Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- Heft 7 (30.4.1928)
- Date
- 1928-04-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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f * Öegett die» Reaktion! , V ' Gegen den Kapitalismust >; öegen den Antisemifiömus! ' . Gegen den Bürgerblocfcl ' Für die Freiheit der Arbeiterklasse! > Für die Eroberung des Staatsapparates! .,! Für wirkliche Gleichberechtigung der Juden!;: | Für die sozialistische deutsche-Republik. Die Poale Zion und die politische Situation in der Tschechoslowakei. Die politische Lage in der Tschechoslowakei ist, gesehen vom Standpunkte des werktätigen Menschen, nicht erfreulich» Die herrschende bürgerlich-agrarisch-christlichsoziale Koalition) nützt ihre Zeit ganz gründlich und regiert arbeiterfeindlich drauf los, nur um den eigenen Profit besorgt, ohne Rücksicht auf die Belastungsmöglichkeit der Massen, ohne Sorge um die Zukunft. Die Arbeiterparteien der einzelnen Völker haben noch immer nicht zueinander gefunden, der. Wunsch' nach einem sozialistischen Block ist ■ . 1 leider noch immer nur Wunsch. Wohl werden bei verschiedenen Gelegenheiten Versuche gemacht, und wir wollen hoffen, daß sie erfolgreich sein werden, aber einstweilen sind keine greifbaren Resultate zu -verzeichnen und die erwartete Rückwirkung auf die arbeiterfeindliche Politik der Regierungsmehrheit ist . nicht erfolgt. Allein das Frühjahr ist da, und mit Jedem Frühling kommen die Gerüchte , "von den •Wahlen. Ja, wenn die Wahlen nicht wären, hätte die cRegierungsmajorität ruhigen Schlummer und weniger Sorgen. Aber die Wahlen! Wann sollen die sein, im Sommer, im Herbst? Werden dieselben eine . Aen:- derung in der Mehrheitszusammensetzung bringen? Wird es nach rechts oder wird es nach links gehen? Noch weniger erfreulich ist die Situation in der Ju'denheit. Ist schon ," die . Arbeit der bürgerlichen Zionisten kaum nennenswert,-, so ist ihre Einstellung! . zur Landespolitik einfach . katastrophal. Reine Vereinsmeierei, keine Idee /von politischer Voraussicht,, kein Programm i für heute,/ geschweige denn -für ..morgen, Man weißy bei bevorstehenden Wahlen wird .\dntweder, eine Zählkandidatur aufgestellt oder man' wird, gegen einpaar freundliche Worte eine "Koppelung,-empfehlen.; .-.Kommt -'Zeit; kommt Rat. Für die Poale Zion ist die Sache etwas; anders. Kaum über die . .Anfangsschwierigkeiten: der Neukonstituierung, heraus, -soll sie an diese schweren Fragen, die als ■Existenzfragen anzusprechen sind, herantreten. Werden die kommenden Wahlen ein Zusammengehen mit den bürgerlichen Zionisten noch.ermöglichen? Sollen .spviele Stimmen einer aussichtslosen Zählkandidatur geopfert werden? Wird der sozialistische Block aus dem Wuhschstadium heraus, wird er. Wirklichkeit werden?, Viele Fragen und wenige, eigentlich' noch' ' 'keine Antwort. ' , v .; . Eines ist sicher. Die bisnun befolgte Geleitschaft der Poale Zion mit den bürgerlichen .Zionisten in: rein zionistischen Angelegenheiten erfordert eine radikale Klarstellung. Auch1 die Arbeit in den Kultusgemeinden muß ausschließlich' vom 'Zweckstandpunkte betrachtet werden und die Richtlinien der Beratung in Olmütz müssen zu praktischen Folgerungen'führen. Was aber die Landespolitik betrifft, /da muß die, Poale. Zion, auch1 wem sie bfe . auf weiteres gering' An Zähl,ist,'jene Wege geheny, die ihre.Zukunft bestimmen. Es ist an uns, durch» Diskussion dieser Wege und Möglichkeiten, bald m einer eindeutigen Klarheit zu kommen, nach' innen und nach' .außefu Ani. Gemeinderat Julius Hermann ein Sechziger* Es scheint kaum glaubhaft zu sein, daß der stets rege, unermüdlich1 tätige Genosse Julius B e rmann das sechzigste Lebensjahr erreicht haben soll. Die Herzenswärme, den, Eifer, den wir bei Genossen Bermann stets bewundern, scheint mit diesem Alter im Widerspruche zu sein. Es bereitet aufrichtige Freude, solche ältere, ewig junge Kämpfer in unserer Mitte zu wissen. Julius Bermann zählt zu jener kleinen Schär der führenden Genossen, die die Arbeiterbewegung in pesterreich von den kleinsten Anfängen bis zu ihrer gegenwärtigen Macht geführt haben. Und gleichzeitig mit der Arbeiterbewegung, mit ihren stets wachsenden Aufgaben ist Gen. Bermann geistig gewachsen. Alle schwierigen Anforderungen, die die Gewerkschaft oder die Partei an Genossen Bermann gestellt haben, hat er voll und ganz erfüllt. Wir jüdischen Arbeiter und Angestellten wußten in. Julius Bermann stets den Genossen, der sich zu den arbeitenden Juden bekannte, der zu jeder Zeit bemüht war, die jüdischen Proletarier vor Not und Unrecht zu schützen, zu würdigen. Wir sind überzeugt, den Intentionen des Genossen Bermann zu entsprechen, wenn wir ihm und uns, anläßlich1 seines sechzigsten Geburtstages, wünschen: Möge es ihm gegönnt sein, noch rechf viele Jahre in unserer Mitte zu .wirken. und die. Arbeiterschaft bis zu ihrem endgiltigen Siege zu führen. Und es wird sein am Ende der i^e ■ ■ Von -M^. L. Halpermi Bringen; wird Frieden, und Ruhe der Erdei Ein König, der kommt auf schneeweißem Pferde. Ob dies ein Segen, ob dies ein Fluch — S'o kann; man lesen im heiligen Buch. Und es wird sein am Ende der Tage... Es glühten' die Sterne, . es blüte der Strauch1, Der Wald ward grün, das "Vöglein! sang auch1 — Doch das Leben wartot, ewig beklommen., Dem König, dem König entgegenzukommen. Und es wird sein am Ende der Tage— Die Erde verwüstet durch.' Feuer und Blut. Wen schonte das Schwert? Wem ward sichere Hut? Dein Blick, o König, wem wird er zuteil! Wer wird es schauen, das himmlische Heil! Und es wird sein am Ende der Tage.. fc 0 Herr, du Sehnsucht und Träume der Geschlechter, Wem bringst du Frieden? Wir flehen zu dir*! Für dich ward vergossen1 das Blut — du Gierechter! Es ruft und forderb Antwort von mir! Und es wird sein am End© der Tage... (Aus dem. Jiddischen1 von G. L.) Das arbeitende Palästina. '• - v Vba Emile Vandörrold«.. (Hede Sä feiner tom. 5000 Arbeitern, besuchten "fbin äammlung in Tel-Awiw.) Es ist Öiea dicht das erste Mal, daß ich! vor tsfiueir gtfoßea Versammlung jüdischer Arbeiter spreche. Schorn vor -zwanzig Jahren hatte ich Gelegenheit, in dem großen; jüdischen Zentrum New-York zu einer Massenversammlung jüdischer Arbeiter zu reden. Das war damals im Wahlkanrpf, als der? sozialistische Führer Eugen; Debsfür die'Präf sidentschaft der Republik kandidierte. Aber zwischen; jener Versammlung und der, vor der ich heute spreche, besteht ©im gewaltiger Unterschied; denn heute stehe ich' Vor Üer jüdischen; Arbeiterschaft in ihrem eigenen Lande; in ihrem alten .Heimatlande, dessen Neuaufbau sie vollzieht. Diese wundervolle Versammlung heute' abend ist ein Zeugnis für die große organisatorische Kraft Eueres Ver bandes. In dieser Beziehung kann, sich! Euere Organisation mit den Arbeiterorganisationen der entwickelten europäischen Länder durchaus messen. Ich würde vielleicht f erstaunt gewesen sein, in Palästina, das uns immer als ein; zurückgebliebenes Land erschienen ist, eine solche machtvolle Versammlung von Arbeitern zu treffen. 'Aber nach allem, was ich auf meiner Reise durch! dieses Land schon an Wunderbarem.gesehen habe,' habe ich es verlernt, mich über irgend etwas Ueberraschendes, Neues zu wundem. Der Vorsitzende dieser Versammlung hat in seiner Einleitungsrede gesagt, daß meine Aufgaben nicht mir in der belgischen Arbeiterschaft gelegen haben, sondern: auch in der internationalen Arbeiterbewegung. Aber gerade bei meinen Reisen als Delegierter der Internationale habe ich'in den verschiedenen Ländern gesehen, wie eich die Arbeiterschaft überall ihre eigenen speziellen Formen geschaffen! hat.So hat die starke sozialistische Partei Deutschlands den Arbeitern der ganzen Welt als Muster a. , für politische Klassenorganisation gedient. So hat die Gewerkschaftsbewegung der englischen Arbeiterschaft schon in den Tagen der Chartisten einen politischen Ausdruck gefunden. So habe ich in Oesterreich gesehen, wie die Arbeiterschaft im Rahmen einer umfassenden munizipalen Arbeit) das Problem der Arbeiter Wohnungen löst. So ist es uns in Belgien gelungen,'in einer einheitlichen Orgar misation alle: Zweige der Arbeiterbewegung zusammenzufassen: die sozialistische Partei mit den ,■ Gewerkschaften und dem Bund der Gen'össenscha.ften'. Und so finde ich »liier in Palästina die große und spezifische Neuerscheinung:, eine machtvolle Organisation landwirtschaftlicher Arbeiter; die kolonisatorische Tätigkeit'entfaltet und eigene Wirtschaften geschaffen hat. Ich habe das Land durchreist, von Jerusalem' ^um Jordantal; ich bin durch' das, ganze Emek Israel "gefahren und schließlich von; Haifa durch Schomron.und Jehuda naclil$Tel-Awiw. Ich habe die verschiedenen Formten der Siedlungen gesehen von den Kolonien, > die der Baron Rothschild gegründet hat, bis zu den landwirtschaftlichen Kwuzoth des Emek Israel. Und ich habe gesehen, wie die Arbeiter, die früher in den verschiedenen Ländern zerstreut waren, ständigen Verfolgungen ausgesetzt, ständig von Pogromen bedroht,- .hier im eigenen Lande wieder vereinigt, aus der Berührung mit dem Boden neue Kräfte und neue Energien, schöpfen und so zu einem wichtigen Teile der Gewerkschaf tsinternationalo "geworden sind. Mit großer Freude habe ich1 feststellen! können; daß Euere Organisation an allen Orten besteht und lebt. Als ich in Haifa eine der Fabriksunterneh'rnungen besuchte; da empfing mich nicht nur die Fabriksleitung, sondern auch der Arbeiterrat. Und in Chederah fand ich nicht mir die Begrüßung durch die Landwirte und Plantagenbesitzer des Rats der Kolonie, ich fand auch die Arbeiter, die jungen An den Gräbern unserer Helden! Dem. Andenken der Opfer des 1. Mai 1921 in Jaffa gev i widmet. , Im verlassenen und verwüsteten Lande, wo die Wiege unseres Volkes stand, hörte man jahrhundertelang keine jüdischen Arbeitsklänge mehr, verstummt war das letzte < L^ed schöpferischer Arbeit. In allen Ländern der Welt irren Juden herum, ohne .eigene Scholle, fern den Hauptquellen der Arbeit. Ueberall ■;> und „von allen nur als Gäste betrachtet, überall und van allen in die dunkelsten Winkel und Ecken gedrängt. Und ^•ajinzelne, denen es zufällig gelang, sicth zu wirtschaftlicher vHöhe emporzuarbeiten, auch! ihre Existenz ist ständig bedroht: das Damoklessohwei*t schwebt drohend über ihrem Haupte. •'. ' ■ Das Land' verlassen und wüst, das Volk zerstreut und yiersprengt: so folgte eine Generation der anderen. ,.\.'\ .• . Immer steiler wurde ihr Weg, immer enger der ihnen zugewiesene Raum, immer elender ihr Luftleben. Da erwaohte in den Besten des Volkes die 'große Sehnsucht. Nicht nur zurück aur Wiege des Volkes, nein, zurück: zu? Scholle, die verlassen wie. wir! Zurück zur Quelle der Arbeit, die längst versiegt ist. Ein lebendiger Teil der iWBnsohüohenj Gesellschaft werden! Unser junges Geschlecht begann ein neues Blatt im Buch der Geschichte: Eine neue Epoche. brach an. . * Und in den Seelen unserer Besten, erwachte die Sehnsucht, die Höhen höchstem Menschentums zu erklimmen. -Die bis nun Versprengten und Zerstreuten verbanden sich zu einer Familie. Und über ihnen schwebte diegewaltige und allmächtige Majestät der Arbeit. Das Ideal des Sozialismus führte sie in das verlassene' Land einer rückständigen Bevölkerung. Sich selbst befreiend erlösen sie ihr Volk, bauen ein neues Vaterland.' Sie befreien ihre Arbeit von den Ketten des Kapitals. So schaffen! wir ein,jAneues Glied in der Kette des Weltproletariats. ': * Und an1 dem Feiertage, den' die Welt zu ihrem größtem zählt, dem Tage; an dem die Arbeiter der ganzen Welt für eine bessere Zukunft demonstrieren und weit über Grenzen, Meer© und Berge in allen Menschensprachen,. Rufe der Verbrüderung und Befreiung, des Friedens und ,der Gerechtigkeit laut'werden —- an dem Tage gingen auch unsere jungen Brüder unter des lichtklaren Himmel Palästinas auf die Straße. Sie weihten ihre Fahne der Freiheit uns und allen Mens ohen. Und auf kaum erwachter Erdet klangen rhythmisch die Schritte der jungen Streiter, funserer jungem Generation,, 1 i i i pa entbrannte Haß und Zorn in den Feinden, fäer » Arbeiterklasse und sie fanden willige Werkzeuge. Menschern, selbst verfolgt'und erniedrigt, aber verführt und bestochen von ihren, eigenen Feinden, brachten den Tod ihren eigenen Freunden. Eine Welle vom. Blut ergoß sich über das junge Land, teure Opfer fielen, mit ihnen der geniale Dichter der jüdischen Arbeiterschaft in Erez-Israel— Josef Chaim Brenner. ■ Die Boten der Verbrüderung und des 'Frieden» in Erez-Israel waren Opfer auf dem Wege zu ihrem Ideal. Sie fielen im Kampfe, geheiligt durch Blut). ■ Sollen Tränen unser Jiskor sein? * Nicht Tränen sollen die Erinnerung an unsere Helden wachhalten.' Wir beugen uns nicht über die Gräber unserer teuren Opfer — auch sie haben sich nie gebeugt). Stolfl und aufrecht trugen sie die Fahne der Arbeit und Freiheit. Nicht Rache schwören wir an ihren Gräbern! Blut könnte / t ihrs heiliges Andenken nur entweihen^ Ihre Taten und ihren Tod werden. wir nie vergessen;. Wir 'geloben:. Nicht umsonst haben sie gelebt undi ■ gelkämpft, nichV umsonst sind sie. ■ gestorbeni. Ihre Arbeit führen wir fort, ihr und unser Ideal muß siegenj, 1 Dies unser Cielöbnis: an den G-rä^ern unserer, Itoite» Helden. I* K, b»Ä».--1 -.ms 2süi.u.'i' '.- L.....■.....■ . ■ . v. '■