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Der Jüdische Arbeiter · 1927-12-01 · Heft 14 (Dezember 1927) · page 47

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 14 (Dezember 1927)
Date
1927-12-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
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Seite 46 Der jüäisichle Arbedtetr. Nr. 14 Di*. Suschizky, der es in kurzer Zeit, vom Handelsangestellten zum Dr. Juris brachte, besaß ein großes Wissen, war ein guter Kenner des Marxismus, pflichtbewußt und äußerst bescheiden. Er fehlte bei keiner Sitzung1 oder Parteiveranstaltung; die ersten Artikel für den „Neuen Weg" lieferte stets Suschicky. Freudig nahm er auf sich jede Parteiarbeit und er wäre sicher einer der besten Führer der westjüdischen sozialistischen Bewegung gewesen,- wenn er nicht, kaum 25 Jahre alt, den Tod im Kriege in Rußland gefunden hätte. In den Tagen der Feier .des 20jährigen Bestandes unserer Weltbewegung, soll der Name dieses begeisterten;, äußerst begabten westjüdischen Sozialdemokraten, der trotz assimilitaorischer Erziehung den Weg zu uns fand, nicht vergessen bleiben. A. H. Chattn Nagler, Im Jahre 1911 schloß sich Nagler unserer Partei an. Erstand damals bereits im 21. Lebensjahre, besaß allgemeines und jüdisches Wissen. Im Jahre 1912 ging er nach Prag und leistete dort für die Bewegung äußerst wichtige Arbeit. Er knüpfte die Beziehungen mit den tschechischen Sozialdemokraten wieder an. Als bei Ausbruch des Krieges tausende Flüchtlinge aus dem Osten nach Böhmen strömten, übernahm Nagler die Leitung der Flüchtlingsfürsorge und trug viel zur Linderung der Schmerzen dieser Unglücklichen bei. Drei Jahre mußte Nagler Militärdienst leisten; einige Wochen vor Beendigung des Krieges ging er nach Albanien. Beim Militärdienste zog er sich' ein Herzleiden zu. Nach' dem Zusammenbruche wollte er nach' Palästina gehen, um am Aufbauwerke teilzunehmen, da wurde er ein Opfer der Nachkriegsepidemie, der „spanischen Grippe". Am 9. Dezember 1918 bestatteten wir ihn in Wien. Durch den Tod Naglers verlor die Partei einen führenden Genossen, von dem man noch: viele gute Leistungen erwarten durften. Wir wollen ihm ein 'treues Andenken bewähren. Dr. Otto Wertheimer. Ein Wiener Kind, ein echter Döblinger, vornehm und solid. Das war der erste Eindruck, den man von Wertheimer gewann. Aber das war nicht der ganze Wertheimer. Den eigentlichen Menschen und Kämpfer, der sich hinter dieser Schüchternheit verbarg, kannten nur wir, die mit ihm gearbeitet haben. Mit seiner ganzen, reinen Seele haßte er den Krieg und die kapitalistische Gesellschaftsordnung. Er scheute keine Gefahr, kein Opfer, um für den Sozialismus wirken zu können. Wertheimer war befähigt, unter den führenden Genossen zu wirken — er hat bei theoretischer Auseinandersetzungen und in schwierigen politischen Situationen Wertvolles geleistet — aber er entzog sich' niemals der Kleinarbeit. Wie oft baten wir ihn, sich zu schonen, er wies solches Ansinnen mit Entrüstung zurück. Während des Jänner-Streikes wirkte er erfolgreich' unter seinen Branchekollegen, die Bankbeamten. Er litt an der proletarischen Krankheit und mußte trotzdem Militärdienst leisten. Das verschlimmerte sein Leiden. In den Tagen des Umsturzes zählte Wertheimer zu den aktivsten Genossen. Als im Jahre 1918 in Wien die sogenannte „spanische Grippe" wütete, raffte sie auch Otto Wertheimer dahin. Im Dezember 1918 bestatteten wir ihn. Wir wollen dieses treuen Mitkämpfers, den uns 'der Militarismus und die Kriegsseuche geraubt, stets gedenken! Leo Rothziegel. Rothiziegel war die Verkörperung des revolutionären Stürmers. Ich lernte ihn im Jahr© 1910 (er dürfte damals 17 Jahre alt gewesen sein) als Anarchisten kennen. Es war nicht so sehr die Clewaltlosigkeit, nicht der Syndikalismus, der Rot&tziegel zum Anarchismus brachte, die Tatsache, daß die Anarchisten zu joner Zeit in Oesterreich unaufhörlich verfolgt, diaß jede ihrer Versammlungen von der Polizei gesprengt wurden, das zog Rothziegel besonders an. Seiner Känipfematur entsprach! diese, trotz aller Verfolgungen, zu jener Zeit sehr aktive Gruppe am meisten1. Im Jahre 1911 fand in Wien eine Auseinandersetzung zwischen Borochow und den Anarchisten, die ungefähr 12 Abende hindurch währte, statt. Wenn ich mich recht erinnere, wirkte diese Diskussion auf Rothziegel so stark, daß er der Poale-Zion1 beitrat. Aber auch) hier lockte ihn in erster Reihe unser Maximalismus den anderen Richtungen der jüdischen Arbeiterbewegung gegenüber. Die Revolution im jüdischen Leben, die wir anstreben, die heroische Arbeit unserer Genossen in Palästine machte auf ihn starken Eindruck. Er bereitete sich1 auch für die Reise nach' Palästina vor. Der Weltkrieg verhinderte es. W'ährenid des Krieges betätigte sich Rbthziegel die ganize Zeit hindurch im revolutionärem. Sinne. Er gab den Militärbehörden und der Wiener Polizei manche schwere Aufgabe au lösen. Er wurde mehrere Male verhaftet und flüchtete aus dem Arrest. Im Jännersti'eike (1919) spielte er eine hiervoraugende Rolle. Nach dem Zusammenbruche des Streikes wanderte er, wie manche unserer Genossen ins Gefängnis, aus dem er erst nach dem Umstürze befreit wurde. Nach seiner Befreiung trab er in die Volkswehr ein und als das Heer der lTimäni sehen Bojaren nach Budapest marschierte, um Räteungarn niederzuwerfen und den Mordbanden Horthys den Weg! zu bahnen, stellte sich Rothiziegel an die Spitze eines1 Kampfbataillons, das der Arbeiterschaft Ungarns *zu Hilfe eilte. Am der Spitze seiner Truppe streckte ihtol eine rumänisch© Kugel nieder. Er stai*b, wie er gelobt: Auf dem; Schlachtfelde, im Kampfe gegen die Bestien der Reaktion. —1—r, Dr. Meier Rosner. (Geb. am 11. XI. 1888, gest. 5. IV. 1921.) Rosner trat hervor zu einer Zeit, als unsere Führer an der Front oder im Auslande weilten und die Geführten die Führung übernehmen mußten. Sein Verdienst war es in erster Reihe, daß diese jüngere Generation die an sie gestellte Aufgabe voll und ganz erfüllen konnten. Bei diesem Gebirgskinde paarte sich harmonisch revolutionäres Temperament mit einem nüchteren, wägenden Gefühl der Verantwortung. Er war deshalb die ganze Zeit hindurch das kontrollierende Gewissen der Wiener Exekutive. Seine treuherzige Aufrichtigkeit, sein kindlich-heiteres Gemüt machten ihn zum Liebling unseres Kreises. Nach dem Umstürze kehrte er in die Bukowina heim und widmete sich' dort der Parteiarbeit. Eine tückische Krankheit machte seinem Leben ein Ende. An Rosner verloren wir einen Mitkämpfer, von dem wir noch manche wertvolle Leistung für 'die Bewegung erwarten durften.

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