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Der Jüdische Arbeiter · 1927-12-01 · Heft 14 (Dezember 1927) · page 20

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 14 (Dezember 1927)
Date
1927-12-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Nr. 14 Der jüdische Arbeiter Seite .19. (holen! kann. Diese Krise, die die Arbeiterparteien: vieler Länder schwächte und das Proletariat mancher Länder sogar, zur Machtlosigkeit verurteilte, verschonte auch die poalezionistisahie Bewegung nicht. Auf der V. Weltkonfiereaiz des Jüdisolileh Sozialistischen: Arbeiterverbandes Poale-Zion, die in Wien vom 27. Juli bis zum 16. August 1920 tagte, traten die Gegensätze zwischen den „rechten" und „linken" Gruppen scharfer als je hervor. Die wichtigsten Streitpunkte, über die kein Einvernehmen erzielt werden, konnte, waren da® Problem der sozialen Revolution und der Internationale und die Frage der Beteiligung am zionistischen Kongreß. Hier scheiterten alle Bemühungen jener Genossen, die die Einheit der Poale- Zion gewahrt wissen wollten. Sio trat auf der V. Weltfconferemz in Wien dio Spaltung in „rechte" und „linke" Poale-Zion ein. Unter der Spaltung haben alle poale-zionistischen Parteien zu leiden gehabt. Sie schwächte anfangs; die Stoß» und Werbekraft unserer Bewegung. Der Pairtikulairisimus in der jüdischen Gasse wurde durci>' die Spaltung noch größer. Langsam wurden die Widerstände überwunden und die einzelnen Organisationen* ausgebaut.- Nun1 wollen wir einen kurzen I1;eberblick über unsere Bewegung in den einzelnen Ländern entwerfen: Polen. Unsere Partei, die in äiesem Lande unter der Spaltungt am meisten gelitten hat, befindet sich nun auf dem Wege der Konsolidierung. Die im letzten Jahre durchgeführten Gemeindewahlen zeigten ilrren, sich immer mehr steigernden, Einfluß. Die stattliche Zahl von! 70 Qex meinderäten, die mit jeder neuen Wahl noch! größer wird, gibt darüber ein beredtes Zeugnis ab. Die Partei zählt über 7000 organisierte Mitglieder und ihte Jugendsektion über 3000. Die Partei gibt in Warschau eine Wochenschrift „Befreiung — Arbeiterstämme" heraus; die Jugendsektion besitzt ihr eigenes Organ, die „Freiheit". Beide erscheinen in jiddischer Sprache. Die stärksten Organisationen sind in Pinsk und in der Provinz um Pinsk. Die Partei leistet eine großäugige kulturelle Arbeit unter den jüdischen Massen und erhält eine gtoße Zahl von Schulen und Kindergärten, in denen das Hauptgewicht auf eine sozialistische und jüdische Erziehung gelegt wird. Ini der letzten Zeit führt sie eine großzügige Aufklärungsarbeit und! Agitation, für die „weltliche Schule" durch. Sie \mterstützt auch das Sportwesen ihrer jugendlichen Mitglieder*. Zu unterstreichein ist ihre Tätigkeit für das! „Arbeitende Erez-Israel", der es zu danken ist, daß, abgesehen von anderen Sammlungen, die Genossen den Lohn eines Arbeitstages für die Arbeitslosen Palästinas opfern. Der „Hechaluz" steht fast ganz unter ihrem Einfluß. Auf dem Gebiete der gewerkschaftlichen Arbeit kann die Partei auf bedeutende Erfolge hinweisen; insbesondere in kleineren Ortschaften, in denen es nur schwache oder überhaupt gar keine Gewerkschaften gibt, ist ihre Aufklärungsarbeit und Tätigkeit von großer Bedetitung. Hier mag auch der eigenartige Zustand vermerkt werden, daß die Bewegung in den kleineren und mittleren Städten in Bezug auf ihre Stärke wenig zu wünschen! übrig läßt, während sie in den großen Industriezentren wie Warsohau, Lodz oder Bialystok besonders schwach ist. Doch gelingt es der Partei, auch hier immer mehr Fuß zu fassen. Die neuen SejmwaiMen treffen, die jüdischen Arbeiterpartelen so ziemlich' unvorbereitet. Der „Bund" und die ,.!Linke" wurden durch die letzten Sejmwahlen, bei den zirka 100.000 jüdischer Arbeiterstimmen verloren gingen, nicht belehrt. Die Poale-Zion, besiorgt um das1 Schicksal der jüdischen arbeitenden Massen; und. ihrer Verantwortung bewußt, trat mit dem Vorschlag eines Wahlblocks der sozialistischen Parteien aller Minderheitsvölker und, wenn dieser nicht Zustandekommen sollte, eines Wiüüblocks der jüdischen Arbeiterparteien hervor. Von den letzteren hängt es nun ab, ob das jüdische Proletariat in Polen Vertreter in den gesetzgebenden Körperschaften haben wird oder nicht. Rußland. Ueber Rußland, einst das Land iinserer stärksten' Partei, läßt sioh nur .weniges sagen' und dieses Wenige ist kaum erfreulich. Die" Arbeit der Poale-Zion ist 'trotz ihres positiven Verhältnisses zum Sowjet'.' regime — durch' die Verfolgungen -seitens der Regierung, abernoch weit mehr seitens der „Jöwsekcja'V fast voll- ' ständig lahmgelegt. Für ihre Tätigkeit, die illegale Wege und Formen suchen muß, büßen die Führer der Poale-Zion und des zionistisch-sozialistischen Jugendverbaudes in den Zuchthäusern Rußlands oder in den VerbannungsOrtschaften Sibiriens und Turkestans. Aber der Palästinagedanke und die alten Ideale der „Poale-Zion," leben in den jüdischen Massen. Die palästinensischen Namen, die die tapferen „Chialuzzim" ihren Kolonien gaben, der, trotz allen Verfolgungen, große Teile der jüdischen Jugend und Masse beherrschende Gedanke der „Ohaluziuth" sind Beweise der jüdischen Sehnsucht und Hoffnung, die zu verwirklichen es den Bolschewiki nicht nunnicht gelang, aber die zu erfüllen sie nur selten; versucht haben..: Die Produktivierung der jüdischen. Massen und die Liquidierung ihrer wirtschaftlichen Not — diese zwei Aufgaben sind noch wie zuvor ungelöst. Jjitauen. Auch in dem benachbarten! Litauen macht die Poale-Zion eine schwere Zeit durch. Nach den' Unterdrückungen der deutschen Junker und Militärs während der Okkupation im Kriege, gewährte die Verfassung des selbständigeil Litauens den Juden eine, für die1 Zukunft viel versprechende', nationale Autonlomie. Sie sollte aber nur eine kurze Atempause werden. Nach dem faschistischen Umsturz unterdrückt die reaktionäre Regierung AVoldemars jede Freiheitsbewegung des Proletariats-. Die jüdische Autonomie wurde nun vollständig aufgehoben. Jeder Ausdruck einer Unzufriedenheit mit dem Regime wird blutig unterdrückt. Verhaftungen und Hinrichtungen sind auf der Tagesordnung. Der . Antisemitismus wird durch! die Regierung offen! unterstützt. Das die Arbeit unserer Partei unter solchen! Umständen auf besondere Schwierigkeiten stoßen muß, ist klar. Hier ist die Poale-Zion die einzige Partei, diedem jüdischen Sozialismus vertritt. Vom „Bund" ist nichts zurückgeblieben und die „linken" Poale-Zionisten sind fa.st alle der kommunistischen Partei beigetreten. Die Partei arbeitet hier auf vielen Gebietein mit litauischem Sozialdemokraten zusammen. Die Partei besitzt ein jiddisches Organ „Unser Weg",, das in Kowno erscheint. Der poale-zionistische: Jugendverband gibt eine nichtperiodisch' erscheinende Schrift „Die Jugend" heraus. . (Lettland: Die Poale Zion hat hier Gruppen' in einigen Provinz Städten. Es erscheint eine Zeitschrift von Fall zu Fall. Rumänien. Die stärksten Organisationen befinden sich auf dem neuamgeschlossenen Gebiet der Bukowina. Auch1 hier leidet die Partei unter dem Antisemitismus und zusammen mit anderen sozialistischen Parteien unter der Reaktion. Einen sehr günstigen Boden für die Entwicklung unserer Bewegung könnte Bessarabien abgeben; aber die politischen Verhältnisse, die besonders hier herrschen, die polizeiliche Willkür, der hier alle Bürger ausgesetzt' sind, verhindern jede politische Tätigkeit. Parteiorgane sind die jiddische „Arbeiter-Zeitung" und der deutsche „Wiederaufbau". Die Partei besitzt sehr; starke Jugenidsektiouen, besonders in Ozermowitz. In der Bukowina entwickelt die Partei eiue rege .Aufklärungsarbeit unter den jüdischen Massen und nimmt An-' teil au den gewerkschaftlichen Organisationen. Sie erhält in! Czertaowitz eine Arbeiterküche, in der 600 Proletarier täglich speisen und eine Fortbildungsschule, die neben Fachkenntnissen auch allgemeines Wissen vermittelt. Die Schule, die von vielen hunderten jungen Proletariern besucht wird, besitzt das Oeffentlichkeitsrecht. Palästina, Eine besonders bedeutende Rolle, wie sie keiner unserer Parteien je beschieden war, ist unserer Bruderpartei, der Achduth'-Awodah, in Palästiua zugefallen1.. Diese Rolle ist aber auch keine zufällige, sie entspricht nur der Bedeutung der organisierten Arbeiterschaft' für . dien Aufbau des Landes. Die Position, die sie in der jüdischen. Gesellschaft Palästinas innehat, r zwingt sie aber auch, sich für den ganzen arbeitenden Jischuw verantwortlich zu. fühlen;; fJm dieser Aufgabe gerecht zu werden, schuf sie eine ganze Reihevon wirtschaftlichen, undkulturellen Institutionen, die 'es ermöglicht hat, daß in den Jahren der Krise keine

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