Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- Heft 6 (23.4.1928)
- Date
- 1928-04-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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/ V wXlo*W* . - -v^s v'f,J'"," Redaktion tmd AdfflitHstfätiöfli Organ der jüdischen sozia demokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien '' ' »,. ■ V. vv.'; i- \ Erscheint zweimal monatlich f^Tfö BlüiilAuet'^S^ 1/11 Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis:! vierteliahrlg. S i.2Ö halbjährig . . . 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 6. rnnyt Wien, 23. April 1928. 5. Jahrgang. Die Beratung in Olmfitz. Di« Widersprüche im! Judentum der TschlecKwslevakei. — Divr erlösende Tab unserer wackeren Genossen! xn pimütz.— Der gelungene Verlauf der Tagung. Einen sonderbaren Eindruck empfingen wir bei der näheren Beobachtung des Judentums in der Tschechoslowakei. Im allgemeinen scheint dort die Assimilation mit Riesenschritten vorwärtszugehen. ."Einige Symptome: Die jüdischen Kinder, die die Schule verlassen, können nicht einmal Hebräisch lesen', die Mischehen zwischen Juden und Tschechen nehmen einen massenhaften Charakter an. Daä religiöse Leben! ist im Verschwinden begriffen. Und demgegenüber: erfolgreiche Versuchte mit einem selbstandigerf jüdischen Schulwesen, Erfolge auf dem Gebietet des [Tntöocrichtes der hebräischen Sprache, der Drang, dem Kampfe der Deutschen und Tschechen durch die Gestaltung eines jüdischen' Eigenlebens1 zu entgehen. Einander widersprechend© Tendenzen und Symptome, welche werden obsiegen? Auch auf wirtschaftlichem Gebiete eine völlig unklare Situation. Die Erlangung 'der staatlichen Selbständigkeit, hat inj den Städten und im Handel' einen wirtschaftlichen Aufschwung herbeigeführt. Die wirtschaftliche Lage der Juden, die natürlich auch! in der Tschechoslowakei zum allergrößten' Teile im Handel konzentriert sind; ha| dadurch! eine bedeutende Besserung erfahren. Andererseits aber stärkt sich immer mehr tindl mehr die Tendenz des Ueberganges den Tschechen zum Kandel und das gefährdet emstlich die Pos'itiony die'die Juden" im Handel innehaben.' Die offiziellen Bemühungen der Tachechisierung der Städte vergrößert noch diese Gefahr für die Juden nicht unbedeutend. Auch' liier Widersprüche und Unklarheiten. Die arbeitende jüdische Bevölkerung der Tschechoslowakei hat tiefe Neigungen zum Sozialismus, die jüdischem Arbeiter und Angestellten sind im Lande fast durchwegs gewerkschaftlich) organisiert. Die Aussichten für unsere Partei scheinen also sehr günstige zu' sein. Nun1 leben aber unsere Genossen noch immer unter der Depression des unverantwortlichen „Putschles", den unsere „Linken" .vor Jahren' durchgeführt haben;- der "unsere Bewegung in der jüdischen' OeffenÜichkeit arg kompromitiert hat. Es war deshalb eine wahrhaft erlösende Tab, als tirisere wackeren Genossen in Olmütz den Beschluß faßten, dem Stillstand der Poole-Zion-Bewegung in der Tschechoslowakei ein Ende zu setzen. Welche Kräfte dieser Versuch! geweckt; welche neu© Möglichkeiten er für unsere Bewegung ' erschlossen hat, bewiesen die Beratungen in Olmütz. * Die Tagung in Olmütz, das erste Treffen der Genossen aus Deutschland, der Tschechoslowakei und Oesterreichs; war vom Geiste der Offensive beseelt. Es herrschte des einmütige Wille, alle Kräfte anzuspannen, um die jüdischen! Arbeiter und Angestellten, die, arbeitende jüdische Bevölkerung der drei Nachbarländer für die Idee und die .Bewegung des Poale-Zionismus zu gewinnen. Alle waren entschlossen, durch gegenseitige Hilfe die Verwirklichung dieses Zieles zu beschleunigen. \ * Die Tagung wurde durch ein Meeting am Samstag-, dorn 14. April abends im Fesfcsaale des Hotel „Palace" eingeleitet. Das Meeting erfreute sich eines guten Besuchtes. Genösse Huber aus Olmütz eröffnete die Versammlung, begrüßte alle erschienenen Delegierten und Vertreter und wies auf die Bedeutung der Tagung hin. Im Namen der jüdischen1 Gemeinde begrüßte hierauf der Präsident,' ein Vertreter der deutschen Sozialdemokratie beglückwünschte die Tagung in herzlichen Worten. Genosse Singer referierte dann über den Weg des jüdischen Volkes zum Sozialismus. Er wies nach1, daß der Klassenegoismus des jüdischen Bürgertums ein Hindernis für die freie Entwicklung der Bestiebungen unserer nationalen! Renaissance darstellt, daß der Sozialismus die ungestörte Entwicklung zur freien1 Nation ermöglicht. Andererseits sei der Weg, der die Juden zum Sozialismus fuhrt; der der nationalen' Renaissance, der Umgestaltung k der wirtschaftlichten'. Struktur $fca jüdischen Volkes, die auf alle Gebiete des jüdischen LeSens einen normalisierenden Einfluß ausüben muß und wird*i\ Genosse Dr. Glanz erörterte die Bedeutung der jüdischen! Gemeinden1' in Westeuropa. Er wies» nach1, welche wichtigen! Aufgäben wir dort für die Verwirklichung des jüdischen Sozialismus zu erfüllen haben. Die Ausführungen der beiden Referenten1 wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen.-/-Die anwesenden bürgerlichen! Zionisten, wie auch1 die Revisionisten, die Verstärkung aus Brünn herangezogen hatten;- wagten nicht, trote der erfolgten Aufforderung, die Debatte aufzunehmen. Das Meeting machte auf .alle'Anwesenden einen tiefen Eindruck. Sonntag; den J.5. April tagt© im' Saale der Kultusgemeinde die Beratung der Poale Zion1 der drei Länder. Genosse Huber'eröffnete'die Beratung; begrüßte alle Anwesenden, insbesondere die Vertreter der tschechischen : i. . .... . f. ■ . . .'. . . <u^®<Hfe&ac^«e^ H Jüdische Sozialdemokrat Verband der ■ s tische Arbeiterorganisation jüdisch-sozialistischen g ß POALE ZION . Arbeiterjugend * Wien, H., Btamattergaese 1 § « 8, Dienstag, den 1. .Mai 192S;vhalb 8 Uhr abends, findet in der;,KUNSTSPi#LE,v, L, Riemergasse 11, I ■ I ^"''MAHSlfif^-'u- « ä statt. \ § PROGRAMM: §Chor der JSJJ unter der Leitung des Gen. Max Hönig: Sozialistenmarsch1 Violinvortrag, Gen. Schuster, am Klavier Doxa ff Torenberg: Beethoven: Frühlingssonate Rezitationen: Franz Bwchwa 1 d (deutsch) m Chor: Palästinensische Hora g Festrede: Genosse Dr. Saul Sokal 1 g Jehuda Ehrenkranz: Rezitationen (jiddisch) Ö Revolutionäre Lieder; vorgetragen! von" Gen. Max 8 Hönig. kj Willy Heißler: Cellovorträge Chor: Wie lang, ' o wie lang ... §Schlußgesang: Die Internationale Diese Feier ist von der Bildungsstelle der jüdisch- ® sozialistischen Organisationen organisiert ® Karten' zum Preise von S 1.— bis 2.50 sind bei |J $ den Vertrauensmännern der beiden Organisationen e ß'zu. haben'. Außerdem in folgenden Vorverkaufsstellen': ß \ti Sekretariat: IL, Bluimauergasse 1; „Hechaluz", II., *i §ö Czerningass© 4-50; Cafe Neptun, XX., Gaußplatz und © Cafe Jägerhof, XX., Gaußplatz n CMd&mCZ>€iüX^®Q3mai2MaW® und der deutschen Sozialdemokratie. Genosse Huber 'wies auf die traurigen Folgen des Bruderkampfes zwischen' den deutschen und tschechischen Genossen hin und brachte die Hoffnung zum Ausdrucke, daß wir diese Zeit nunmehr endgütig überwunden haben sollen. Er hob hervor, daß der Vertreter der Poale Zion' in' der. Stadtverwaltung stets die Solidarität mit der Arbeiterschaft gewahrt hat, daß unsere Stimme die Entscheidung für einen sozialistischen Bürgermeister herbeigeführt hat. Die Vertreter der deutschen und der tschechischen S. D. brachten ihre Befriedigung und Genugtuung über die angebahnte Verständigung zwischen der gesamten Arbeiterschaft des Landes im Kampf gegen die vereinigte bürgerliche Reaktion zum Ausdruck. Sie wiesen darauf hin', daß die Vertreter .des jüdischen Bürgertums; gemeinsam mit dem Bürgertum der anderen Völker, die Arbeiterschaft bekämpfen, die jüdische Arbeiterschaft muß sich' deshalb der einheitlichen Front des sozialdemokratischen Proletariats anschließen. Beide versicherten die Bewegung der Poale Zion der wärmsten Sympathie. Sie erklärten sich bereit, uns in unserem Kampfe zu unterstützen. Genosse Grün (Brünn) hob die Wichtigkeit der Unterstützung unserer Bestrebungen durch die gesamte Arbeiterschaft des Landes hervor. Die Vertreter der einzelnen Länder und Organisationen (Olmütz; Brünn, Proßnitz; Mähr.-Ostrau, Deutschland!; Oesterreich) berichteten hierauf über den Stand der Organisationen. Alle stellten fest, daß überall große Möglichkeiten für unsere Bewegung vorhanden sind; nur fehlt der propagandistische und organisatorische Apparat, um sie ausnützen1 zu können. Genosse Dr. Zwillinger berichtete über die Lagle im' 5,Hechaluz" undi meinte, daß die Tätigkeit für die Pionierbewegung in den Mittelpunkt unserer Organisßr tionen treten muß. ■ Genosse Singer referierte über die Notwendigkeit unld! Möglichkeit einer Zusammenarbeit der Poale Zion der Tschechoslowakei, Deutschlands und Oesterreichs. Der Inhalt seines Referates ist in den angenommenen Beschlüssen enthalten. Es entspann sich' eine regio Debatte, an der fast alla Delegierten teilnahmen. Sie führte schließlich zur einmütigen Annahme der vom Referenten eingebrachten Vorschläge. Auf Antrag des Genossen Dr. Kaleko (Deutschland) wurde beschlossen1;' sich! an das Verbandsbureau zu wenden; unversäumt alle Schritte zu unternehmen, um die Gründung des Sekretariates des OrganisationsbureauBl in! der Tschechoslowakei zu ermöglichen. Bis dahin wurde\ beschlossen, das Sekretariat nach) Wien zu verlegen. ■ Nach kurzen Schlußreden und Dankesworten an die Genossen aus Olmütz für den freundlichen Empfang vvurde die Beratung geschlossen. y , * '. /. ■ - -V; '. . Das von Beratung! eingesetzte &miifie€,*'b^^ den! Genossen . Fried m ann (Brünin), H u t h; (Olmütz) und Singer (Wien) befaßte sich' nach! Schluß der Ber ratung mit der Durchführung der gefaßten Beschlüsse. * ■■: Am Abend fand ein jgroßes Konzert des : Brünnen Oberkantors; Herr Igno Mann, statt, das einen bedeutenden künstlerischen und materiellen Erfolg brachte. * Der Versuch; der in Olmütz unternommen wurde; berechtigt zu den schönsten Hoffhungen. ' Vandervelde bei den jüdischen Arbeitern in Palästina. Uebe rrascWt vom 'den' land wirtsch'äf tliehen Erfolgen. — Zionismus ohne Sozialismtüs iu nd urch'f ü h'rb'ar. — JJ eberbringt die Grüße der sozialistischen' Internationale. — Lobt das Verhalten der jüdischen Arbeiter zu ihren arabischen K lass engen ossen. * Jerusalem, 1'4. April (I. T. A.). Irt Tel-Aviv fanden gestern und heute abends zwei Massenversammlungen der jüdischen Arbeiterschaft zu Ehren1 Emile Vanderveldes statt. Vandervelde führte aus, daß er besonders vom schöpferischen .Werke der palästinensischen1 Landwirtschaft überrascht sei. Di,e jüdischen Arbeiter, in Palästina sind die ersten in der ganzen .Welt, die die Kolonisation auf sozialistischer Grundlage organisieren. Es bestehe keinerlei Widerspruch' zwischen Zionismus und1 europäischer Demokratie. Der Zionismus sei oh'ne sozialistischen Inhalt undurchführbar. Vendervelde erklärter er überbringe der „Histädruth"* die Grüße der sozialistischen Internationale. Er, wünsche, .'daß! sie die Brücke zwischen den Arbeitern des Westens iiind des Orients bilden mö'ge. Sie möge der Arbeiterschaft' des Ostens behilflich' sein/ aber, nicht im Sinne der Bolsch'ewiki, die die erwachenden Völker ausbeuten. Er, zollte den jüdischen Arbeitern großes Lob für ihre Freundschaft mit den arabischen Klassengenossen und für die Hilfe, die sie der arabischen Arbeiterbewegung iund ihrem Befreiungskampfe \ an'gedeih'en lassen. ' I * ' -i ' /.»