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Der Jüdische Arbeiter · 1927-12-01 · Heft 14 (Dezember 1927) · page 41

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 14 (Dezember 1927)
Date
1927-12-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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Seite "40 Bei* jüdische Arbeiter Nr." 14 Dr. S. R. Landau: Bernhard Lazare, der jüdisch-nationale Sozialist. Bernard Lazare war die Sensation des II. Zionistenkongresses in Basel. Sein Name war bereits damals weltbekannt als der des unermüdlichen Organisators und Führers der Dreyfuß-Kampagne. Er war es, der für den unschuldig verurteilten Kapitän Dreyfuß nicht nur selbst den Kampf aufgenommen, sondern hiefür auch die bedeutendsten Männer des geistigen Frankreich, Zola, Clemenceau, Jaures u. a. gewonnen hat. In Wort und Schrift und auch mit der Pistole (sein Pistolenduell mit dem Antisemitenhäuptling' Frankreichs, Drumont, war eine Weltsensation), ist er für Dreyfuß eingetreten, bis an das siegreiche Ende, bis zu dessen; Freispruch. Der Fall Dreyfuß brachte ihn, wie so viele andere, dem jüdischen Volke näher. Es war daher begreiflich, daß e r, der sich hauptsächlich für soziale Fragen interessierte, in erster Linie der proletarischen Seite der Judenfrage seine Aufmerksamkeit zuwandte Durch Jacques Bahar, dem temperamentvollen Verfasser der antizionistischen Flugschrift „Restons!" (Wir bleiben!), der aber als Teilnehmer am I. Zionistenkongreß bekehrt wurde, erfuhr ich, daß Bernard Lazare zum II. Kongreß als Delegierter erscheinen möchte. Im Vereine mit Dr. Salz habe ich ihm ein Delegiertenmandat aus Galizien verschafft. Der Zionistenkongreß hat ihn auch anläßlich der Eröffnung mit frenetischem Beifall begrüßt, ihm eine Beisitzerstelle eingeräumt und Dr. Max Nordau hat ihn in seiner Rede über die französische Judenschaft und deren1 passives Verhalten im Falle Dreyfuß ganz besonders gefeiert. Bernard Lazare fühlte sich aber in dieser Gesellschaft, wo eine Majorität politisch ungeschulter russischer Juden nur das Stimmvieh für das Diktat des Präsidenten abgab und jede abweichende Ansicht niederschrie, gar nicht wohl. Seit dem zweiten Tage des Kongresses hat er seinen Sitz am Präsidenten- Podium nicht mehr betreten. Er verließ den Kongroß noch'vor dessen1 Schluß und ist auch auf keinem Kongreß mehr erschienen. Er hat nur einmal das Wort ergriffen, um gegen die Kolonialbank zu sprechen. Die ganze undemokratische Art, wie der Kongreß geführt wurde, die Herausstreich ung des p'lutokratischen Charakters der zionistischen Bewegung (Gründung einer Kolonialbank), die brüske Behandlung meiner Anträge zur jüdischen Arbeiterfrage durch das Präsidium, hat ihm jede Tätigkeit innerhalb der Partei verleidet. In seiner Abwesenheit zum Mitgliede des Aktionskomitees gewählt, hat er dieses Amt am 24. März 1899 mit nachstehendem Schreiben zurückgelegt: Paris, den 24. März 1899. „Lieber Dr. Herzl! Ich bitte Sie, meine Demission als Mitglied des zionistischen' Aktionskomitees entgegenzunehmen und diesen meinen Entschluß Ihren Kollegen zur Kennt- .nis zu bringen. Es ist mir unmöglich, länger an dem. Werke des Komitees teilzunehmen, dessen Tendenzen, Maßnahmen und Handlungen ich nicht billigen' kann. Ich kann, nicht das Mitglied einer Art autokratischen Regiments sein, welches als Prinzip eine unannehmbare Geheimtuerei aufstellt, die nichts in; meineit Augen zu rechtfertigen! vermag. Das Aktionskomitee nimmt sich heraus, die jüdische Masse wie ein' unwissendes Kind zu leiten, ohne nach ihren Bedürfnissen oder ihren Wünschen zu fragen, ohne sich über ihren ökonomischen, intellektuellen und moralischen Zustand Rechenschaft zu geben. Es ist das eine Auffassung, die mit allen meinen politischen und sozialen Anschauungen direkt in Widerspruch steht und für welche ich daher die Verantwortung nicht auf mich nehmen kann. Morgen wird das Aktionskomitee ohne Zweifel das furchtbarste Instrument zur Unterdrückung* und Demoralisation besitzen: Die Kolonialbank. Ihre Regierung wird fernerhin ihre Vertretung in einem Geldschrank finden. Ich gehöre nicht zu dieser Regierung. Sie ist nicht diejenige, von welcher einst die Propheten1 oder jene bescheidenen Männer träumten, die die Psalmen verfaßt haben. Aber wenn ich mich von Ihnen trenne, so trenne ich mich nicht vom jüdischen Volke, von meinem Volke von Proletariern! und Elenden, und an seiner Befreiung werde ich auch weiterhin; arbeiten, wenn auch auf Wegen, die nicht die Ihrigen sind. ■ Genehmigen Sie usw. Bernard Lazare." Die Bemühungen Herzl's, Nordaus und Marmoreks, ihn zur Zurückziehung seiner Demission zu . veranlassen, waren vergeblich. (Vgl. Herzl's „Tagebücher", B. IL, S. 281.) Es ist also unrichtig, wenn Herr Skolow, wiewohl er als Mitherausgeber der Herzlichen Tagebücher die soeben genannte Aufzeichnung genau kennen muß, ins seiner „Geschichte des Zionismus" erzählt, daß sich Lazare erst kurz vor seinem im Jahre 1904 erfolgten Tode wegen: der Frage des Bündnisses mit den Jungtürken, von Dr. Herzl losgesagt hat. Dagegen schloß sich Lazare gleichzeitig dem Zentral-Komitee der Zions-Verbände an, die, am 19. März 1899 ihre Delegierten-Konferenz unter dem Vorsitze von Narcisse Levenin Paris abhielten. Besonders der von* Dr. Herzl stark angefeindeten Kolonisationstätigkeit des galizischen „Ahavas Zion" brachte er große Sympathie entgegen. Anläßlich meiner damaligen Anwesenheit in Paris hatte ich das besondere Glück, durch Vermittlung von Lazare jenen bedeutendsten Führer der französischen Sozialdemokratie kennenzulernen und zu sprechen, dem das französische Volk durch d!ej

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