Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 14 (Dezember 1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 20 Der jüdische Arbeiter Nr. 1'4 von der jüdischen Arbeiterschaft eroberte Position aufgegeben worden mußte. Die palästinensisch© Arbeiterschaft, die gegen 80.000 organisierter Arbeiter zählt, gehört fast zur Gänze der „Histadruth" an. Unsere Bruderpartel besitzt die absoluta Mehrheit in der „Histadruth". Diesem Verhältnis entspricht auch' ilu* Einfluß in der „Histadruth", der allgemeinen Organisation der jüdischen Arbeiterschaft. Die übrigen Mitglieder der Histadruth' gehören dem „Hapoel-Hazair" und eine kleine Zahl der „linken" Poale-Zion an. Letztens hat der Hapoel-Haizair in der Press© und in seinen Organisationen die Eragd (des Anschlusses an die „Aohduth Haawodah" zur Diskussion gestellt. Wir sehen, also das Ansehen und die Bedeutung* unserer Partei fortwährend wachsen und wie ihr die Eührerrolle unter der jüdischem Arbeiterschaft zufällt. (Ueber die Institutionen der „Histadruth" siehe den Artikel von Gen. Sabarsky.) Die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Die poale-izionistische Partei Nordamerikas, die 1905 in Baltimore, von Delegierteai einzelner poalo-zionistischer Verein© gegründet wurde, zählt heute übei* TO Organisationen und außerdem eine große Anzahl von Vertrauensmännern in vielen Städten. Außerdem besitzt die Partei über 30 tTugendorganisationen (John© Kanada) in 2*2 Städten und zwölf Staaten. Die Hälfte der jugendlichen Mitglieder rekrutiert sich aus englisch Sprechenden, rim deren weitere Erfassung sich die Jugendorganisationen, besonders bemühen. Auf der 14. Parteikonferenz in New-York wurde auch eine Eraxienorganisation gegründet, die gegenwärtig gegen 30 Erauen'- klubs zählt und ein eigenes Journal „Die Pionierin" herausgibt. Die Erauenorgaiuisation leistet sein.* viel auf dem Gebiet© der Aufklärung und Erziehung; sie unterstützt auch viele Institutionen der palästinensischen Arbeitorscha.ft, wie es die durchgeführte Aletion für die Erauenkwuzoth und andere Institutionen beweist. Di© Partei gemeinsam mit dem „Nationalen Arbeiterverband", der gaivz unter ihrem Einfluß steht, leistet auch ■kulturelle Arbeit, die für Amerika von besonders großer .Bedeutung ist. Sie besitzt über 40 Volksschulen, in denen die Kinder der Arbeiterschaft und der fortschrittlichen Intelligenz ihre ErV/ieihiuug genießen. Beide Sprachen, hebräisch und jiddisch, sind gleichberechtigt. Außer diesen Volksschulen erhält die Partei ein Lehrer- und Lehrerinnen- Seminar. Die Partei nimmt regem Anteil au jeder Palästinaarbeit. Besonders hervorzuheben sind ihre Erfolgs bei der Organisierimig der Aktion der jüdischem Gewerkschaften für die wirtschaf fliehen Institutionen der jüdischen Ar-, boiterschaft in Palästina. Diese Aktion ist nunmehr eine permanente Einrichtung geworden. Der Einfluß der Poale- Zion in der jüdischen. Masse ist sehr groß. Die meisten Aktionen verdanken, der Poale-Zion ihre Durchführung. So mag hier die Schaffung des „Jüdischen Kongresses" in Amerika, die der Initiative und Tatkraft der Poale-Zion zu danken ist, erwähnt werden, wie auch die Bemühungen der Poale Zion um die Gründung einer Labour- Party in Amerika.. Ihr Einfluß in den; Gewerkschaften ist auch' im Wachsen begriffen. An Organen' besitzt die Partei, außer der erwähnten Erauenzeitung, noch das Zwei Wochenblatt der „Jüdische Arbeiter" und ein Organ der Jugend Sektionen „Jugend- Journal". Die Monatsschrift „Die Stimme" ist ein Organ der Schvvosterorganisation des „Nationalen Ai'beiter- Verbandes." Im Jahre 1923 erschien auch mehrerei Monate eine von der Partei herausgegebene Tageszeitung „Die Zeit". Seit einigen Monaten gibt die Partei ein© Monatsschrift „Th© Aventgard" in englischer Sprache heraus. Brasilion. Die junge, erst zwei Jahre alte' Bewegung in Brasilien nimmt einen verhältnismäßig großen Aufschwung. Di© rührige Organisation in P. Alegro knüpft ihre "Verbindungen mit fast allen jüdischen Siedlungen an. Ein großes Hindernis sind die weiten Entfernungen und die schlechte Kommunikation. , In P. Alegro erhält die Partei ein© Volksschule, hier gründet© sie auch eine KulturlLga. Hier erscheint auch das jiddische, Organ der Partei-„Das neu© Wort." •.••>A r.g.e.-nt i n i e n.:.-AuQk hier, ähnlich wie in Brasilien, bietet diegroße -Entfernung zwischen den einzelnen Siedlungen, große Hindernisse. Ein schwerer Verlust. .für die. Partei ist das Eingehen ihres Organs. „Di© neue Zeit",, das der. wirtschaftlichen Krise zum Opfer fiel. Trotzdem aber entwickeln unsere Genossen eme rege Palästinaarbeit. Bei den Wahlen ins Parlament und die Gemeinden unterstützt di© Poale-Zion die Kandidaten der sozialistischen Partei Argentiniens. Di© Stützpunkte der Partei sind außer einigen größeren Städten, die jüdischen Kolonien, deren Jugend sich um die. Poale-Zion scharen. Erwähnenswert ist, daß die Kolonisten den Ertrag eigener Ackerteile für den Palästinaarbeiterfonds bestimmt haben. Deutschland. Der stark© Zustrom von Ostjuden während des Krieges und iinmittelbar nach dem Kriege wirkt© auflebend auf die Bewegung in Deutschland. Die. Organisation gab zu dieser Zeit eine eigene Zeitung heraus und gründete eine jiddische Buchhandlung. Die immer größer werdende Arbeitslosigkeit zwang zu jener Zeit die zugewanderten ostjüdischen Arbeiter zur Auswanderung. Dieser Umstand verfehlte auch nicht seine Wirkung auf die Organisation. Die Zeitung mußte eingestellt und die Buchhandlung aufgelassen werden. Die Partei bemuht - sich nun, di© jüdische Jugend für die Bewegung zu gewinnen. Auf diesem Gebiete kann sie schon auf manche Erfolg© hinweisen, wie ihr Einfluß auf den deutschen „Hechaluz" und den „Jung-jüdischen Wanderbund". In die jüdische Gemeindevertiietuiüg hat die P. Z. Genossen Dr. Oskar Kohn entsendet. Die Wahlen zum XV. Zionistenkong'reß bewi©-. sen,-daß der Einfluß der P. Z. Deutschlands weit über den Kreis ihrer Organisationen reicht. Oesterreich. Die Organisation entwickelt ihre Aktivität auf allen Gebieten; In den Abendkursen' werden Hebräisch, jüdische Geschichte, und Literatur imterrichtet. In politischen Eragen handelt sie im Einklang© mit der so».-dem. Partei. Auf ihr© Initiative ist der „Verein der Freunde de» arbeitenden Palästina", der für das Werk der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina wirbt, ins Leben gerufen worden. Auch1 beim „Keren Hajessod" und beim „Na,- tionalfonds" wirken ihre Vertreter nach Kräften mit. Um-- sere Genossen nehmen in dar Arbeit der „Vereinigung der werktätigen Juden" einen besonderen Platz ein. An der Arbeit des „Hechaluz" nimmt die Organisation regen Anteil. Der zweimal monatlich' erscheinende „Jüdische Arbeiter" ist das offiziell© Organ. Di© Organisation ist durch' die Spaltung und di© Abwanderung jüdischer Arbeiter aus Wien zahlenmäßig geschwächt worden, doch besteht die begründete Hoffnung, daß dieser Verlust in absehbarer Zeit wettgamaoht sein wird..- Nach' gründlicher Vorarbeit gelang es hier, einen „Verband der jüdisch-sozialistischen Arbeiterjugend" zxi bilden, der an organisatorischer Stoßkraft stets z-unimmt und der die Hoffnung auf ©inen gesunden Nachwuchs für di? Poale-Zion in Wien-berechtigt. * Außer den erwähnten Parteien und Organisationen, sind. Gruppen der Poale-Zion in mehreren Städten Westeuropas.. wie Antwerpen, Paris u. a-, vorhanden, auch in Südafrika».-»: gibt es eine Gruppe der Poale Zion. Wir dürfen wohl ohne 1 Uebertreibung feststellen., daß es kein Land mit einer ansehnlichen jüdischen Bevölkerung gibt, in weichein es keine Poale-Zion gäbe. Dr. Leo Ginsberg; Möglichkeiten und Grenzen poalezionistischer Tätigkeit in Wien. i. Fünfundzwanzig Jahre sind ins Land gegangen seitdem von jungen jüdischen Arbeitern, die aus dem Osten kamen, der Gedanke des jüdischen Sozialismus nach Wien1 verpflanzt wurde. Diese Gelegenheit mahnt-, Kückschau zu halten über das Vergangene, sowie den Bliok der Zukunft, dem Werdenden, zuzuwenden. Es würde den Rahmen dieses Aufsatzes überschreiten, wollte man Werdegang und Entwicklung der Organisation