand die Wahl der Vertreter zur Leipziger jüdischen1 Gemeinde statt. Am Mittwoch wurde im Zenträltbeatcr eine Wahlversammlung abgehalten, die einberufen war von der sogenannten jüdischen „Volkspartei" (Zionisten), einer Organisation der nationalen iTarimmio, die nebenbei ein bißchen in Demokratie macht. Für diesen bürgerlichen Wahlblock sprachen in der Versammlung zwei. Methler. Einer von ihnen war das Mitglied der SPD., Dr. Hans - G-oßlar aus Berlin. Seine Darlegungen gipfelten in der .Feststellung, daß in. der Bibel schon, vor dreitausend Jahwru eine soziale un'd gerechte Gesetzgebung niedergelegt worden sei. Er vortrat, die Ansicht, daß sich die Juden der Gerechtsame eines klerikalen Konsiliums unterworfen sollten, daß nach jenen veralteten Dogmen seine Urteile lallen soll. Für die jüdische lOrziolmng genüge eine Pcligion »stunde die Woche nicht. Die Heligion sw ti mden müssen vormehrt werden. IJebe-rhaupt trat er für -eine starke religiöse Betätigung der Gemeinden ein. Denn die Religion gebe die beste Gewähr für Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Damit stellt sich aber Goßlar in offenen Gegensatz zum Programm dos Sozialismus. "Wir wissen1., daß es noch eine Anzahl von Sozialisteali gibt, dio einem religiösen Sozialismus huldigt, der im Widerspruch zum Marxismus steht. Das ist zwar bcda.uerlieh, aber solange diese persönliche Auffassung praktisch nicht dem Parteiprogramm widerstreitet, fällt sie ans der öffentlichen Diskussion weg. Solche Auflassung ist jedoch eine Gefahr, sobald sie zur politischen Förderung erhoben wird, sobald sie begleitet ist von: dem Wunsch', sie einer Gesamtheit aufzuzwingen und im Rahmen einer roaktionür-klerikalon programmatisch arbeiterfeindlichen nntionaljiidiseben. Partei vertreten wird, der sogenannten Misrachi-Partei. Ihr Programm basiert auf der religiösen-Weltanschauung und der alten jüdisch-religiösen Gesetzgebung, 'die zur politischen' Gesetzgebung gemacht werden soll. In Palästina bekämpft die Misrachi-Partei die freien Gewerkschaften der jüdischen' und arabischen Arbeiter Palästinas und zieht, dort eigene gelbe und religiöse ^Gewerkschaften" auf, die schlimmer sind als die deutschon ohrist- 1 icl i e n G e wo rksoh'af ten. Außerhalb Palästinas sohlen wir die Misrachi als Wortführer in aller reaktionären Elemente. Und1 dieser Partei gehört der Ministerialrat Genosse Di\ Goßlar an. Aus seinein .Referat war deutlich hciuiiszuhören,> daß er innerhalb dos Judentums den Klassenkampf ablehnt; da der jüdische Kapitalist, soziales Vcrstän'dnis habe, und propagierte im übrigen die Grundsätze der gekennzeichneten Misrachi-Partei. Gang zum Grabe TheoOor Herzrs, Sonntag, Oen 1. Juli 1928 TDFFFDITlVIIfTF« POALE ZION: 8-30 Uhr früh Ecke Chimanigasse-Hartäckerstraße (Billrothstraße) — JSAJ: Leopoldstadt und Brigittenau; I iVCrrrrUim l Ii» 7-45 Uhr früh Blumauergasse 1. Fünfhaus und Ottakring: 8 Uhr früh Stadtbahnstation Westbahnhof. - HAZOFEH HAOWED; Die Einzelnen treffen sich auf den Sammelplätzen der JSAJ. Zentralsammelplatz: Chimanistraße-Hartäckerstraße. Schlag 9 Uhr.