Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- Heft 6 (23.4.1928)
- Date
- 1928-04-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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t&fe 2 Der jüdische Arbeite* Nf. $ Freitag» Keif 27. d. M.r 8 Ufa abend , finde! im Cate j,Neptun", XX., QäuBpiate 7, eine Versammhing statt Tagesordnung: Die jüdische Arbeiterschaft und der 1. Mai. Referent: Prof. Dr. Hirsch'!. RS Politische Legenden und finanzielle Konsolidierung. VonS. Kaplansky. ' x " ' L Eine der Legenden, die man in der, zionistischen Welt verbreitet hat und zu verbreiten fortfährt, lautet, dafi die Entfernung der Arbeiter aus ihrer bekannten „Herrschaft" in der Leitung der zionistischen Arbeit um der finanziellen Gesundung willen notwendig war. Die Oeffentlichkeit, die in der Entwicklung der. Dinge nicht bewandert ist, und die es größtenteils weder liebt, poch' dazu fähig ist, sich1 mit der beschwerlichen Arbeit der Analyse von Zahlenreihen zu befassen, neigt dazu, die Beschuldigungen gegen die Arbeitervertreter für bewiesen hinzunehmen. Diese -Beschuldigungen lauten dahin, daß sie für die illusorischen Budgetvoranschläge, die angeblich1 jeder •realen Grundlage entbehrten, sowie für die Ausgaben, die die Einnahmen des Keren Hajessod überstiegen und als Folge davon für. das Defizit der Zionistischen Exekutive im Lande, das Ende des "letzten Berichtsjahres sich' auf die beängstigende, Summe von 150.000 Pfund' Sterling laut den Abschätzungen auf dem Kongreß oder 170.000 Pfund, wie ich' jetzt aus arideren Quellen vernehme (der 'Rechenschaftsbericht des letzten Jahres ist noch' nicht angelangt), stellte, verantwortlich1 seien. Diese Verleumdung würde mit Leichtigkeit geglaubt, da auch1 gute Zionisten, 'die nicht 2u den Arbeiterfeinden zählen, zu der Auffassung neigen: „Freilich1, woher sollten denn1 auch die Arbeiter in Finanzangelegen- Weiten bewandert sein?" Sie sind zu fordern und zu wirken gewohnt, sie müssen ihre Parteimitglieder befriedigen (die anderen, bürgerlichen: Gruppen, haben bekanntlich1 keine Oeffentlichkeit, die fordert, keine Parteien, stehen nicht vor der Notwendigkeit, jemanden1, zu befriedigen; diese Plage hat nur die Arbeiter . berührt!); deshalb überlassen sie die Sorge für die Deckung des Budgets uns, den allgemeinen Zionisten, während die Arbeitervertreter in: der Zionistischen Exekutive mit der Vergrößerung ihrer Verpflichtungen jün'd Schulden beschäftigt sind. So lautet die landläufige Legende, die wir einmal, im Lichte der Tatsachen, untersuchen wollen. Nehmen, wir die Rechrtungsbücher für die 6 Jahre, 1922—1927, die. Zeit, in der zwei Vertreter der Arbeiterparteien in der Zionistischen Exekutive ,nnd im Wirtschaftsrate saßen und, sehen wir zu. Der zwölfte Karlsbäder Kongreß im Jahre 1921 setzte für das Jahr 1922 ein Budget in der Höhe von; 656.000 Pfund fest. Dies war ein gewöhnliches und beschränktes Budget und man hoffte, daß die Einnahmen des „Keren Hajessod" ein volles und umfassendes Budget in der Höhe von 1.5 Millionen er* möglichen würden. Soweit ich1 mich' erinnere, Watten die Arbeiter auf diesem Kongreß sogar keinen Vertreter in der Budgetkommission, die ohne jeden „Druck" von Arbeiterseite arbeitete. Nach' dem Kongreß, als ich' im .Wirtschaftsrate in London tätig war, wurde mir mehrmals gesagt, daß dieses Budget von der Kommission! angenommen und dem Kongreß vorgeschlagen wurde auf Grund ausdrücklicher Versprechen der Zionisten Amerikas, daß sie selbst ohne Beihilfe anderer Länder, dem Keren Hajessod diese 650.000 Pfund (was einer Summe von 50.000 Pfund monatlich' entspricht) liefern würden*). Wenige Monate nach' Beginn der Arbeit in Jerusalem und London stellte es sich heraus, daß diese Voranschläge und Versprechen zumindest übertrieben waren, und entsprechend dem Vorschlag des.Wirt-* schaftsrates, dessen Leiter ich' damals war, wurden sofort radikale Einschränkungen im. Ausgabenbudget in den Grenzen des Möglichen durchgeführt, um dieses den verminderten Einnahmen anzupassen. Nur während eines Drittels des Jahres arbeitete die Zionistische Exekutive im Lande auf Grund des bestätigten Budgets von ungefähr 50.000 Pfund monatlich'. Nach' 4 Monaten wurde das Budget auf 35.000 und in den Monaten Juni-Septernber 1922 sogar auf 26.000 Pfund monatlich1 vermindert (siehe den Bericht der Zionistischen Exekutive für den 13. Kongreß, deutsche Ausgabe, Seite 122). Trotz dieser Anstren- *) Herr De Lieme erwähnt© diese Tatsache auf dem 13. Kongreß (siehe Protokoll des 13. Kongresses,; deutschte Ausgabe, Seite 448). Verein der Freunde des arbeitenden Palästina Wie«, II., Taborstraße 1 Jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation PO ALE ZION Wien, II., Blumauergasse l Sonntag, den' 29. April 1928, punkt 8 Uhr abends^ in der „SCHOLLE", II., Lilienbrvmngasso 1 (Dianabadgebäude) für die Opfer deä 1. Mai 1920 in Jaffa Programm: Chor der ,JSAJ: O gyter 'Freund ... Violinvortrag! Gedenkrede: Mendel Singer Rezitationen: Jiddisch! Chor: Hebt die Fahnen in1 den1 Wind Künstlerische Leitung: Bildungs stelle der jüdisch-sozialistischen! Organisationen Beginn punkt 8 Uhr gütigen erreichtem die Ausgaben auf Rechnung de* Budgets für das Jahr 1922 die Höhe von 493.000 Wund '(31.275 Pfund für die „HadässähfS die der Joint beisteuerte, inbegriffen) und dieses Jahr schloß mit einem Defizit in der Höhe von 90.350 Pfund »b (darunter 11.000 Pfund aus dem Jahre 1921). > Die,» grolk Weisheit der Notwendigkeit eine» balancierten Budgets und der Vermeidung von Defiziten entging der Zionistischen Exekutive auch nicht zur ^eit der Arbeiterherrschaft. Während der 3 Jahre 1923—1925 ging man systematisch daran, das palästinensische Budget den /Möglichkeiten des „Keren Hajessod" anzupassen und das Defizit aus der Welt zu schaffen. Ohne viel über die amerikanische Enttäuschung zu diskutieren, ohne Klagen und Beschwerden über die zionistische Organisation in den Vereinigten Staaten, wurden die Konsequenzen gezogen und die Operation vollzogen. Das Budget für das Jahr 1923 wurde auf 423.000 Pfund festgesetzt, davon 90.000 Pfund zur Deckung des Defizits und nur 333.000 Pfund für die praktische Arbeit in Palästina. D. h'., das Budget des Jahres 1923 wurde um die Hälfte des Budgets des Vorjahres herabgesetzt E& wurde nicht einmal der Versuch' unternommen, die Tilgung des Defizits auf mehrere Jahre zu verteilen. Richtig ist, daß die gute Absicht nicht vollständig verwirklicht, wurde; jedoch 25.000 Pfund wurden auf Rechnung des Defizits, das sich' Ende 1923 auf Ungefähr 38.000 Pfund stellte, bezahlt. Die Anpassung des Budgets an die finanziellen Möglichkeiten wurde auch im Jahre 1924 fortgesetzt und der 13. Kongreß bewilligte für dieses Jahr ein Budget von nur 397.000 Pfund (nebenbei, auf Grund der übertriebenen Voraussetzung, daß man auf Rechnung des Defizits 54.000 Pfund1 werde -bezahlen müssen; somit verblieben .für die Arbeit im Lande nicht mehr als jm Vorjahre)'. Tatsächlich1 gab die Zionistische Exekutive im Lande im Jahre 1924 nur 350.000 Pfund aus und das Defizit wurde nur wenig vermindert. Doch1 das Ziel wurde im Jahre 1925 erreicht. Für die Vorbereitung des Budgets für das Jahr 1925 war ich besonders verantwortlich1, da ich' im Frühling dieses. Jahres im Auftrage des Wirtschaftsrates zwecks, Ausarbeitung des! Budgetvoranschlages, ins Land kam.. Außer den Zahlungen des „Keren Hajessod" in London (ungefähr 30.000 Pfund) wurde für das Budget der Zionistischen Exekutive in Palästina die Summe von 375.000 Pfund bewilligt. Das war das erste Arbeitsjahr ohne Budgeteinschränkungen in der Mitte des Jahres; das erstemal seit seiner Gründung, hat der „Keren Hajessod" das Budget voll decken können und nach1 Abzahlung von 22.000 Pfund auf das Schuldenkonto verminderte sich' das Defizit auf 15.000 Pfund. Tatsächlich' wurde dadurch das Defizit des Jahres 1922 getilgt. Ich' kann nicht behaupten, daß uns das leicht gelungen ist. Es mußte eine beständige Aufklärungs- Palästina-Fundschau. \ Tagung des Zentralratea der Histadruth'. — Die Arbeitslage i n! den1 privaten' Kolonien. — Die Begierung und die Einstellung der Arbeitslosenunterstützung. In' den Tagen vom 18. bis zum 21. Marz fand in Telj- Awiw die dritte Tagung» des Zentralrates der „Allgemeinen1 Jüdischen' Arbeiterorganisation in Palästina" statt.' In den! Beratungen herrschte diesmal eine ganz andere Stimmung, &la in allen; anderen Beratungen der Arbeiterorganisation lia den letzten anderthalb Jahren', eine Stimmung, der Sicherheit und des Glaubens, der Entschlossenheit zur neuen Tat. Der Bat trat ja in1 einer Zeit der Liquidierung! der schweren Krisis, die zwei Jahre laug! den' Arbeiter im Lande bedrückte, einer Liquidierung durch! dte eigene Anstrengung der Arbeiterschaft, zusammen'. Die Kraft und der Einfluß des Arbeiters im Lande erwiesen' sich' als hervorragend und der Bat, hat nach Wegen gesucht, um auf Grund und mittels dieser Kraft der Krisis der zionistischen; Bewegung überhaupt ein! Ende zu setzen und sie auf den! Weg neuer konstruktiver Tat hinüberzuleiten. \ Das Exekutivkomitee der Arbeiterorganisation' legte dam Zentralrat einen ausführlichen, 71 Seiten, umfassenden Bericht über die Tätigkeit innerhalb der letzten' vier Mo- •n&te vor, der folgende Abschnitte umfaßt: 1. Die Tätigkeit des Sekretariates, 2. Arbeit und Arbeitslosenunter- «tützung, 3. der Kampf für das Beoht auf Arbeit in den privatwMschaftlioben Kolonien, 4. landwirtschaftliche Kolonisation, 5, Arbeitsbedingungen und Verhandlungen mit Arbeitgebern, - 6. Arbeiterzahlung, 7, neue Institutionen der Arbeiterorganisation, 8. Ausland, 9. Budget, Steuern, Fonds, 1.0; Arbeitszentrale, 11., Arbeitersiedlungen! in den Städten, 12.v Kulturkommission), 13. Einwanderung, 14. Arbeiterkrankenkasse. Die Tagung wurde von Gen. Ben Gurion eröffnet. Ins! Präsidium wurden die Genossen Ben1 Gurion, Ben Zwi und Sprinzak gewählt,' als Sekretäre die Genoasen Golomb und! Efter. Das erste Beferat hielt Gen1. Frumkin über die Arbeitslage (wir werden! den; Inhalt des Beferates bringen). An' der anschließenden Diskussion beteiligten ■sich viele Genossen, die fast alle den großen Erfolg der Arbeiterorganisation in der selbständigen Aktion zur Liquidierung der Arbeitslosigkeit betonten. Der Wunsch, diesen Weg bis zur vollständigen Ueberwindung der Arbeitslosigkeit fortzusetzen, wurde von allen Seiten betont. Die dritte Sitzung des Bates bestätigte die Wahl des ^Obersten! Wirtschaftsrates" der Arbeiterorganisation (Aharonowicz, Brudni, Twerski, Kaplansky und Bernes) und der Genossensohaftszentrale (Garfunkel, Dikenstein und Sabarsky) und setzte die neue Gehaltsskala für die Angestellten1 der Arbeiterorganisation fest. Das Prinzip der Gehaltsskala ist: Gleiches Gehalt für alle Beamten, mit Familienzulagen entsprechend der Größe der Familie. Ausnahmen von dieser Skala sind nur dann zulässig, wenn1 der Gesundheits- oder Familienzustand eines Beamten eine besondere Behandlung erheischen sollte ©der bei speziell Qualifizierten, auf deren Dienste eine der Institutionen! nioht verzichten kann (Aerzte, Ingenieure, Wirtschaftsfachleute usw.). Im letzten Fall darf das Gehalt 30 Pfund Sterling im Monat nicht übersteigen und nur auf nicht gewählte Funktionäre Anwendung finden. Am 20. März vormittags referierte Genl Harzfeld] ausführlich über die Notwendigkeit neuer landwirtschaftlicher Kolonisation und legte seinen Plan den Kolonisierung von1 1000 Familien vor. Das ausführliche Beferat, das das Problem der landwirtschaftlichen1 Kolonisation in seinem vollen Umfange aufrollte, wurde durch Ausführungen der Genoaaen; Sprinzak; Schkolnik und Kaplansky ergänzt. An der Diakussion beteiligte sich eine ganze Beibe von Genossen au« den landwirtschaftlichen Siedlungen. Das Beferat, die Ergänzungen und die Diskussion zeichneten sich1 durch ihre große Sachkenntnis, tiefe Verantwortlichkeit für das Schicksal der Aufbauarbeit im Lande und den' Drang, zu nement Taten auf dem Gebiete landwirtschaftlicher Kolonisation zu gelangen, aus1.' In der siebenten Sitzung in1 der Nacht des 20. M&rz hielt Gen. Ben Gurion sein ausführliches1 Beferat über die Arbeit im Auslande. Er i legte einen' konkreten Plan; für ein großes Unternehmen im Auslande vor, äq» das Problem des arbeitenden Palästina ins Zentrum der jüdischen! Arbeiter- und Volksbewegung im Auslande stellen soll. An der Diskussion beteiligte sich wiederum eine große Anzahl von Genossen, die sichl fast alle positiv zw dem Plane stellten. In der Nadhtsitzung am 21. März wurden die Beschlüsse über diel Kolonisation, Arbeitslagie, Verfolgungen der Tel-Ohai-Gruppe in der Krim, die Arbeit im Auslande, die Einwanderung) usw. a-ngenommen und die Tagung geschlossen'. * Die Zahl der jüdischen Arbeiter in den' privatwirt^ schaftliohen; Kolonien beträgt heute 6304. Wenn wir rta* dieser Zahl die Zahl der Arbeiterfrauen, die selbst nicht arbeiten, abrechnen, erhalten wir die Zahl von 5554 Arbeitern:- Von diesen Arbeitern sind 1383 bei der Bauindustrie; im Handwerk, Haushalt usw. und 4161 in der Landwirtschjaft beschäftigt. Die landwirtschaftlichen: Arbeiter verteilen; jptab