Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 14 (Dezember 1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Ii Der jüdische Arbeiter. Seite 45 Daher kann aber auch Palästina, soll es zugleich Erlösung des Judentums und nicht nur teilweise Lösung jder Jude uf rage sein, nur in sozialem Geiste, dem Geiste des Judentums und der Thora, aufgebaut werden. In diesem Sinne wurde er vielen erster Führer zum zionistischen Sozialismus. Diese kleine Schrift, die „Sozialen Steintafeln", behält sicher dauernden erzieherischen Wert. Obwohl man Ihr den Vorwurf des reinen „Ueberbaues" machte1, muß man eben gerade hiebei gewärtig sein, daß nicht ein Mann sie schrieb, der das Judentum aus einem versc'h'wommendea Jenseits herüberholte, sondern ein Mann, der Judentum kannte, hinab bis zur kleinsten! Ziffer bis zum winzigsten politischen ökonomischen und' nationalen Druck, der auf ihm lastet. Doch Eosenfeld ist nicht nur Theoretiker geblieben. Kurz vor seinem Tode konnte er noch1 in Tat umsetzen, was er seit jeher gefordert. Id. Przemysl, wo er als Advokat lebte, war er kurz nach der Rückkehr vom Kriege an die Spitze der jüdischen Nationalräte getreten, dirigierte die Miliz gegen1 die Pogrome, übernahm die Leitung der Kultusgenieinde, die bald zur wirklichen V o 1 k s gemeinde wurde, leitete die Approvisionlermigi der Juden, und führte die wichtigsten Verhandlungen mit Polen und Ukrainern. — Auf der Durchreise zum Internationalen So>zialistenkongreß in Bern ereilte ihn. in Wien der plötzliche Tod. Wir wollen das Andenken Max Rosenfelds wahren, dies aber heißt: Sein bedeutendes Erbe auf uns nehmen unld das zu vollenden, was unvollendet blieb durch' seinen frühen, allzu frühen Tod. K. S. Leon Chasanowitsch. (Kasriel) Es dürfte schwer fallen, eine Landespartei zui nennen, in welcher „Kasriel" im Laute der Jahre 1905—1914 nicht 'gewirkt hätte. In Rußland teilte er das! Schicksal aller revolutionären Kämpfer: Verfolgungen, Arrest, Deportation. Er kommt nach Oesterreich im Jahre 1907, wird zu einem der bedeutendsten Redakteure des „Jüdischen Arbeiter" und entwickelt eine lebhafte Propagandatätigkeit. Im Jahre 1909 finden wir ihn in Argentinien, wo er einen Kampf gegen die Entartung der Verwaltung der „Ika" entfesselt. Es gelingt ihm, die besseren Elemente unter den jüdischen Kolonisten mitziireißen. Die Administration der „Ika" gerät in Angst, sie greift zum niedrigsten Mittel, sie denunziert Kasriel als Anarchist und er wird gefesselt ans Schiff gebracht, um nach Rußland überführt zu werden. Das Verbandsbüro leitet eine energische Aktion ein und es gelingt, ihn unterwegs aus den Armen der Schergen des Zarismus zu befreien. Mit Jubel wird Kasriel in Euixjpa empfangen. 1909—1910 wirkt er wieder einige Zeit in Oesterreich als Redakteur und Agitator. Hier verfaßt er auch1 sein Buch: „Der Bankrott der Ika-Kolonisation in Argentinien". Aber er bleibt hier nur kurze Zeit. Bald taucht er in! Amerika auf und läßt sich in Kanada nieder, uim in Montreal das Gewerkschaftsorgan der jüdischen Arbeiter „Volkszeituing" herauszugeben'. Axvf der III. Weltkonferera (1911) wird Chasanowitsch ins Verbandsbüro gewählt und in dieser Eigenschaft gelingt es ihm Verbindungen mit der englischen Arbeiterschaft anzuknüpfen. Im Jahire 1913 läßt sich Chasanowitsch für längere Zeit in Wien nieder, um gemeinsam mit Borochbw das Sekretariat des Weltverbandes zu leiten. Hier tritt er auch in die Redaktion des zweimal monatlich! in deutscher Sprache erscheinenden Oagan.es der „Poale-Zion", „Der neue 'Weg" ein, er gründete auch1 einen jüdischen Verlag, der zu großen Hoffnungen berechtigte. Der Krieg machte all dem ein jähes Ende. Ohasanowitsch verließ Wien bei Kriegsausbruch, ging nach' Amerika, spielte dort eine heiTorragende Rolle bei Organisierung der Hilfstätigkeit für die Juden Osteuropas und wirkte, gemeinsam mit BorochJow, Syrkin, Shytlowsky tu. a, für die Abhaltung des jüdischen Kongresses und jder Konferenz der jüdischen Arbeiterschaft (1917), auf weljoher die Vertreter einer halban Million jüdischer Arbeiter 'im Sinne der Poale-Zion zur Judenfrage Stellung nahmen. Als in Stockholm die Versuche zur Wiederaufrichtung der Internationale unternommen werden und unser Verband sich anschickte, die Forderungen des jüdischen Volkes dem Tribunal des Weltproletariates zu unterbreiten, finden wir abermals Chasanowitsch an der Spitze dieser Aktion. Bei Abfassung unseres Rotbuches: „Die Juden im Kriege" ist Chasanowitsch einer der Hauptredakteure. Auch bei den weiteren Versuchen der Wiedervereinigung der sozialistischen Parteien in Bern, Amsterdam und Luzern finden wir Chasanowitsch an der Spitze unseres1 Verbandes. Bei der Spaltung unserer Bewegung auf der V. Weltkonferemz im Jahre 1920 macht Chasanowitsch große Anstrengungen, um zwischen „rechts" und „links" vermittelnd einzugreifen, aber seine Bemühungen waren vergeblich. Die Meinungsverschiedenheit war zu tiefgehend. Chasanowitsch hielt die Spaltung der Bewegung für eine große Katastrophe, er war der Meinung, daß sie zu vermeiden wäre. Er konnte sich' auch mit der Spaltung nicht abfinden und stand bis zu seinem plötzlichen Tode abseits von der Bewegung. In den letzten Jahren wirkte er bei der Gesellschaft „Ort", in ihrem Auftrage hielt er sich längere Zeit bei den jüdischen Bauern in der Slowakei auf, wo er auch am 15. September 1925 einem Herzleiden erlag. Chasanowitsch war ein weitblickender, großzügiger Politiker, nichts war ihm verhaßter als die bescheidene „Bontsche-Schweig-Politik" des „Bund". Er war ein Mann von vielseitiger europäischer Bildung und Kultur und war deshalb sehr geeignet, Beziehungen mit Vertretern anderer Parteien und Völker anzuknüpfen. Chasanowitsch führte auch eine scharfe Feder und hatte großes organisatorisches Talent. Chasanowitsch war einer unserer Besten. Sein Wirken wird in der Geschichte unserer Bewegung verewigt bleiben. M. S. Die am Wege blieben.., Nathan Groß. In den Jahren 1902—1903, als sich in Wien unter den jüdischen Handelsangestellten zionistisch-sozialistische Neigungen bemerkbar machten, verließ Nathan Groß die s.-d. Partei und trat der Gruppe der P.-Z. bei. In der Folgezeit spielte er sowohl in Wien als in der österreichischen Partei überhaupt eine führende Rolle. Er war auch einer der ersten, die für die Siedlungsgenossenschaften Oppenheimers eintraten. Groß hatte sich in den ersten Jahren der österreichischen Bewegung große Verdienste erworben. Als aber die Bewegung immer mehr und mehr sozialistisch wurde, verließ er unsere Reihen. Er wirkte viele Jahre als leitender Beamter in der Direktion des „Keren Kajemeth" und starb vor 6 Jahren. Dr. Josu6 Suäicky. Dr. Suschicky kam im Jahre 1913 vom Böhmein nach Wien1, um hier sein Studium zu vollenden; aber auch nicht wenig zog es ihn hieher, weil er in Wien die Führer der P.-Z.-Bewegung (Borochiow, Chasanowitsch, Kaplansky u.a.) wußte und hier sein poale-zionistisches Wissen vertiefen und erweitern wollte. Kaum in Wien angelangt, stellte er sichJ der lokalen Parteiorganisation zur Verfügung. Er wurde bald ins Parteikomitee delegiert, war Kedaktionsmitglied der damals in deutscher Sprache erschienenen P.-Z.-Zeitschrift „Der neue Weg", schrieb oft informierende Artikel über die jüdisohesozialistische Bewegung im „Pravo-Lidu" (Prag) und sedner journalistischen Tätigkeit war viel zu verdanken, wenn sich damals die böhmische Sozialdemokratie freundschaftlich zu unserer Sache stellte.