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Der Jüdische Arbeiter · 1928-04-23 · Heft 6 (23.4.1928) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
5 (1928)
Issue
Heft 6 (23.4.1928)
Date
1928-04-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ppt jffdlgchei Affefeitar Seite 3 gtftdt irt der zioriistiscfferr Bewegung überhaupt und Jm Kfeise unserer Genossen in der Arbeiterbewegung geführt werden, um die elementaren Begriffe eines geordneten Finanzsystems klarzulegen; über das balancierte Budget, den. Unterschied zwischen! einer Politik' der langfristigen Anleihen und dem System der „Defizitologie", wie ich1 die Methode der öeldtufbringung mittels kurzfristiger Schuldwechsel tfannte, über die Notwendigkeit, die Struktur des Budgets zu Gunsten der rein ökonomischen Ausgaben zu ändern, über den Zwang, die zahlungsmäßig>ev Vergrößerung der jüdischen Bevölkerung ihrer" vollkommenen Einordnung, und der Befriedigung der kulturellen Bedürfnisse voranzustellen, über die Notwendigkeit, Periöden zur Befestigung eroberter Positionen einzuschalten (die berühmte Konsolidierung,! die Dr. Ruppin anläßlich1 des Budgets für das Jahr 1925 proklamierte!) mußte viel gesprochen werden; wir gedenken] noch' alle /der Diskussionen, die im Uager der Arbeiterschaff geführt wurden und der Losungen, um die sie sich1 drehten'. Ihr Resultat war 'das fast vollständige "finanzielle Gleichgewicht am Ende des Jahres 1925 und die ersten Schritte zur. Erlangung einer, Anleihe für den „Keren Hajessod" von einer großen englischen Bank für 5 Jahre. Es lohnt sich1, diese schwere und zeitraubende Sanie-. rungsarbeit zur Zeit der „Arbeiterherrschaft" mit der Finanzpolitik des von Arbeitern und ihrem Einflüsse freien „Waad Hazirim" (vor dem Jahre 1921) zu vergleichen, der als Erbschaft der Bank eine in der Luft schwebende Schuld von 50.000 Pfund (49.000) hinterließ, die bis heute vom „Keren Hajessod" abgezahlt wird. Aber diese Periode der finanziellen Konsolidierung, an der sich; die Arbeitervertreter entscheidend beteiligten, hat man längst vergessen und sich' bemüht, sie auch die Öeffentlichkeit vergessen zu machen. Denn bekanntlich' mehrten sich' unsere Sünden in den letzten zwei Jahren. Das Kontobuch der Aufhetzung ist aufgeschlagen und die Schreiber (und1 Schreier über „die Geheimnisse gesunder Finanzen" belasten unsere Rechnung mit der Schuldenwelle, in die die vorige Zionistische Exekutive eingetreten ist. BfOB^raaMWMM^^ 1 Paul Äxelrod. Der internationale Sozialismus h'at einen schweren Verlust, zu beklagen. Paul Axelrod, .eine der bedeutendsten Führer der russischen Sozialdemokratie, eine der schönstem Gestalten der sozialistischen Internationale, ist gestorben1. ,; . Paul Axelrod war einer jener Männer, die sich1 aus den Tiefen proletarischen Lebens, proletarischer Not zu führender geistiger Höhe emporgerungen haben. Ein Sohn armer jüdischer Eltern, hungerte er sich1 seine Studienjahre durch'. In den jungen Jahren stellte er. sich in den Dienst der Revolution und bis zu seinem letzten. Atemhauch1,— er erreichte ein Alter, von 78 (Jahren — blieb er der Sozialdemokratie treu. wieder wie folgt: Die Zahl der das1 ganze Jahr beschäftigten; Arbeiter beträgt 1437, in! den. Hilfs wirtschaften: sind 187 mndt bei Saisonarbeiten; 2547 Arbeiter beschäftigt. Was die arabischen Arbeiter in. den; jüdischen privatwirtschaftlichen Kolonien; anbetrifft, ist festzustellen, daß, e* nicht gelungen: ist, genaue Zahlen von allen Arbeitsstellen: zu erhalten1. Laut den vorliegenden Nachrichten arbeiten jetzt in den Kolonien' 1800—2000 ständige arabische /Arbeiter und außerdem 3000—3500 Saisonarbeiter. Diese Zahlen1 zeigen offensichtlich, wie groß die Aufnahmsfähigätieifc der Pflanzungskolonien ist und wie" weitreichend in1 dien! letzten zwei Jahren die Hilfsmögliahbeiten der privatwirtschaftlichen' Kolonien' bei der Erleichterung der Arbeitfllage hätte sein können. Die Prag© der Arbeitsbeschaffung für die Saisonarbeiter erfordert eine gründliahe Untersuchung. Die Sohaffung dar Hilfswirtsohafteni für die Arbeiter wurde sehr vernachlässigt und die Annulierung des Budgets für dte Koloniearbeiter durch' die neue Zionistische Exekutive bedroht die Existenz auch jener kleinen Anfänge, die bereits gemacht wurden. Es ist schwer, schon jetzt festzustellen', wie diesen Sommer die Arbeitsfrage in den Kolonien jjeilöst und die Auswanderung der arbeitslosen Saisonarbeiter .vermieden werden kann. Die Sorge, dafür muß im Zentrum der Arbeit in der nächsten Zeit stehlen. Man muß dessen eingedenk sein1, daß die Plantagemwirtschaft üich! immer mehr erweitert und zweifellos in wachsendem Maße als Aufnahmeplatz für den jüdischen' Arbeiter dienen wird Di© Angaben über die Planteigenwirtschaft bestätigen vollauf dies« Annahme. Nach' der englischen Okkupation wurde eine Wehe von 10.500 Dunam Orangen- und Bananenplantagem Paul Axelrod) stand unserer Bewegung seif JaNren sympathisch' gegenüber, er bewunderte die Leistungen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. Wir werden Paul Axelrod nie vergessen. Die Beschlüsse der Beratung in Olmütz. I. Die Beratung der Vertreter der Poale-Zion- Organisationen der Tschechoslowakei, Deutschlands und Oesterreichs, die am 15. April 1928 getagt hat, erklärt, daß sie es als notwendig erächtet, die'Poale Zion Westeuropas organisatorisch1 zusammenzufassen. Die ähnlichen Verhältnisse, die in diesen Ländern herrschen, die Schwierigkeiten, die der Tätigkeit der Poäle Zion dort gegenüberstehen, machen es zur Pflicht, durch1 gegenseitige Unterstützung, durch' gemeinsame Arbeit unsere Bestrebungen der Gewinnung der arbeitenden jüdischen Massen für unsere Bewegung zu fördern. Als erster Schritt 'ziff" Verwirklichung dieses Zieles betrachten) wir die Zusammenfassung der Poale Zion der Tschechoslowakei, Deutschlands und Oesterreichs. '• II. Zu diesem Zwecke soll die Werbetätigkeit in Wort und Schrift für den Poale-Zionismus und für das arbeitende Palästina zentralisiert werden. III. Als Aufgaben für die nächste Zeit werden erachtet: 1. Die Umwandlung des Organes der österreichischen Poale Zion in ein Organ der Poale Zion der drei Länder und den: Inhalt desselben den Interessen und Wünschen der Poale Zion der Tschechoslowakei, Deutschlands und Oesterreichs anzupassen. 2. Die Sicherung einer raschen Bewerkstelligung der Herausgabe von poale-zionistisch'er Aufklärungsarbeit durch die Abhaltung von Seminars und Kursen. IV. Jeder der Poale-Zion-Parteien der drei Länder führen ihre Tätigkeit autonom, sie sind nur an die Beschlüsse der W. K. und des Weltverbandes Poale Zion gebunden, doch! erachten: wir als Grundlage für iunsere gemeinsame Arbeit folgende grundsätzlichen Richtlinien. 1. Die selbständige Arbeit auf dem Gebiete des "jüdischem Lebens. 2. Die Iandespolitisch'e Betätigung im Einklänge mit der söz-dem. Arbeiterschaft des betreffenden Landes auszuüben. 3. Das Eindringen in die jüdisch'en* Gemeinden, um dort im sozialen! und weltlichkulturellen Sinne zu wirken. . 4. Die aktive Mitarbeit für die Institutionen des arbeitenden Palästina1 und im „Hechäluz". 5. y'Iri Ortschäften', in denen Ligen für das arb'eitencle Palästina bestehen, werden die Genossen aufgefordert, denselben] beizutreten; wo hoch1 keine bestehen, soll ehestens an die Gründung von Ligen geschritten werden1. bearbeitet. In den Jahren' 1923—1927,- als« nach! einer Unterbrechung von einigen Jahren! mit der Pflanzung von: neuen! Orangengärten begonnen wurde, wurden weitere 11.000 Dunam gepflanzt.' Wenn wir die großen' Profite der Orangenplantagen in Betracht ziehen, scheint die Annahme bereohtigt zu sein, daß auch im Jahre 1929 wenigstens dieselbe Fläche wie im* Jahre 1928, d. h. 9000 Dunam, angepflanzt werden wird. Diese so schnell anwachsende Pflanzungsfläche eröffnet neu© Perspektiven' für die Vermehrung der Anzahl jüdischer' ' Arbeiter in' den Kolonien!. Wenn daher die Ohaluzim-Einwanderung nioht erneuert wird, werden wir vor einem Mangel an landwirtschaftlichen! Arbeitern stehen!. M Wir haben1, seinerzeit darüber berichtet, daß die Arbeitszentrale der Arbeiterorganisation dem Oberkommiasär einl Memorandum die Arbeitslage betreffend vorgelegt hat und daß die Mitglieder des Exekutivkomitees der Arbeiterorganisation in dieser Frage eine Unterredung mit dem Oberkommissär hatten'. Aus kompetenten Quellen vernehmen wir, daß die Regierung daraufhin beschlossen' hat, die Arbeit beim Chaussee-Bau KalkiliehU-Petaoh—Tikvah! dermaßen* zu erweitern, daß sie die Möglichkeit bieten' wird, 400—500 Arbeiter aus Tel-Awiw zu beschäftigen'. Durch! den Beschluß über diese Arbeit an Stelle der Anleihe von 15.000 Pfund Sterling für die Stadtverwaltung in Tel-Awiw,- die das Exekutivkomitee von der Regierung gefordert hat,- glaubt die Regierung, die Einstellung der Arbeitslosenunterstützung zu ermöglichen. Bürgerliche Zionisten Stlidenteft als elende Kriecher. Der bürgerliche Zionismus, einst reich! am rjattoöBttirevolutionärem Inhalt, verflacht und! versumpft zueebendi.' Daß die Anhänger der zionistischen Idee noch tot den» Kriege durchwegs auf der Seite der Demokratie und d** " Fortschritts, wie auch1 fast immer auf Seite der UafeirV •drückten! am •finden waren, wird niemand leugnen. Html» aber ist es schon zur Tatsache geworden', daß der bürg«*- liche Zionismus das Los aller bürgerlichem Ideale teiÄ.4 Die Korru&pierung seines Ideengehalts schreitet immwr weiter vor. Heuchlerische Phrasem auf scheinheiligen! Up* pent und feiger Egoismus im Herzen': dieser Art isfrjM* Pflanze—. Und ihre Blüte? Eine Frucht eben dieser Blut« gibt uns Anlaß zu diesen Zeilen. Wir haben uns schon: daran gewöhnt, daß die zionifl/ti- - sehen! Studentenverbindungen Italiens, deren Mitglieder hauptsächlich Ausländer, Opfer ihres vaterländischen Faschismus sind, keine Gelegenheit ungenützt vorbedgehf* lassen', um Mussolini zu gratulieren! oder gar zu huldigeia. Hier könnten' sie noch1 — vom engen nationalistischle» Standpunkt aus — darauf verweisen!, daß weder der Taschismus noch Mussolini dem italienischen Judentum (Be* hier Judentum-jüdische Bourgeoisie) schlecht gesinnt seien. Dies1 aber kann man1 schon keineswegs vom HortUfrregime und seinen Henkersknechten behaupten. Denn mi* welch blutigen Taten die erwachenden Grafen und Offizien* a la Hejas und Pronay, das Judentum Ungarns niederknüppelten und wirtschaftlich! schädigten; braucht keinem Menschen, am wenigsten aber den Juden Ungarns einrt gesagt zu werden. Bei der letztem Konferenz der ungarischen' Zioniefte»» wurden zwei' Huldigungstelegramme am Horthy und Bethle» beschlossen. Die Wiener zionistische Presse verschwieg} diese Tatsache. Wir hoffenl aus Schamgefühl Auf die*« unerhörte Entwürdigung des Zionismus, auf diese schamlose Kriecherei, gibt es nur ein': Pfui Teufel! Ein Mißverständnis oder böse Absicht? (Die ukrainischen Sozialisten und die Züricher Resolutt'ota,;) Im „Robotniok", dem offiziellen' Organ1 der sozialistischen! Partei Polens, erschien am 19. März unter dar schreienden' Ueberschrif t „Die Rehabilitierung! des Atama» ' Petlura" eine Notiz, die die Verhandlungen der Exekutiv* der Sozialistischem Internationale über die Taktik dem ukrainischen Sozialdemokraten' nach1 Petljuras Ermordung, zum Inhalt blatte. Im Zusammenhang damit, erklärt der Vertreter der Poale Zion bei der Exekutivsitzung, Genioawr Jarblum,- daßdie erwähnte Notiz nicht nur den Sie*, der angenommenen Resolution fälscht, sondern: selbst. de* Text im tedenziösei Weise vollständig entstellt. Das Verbandsbureau der Poale Zion wendete, sich a» das Sekretariat der Internationale und ersuchte es «ib. das sich darauf beziehende Material. Aber schon jetzt können wir kategorisch erklären), daß die Exekutivsitzung säcH weder mit dem Thema Schwaxzbard moch mit einer Wertwngr der Persönlichkeit Petljuras und schon' überhaupt nicht mit seiner Rehabilitierung! beschäftigt hat. Es handelte , sich1 nur um die Beschuldigungen',- die die ExekutivmiKglieder, Gen. Abramowitsch (russ. S. D.) und Gem. Locken (P. Z.) gegen die Taktik der ukrainischem SozioHemokratejai; die sich im ihrem Manifest mit Petljurai solidarisch erklärt haben, vorbrachten. Im der einstimmig angenommenen Resolution! wurde auch1 dieses' Vorgehen scharf und ■ unzweideutig verurteilt. Wir müssen annehmen, daß die P. P. S.., die der Sejm-1 wahlem wegen keinen Vertreter zur Sitzung der Exekutiv« delegiert hat, einer böswilligem tendenziösem Information», zum Opfer fiel. Es1 wäre aber seitens der Redaktion die* 5,Robotnik" eine mehr vorsichtige Kritik ihrem Informationsquellen gegenübergeboten. Der „Hechäluz" in Rußland verboten. Es bestätigt sich' die Nachricht, daß der „Heehaltej'' vom den Sowjetbehörden aufgelöst wurde und daß sich ßein* Siedlungen in großer Gefahr befinden. , Seit Jahr und Tag '■intrigierten die jüdischem Kommunisten' gegem diese Organisation, die das Sowjetsysten* weder öffentlich noch! im Geheimem bekämpfte, die eich! ausschließlich mit der Vorbereitung der Ohaluzim für Palästina befaßte. Die Siedlungen der Ohaluzim, die sowohl' vom landwirtschaftlichen als vom kollektivistischen Gen siohtspunkte Musterkolonien sind, waren den jüdische« Kommunisten,- der „Jewsektia", eim Dorm im Auge. Abw; alle Intrigen und Denunziationen der fanatischem Palästinafeinde prallten am reinem Schilde, am der unvergleichlichen Energie der jungen Palästinapioniere ab. Nu* haben die Intriganten und Denunzianten über die begeister- ' ten Idealisten gesiegt. Die Organisation „Hechäluz" wurd* aufgelöst, die Führer 3chmachteni im dem Gefängnisse*' ,und werden nach Sibirien deportiert, die Siedlungen d*fr Ohaluzim etehem vor der Gefahr^, willkürlich zerstört werden. -

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