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Der Jüdische Arbeiter · 1928-03-06 · Heft 3 (6.3.1928) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
5 (1928)
Issue
Heft 3 (6.3.1928)
Date
1928-03-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 3. Ufer jüdische Artiatter SetteS Gesetz sehr viele Bestimmungen enthält, die einen großen Sich ritt nach vorwärts bedeuten und es sowohl in. politischer als auch in nationaler Hinsicht zu einem Ereignis von großer Bedeutung stempeln. Zum ersten Male wurde die gesamte jüdische Gemeinsöhaft Palästinas und damit die Juden der ganzen .Welt als Träger der nationalen Autonomie in Palästina anerkannt. An dem fortschrittlichen, aufbauenden Elementen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft wird es liegen, im Laufe der Zeit die negativen Bestimmungen zu beseitigen und die positiven auszubauen. L\ G. n alle jBdisdien Arbeiter and Angestellten! Seit einigen Jahren sind wir in Wien Zeugen einer merkwürdigen Erscheinung. In allen Ländern der Welt bestreben sich die jüdischen Gruppen innerhalb der jüdischen Renaissancebewegung, die progressiven Kräfte aller Völker und insbesondere die sozialistische Arbeiterschaft, für den Freiheitskampf des jüdischen Volkes zu gewinnen. Der größte Teil der bürgerlichen Zionisten Oesterreichs scheint es sich aber zur Aufgabe gemacht zu haben, zwischen der Arbeiterschaft dieses Landes und der jüdischen Renaissancebewegung eine unüberbrückbare Kluft zu errichten. Diese Politik der bürgerlichen Zionisten entspricht wohl den Interessen einiger ihrer Führer^ die sich zur Klasse der Kapitalisten zählen, sie befindet sich aber im vollen Widerspruche mit den Interessen der gesamten arbeitenden jüdischen Bevölkerung und mit unseren Re naissan Ceb,estrebun gen. Die wirtschaftlichen und politischen Interessen der arbeitenden jüdischen Bevölkerung Oesterreichs, können nur durch die Vertreten^des gesamten österv reichischen Arbeitervolkes' — die Sozialdemokratie — geschützt werden. Unsere Bestrebungen um die Wiederaufrichtun'g des jüdischen Volkes können nur dann von Erfolg sein, wenn wir uns für diesen Kampf die Unterstützung des Weltproletariats, der Macht, die sich in allen Ländern anschickt, die Herrschaft an sich zu reißen, sichern. iW;er dieser Politik en tgegen wirkt, begeht Verrat an den Leben sin teressen des arbeitenden jüdischen Volkes:. Die Lage der Juden in allen Ländern der Welt und auch hierzulande zwingt uns, besondere Forderungen sozialer und kultureller Natur zu viertreten. Ein Erfolg auf diesen Gebieten kann! uns aber nur dann besChieden sein, wenw wir die ErV ftühin&j dieser Forderungen im Einvernehmen! mit den Vertretern der Arbeiterschaft anstreben und wenn wir hinter uns die organisierte Macht der jüdischen Arbeiter undÄng es teil ten, der gesamten arbeitenden jüdischen Bevölkerung wissen. Jüdische Arbeiter und Angestellten! Arbeitende Juden! Wir erachten es als; selbstverständliche Pflicht, daß ihr euch euerer Gewerkschaft, euerer sozialistischen' Berufsorganisation anschließen sollet; euere Lage als arbeitende Menschen gebietet euch, sich der politischen Kampfärmee der Arbeiterschaft, der Sozialdemokratie, anzuschließen, aber vergesset hiebe! nichta neuere Pflichten als jüdische Arbeiter und Angestellten als arbeitende Juden! Es gilt, in der österreichischen Arbeiterschaft selbst manches Mißverständnis und Vorurteil Juden gegenüber zu beseitigen. Diese Pflicht erlegt uns unsere jüdische Gemeinschaft, die sozialistische Idee und Bewegung auf. Wir können sie aber nur abgeschlossene Gruppe erfüllen. Der besonderen Not der arbeitenden jüdischen Bevölkerung, dem elementaren Drange tausender jüdischer. Beschäftigungslose!* und der jüdischen Jugend nach beruflicher Umschichtung, dem Verlangen breiter jüdischer Bevölkerungsschichten, ihren Zusammen- . hang mit Juden und Judentum aufrecht zu erhalten, soll Rechnung getragen werden.. Die organisierte jüdische Arbeiterschaft in Osteuropa und Palästina führt einen hartnäckigen Kampf für die nationale und soziale Befreiung des jüdischen Volkes. Sie führt den Kampf für die Erneuerung unseres Volkslebens gleichzeitig mit dem Kämpfe für den Sozialismus Schulter an Schulter mit dem tWeltproletariate. Unsere jüdischen Arbeiterbrüder bedürfen unserer tatkräftigen Unterstützung. Die können wir ihnen aber nur leisten, wenn sich in unsere« Reihen die Massen der }üdisehen Arbeiter und Airjgi.es teilten, die arbeitenden Juden, s am m e 1 n. .Wenn die arbeitenden Juden, die dert Weg zum Sozialismus gefunden1 habein, sich der jüdischen Masse entfremden, wenn sie der in1 allen* Teilen' der Welt schwer kämpfenden jüdischen Arbeiterschaft keine organisierte Unterstützung leisten, tragen sie zur Stärkung der bürgerlichen: Reaktion im jüdischen Leben und zur Isolierung unserer jüdischen Arbeiterbrüder bei. . Im Interesse des Sieges des Sozialismus im jüdischen Volke rufen wir allen jüdischen Arbeitern und Angesteliten, allen arbeitenden Juden zu: In unsere Reihen! Tretet der „Jüdisch en soz ia 1 de m o kratis chen A r bei t erorganisation Poale Zion" bei! Die Leitung der „Jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion". Palästina-Rundschau. Di© Arbeiter in Tel-Aviv für ihre arbeitslosen Genossen. — Regen im Lande. — Das Abzeichen des Arbeitsamtes. Der Arbeiterrat in Tel-Aviv veröffentlichte kürzlich «inen Bericht über die Gelder, die die ständig beschäftigten' Arbeiter und Angestellten von Tel-Aviv für ihre arbeitslosen Genossen beigesteuert haben.- Aus diesem Bericht ist zu ersehen, daß im Laufe von 11 Monaten im Jahre 1926 (erst im Februar 1926 begann man mit der Einziehung dieser Steuer) die Arbeiter in Tel-Aviv für ihre arbeitslosen' Genossen 3270 Pf. St. beigesteuert haben. In den ersten 9 Monaten des Jahres 1927 (Januar—September) wurden! 1757 Pf. St. gespendet. Die Gesamtsumme innerhalb 20 Monaten beträgt 5027 Pf. St. (mehr als 25.000 Dollar). In! dieser Rechnung sind die vielen Tausende vonl Arbeitstagen, die die Arbeiter ihren arbeitslosen Genossen abtraten, nicht einbegriffen. Diese Summe (26.000 Dollar) wurde im Laufe von' 20 Monaten von ungefähr .750 Arbeitern und Angestellten, die sich in ständiger Arbeit befinden, beigesteuert (wie wir schon erwähnten, haben1 andere Arbeiter ihren Beitrag durch Teilung von Arbeit beigesteuert; in Geld umgerechnet, ergibt auch dies eine Summe von vielen tausenden Pfund). Pro Kopf bedeutet dies durchschnittlich 31 Dollar pro Arbeiter. Hierbei muß daran erinnert werden, daß in diesen schweren letzten zwei Jahren die Löhne nicht unerheblich sanken und' die Lebenshaltung der Arbeiter und Angestellten gefallen ist. Die palästinensische Landwirtschaft wurde in den letzten Monaten, von einer schweren Sorge bedrückt. Die Furcht vor einem Jahr der Dürre, vergeblich auigesätor Felder, vergeudeter Arbeit und vermehrten zukünftigen Sorgen schwebte über unserer jungen Landwirtschaft; die ohnehin gegen große Schwierigkeiten anzukämpfen hat. Die Sorge des Genossen auf dem Lande teilte auch' der Genosse in der Stadt und die schönen, heißen Somrnertage im Dezember—Januar wurden somit auch in der Stadt keineswegs freudig begrüßt. Seit Anfang Februar aber kommt aus allen Ecken des Landes die Nachricht vom Niedergang großer Regenmengen- Der Landwirt atmete auf und der Genosse in der Stadt nimmt gerne die Nachteile des Regens auf sich, um der Rettung der Landwirtschaft willen. In seinem Kampfe um die Herrschaft der organisierten Arbeit auf dem palästinensischen Arbeitsmarkte hat das Arbeitsamt der „Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation" (Histadruth Haklaiith) in' Palästina ein sehr wirksames Kontrollmittel eingeführt. Dieses Mittel wurde mit großem Erfolge bisher in1 England und anderen Ländern verwendet. Das Arbeitsamt gibt ein besonderes Abzeichen,- die „Arbeitsamt-Marke" heraus. Dieses Abzeichen wird je- Idem Arbeitsgeber, der organisierte Arbeiter beschäftigt, vom Arbeitsamt der Arbeiterorganisation gegeben, damit er mit diesem Abzeichen seine Produkte, bezeichnet. Der Arbeiter, der der Hauptkonsument aller Massenartikel ist, hat von jetzt an die Möglichkeit, zu kontrollieren, ob die von ihm benützten Produkte auf der Grundlage der Ausbeutung oder sogar des Ausschlusses des jüdischen Arbeiters aus der Arbeit hergestellt wurden. Aber noch1 eine z^yeite besondere Aufgabe erfüllt dieses Abzeichen. Es zeigt nämlich, welche Waren Landesprodukte sind, trägt zur Verbreitung' der palästinensischen Produktion bei und stärkt sie. Das Problem der russischen und palästinensischen Kolonisation. Un vora n twortli c h keit der Politiker. — SaC'K*' lichte it. eines; Fachmannes. IL Im Herbst 1927 weilte Dr. A. Ruppin einige Wooh»a in Rußland, um die Kolcarisationapttoblem* an Ort üpä Stelle zu studieren. Seine Betrachtungen schilderte er iny einer Reihe von Aufsätzen in der Zeitschrift „Jiddisches' Folk" (New-York), im „Dawar" (Tel-Aviv) und letetentf auch in der Zeitschrift. „Palästina" (Wien). In allen die« sen Artikeln verteilt er in objektiver Weise Licht' isad Schatten, weist hin auf die Billigkeit der russischen' Kolonisation und auf die Gemeinsamkeit vieler Probleme der russischen wie auch der palästinensischen Kolonisation:. Uns interessiert hier aber der Vergleich', den; er tfwi» achen den beiden Siedlungen zieht und die Bedeutung,' die jeder von ihnen: zukommt. Dieser Vergleich! ist dar erste sachliche Versuch auf diesem Gebiete, dem um so größere Bedeutung zukommt, als er von einem Sachverständigen unternommen wurde, der das ganze sine ira et studio behandelt. Den Hauptunterschied zwischen der paJästinensißchiöa und russischen Kolonisation sieht Ruppin; in ihren rerscWcdenen Endzielen. Denn während die russische Kolonisation in der Ueberführung eines Teiles des rassisohten Judentums zur Landwirtschaft ihren Hauptzweck sieht, ist für die Kolonisation in Palästina, die jüdische Landwirt* schaft nur ein Mittel zum Zweck; das unter anderen Mitteln dem Hauptzweck, der Errichtung! einer jüdischen Heim* statte in Palästina., untergteordnet ist. Die ,,Fernwirfcungfe/ wie es Ruppin nennt, die die Kolamaation in Palästina auf dag Gesamtjudentum ausübt und nach in hphserem Maße auszuüben berufen ist, fehlt der russischen' Kolonisation. Diese hat rein rMla^tropischen Charakter; während jene für das nationale Schicksal' der Juden1 bestimmenäd! sein1 soll. Dieser Hauptunterschied! spiegelt sich! selbstv«rständlich in beiden Kolonisataionssystemen wieder: in PstüäV stina das Bestreben, Mustexwirtschaften' zu schaffen, die Wohnungen und Gebäude der Siedler hygienisch; entsprechend der kulturellen Höhe, die wir dem Ganzen zu gteibeaä bestrebt sind; in Rußland vollständige Anpas»- sung au die russischen Ba,uexn, Häuser ' aus Lehm oder aus an der Sonne getottckneten! Lehmziegeln, mit Fußboden aus gestampftem Lehm. Unter diesem Gesichtspunkte muß auch! die Auswahl der Siedler verschieden sein. In Palästina achtet man beim einzelnen: Siedler auf die kulturelle Stufe, auf die Kenntnis der hebräischen Sprache. In Rußland! ist dies1 alias ohne Bedeutung; das Ausschlaggebende i^t die wirtschaftlich» Not des Siedlers. Di© geistige Verfassung der Siedler und ihi'e BeiiebJaag zu ihrer Arbeit ist eine ganz versemedienö. In Rußland ist die Kolonisation für den' Siedler nur eine Verdienstmöglichkeit, sein Uebergang zur Landwirtschaft geschieh* nur aus wirtschaftlichem Zwang. Ganz anders' in Palästina» Hier eine vom nationalen Vemntwca-tungjsgefühl getragen* Begeisterung bei Menschen, die sich' bewußt sind, an de* Schaffung der jüdischen Heimstätte mitzuarbeiten und <Üe nur um dieser Arbeit willen ins Land gekommen sind.' Der Vergleich der Höhe der Kolonisationskosten fällt zugunsten Rußlands aus. Während in Palästina dar dem Siedler zugeteilte Boden 300 Pfund, kostet, stellt die russische Regierung den Boden: umsonst bei. Der russisekle Boden erfordert auch meist keine Ameliwationen wie der palästinensische. Auch sind die russischen Siedler' für die ersten drei Jahre befreit von jeder Steuer und genießen:, nioch andere Erleichterungen, wie Transportermäßigungatf usw. Diese Begünstigungen genießt der Kolonist in Palästina nicht. Sowohl in Rußland wie auch in Palästina finden die Siedler keine Wohxtfungen vor. Und da die Arbeit de# ersten Jähro ihre ganze Kraft und Zeit in Anspruch nimmt; müssen sie zwei bis drei Jahre auf ihire Häuser wartet \und. in der Zwischenzeit in provisorischen Baracke» wohnen. Die russischen1 Kolonien sind bis nun gänzlich1 auf den Getreidebau eingestellt. Darin unterscheiden1 sie sich! grundsätzlich von den palästinensischen Kolonien. In der Südukrainö und noch mehr in der Krim ist dieses System mit großen Gefahren verbünden. Die Niederschläge in diesen1 Gegenden schwanken zwischen 35 und 40 mm im Jahre. Im Laufe von zehn Jahren muß mau hier mit drei Hungerjähren' rechnen. Die Gefahr, die die neuen Kolonisten viel schwerer trifft, haben die Siedlungsgesellschaf ten erkannt und bemühen sich nun, die Milchwirtschaft und den Weinbau in den jüdischen Kolonien einzuführen'. Dies (wird die Ansiedlungskösten beträchtlich' steigern. Noch in1 einem Punkte unterscheiden sich1 die palästinensischen von den russischen Kolonisten. In Rufllaavä sind es Familienväter zwischen 30 und 40 Jahren'; die zur neuen Arbeit ohne jede Vorbereitung gehen. Die. FalÄstinensier, die meist im Alter zwischen 25 und 35 stehen, haben einige Jahre in: der Landwirtschaft gearbeitet, bevor sie angesiedelt wurden. In Rußland kommen die Siedle«' . oft zum erstenmal mit Haus- und Arbeitstieren in B.v rührung. Daß der russischie Kolonist xdobM aus Begeisterung zur Landwirtschaft den neuen Beruf erwählt hat, braucht

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