Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- Heft 5 (6.4.1928)
- Date
- 1928-04-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2641551-2641567-2641572--141-2642057- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der jüdische Arbeiter Seite 3 Er hat mit der Bewegung, die er früher bekämpft hat, Frieden' geschlossen. Er hat die neue Wahrheit, was faktisch nur ein weiterer Schritt in seiner Lebensaufgabe — die jüdischen werktätigen Massen und die die unter der historischen Arbeitslosigkeit leiden, einem schöneren, ganzen Leben entgegenzuführen — sein konnte, auf seine Fahnen geschrieben und gegen Unverständnis und Spott selbst in eigenen Kreisen verteidigt. Und er ist als Sieger hervorgegangen. Obwohl durch' diesen Kampf nur er allein unsterblich wurde, fanden Tausende nach ihm im weiten Amerika ihre neue Lebensaufgabe, die ihr Leben bereichert hat. Mit Max Pine gewann der sozialistische Palästinaigedanke nicht nur einen herzlichen Freund, eine helfende Kraft, einen opferfreudigen Kämpfer — nein, dies alles1 und noch viel mehr. Er war der Pionier, der Anfang. Mit ihm gewannen wir potenziell die ganze jüdische Arbeiterbewegung, deren bedeutendste Kräfte versammelt bei der letzten jüdischen Arbeiterkonvention noch zu sehen ihm beschieden war. Noch' ist nicht die ganze Arbeit getan. Die Zahl der Zweifler, ja der Gegner, ist groß. Noch gibt es offene und versteckte Gegner, die die Bewegung zu hindern versuchen. Noch ist Max Pines Mission nicht (beendet. Und doch hätte er es verdient, die Früchte seiner Lebensarbeit zu sehen. Dies aber war ihm nicht bestimmt. Zu früh ist er dahingegangen. Daher der große Schmerz. Eine Zuschrift des Genossen Kaplansky. Genosse Singer erhielt vom Genossen Kaplansky ein Schreiben, dem wir folgende Zeilen entnehmen: „Die mit soviel Mühe, Sorgfalt und Geschmack redigierte Festnummer des „J. A." drückt mir die Feder in die Hand. Denn es drängt mich', Ihnen ein y zuzurufen zu dieser anerkennenswerten Leistung. Zugleich möchte ich einige historische Angaben in Ihrem Nachruf auf Chasanowitsch' berichtigen. Es ist ein Irrtum von: Ihnen, zu sagen, daß. Ch. in der Nationalen Arb.-Konferenz in Amerika persönlichen Anteil hatte. Ch. war bis zum Frühjahr 1916 im Haag und1 ging erst nach Lockers Ankunft zum erstenmal während des Krieges nach Amerika. Die Nat. Arb.-Konferenz hat indes schon im August 1915 stattgefunden. Ch1. hat wohl bei der Gründung des Arb.-Verb. f. jüd. Rechte in England persönlich mitgewirkt und war dazu im Herbst 1915 mehrere Monate in London. Darum überließi mir Ch'. gänzlich' die Abfassung der Denkschrift an die Internationale (das Rotbuch), die ich im Sommer und Herbst 1915 niederschrieb. .Wir haben zusammen die Disposition des Buches gemacht und vor allem die Dokumente gesammelt, die im Rotbüch' abgedruckt werden' sollten. Die Denkschrift hat Ch. nur bis zum Kapitel „Polen" gesehen un'd keinerlei Aenderungen an meinem Entwurf gemacht. Die zweite Hälfte habe ich während seiner erwähnten Abwesenheit in England verfaßt. Sie haben anscheinend das Rotbuch mit der Stockholmer Deklaration verwechselt. Von dieser letzten war Ch. einer der Hauptredakteure. Sie entstand aus einer Verschmelzung zweier Entwürfe von Ch. und von mir und wurde dann von der gesamten Delegation (Borochow, Locker, Zerubowel) redigiert. Sie entschuldigen, diesen Ausflug ins Geschichtliche, aber ich wollte den zukünftigen Geschichtsschreiber des Poale-Zionismus vor Irrtümern bewahren. An1 der Würdigung Ch.'s ändern diese Varianten gar nichts un'd es ist wirklich gut, schön un'd wohltuend, daß Sie bei dieser festlichen Gelegenheit seiner gedachten, trotz der Entfremdung der letzten Jahre. Ich habe immer gehofft, Ch. wieder für die Bewegung zu gewinnen. Sein früher Tod hat alle Pläne zuschanden gemacht." Die Schwieh. Mir schweren, mir schweren, mir schweren! A schwieh fyn blyt yn feyn treren! Hymel yn' erd wein yns heren, Yn ejdes dy lichtig Sechteren! Mir schweren! Mir schweren! Mir schweren! I. Mir. h'ojben' 'dy hent auf yneinem yn schweren Beim Folk, wus wyl fraj sein: of ajgener erd Bei alz wus mir lieben', wus hajlig mir ehren, Bei ynsere heldens zybrochenem schwert. Chor: Brieder yn Schwester, genyg schojn zy lajden, )Genyg schojn, genyg schojn' farknechtyt zy sajn. 'Mutig, mutig yn kamf far der frajheit, Mutig, mutig zym h'ajlign kamf! II. Bei ynser Geschychte, wus ys ungeschryb'n Myt ynsere treren, myt ynser blut Bei alem mir schweren' dus folk h'eißi zy lieben In! kemfert far ijm mit energie, mit mut. Chor: III. Mir schweren! zyreißen' die; Ketten of Schtyker Fyn sajrie gebyndene, windige h'eht; Arynterzywarfen dem joch1 fyn die dricker, Farlosn dem Gules, die fynstere went. Chor: IV.. Mir schweren ijm lijbe, mir schweren ijm trajh'ajt, Zyryk. dus gewejr nyt zy lejgn fyn h'ant Bis wanen mir wein derkemfen yn frajheit A ajgenes leben yn ajgenem Land. Chor: V. Yn wenn auch zy schtarben yn myten dem Schtreben Yns wet baschert sajn, nyt brengendyg ijm dort; Dann wein mir andre dem Gajst ybergeben, Sei soln' farnemen yn Schtrajt ynser ort. Chor: Brieder yn Schwester, genyg schojn zy lajden Genyg schojn farknechtyt zy sajn, Mutig, mutig yn kamf far der frajhajt, Mutig, mutig zym hajlign kamf. * 25 Jahre „Die Schwieh«. In Baltimore feierte im Kreise unserer Genossen' und nahestehender Freunde Jeh'osch'ua Pelowitz das 25jäh'rige Jubiläum der von1 ihm verfaßtem „Schwieh" der Poale-Zion. Es wurden mehrere Begrüßungsreden gehalten. Der Autor schilderte die. Stimmung in den Kreisen der Poale Zion in Wilna: zur Zeit, als er dort die „Schwieh" verfaßte. Der Autor der „Schwieh" gab im Jahre 1918% in Newyork ein Heft „Lieder und Legenden" heraus. Wir veröffentlichen anläßlich dieses Jubiläums an! anderer Stelle „Die Schwieh" mit einigen textlichen; Variationen, die sich1 in unseren Kreisen eingebürgert haben. Die Aktion für das arbeitende Palästina in Amerika. Die Aktion! der „Vereinigten jüdischen Gewerkschaften" für die Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina verläuft sehr günstig. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß diesmal die Vertreter der amerikanischen: Arbeiterschaft die Aktion besonders fördern. In Chikago sprach das Mitglied der Delegation Gen. 'Mereminsky durch' das Radio der AmericaOj Föderation of Labor, er erteilte auch Interviews, die in 150 Zeitungen veröffentlicht wurden. In einer Veranstaltung des Komitees ergriff das Wort Dr. Leo Wohlmann, der Leiter der statistischen Abteilung der „Amalgamated", der auch' der Experten- , kommission, die sich einige Monate in Palästina aufhielt, angehörte und hob insbesondere die große Bedeutung der Arbeiterinstitutionen hervor. Seine Ausführungen machten: auf die zahlreich' erschienenen Vertreter der Gewerkschaften und die Arbeiterführer einen tiefen: Eindruck. Bis jetzt ist an bar und an Zeichnungen ein Betrag von 80.000 Dollar eingegangen. Als erste Rate sin'd 25.000 Dollar nach Palästina bereits überwiesen worden. PICK NÄHMASCHINEN mit kostenlosem Stickunterricht FAHRRÄDER 1928 Auch gegen Teilzahlung!! lllllllllffillllllllllllllllllllll Reparaturannahme aller Systeme! IX., Liechtensteinstr. 27, IV., Wiedner Hauptstr. 8 Telephon 16-5-64, 16-5-65, 57-109 Schreibmaschinen, Knopf pressen und Zugehör. Sport- und Touristenartikei dertem die BescMeuniglrng ihireir' Ausführung, »sowie die Sicherung der Beschäftigung jüdischer Arbeiter in ihnen. Der Oberkornmissär las mit großer Aufmerksamkeit das überreichte Memorandum und forderte Erklärungen zu den verschiedenen Punkten1. Es entwickelte sich! ein längerer Meinungsaustausch, in dem der Oberkommissär erklärte, die bisherige Tätigkeit der Regierung zur Erleichterung der Arbeitslage stelle kein Almosen oder eine besondere Gnade dar, sondern diese Tätigkeit stelle eine Pflicht der Regierung den Einwohnern des Landes gegenüber dar. Der Oberkornmissär lobte im Laufe der Unterredung1 bewundernd die Disziplin und Opferbereitschaft der Arbeiterschaft, die mit einer Ruhe, die ihresgleichen in beinern Lande* hat, die für sie so schwere Zeit ertragen hat. Genosse Ben Gurion erwiderte darauf dem Oberkommissär, die Ursache dafür sei, daß der jüdische Arbeiter im Palästina nicht nur Brot für sich! allein sucht, sondern sich als Bote von Zehntausenden seiner Genossen in der ganzen Welt fühle, für die er Arbeitsmöglichkeiten im Laude vorzubereiten gewillt sei; et betrachte sich1 als Träger einer großen historischen Aufgabe. Der Oberkommissär sagte zu, die erörterten Fragen de* nächsten Sitzung der Regierungsleitung vorzulegen und in den nächsten Tagen eine genaue Antwort zu erteilen. Vor einer Woche besuchten die Vertreter der Arbeitszentrale bei der Allgemeinen Arbeiterorganisation, die Genossen J. Ben Zwi und H. Frumkin, den Leiter des Regierungsdepartements für öffentliche Arbeiten und verhandelten mit ihm über die Ausfuhrung einer Reihe öffentlich^ Arbeiten;, idie von der Regierung durchgeführt werden solJen. Die Arbeiten, die dieses Jahr dem Arbeiterunteruehlmungsamte für landwirtschaftliche Arbeiten (Misrad Kablani) übergeben wurden, befinden sich in llaananiah', Herzliah; Kfar Saba, Migdal (bei Tiberiaa) und Kfar Malal, insgesamt 1300 Dunam, auf denen Orangen-Gärten, Bananen und! Wäldbäume gepflanzt werden. Davon befinden sich! in Herzliah1 105 Duinam Orangen und Bananen, in Herschel (eine amerikanische Aahusah (Pflanzungsgruppe) bei Herzliah), 200 Dunam Oiungegärben, in Raananiah) 320 Dunam Orangegärten der Achusah! „A" in Newyork, in Kfar Malal 460 Dunam Eukalyptushaine, in Migdal 150 Dunam Orangen! und! Bananen und im Kfar Sabah 35 Dunam Orangen. Bei diesen Arbeiten sind ständig, außer den zeitweiligen Kräften, 250 Arbeiter beschäftigt. Der finanzielle Umfang dieser Arbeiten beläuft sich auf 16.000 Pfund. Im Monate. Februar beendete das Untemehmungsamt in der Mehrzahl dieser Orte die Boclenvorbereitungsarbeiten und man; ist jetzt mit der Ausgleichung der Bodenflächen und, der Einrichtung der Bewässerungisittstallation usw. beschäftigt. * Bekanntlich hat der jüdische Philantrop Nathan Strauß in* Amerika eine Viertelmillion Dollar für den Aufbau eines Gesundheitszentrums in Jerusalem gespendet. Die Aufgabe des Gesundheitszehtrums soll nicht die Krankenheilung, sondern die Krankenprophylaxe sein. Am Baukomitee beteiligen sich verschiedene wichtige PersÖnliollkeiten, unter ihnen auch! der von Amerika aus ernannte Leiter der „Hadassah", Dr. Blustonie. Mit der Vorbereitung: der zum Bau nötigen Steine wurde bereit» begonnen. Jüdische Arbeiter sind aber bei dieser Arbeit nicht beschäftigt. Die Kommission, der obliegt, ein Haus für Krankheitsprophylaxe zu bauen1, betrachtet ea offenbar als ihre erste Aufgabe; die Arbeitbedingungen so festzusetzen, daß die Gesundheit der Arbeiter darunter notwendigerweise leide« muß. Jüdische Arbeiter werden boykottiert, da bei der Vorbereitung von 2000 Kubikmeter Steinmaterial die jüdisch© Arbeit sich um 30 Pfund teurer stellen würde! * Die dritte Konferenz der Arbeiterorganisation hat di* Gründung einer Zentrale für die Arbeitergeaiossefnachaiteii im Lande beschlossen. Diese Genossensöhaftszentrale wurde letzteng konstituiert und mit ihrer Leitung! hat der Zentralrafc der Organisation die Genossen Garfuinfcel, Dikisteim und Zabarsky betraut. Um der Genossenschaftszentrale de» Anfang ihrer konstruktiven Tätigkeit zu ermöglichen, hat die dritte Konferenz der Organisation beschlossen', einem besonderen' Genossenschaftsfondsi zu schaffen, der in der ArbeiteTbank deponiert und der GenossemchiaftszeTaträle zur Verfügung gestellt werden soll. Diesel- Fonds stall für die Entwicklung und Stärkung der vielen im Lande bereit» ' existierenden Arbeitergenossenschaften sorgen und Neugründungen auf diesem Gebiete ermöglichen. Die Verwaltung des Palästina-Arbeitei--Fonds und da* Exekutivkomitee der Organisation haben beschlossen, daß ein Teil der Einnahmen des Plalästina-Ai'beitet'-Fon.diS' in; den1 nächsten 6 Monaten als Grundlage für diesen Fond« dienen soll. Im Zusammenhang mit den Aktionen für d©d Palästina-Arbeiter-Fonds, die jetzt in einer Reihe' von Ländern durcligeführt werden, wurde beschlossen, daß 40 Prozent aller Einnahmen des Palästina-Arbeiter-Fonds im den, nächsten 6 Monaten für den Genoasensohaftsfonds! dev Arbeitergenossenschaftszentrale bestimmt werden-