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Der Jüdische Arbeiter · 1927-12-01 · Heft 14 (Dezember 1927) · page 28

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 14 (Dezember 1927)
Date
1927-12-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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Nr. U Der jüdische, Arbeitet Seite 21 Bialy-s t o k: Di© Stadt der jüdischen; Zigarrenarbeiter, die Stadt mit 95 Prozent jüdischer Einwohner, die in ollen Berufszweigen — vom Kanalräumer bis zum Turindecker vertreten sind, die Stadt, in der Eabbi Mohilewer seinen Amtssitz hatte und der Gründer der Jerusalemer Nationalbibliothek, Dr. Chasanowicz, den ersten Weckruf zu deren Gründung ertönen ließ. Dieses Buch', das im Auslände viel zitiert wurde, insbesonders anläßlich der späteren russischen Judenpogro- .me, wurde in Oesterreich von der liberalen Tages- und sozialistischen Parteipresse — totgeschwiegen. Auch in zionistischen Kreisen fand es geteilte Aufnahme. Dr. Herzl hat einmal den Satz geprägt: „Wir dürfen den proletaiischten Charakter des Zionismus nicht betonen, denn mit einer proletarischen Partei wird der Sultan nicht unterhandeln." Und so war es für jedes strebsame Parteimitglied ein Gebot der Pai'teidisziplin, nur von der Kiolonialbank und vom Charter das Heil des jüdischem Volkes zu erwarten. Der spätere Nach'folger Herzls, David Wolfsöhn, hat am II. Zionistenkongreß von der Tribüne meinen Ausführungen gegenüber den Wunsch geäußert, „über soziale Fragen und über Sozialpolitik überhaupt keine Debatte zuzulassein." (Vgl. das sten. Kongreßprot., S. 50.) Ich habe diese Mentalität der Parteileitung und ihrer Handiainger gegenüber der proletarischen Agitation herausstreichen müssen, um begreiflich zu machen, wie es kommen konnte, daß der von mir unternommene Versuch!, zionistische Arbeiter- und Handelsangestellten-Vereine zu gründen, hauptsächlich von der zionistischen Parteileitung erschwert, die Vereine selbst von bestellten Individuen gesprengt .und die Bestrebungen ihrer Gründen',, im Basel zu Wort zu kommen, niedeigedrückt wurden. Ich' habe dies alles an dem von mir .im Juli 1898 gegründeten Vereine der jüdischen Arbeiter und Privatangestellten „Achwah" zu fühlen bekommen. Es hat viel Arbeit gekostet, bei der Statthalterei ein Verbot dieses Vereines hintanzuhalten, da diese Behörde vorher und nachher zahlreiche über meine Anregung proponierte jüdische Arbeitervereine wie „Achdutih", „Moses Heß" u. a. nicht zur Kenntnis nehmen wollte. Die „Achwaih" nahm einen sehr guten: Anlauf. Ihre Vortragsabende und Versammlungen waren von zionistisclien Arbeitern gut besucht und von sozialistischen. Volksgenossen stark beunruhigt. Sie stellte mit gleichgesinnten Vereinen in Brünn (Emunah) und Lemberg (Ivri) ein gutes Einvernehmen her; in Bielite, Krakau, Neusandez, Drohe- Der jüdische Arbeiter. UriiArtum mit» Htimhultcilioii Wien IX., J^ojjancrlrtitbe Hr. \\. * Dicfcs yiait erf<tfeint am «Srftcii eines jeden üloualcs. Organ für die Interessen der jüdischen Arbeiterschaft —«— Heraugeber : Dr. S. R. Landau. Bbounemrttt- Brbinoungrn. ®iinjj<it?rig für OWUrrrid). Ungarn 2 Kronen. £)nlb|iU)ric) — I Hronr. .für bas Uasluiib ganjiäbiig i abL i mr 2 fr 50. £injclne rtumnicni — (Ii fr. aufträte Die öreimol grlpaltfitr pell«• $t\\t 10 Krcu.ji-r. %v. 1. UDhm, 1. mu0U|* 1898. I. Jahrgang. 3nljaUi>\)tr|fictlllt»: H>o» wir wolltnl — ilbormnJtcnt.£inlubun9. — Solomon Bublnfttin: Pft ^lüiiijniiii. *r ito Kpfflrr; .^lonliiif** HrbciKrorjanilaiionrn. — Dom jüblfcfcen Urbriitrirbfn, —' 0»r*lnv unb ÖMfanimlunijsberidjit. — jtuiUriou: „JlnWfilidj ber golljlfdjtn «Efcrffr" oon 59. i. — f iieramr. *pre#f<ial. — prrf sf onb. p* wir molim! bycz wurde die Gründung von. Bnidervereinen in die Wege geleitet. Als ich dann behufs Förderung dieser Bestrebungen ein eigenes' Organ „Der Jüdische Arbeiter" herausgab, da kamen mir aus den entferntesten Orten Sympathiekundgebungen und Resolutionen jüdischer Arbeiter¬ und Handelsangestellten-Versammlungen, sowie Ersuchen um Entsendung von Versammlungsiednern . und Musterstatuten zu. IV. Das Jalrr 1898 ergab eine reiche Ernte für die zionistisch-proletarische Publizistik. Meine Proletarierschrift hat Schule gemacht. Es folgte ihr bald eine Arbeit von Leonty Solo wei t s c h ik „Une Proletariat meconnu" („Ein unbekanntes Proletariat"), eine Studie über die soziale und ökonomische Lage der jüdischen Arbeiter in Belgien, Holland und England. Doktor S y r k i n veröffentlichte unter dem Pseudonym „Ben Elteser" eine Schrift „Die Judenfrage und der sozialistische Judenstaat" (Verlag von Staiger & Co. in Bern), (wovon ein Auszug in Pernerstorfers „Deutsche Worte" erschienen ist und den Ausgangspunkt einer heftigen Diskussion in dieser Zeitschrift bildete. Anschließend an den von mir für das* nur jiddisch lesende Publikum geschriebenen Aufsatz: „Zionismus und Sozialdemokratie" im Lemberger „Jüdischer Volkskalender, für das Jahir 5658 (1897—98)" hat eim Jahr später der derzeitige sozialdemokratische Nationalrat für Zürich Doktor David Earbstein einen Aufsatz „Was will der Zionismus?" geschrieben. Dasselbe Thema behandelte auch Samuel Meiseis in seiner Schrift „Zionistisch oder sozialistisch?" (Przemysl 1898). Die in dieser Literatur ausgestreuten Samen fanden im jüdischen Proletariat Oesterreichs utnd speziell Galiziems einen fruchtbaren Boden. Eine Welle der ^Begeisterung überflutete diese Parias, die man überall in ihnen national und kulturell fremde Organisaticnsformen hineinpressen wollte, xim sie mit ihnen zu verschmelzen. Sie aber wollten sich um den Zionistenkongreß scharen, wie die Schmetterlinge um das Licht. Doch vergeblich, es war nur ein Irrlicht; sie erhielten einen Fußtritt. Zuerst wurden einige Funktionäre der „Achwah" aus dem Privatangestelltenverbande veranlaßt, den Verein zu sprengen. Im Kongresse selbst wurden die der Proletarierbewegung nahestehenden Delegierten vom Präsidenten schikaniert, unterbrochen und schließlich um das Wort gebracht. Die politisch' unreife Majorität rassischer Juden und einige auf jüdisch© Kolonialbankaktien erpichte Philister stimme ten dem zu. Da liat z. B. ein Herr Rechtsanwalt Dr. Schauer aus Bingen am Rhein gegenüber meinem Antrage auf Berufung eines Arbeitorvertreters in den Organisationsaasschuß erklärt, der Antrag sei reaktionär- (!), „denn die Arbeiterorganisationen seien nur eine Rückkehr zur mittelalterlichen Bea-ufsstälide-CTUederang."... Von wesentlicher TJedeutung war der nachstehende von; mir eingebrachte Antrag, in dem der Anspruch auf eine Arbeitervertreters teile im Aktionskomitee erhoben wurde. Es war die geistige Elite des Kongresses, die diesen Antrag mitfertigte, allen voran: Lazare, Lublinski, Dr. Syrkiu, Frederic Beer, Dr. Malz, Dr. Salz. Er lautete: „In Anbetracht des Umstandes, daß der Zionismus eine Volksbewegung ist, und in erster Reihe dem jüdischen Proletariat in allen seineu Formen zugute kommt, sowie auch, da-ß die Kolonisation sich ihr Material in erster Linie aus den Reihen der jüdischen Arbeiterschaft zu verschaffen hat, beantragen die endesgefertigten Delegierten: 1. Der Kongreß begrüßt die Entstehung von; zionistischen Arbeitervereinen und fordert das Aktionskomitee auf, dieselben auf das tatklüftigste zu unterstützen; 2. Die organisierte zionistische Arbeiterschaft aller Länder hat das Recht, in das Aktionskomitee ihren Vertreter zu wählen,.um auf diese Weise bei den Beschlüssen betreffs der Kolonisation ihre wirtsctiaftlichen Interessen zu wahren.

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