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Der Jüdische Arbeiter · 1927-12-01 · Heft 14 (Dezember 1927) · page 29

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 14 (Dezember 1927)
Date
1927-12-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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Seite 28 Der jüdische Arbeiter Ur. U Dr.'Landau (Wien). ' Dr. Syrkin (Bern). Schiffrin (Vertreter der Buchdrucker Kiews). Sztencel (Lemberg). Feiwel (Brünn). Elias M. Cohen (London). Katzmann (Montpellier). Zolotkoff (Chicago). Aschkinas (Paris). Lazare (Paris). S. Kappoport (Paris). Paperin (Paris). Dr. Malz (Lemberg). Dr. Salz (Tarnow). iiaskin (Leeds). Seligsohn (Berlin). Dr. Menczel (Czemowitz). Frederic Beer (Paris). Dr. Ebner (Czemowitz). Meiseis (Wien). Hickl (Brünn). Lubiinski (Berlin). Aber nur der erste Teil dieses Antrages wurde nach heftigen Kämpfen angenommen, der zweite Teil abgelehnt. Dagegen (hat Herzl sein Kolonialbank-Projekt ganz durchgesetzt — ein totgeborenes Kind.-Heut? ist dieses wichtigste „Instrument" des Zionismus nur altes Eisen. Wohl sah Dr. No:dau, der für die Haltung des Kongresses in der Proletarierfrage als Beraten; Herzls mitverantwo-rtliob war, bald ein, daß ein großer Fehler begangen worden war. Er suchte dies gutzumaöhen, indem er einige Monate später anläßlich eines Kommerses durch ein oratorisches Feuerwerk das jüdische Proletariat herbeizulocken saichte. Er sagte: „Und, wenn wir auch die Gegnerschaft des Protestrabbiners vernachlässigen können, wenn die Feindschaft der jüdischen Finanzgrößen uns nur insofern bekümmert, als sie uns die Aufbringung der Geldmittel zur Verwirklichung des zionistischen Gedankens erschwert, so gibt es dagegen eine Ablehnung, die uns ins Herz trifft. Das ist die der jüdischenArbeiter, der jüdischen Proletarier. Wenn auch sie uns zurückstoßen, wenn auch sie uns erklären, daß sie vom Zionismus nichts wissen wollen, dann ist unsere Aufgabe in der Tat zu Ende. Dann bleibt uns1 nichts anderes übrig, als den Kopf hängen zu lassen, uns für besiegt zu erklären und zuzusehen, wie wir nach' einer tragischen Enttäuschung für den Rest unserer Tage ein neues Ideal finden, das uns das Leben lebenswert macht. Denn, wenn wir auch für die jüdischen Proletarier nicht arbeiten sollten, dann müßten wir ums fragen, für wen der Zionismus eigentlich! arbeiten und aus welchen Elementen er das jüdische Volk im Lande seiner Aräter wieder sammeln soll." Und nun geschah das Merkwürdige. Zum erste Male wurde Dr. Norclau von Dir. Herzl öffentlich! desaveuiert. Letzterer trat sofort den Aiisfülirungen Nordaus entgegen und bezeichnete sie als „Konzessionen", die er nie zugeben möchte. Darauf erwiderte Dr. Nordau 'ausweichend und resigniert : „Ich glaube nicht, daß es zur Stimmung an diesem Abend paßt, wenn wir die ,Fidelita,s' in eine parlamentarische Debatte verwandeln." Da-. Herzl bat seine antiproletarische Haltung, die lediglich eine Konsequenz seiner Lebensdevise war, dem Sultan Palästina 'für Geld abzukaufen, nicht mehr, aufgegeben. Die Gegner dieses Standpunktes, die er als Feinde des Zionismus hinzustellen verstand, zogen sich bald aus der Partei zurück. * Nachwort der Redaktion: Obwohl wir mit so mancher Einschätzung des geehrten Autors nicht übereinstimmen, hielten wir es für angebracht, dem Manne, der zu de Pionnieren der zionistischen Bewegung lind zu den Vorläufern der zionistisch-sozialistischen Bestrebungen zählt, die Freiheit zu gewähren, seine Erinnerungen von seinem Gesichtspunkte aus zu schildern. Kaplansky: Aus den ersten Tagen der Oesterreichischen Partei, Erinnerungen Im Sommer 1903 faßte der „Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter" in Wien den heroischen Beschluß, eine Monatsschrift herauszugeben. Ost und West, in den Personen zweier junger Angestellter — Inslicht und Grünhut — haben sich vereinigt und die gar nicht leichte Arbeit auf sich genommen. Die Redaktion wurde unserem Freunde Karl Hahn übergeben, der, damals ein junger Student, die Garantie für einen guten deutschen Stil bot. Aber schon nach 'den ersten 2 bis 3 Nummern interessierte sich für die Zeitschrift der „Allgemeine Jüdische Arbeiter- Verein" in Wien, der alle proletarisch-zionistischen Elemente in sich vereinigte und übernahm die Zeitung. Im Oktober 1903 erschien in deutscher Sprache die erste Nummer des „Jüdischen Arbeiters". Die Redakteure waren Hahn und der temperamentvolle Emil Öbernik, für die Finanzen war Samuel Inslicht verantwortlich. Die erste Nummer des „Jüdischen Arbeiter" erregte in Wien kein, kleines Aufsehen. Alle aktiven Genosser vom Arbeiter-Verein und die Jugendlichen, unter ihnen Favoritener Arbeiterkinder, pflegten jede Nummer mit Ungeduld zu erwarten und sobald die Druckerei sie nur herausgab, gingen sie sofort mit Enthusiasmus und Kampffreude daran, sie zu verkaufen. In Wien allein verbreitete man die für jene Zeit beträchtliche Zahl von 300 Exemplaren. Die Zeitung brachte bald die organisierten jüdischen Arbeiter in Wien mit den Handelsangestellten-Verbänden in Galizien in Verbindung. Die Bewegung war im Wachsen und bald ergab sich die Notwendigkeit, das Organ den Bedürfnissen der breiten jüdischen Volksmassen anzupassen. Inslicht kam auf den Gedanken einer jiddischen Beilage. Dem Pressekomitee wurde Nathan Groß, Obmann des Arbeitervereines, zugezogen; auch ich fing damals — ein erst zugereister junger Student — vom Erkenntnisbaum der Journalistik zu naschen an. Deutsch konnte ich' damals nicht schreiben. So pflegte ich Groß und Obernik alles, was ich über den „Bund" und „Poale-Zion" in Rußland wußte, zu erzählen — und sie verarbeiteten dieses „Material" in Artikeln. Es waren schlaflose Nächte, die wir zusammen im Cafe „Börse" und auf dem Wiener Ring verbrachten, und der junge Obernik, voll jüdischem und tschechischem revulutionären Idealismus, verschlang mit Be-

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